In "Norden und Süden" entfaltet Elizabeth Gaskell ein meisterhaftes Panorama der sozialen Konflikte im England des 19. Jahrhunderts. Durch die engagierte Protagonistin Margaret Hale, die von einem ländlichen Süden in die industriellen Gebiete des Nordens zieht, beleuchtet Gaskell die Kluft zwischen zwei Welten: der ländlichen Romantik und der rauen Realität der industriellen Revolution. Der Roman in seinem fließenden, mitreißenden Stil erlaubt dem Leser nicht nur einen tiefen Einblick in die Klassenunterschiede, sondern thematisiert auch Fragen von Moral, Gerechtigkeit und individueller Verantwortung in einer sich verändernden Gesellschaft. Elizabeth Gaskell, eine der bedeutendsten Schriftstellerinnen ihrer Zeit, war selbst die Tochter eines anglikanischen Pfarrers und erfuhr von den sozialen Herausforderungen ihrer Zeit firsthand. Ihre Erfahrungen in der Fabrikstadt Manchester und ihre engen Verbindungen zu verschiedenen sozialen Schichten prägten ihre literarische Stimme und sensibilisierten sie für die Herausforderungen der Arbeiterschaft. Diese biografischen Elemente verleihen dem Werk Authentizität und Tiefe. "Norden und Süden" ist ein unverzichtbares Leseerlebnis für all jene, die sich für die sozialen und kulturellen Dynamiken der viktorianischen Epoche interessieren. Gaskells brillant gestaltete Charaktere und ihre einfühlsame Erzählweise fordern die Leser heraus, über Vorurteile hinwegzusehen und die Komplexität zwischenmenschlicher Beziehungen zu verstehen. Diese Übersetzung wurde mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt.
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Mangelhafte Übersetzung (2025) (Neu übersetzt-Verlag, NICHT Reclam)
Bewertung am 13.02.2025
Bewertungsnummer: 2411099
Bewertet: eBook (ePUB)
Bewertung bezieht sich nicht auf den Inhalt des Buches, sondern auf diese "Neu-Übersetzung" (Neu übersetzt- Verlag). Diese wirkt wie mit einer KI erstellt, sehr holprig und unnatürlich. Sehr schade, aber bei dem Preis wohl zu erwarten.
Beispiel: "Ihre Stimme hatte sich geklärt und war ruhiger geworden. Herr Thornton sagte nichts, und sie suchte weiter nach einem Blatt Papier, auf dem die Vorschläge für die Sicherheit niedergeschrieben waren; denn sie war sehr darauf bedacht, alles im Lichte einer reinen Geschäftsvereinbarung zu betrachten, bei der der Hauptvorteil auf ihrer Seite liegen würde."
Dann lieber in die neueren Übersetzungen von Christina Neth (BoD) oder Roswitha Geyss (tredition) investieren oder, wenn es etwas günstiger sein soll, die überarbeitete Übersetzung von 1865 (Red ediciones).
UPDATE: Es gibt seit Oktober eine neue Übersetzung von Reclam.
Bemerkenswert progressiv und empathisch für die Entstehungszeit
Eternal-Hope aus Österreich am 28.11.2025
Bewertungsnummer: 2664976
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
"Norden und Süden" ist ein Klassiker, der von seiner Autorin Elizabeth Gaskell im Original ursprünglich als in einer Zeitschrift veröffentlichte Fortsetzungsgeschichte im Jahr 1854 veröffentlicht wurde, ein Jahr später in überarbeiteter Form als Buch herauskam und nun vom Reclam Verlag neu übersetzt in dieser deutschsprachigen Fassung erscheint. Wir befinden uns also zeitlich etwa 12 Jahre, bevor Karl Marx "Das Kapital" veröffentlichte - in der Zeit der Industrialisierung in Großbritannien (und in vielen anderen Ländern), als viele Arbeiterinnen und Arbeiter unter elenden Bedingungen und harter Schufterei ihr kurzes, durch die Arbeit gesundheitlich beeinträchtigtes und verkürztes Leben verbrachten - aber als es insbesondere in der reichen und privilegierten Oberschicht, der so gut wie alle damaligen Autoren und Autorinnen angehörten, noch wenig Empathie und Bewusstsein für die Lage der Arbeiterklasse gab.
