»Er wird werden, was er ist«, stand in seinem Abschlusszeugnis. Und es stimmte! Harry Rowohlt wurde all das, was er schon immer war und sein wollte: ein irre komischer Sprachartist und ein virtuoser Meister der Abschweifung, ein genialer Übersetzer von Unübersetzbarem und Vorleser mit den tausend Stimmen, zudem als Krönung »Penner Harry« in der Lindenstraße. Kurz vor seinem Tod sagte er: »Ich hatte ein glückliches Leben!« Tatsächlich aber verlief dieses Leben ganz anders als vorgesehen, weil er nicht werden wollte, was er werden sollte - Nachfolger des Vaters als Verleger -, versuchte er jahrelang verzweifelt, dem Rowohlt-Verlag zu entkommen. Wie Harry Rowohlt es schaffte, zu einer Art Seelenverbindung mit Pu dem Bären zu finden - »Wir sind beide dumm, kommen aber sehr gut zurecht« -, davon erzählt diese Biografie. Sie beruht auf unzähligen Gesprächen mit seiner Witwe und vielen Weggefährten sowie auf einer gründlichen Auswertung seines gewaltigen Nachlasses und fördert manche Überraschung zutage: Denn Harry Rowohlt hat zwar gern und viel von sich erzählt - aber nicht unbedingt zuverlässig. Das wird hier nachgeholt.
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Harry Rowohlt hat eine große…
VolkerM am 08.05.2025
Bewertungsnummer: 3014646
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Harry Rowohlt hat eine große Fangemeinde, zu der ich mich auch zähle, aber nicht alles, was er aus seinem Leben erzählte, entsprach auch der Wahrheit. Er war ein genialer Geschichtenerzähler, ein begnadeter Vorleser und Alleinunterhalter, nur opferte er eben gerne auch mal für eine gute Geschichte die Wahrheit. Alexander Solloch hat sich durch Rowohlts riesiges Archiv gewühlt und mit zahlreichen Wegbegleitern gesprochen, nicht zuletzt seiner Witwe Ulla, die ihm freien Zugang zu allen Informationen gab. Harry Rowohlt bewahrte alle Briefe auf, die er verschickte (ca. 30.000), und auch viele von denen, die er erhielt. Eine biografische Schatztruhe für den, der sich daran wagt. Solloch meistert diese Aufgabe locker: Mit einer fast schon rowohltschen Lust am Formulieren und großer Pointensicherheit hat er sich der Person Harry Rowohlt mit Sympathie, Respekt und einem biografisch-kritischen Auge genähert. Herausgekommen ist ein schillerndes, spannendes und vielschichtiges Rowohlt-Universum, das den Leser von einem Kapitel ins nächste zieht. Auch wenn die Struktur weitgehend chronologisch ist, erlaubt sich Solloch zahlreiche Abschweifungen (wie passend...), greift vor und kommentiert in der Rückschau. Es ist eine echte Freude, vor allem, wenn man die offensichtlichen Parallelen zu Rowohlts eigenen Erzähltechniken bemerkt. Ein ziemlich umfangreiches Kapitel widmet sich Harry als Übersetzer. Wer seine eleganten und stilistisch brillanten Übersetzungen kennt, ahnt nicht mal im Entferntesten, wie elegant und stilistisch brillant sie wirklich sind. Alexander Solloch hat nicht nur die Originalpassagen dagegengestellt, sondern auch ältere Versionen anderer Übersetzer. Da wundert es nicht, dass Harry Rowohlt mit vielen „seiner“ Autoren ein ausgesprochen herzliches, oft freundschaftliches Verhältnis hatte, auch das ein wiederkehrendes Motiv in Sollochs Biografie. Wenn Harry eines besonders gut beherrschte, dann die Fähigkeit, Freundschaften zu pflegen. Nicht immer mit Erfolg, aber meistens. Was übrigens nicht heißt, dass er nicht auch mürrisch sein konnte, im Gegenteil. So richtig durch und durch menschenfreundlich wurde er eigentlich erst ein paar Jahre vor seinem (viel zu frühen) Tod. Diese Biografie räumt mit vielen Mythen auf, zeichnet aber ein authentisches und vielschichtiges Bild einer authentischen und vielschichtigen Persönlichkeit. Eines Menschen, der mit seiner Herkunft haderte, der lange brauchte, um seinen Weg zu finden, dem viele Zufälle einmalige Möglichkeiten boten, die er auch als Chance ergriff. Die Popularität hat er nicht gesucht, aber sein Bühnenleben und die Anerkennung genossen. Ein richtig schönes, witziges und von warmherziger Sympathie getragenes Buch. Harry hätte es gefallen.
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