Die Odyssee frei erzählt
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Beschreibung
Produktdetails
Einband
Taschenbuch
Erscheinungsdatum
19.03.2025
Verlag
Der Erzählverlag UGSeitenzahl
124
Maße (L/B/H)
16,7/10,4/1,1 cm
Gewicht
106 g
Auflage
1
Sprache
Deutsch
ISBN
978-3-947831-68-5
Warnhinweis
Lesen kann Leben verändern!
Aus dem Vorwort:
Die Odyssee ist neben der Ilias das zweite monumentale Epos der griechischen Antike. Große Teile des Werkes wurden mündlich überliefert. Um die Wende vom achten zum siebten Jahrhundert vor Christus wurde es von Homer – und/oder von Dichtern aus seinem Umkreis – in eine komplexe Form gebracht und in rhythmischen Hexametern niedergeschrieben. Sagenhaftes, Märchenhaftes und Historisches verweben sich zu einem Gesamtkunstwerk. Insgesamt umfasst das Gedicht 24 Gesänge. Im Zentrum stehen die berühmten Irrfahrten des Titelhelden Odysseus mit ihren zwölf Abenteuern, die Gesänge 9 bis 12. Sie bilden das Herzstück des Epos. Wenn heute von Homers Odyssee die Rede ist, ist meist dieser Teil der Erzählung gemeint. Zugleich ist der Begriff Odyssee zum Synonym für eine lange, beschwerliche Reise geworden.
Auch in meiner Erzählung stehen die Irrfahrten des Odysseus und seine Rückkehr nach Ithaka im Mittelpunkt. Dabei hat mich folgende Frage besonders beschäftigt: Wie ist das für ein Paar, wenn einer von beiden jahrelang im Krieg, auf Reisen, in der Fremde ist und dann plötzlich wieder vor der Tür steht? Wie fühlt sich das an, für die Person, die heimkehrt, und für die Person, die zu Hause blieb? Wie erzählt man einander, was in der Zwischenzeit geschah? Odysseus und Penelope liegen nach zwei Jahrzehnten der Trennung im gemeinsamen Bett – und reden. Es ist ein intimes Miteinander. Eine persönliche Erzählung von Mund zu Ohr. Ein Zwiegespräch im Dunkel der Nacht. Niemand erfährt davon. Niemand? Doch!
Es gab einen Zeugen: Mitten im Schlafzimmer der beiden stand ein alter Olivenbaum. Er war fest in der Erde Ithakas verwurzelt, und sein starker, knorriger Stamm bildete einen der vier Pfosten des Ehebettes. Mit seinen eigenen Händen hatte Odysseus das Bett für sich und seine Frau gebaut und es so unverrückbar mit dem heimatlichen Boden verbunden. Der Ölbaum ist ein göttlicher Baum. Pallas Athene, die Göttin mit den blauen Augen, machte ihn einst den Griechen zum Geschenk. Anlass war ein Wettstreit mit Poseidon, dem mächtigen Gott des Meeres. Die Wette zwischen den beiden lautete: Wer macht den Menschen das nützlichere Geschenk? Poseidon wählte einen prächtigen Brunnen – füllte ihn aber mit salzigem Meerwasser. Pallas Athene schenkte den Bürgern Athens den Olivenbaum mit seinen nahrhaften Früchten – und gewann die Wette.
Bäume sind empfindsame Wesen und bewahren Erfahrung und Wissen im Kern jeder Frucht. So gab der Olivenbaum, der Odysseus und Penelope in ihrem Schlafzimmer belauschte, mit jeder seiner Oliven das Bettgespräch der beiden weiter. Von Baum zu Baum zu Baum … Um die Erzählungen des Odysseus auf meine Weise lebendig werden zu lassen, ließ ich mir beim Lesen von Homers Epos immer wieder eine Olive auf der Zunge zergehen. So bekam ich nach und nach eine Ahnung und einen Geschmack von dem, was damals geschah oder geschehen sein könnte. Doch hört selbst!
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