Das finde ich vor dem Hintergrund der Lektüre dieses Buches wichtig zu verstehen, denn es handelt sich um ein außergewöhnliches Werk: während viele andere in dieser Zeit entstandene Bücher sich rein auf die Befindlichkeiten der Oberschicht beschränken, nimmt in diesem Buch der Blick auf die Perspektive der unteren Gesellschaftsschichten einen großen Raum ein. Ja, es gibt auch eine Liebesgeschichte, doch die stand zumindest für mich beim Lesen nicht im Vordergrund: viel interessanter war, mitzuerleben, wie die junge Margaret nach ihrem Umzug vom Süden in den Norden reifer und erwachsener wird, während sie sich mit dem schwer kranken Mädchen Bessy aus der Arbeiterklasse anfreundet und mehr und mehr einen Blick für die Perspektive dieses Teils der Gesellschaft entwickelt und deren Lage zu verstehen beginnt, im Norden wie im Süden, wie sich beispielsweise in diesem Dialog zeigt:
„Ich würd gern im Süden leben“, sagte Bessy.
„Nun, auch dort ist nicht alles großartig“, entgegnete Margaret. „Es gibt überall Leid und Kummer. Die Menschen dort müssen körperlich hart arbeiten, wobei sie nur wenig Essen haben, das ihnen Kraft gibt.“
„Aber sie arbeiten draußen“, sagte Bessy. „Un‘ weit weg von dem endlosen, endlosen Lärm und der schrecklichen Hitze.“
„Sie arbeiten manchmal bei schwerem Regen und dann wieder in bitterer Kälte. Ein junger Mensch kann das aushalten, aber ein alter Mann wird von Rheuma geplagt und kann lang vor seiner Zeit nicht mehr gerade stehen. Trotzdem muss er weiterarbeiten, oder es droht ihm das Armenhaus.“ (S. 193)
Auch ein Streik kommt vor und insgesamt sind die Interessensunterschiede zwischen Arbeiterklasse und Unternehmern ein großes Thema, wobei für beide Verständnis gezeigt wird. Aus heutiger Sicht könnte man den Roman in manchen Teilen sozialromantisch nennen, für die damalige Zeit war es aber ein fundamental progressives und außergewöhnlich empathisches Werk.
Es ist ein Buch, für das man sich Zeit nehmen sollte, besteht es doch aus über 600 dicht beschriebenen Seiten, mit unzähligen Charakteren und Nebenhandlungen. Dass es ursprünglich eine in einer Zeitschrift erschienene Fortsetzungsgeschichte war, merkt man dem Buch durchaus noch an: so ist jedes kurze Kapitel eine kleine Welt für sich und viele einzelne Szenen und Details werden gezeigt. Das macht das Buch bunt und vielfältig, braucht aber auch seine Zeit, um alles zu integrieren und zu verarbeiten.
Stilistisch interessant fand ich die einstimmenden Zitate, die jedem Kapitel vorangestellt werden, so wie beispielsweise dieses hier auf S. 557:
„So wenn ich vergangner Tage,
Glücklicher zu denken wage,
Muß ich stets Genossen missen,
Teure, die der Tod entrissen.
Doch was alle Freundschaft bindet,
ist, wenn Geist zu Geist sich findet;
Geistig waren jene Stunden,
Geistern bin ich noch verbunden.“
Auch daran zeigt sich, dass es ein tiefsinniges Buch ist, das in vielerlei Hinsicht zum Verweilen und Nachdenken anregt, über damalige Zeiten, über die Unterschiede zwischen den sozialen Klassen und über Parallelen zur heutigen Zeit.
Ich kann es allen, die bereit sind, sich die Zeit für diese umfangreiche Lektüre und die tiefergehende Auseinandersetzung mit den erwähnten Themen zu nehmen, nur empfehlen.
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