War das nicht immer schon so? Haben Krisen und Herausforderungen nicht immer schon unser Leben bestimmt? Oder wird von uns ständig mehr Toleranz und Resilienz gefordert? Kriege, Klimakatastrophe, Pandemie oder KI - wohin man sich wendet, steht man Endzeitstimmung gegenüber. Doch aufgeben war noch nie eine Option.
In einer Welt voller Unsicherheit und offener Fragen ist nicht unbedingt Entschiedenheit die Schlüsselkompetenz: Pamela Rath argumentiert für das Aushalten als wertvolles Vermögen unserer Zeit - die Fähigkeit, Unruhe, Veränderung und Komplexität auszuhalten. Wie können wir als Individuen und Gemeinschaften lernen, mit den Widrigkeiten umzugehen?
Statt Antworten zählt die Einladung zum Dialog. Die Autorin verbindet persönliche Erfahrungen mehrerer Interviewpartner:innen mit theoretischen Ansätzen und zeigt Wege auf, wie das Aushalten produktive Kraft statt Ertragen von Belastung wird. Die Zukunft wird immer neu und unvorhersehbar sein, begegnen wir ihr mit mehr Hingabe als Widerstand.
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Aushalten als absolut unterschätzte Stärke unserer Zeit!
MsWatson aus Rüdersdorf am 16.06.2026
Bewertungsnummer: 3169440
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Zugegebenermaßen war ich beim Titel ein klein wenig skeptisch. Aushalten? Das klingt so, als würde es unendliche Anstrengungen erfordern und die Zeit dann nur noch zäh verfließen. Aber das Buch und vor allem die Autorin meint es natürlich ganz anders. Und mit jeder Seite, die ich mich ins Buch eingelesen hab, wurde mir bewusst, wie gut Aushalten ist und wie sehr wir das verlernt haben! Und wie sehr wir dringend wieder mehr Aushalte-Stärke aufbauen sollten!!
Pamela Rath weiß nämlich wovon sie schreibt, denn sie kommt aus der Arbeits- und Organisationspsychologie, ist zusätzlich Business Coach, Lehrt an der FH und hat sich über Jahre mit dem beschäftigt, was Menschen in Unternehmen, im gesellschaftlichen Miteinander und in den jeweiligen eigenen Leben unter Druck zusammenhält – oder eben auch nicht. Aus dieser Perspektive blickt sie auf ihr Thema und schreibt so ein ganz besonderes Buch: Keinen Selbsthilfe-Welzer, der einem in zehn Schritten erklärt, wie man mentale Stärke und Resilienz gewinnt, sondern vielmehr ein nachdenkliches Gespräch über eine Frage, die sich jede:r von uns schon mal gestellt hat: Wie hält man das eigentlich aus?
Ihr Ausgangspunkt ist die schlichte Beobachtung, dass es Krisen schon immer gegeben hat und – guess what – immer geben wird. Das ist natürlich keine neue Erkenntnis. Besonders ist aber die Gleichzeitigkeit mit der wir es mittlerweile zu tun haben: Klimawandel, politische Polarisierung, Pandemie-Nachwehen (oder neue mögliche Pandemien), künstliche Intelligenz und die Auswirkungen auf unserer Arbeit und unserer Identität, und noch so vieles mehr. All das schein sich mehr und mehr zu überlagern und wir haben keine wirkliche Pause mehr.
Rath fragt, ob in einer solchen Welt Entschlossenheit wirklich die entscheidende Eigenschaft ist, die man braucht. Ihre Sicht der Dinge: Eher nein, denn vielleicht kommt es in der heutigen Zeit mehr darauf an, mit Ungewissheit leben zu können, ohne ständig nach dem nächsten sicheren Griff suchen zu müssen.
Was das Buch meines Erachten von vielen ähnlich klingenden Titeln unterscheidet, ist das Wie. Sie setzt auf Gespräche mit Philosophinnen, Unternehmerinnen, Menschen, die in ihrem Leben gelernt haben, mit Wandel umzugehen und verwebt das alles mit theoretischen Überlegungen. Das Ergebnis ist eine Einladung darüber nachzudenken und keine Beratungsstunde. Ich hatte beim Lesen zumindest das Gefühl, gemeinsam mit der Autorin herauszufinden, wie das gut funktionieren kann und auf einen Prozess mitgenommen zu werden. Das war für mich total stark, aber natürlich wird genau das sicherlich von einigen Lesenden auch kritisiert werden. Vor allem, wenn man nach klaren Anleitungen sucht, die man hier eher nicht finden wird.
Wer also ein strukturiertes Programm sucht, klare Antworten oder einen konkreten Plan für den nächsten Montag, wird hier nicht ganz fündig. Das Buch denkt mit einem, nicht für einen. Es öffnet Fragen, wo andere Bücher Kapitel für Kapitel Anleitungen liefern. Für manche ist das toll, für andere kann es anstrengend sein, vor allem dann, wenn man sich in einer Situation befindet, in der man weniger Gesprächsangebote braucht, sondern Boden unter den Füßen sucht.
Empfehlen würde ich das Buch definitiv Menschen, die das Gefühl kennen, wenn einfach zu viel auf einmal über einem selbst zusammenbricht und man sich ein wenig verloren fühlt, mit der schieren Menge der Dinge, die man zu bewältigen hat und die dann aber weniger eine Lösung wollen, sondern vielmehr eine Haltung finden wollen, mit der solche Zeiten gut bewältigt werden können. Also für Menschen die eher langfristig schauen, als kurzfristige Pläne suchen. Auch wer beruflich viel mit Transformationsprozessen, mit Führung in unsicheren Zeiten oder mit Fragen rund um Diversity und New Work zu tun hat, wird hier einen ungewohnt persönlichen Zugang zu Themen finden, die sonst oft sehr abstrakt behandelt werden. Das fand ich total gut und habe auch einiges schon verinnerlicht beim Lesen, das ich mit großer Sicherheit anwenden werde.
Auch keinen Fall ist dieses Buch ein Begleiter durch eine akute persönliche Krise. Dafür ist es zu essayistisch, zu offen und deutlich zu sehr im Dialog-Modus geschrieben. Aber als Einladung, das eigene Verhältnis zu genereller Unsicherheit grundlegend neu zu denken, ist es genau das Richtige.
Für mich kam es wirklich zur rechten Zeit und ich muss sagen, dass allein durch ein paar kleine Umdenken-Übungen schon so viel mehr Sicherheit in einem einzieht.
Pflichtlektüre
Bewertung am 18.07.2025
Bewertungsnummer: 2542998
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Das Aushalten wird oft nur negativ bewertet, dennoch hat es viele positive Aspekte. Pamela Rath dröselt das Thema auf und beleuchtet es in alle Richtungen.
Mir gefallen die persönliche Geschichten und wissenschaftlichen Erkenntnisse. Die praktischen Ansätze, wie man Geduld, Resilienz und innere Stärke entwickeln kann, sind heute so wichtig!
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