Die Leipziger Lehrerin Alex reist übers Wochenende zu ihrer Mutter ins bayerische Heimatdorf. Ihre Mutter hat sich das Bein gebrochen. Gemeinsam mit ihrer großen Schwester will sie das Schlafzimmer ins Erdgeschoss verlegen. Es ist das erste Mal seit der Geburt, dass Alex von ihrem einjährigen Kind getrennt ist. Sie vermisst ihre Tochter und merkt, wie sehr der kleine Körper ihres Kindes ihrem eigenen eingeschrieben ist. Dieses Gefühl bringt sie dazu, sich selbst näher zu betrachten, über ihre Lebensentscheidungen nachzudenken und das Begehren, den Körper, das Geschlecht sowie ihre Sozialisierung zu hinter fragen.
»Die bärtige Frau« ist ein Roman über den weiblichen Körper, dessen Veränderung, über Schwangerschaft und Mutterschaft, darüber, wie es ist, Kinder zu kriegen und in eine neue Rolle hineinzuwachsen. Es geht um christliche Prägung, darum, dass wir unsere Familie nicht loswerden, selbst wenn wir wollen. Über Lebensrollen sowie Entscheidungen, über Wertvorstellungen, Coolness und Realität. Ist der Wunsch nach Sicherheit verwerflich? Wie haben wir zu sein? Wer bestimmt es außer uns selbst? Bettina Wilpert schafft mit ihrem neuen Roman eine radikale Körperliteratur. Sie zeigt den Leser*innen die verschiedenen Facetten von Coming-of-Age, Schwangerschaft und Muttersein, und wie diese sich am Körper abzeichnen.
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no plot, aber gute vibes
kat am 07.08.2025
Bewertungsnummer: 2561336
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Das Buch haben wir im feministischen Lesekreis zum Thema "Körper" gelesen und es hat auf jeden Fall super zum Thema gepasst. "Die bärtige Frau" beschreibt sehr eindrücklich Schwangerschaft und Muttersein und wie sich beides auf den Körper, aber auch die Psyche der Frau auswirkt. Außerdem beschreibt Wilpert auch, wie die Frau von anderen wahrgenommen wird und wie sie sich selbst wahrnimmt. An sich passiert in dem Buch nicht viel, aber ich bin wirklich großer Fan dieser "no plot" Bücher, die trotzdem zum Nachdenken anregen, sich gut lesen lassen und irgendwie interessant sind. Einerseits birgt das Buch nicht viel Neues, andererseits gibt es viele Momente, in denen ich zustimmend genickt habe und in denen ich am liebsten das Buch zugeklappt hätte und einfach nur geschrien hätte, weil es so wahr ist. "Die bärtige Frau" zeigt den weiblichen Körper in verschiedenen Facetten und wie mit diesen umgegangen wird. Der Schreibstil ist eher nüchtern und sachlich, es liest sich sehr unemotional. Trotzdem hat es das Buch geschafft, mich emotional absolut abzuholen. Ich fand es großartig.
Mutterschaft, Frausein und Körperlichkeiten
Bewertung (Mitglied der Thalia Book Circle Community) am 06.08.2025
Bewertungsnummer: 2559673
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Alex ist Lehrerin und Mutter einer einjährigen Tochter. Als ihre Mutter sich das Bein bricht, reist sie übers Wochenende von Leipzig alleine ins kleine, bayerische Heimatdorf, dem sie damals so unbedingt entfliehen wollte. Gemeinsam mit ihrer älteren, kinderlosen Schwester Lena wollen sie das Schlafzimmer der Mutter ins Erdgeschoss verlegen. Es ist das erste Mal, dass Alex so lange von ihrem Kind getrennt ist. Obwohl sie sich gefreut hatte, mal wieder alleine zu sein, fühlt sie sich einsam und merkt, wie stark und körperlich die Verbindung zu ihrem Kind ist, das sie gerade erst abgestillt hat. Diese Gefühle führen dazu, dass sie sich mit ihren Lebensentscheidungen, ihrem Körper und ihrer Sozialisierung beschäftigt.
"Sie fragt sich, warum sie unbedingt ein Kind wollte und es ihr Herz bestimmt gebrochen hätte, keines zu bekommen.
Ein Wunsch ist ein Wunsch ist ein Wunsch.
War ihr Wunsch nicht einfach das Ergebnis ihrer Sozialisierung als Frau? Oder stand er mit ihrer Mutter in Verbindung? Weil ihr Muttersein sie definierte? Sie diese Identität hochhielt und an sie weitergab?"
“Sie ist keine entspannte Frau. Wie hätte sie es auch sein können, es gibt keine Vorbilder für Sie. Sie kennt nur Frauen, die durchhalten, die die Erschöpfung ignorieren.”
“Wie soll sie diese ständigen körperlichen Veränderungen verarbeiten? Jeden Tag ist sie eine andere.”
"Doch sie musste schnell lernen, dass die Zahl auf der Waage nicht viel bedeutete. Obwohl sie identisch mit der vor der Schwangerschaft war, passte Alex nicht mehr in ihre alten Hosen. Die Knöpfe wollten nicht zugehen, und manche Hosen konnte sie nicht einmal über die Waden ziehen. Es war okay. Ihr Körper würde nicht wieder derselbe sein. Er veränderte sich ständig. Ihr war nur etwas anderes erzählt worden. Ihr war erzählt worden, dass sie den jungen, dünnen Körper, den sie vor der Geburt hatte, behalten müsste, um etwas wert zu sein; online war sie von dünnen, weißen Frauen umgeben und im Rückbildungskurs hatte sie das Gefühl, die Frauen, die gerade aus dem Wochenbett kamen, beäugten gegenseitig ihre weichen Körper.
Doch je älter sie wurde, desto egaler wurde der Körper ihr."
“Ganz von den Schönheitsnormen würde sie sich jedoch nie befreien können, das wusste sie. Früher war sie immer ein wenig dünner als Lena gewesen, inzwischen war es umgekehrt, und sie spürte den prüfenden Blick ihrer Mutter auf ihrem Körper.”
„Die bärtige Frau“ beleuchtet verschiedene Facetten des Frauseins, von Mutterschaft, von sozialer und religlöser Prägung und des gesellschaftlichen Einflusses auf den weiblichen Körper. Die Autorin beschreibt detailliert die Auseinandersetzung mit Schönheitsnormen und körperlichen Veränderungen durch Schwangerschaft, Mutterschaft und Älterwerden.
“Das hätte ich gern früher gewusst, war der Satz, den sie am häufigsten dachte.”
Sprachlich ist das Buch sehr direkt und authentisch; eher wie eine nüchterne Bestandsaufnahme. Das kann teilweise irritierend sein, ist andererseits aber stimmig und thematisch passend. Es ist kein Wohlfühlroman, aber ich fand das Buch sehr lesenswert.
Es hat mich auch neugierig auf Bettina Wilperts vielgelobten Debütroman „Nichts, was uns passiert“ gemacht.
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