Was Auschwitz war, muss man nicht erklären. Wohl aber, wie Auschwitz entstand und welche Funktion das Lager in der deutschen Kriegswirtschaft hatte. Die Historikerin Susanne Willems beschreibt die Genesis des Konzentrations- und Vernichtungslagers. In ihre Darstellung flossen wissenschaftliche Untersuchungen ein, die weltweit vorliegen. Das Lager existierte viereinhalb Jahre. Es wurde am 27. Januar 1945 von der Roten Armee befreit. Heute ist das der Gedenktag für die Opfer der faschistischen Diktatur. Allein in Auschwitz starben weit über eine Million Menschen: als Arbeitssklaven der deutschen Kriegswirtschaft, die aus den von der Wehrmacht besetzten Ländern geholt wurden, und als »unwertes Leben«, wie die Herrenrasse sie nannte. Juden, Sinti und Roma, Homosexuelle. Kinder und Greise, Kranke und Schwache, die nicht ausgebeutet, also »verwertet« werden konnten, wurden in den Gaskammern ermordet. Willems legt die organisatorische Infrastruktur des systematischen Terrors, der Sklavenarbeit und des Völkermordes in Auschwitz offen. Mit Dokumenten belegt sie, wie die SS deutschen Konzernen half, dass diese die Kriegswirtschaft am Laufen hielten und Profit machten.
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Wichtig
Gelincik am 27.02.2025
Bewertungsnummer: 2424320
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Das Buch "Auschwitz" von Susanne Willems ist geeignet für alle LeserInnen, die sich für die deutsche Geschichte interessieren.
Ich habe erst vor 4 Monaten Auschwitz besucht, weshalb das Buch für mich umso bewegender war. Die ganzen Informationen, die ich lesen durfte, haben mich erneut erschüttert.
Von mir gibt es 5 von 5 Punkten.
Erschütternd. Entsetzlich. Wichtig!
Manuela404 am 03.02.2025
Bewertungsnummer: 2402168
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Beschlüsse, Genehmigungen, Verträge, Tauschgeschäfte – und der Mensch als Massenware, die bei Erreichen der Sollbruchstelle entsorgt und ausgetauscht wird. Die sachlich-nüchterne wissenschaftliche Darstellung des perfiden Vernichtungsapparates namens Auschwitz, die dieses Buch der Historikerin und Auschwitz-Expertin Dr. Susanne Willems bietet, kommt ohne emotionsgeladene Phrasen aus, und doch läuft es einem beim Lesen kalt den Rücken runter. Es sind nicht nur die schieren Zahlen der Menschen, die in Auschwitz eingesperrt, gefoltert, zu Sklavenarbeit gezwungen und getötet worden sind, die erschrecken lassen. Willems führt in ihrem Buch auch vor Augen, wie das KZ geplant, gebaut und betrieben worden ist, welche Absprachen es dazu gab, welche Dienstleister mitwirkten und finanziell profitierten, beispielsweise beim Bau der Öfen für die Krematorien, und wie das KZ von Anfang an auch als Lieferant von Arbeitssklaven für die Industrie fungierte. Im Fall von Auschwitz war es vor allem der Chemieriese I.G. Farben, der sich Arbeitssklaven sicherte, diese unter unmenschlichen Bedingungen schuften ließ und billigend in Kauf nahm, dass dabei Zehntausende ihr Leben verloren. Aber auch Siemens hat sich aus diesem Reservoir von billigen Arbeitskräften bedient. Mit der I.G. Farben hatte die KZ-Leitung im Gegenzug für das billige „Menschenmaterial“ einen Deal ausgehandelt, knappe Baustoffe für den Ausbau des KZ über deren Kontingent zu beziehen. Es sind solche völlig nüchtern ausgehandelten und bürokratisch-sachlich festgehaltenen Absprachen, die den Grad der Entmenschlichung greifbar machen, den die in Auschwitz geschundenen Juden, Polen, Russen, Sinti und Roma und andere Gefangene erfahren mussten.
2025 werden 80 Jahre Kriegsende und Befreiung von Auschwitz und den anderen Konzentrationslagern gefeiert. Überlebende und andere Zeitzeugen sind inzwischen nur noch wenige übrig geblieben, um uns an die Gräueltaten zu erinnern, die die deutschen Faschisten begingen und die Industrie mittrug. Umso wichtiger sind Bücher wie dieses. Lesebefehl!
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