Jede noch so geringe Abweichung von der täglichen Routine, dachte ich, hat Auswirkungen auf den restlichen Tag und in der Folge auf den Wochenrhythmus, woraus ein Chaos im Monatsplan entsteht, was schlussendlich das Jahr durcheinanderbringen wird und im schlimmsten Fall eine ganze Existenz vernichtet, das ist die Wahrheit, dachte ich, und von diesem Zeitpunkt an nahmen die Ereignisse ihren verhängnisvollen Lauf.
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„Es geht nicht darum, den Sinn des Lebens zu finden,…
Nina Albert (Mitglied der Thalia Book Circle Community) am 19.06.2026
Bewertungsnummer: 3172174
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
…sondern dem Leben einen Sinn zu geben.“
Thomas-Roman Eders literarisches Debüt „Was das alles soll“ ist ein stiller, düsterer und zugleich berührender Roman über Isolation, Angst und die Sehnsucht nach Sinn. Seit 25 Jahren lebt der namenlose Erzähler zurückgezogen in seiner Wiener Wohnung, gefangen in Routinen, Gedankenketten und einer tiefen Abneigung gegenüber der Welt. Erst der unerwartete Besucher Ketter bringt die sorgsam errichtete Ordnung ins Wanken.
Mit langen, verschachtelten Sätzen erschafft Eder eine intensive Innensicht, die den wirren, rastlosen Gedankenstrom seines Protagonisten spürbar macht. Zwischen existenziellen Fragen, kulturpessimistischen Beobachtungen und melancholischer Einsamkeit entfaltet sich eine Geschichte, die ebenso beklemmend wie faszinierend wirkt. Besonders eindrucksvoll ist dabei die psychologische Tiefe: Der Rückzug des Erzählers erscheint gleichermaßen als Schutz vor Verletzung wie als selbst errichtetes Gefängnis.
Der Roman lebt weniger von Handlung als von Atmosphäre — dunkel, traurig und von stiller Emotionalität durchzogen. Wie ein leiser Schattenmärchen erzählt er von Menschen, die an der Welt verzweifeln und dennoch nach Hoffnung suchen. Ein sprachgewaltiges Debüt, das nachhallt.
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Isolation
rewareni aus wien am 24.11.2025
Bewertungsnummer: 2662259
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Seit 25 Jahren lebt ein Mann, ohne Kontakt zu anderen Menschen, isoliert in seiner Wohnung. Lebensmitteleinkäufe oder Behördenwege erfolgen alle übers Internet. Bis zu dem Tag, als die gewohnte Zeitung wegen eines Zustellproblems nicht bei ihm vor der Wohnungstüre liegen kann, sondern in einem Sackerl vor der Haustüre zur Abholung hängt. Auf dem Weg dorthin begegnet er seinem Nachbar Ketter, den er noch nie gesehen, geschweige denn mit ihm gesprochen hat. Von diesem Moment an verändert sich sein Leben auf nie geahnte Weise.
In dem Roman ,,Was das alles soll“, nimmt der Autor Thomas- Roman Eder mit seinem Debüt die Leser auf eine besondere Reise mit.
Es ist ein literarisches Werk, das man nicht so einfach beschreiben kann. Zuerst findet man einen namenlosen Erzähler der mit seiner zwanghaften Art sein Werk ,, Die Analyse der Menschheit und die Prognose ihres Untergangs“ nach 25 Jahren endlich zu Ende bringen möchte. Akribisch werden Zeitungsartikel und Bilder ausgeschnitten um zu dokumentieren, dass es nur schlechtes auf der Welt gibt und dass der Mensch bald soweit ist sich und den Planten endgültig zu vernichten.
Es ist frustrierend, wie negativ der Erzähler eingestellt ist. Aber seine tägliche Routine hilft ihm dabei sich weitgehend wohl zu fühlen, da ist es dann interessant zu sehen, wie sein Weltbild zu schwanken beginnt, als er Ketter begegnet, der wie ein Tornado in sein Leben tritt und er nicht weiß, wie er mit dieser neuen Situation umgehen soll.
Was den Roman auch besonders macht sind die vielen Schachtelsätze, die normalerweise nicht zu meinen Favoriten zählen, aber hier die Geschichte dadurch noch interessanter gemacht haben. Man hat dabei gespürt, wie die vielen unzähligen Gedanken des Erzählers in seinem Kopf herum schwirren und er selbst oft nicht wirklich mehr gewusst hat, was er eigentlich will. Auch wenn es vielleicht langweilig wirkt, mir haben sogar oftmalige Wortwiederholungen in einem Satz gefallen, weil sie gezeigt haben, wie wichtig ihm manche Dinge sind.
Ketter ist der perfekte Gesprächspartner, da er den Erzähler immer wieder aus der Reserve lockt, damit dieser seine festgefahrenen Meinungen über Gott und die Welt zu überdenken beginnt. Langsam merkt man dabei, dass er vieles aus einer anderen Perspektive zu sehen beginnt und vor allem der ständige Optimismus von Ketter bringt ihn gehörig durcheinander.
Manche Szenen haben dabei schon kafkaeske Züge, wo man als Leser selbst nicht mehr genau weiß, ob etwas real ist oder der Fantasie des Erzählers entspringt.
Das Ende überrascht und man kann nur für sich selbst entscheiden, ob oder was der namenlose Protagonist wirklich erlebt hat in der Geschichte.
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