Christoph ist ein erfolgreicher Unternehmer, der aus Anlass seines 50. Geburtstags einen Empfang gibt. Dafür hat er eine fulminante Rede vorbereitet, die allen Erwartungen seiner Gäste und seinem eigenen Selbstbild entsprechen soll. Als er mit einem silbernen Löffel ans Weinglas schlägt, hat er eine mystische Erscheinung, die alles verändert.
Stefan Fouriers neueste Novelle erschüttert Selbstbilder. Sie zeigt unsere verborgenen Seiten, führt den Leser durch die Tiefen des menschlichen Egos schließlich zum Wert der Gemeinschaft, in der wir Halt finden.
Kundinnen und Kunden meinen
3.0/5.0
Buchbesprechung
aus Bad Kissingen
3/5
16.12.2024
Buch (Taschenbuch)
Eine Anregung zum Nachdenken
REZENSION - „Wenn ein Ton zur Wahrheit führt“ hat Autor Stefan Fourier (75) seine im Dezember veröffentlichte „Geschichte über das, was uns zu Menschen macht“, überschrieben. Mit dieser nur kurzen Novelle setzt der frühere Unternehmensberater nach einer Reihe von Sachbüchern und Essays die neue Serie seiner mutmachenden und zum Nachdenken anregenden Novellen fort, die er mit „Die Bank am Rande des Waldes. Ein Gespräch über Glück und den Sinn des Lebens“ im Jahr 2023 begann und im Mai mit „Nebel. Hinter der Angst ist das Leben“ fortsetzte. „Niemand wird allein zum Menschen, dazu braucht es immer die anderen“, schreibt Fourier auf dem Vorblatt seines kleinen Büchleins. Dies ist zwar keine neue Erkenntnis, nur kann es im Laufe unseres hektischen und herausfordernden Lebens gelegentlich geschehen, dass sich diese Einsicht verflüchtigt.
In Fouriers kleiner Geschichte geht es um den erfolgreichen Unternehmer Christoph, der gemeinsam mit ausgewählten 50 Weggefährten – Familie, Freunde, Geschäftspartner und Mitarbeiter – seinen 50. Geburtstag feiern will. Natürlich lässt er es an nichts fehlen, schließlich will er einen guten Eindruck bei seinen Gästen machen. „Jeder Mensch in seiner Welt war wichtig und hatte ihm geholfen, dahin zu kommen, wo er jetzt stand“, behauptet er. In diesem Sinn hatte er auch seine Festrede sorgsam formuliert, denn „Christoph versucht immer, sich so zu zeigen, wie er glaubt, dass es für seinen Erfolg wichtig ist.“ So hatte er schon zu Beginn seiner Unternehmerkarriere schnell gelernt, „dass es für ihn besser war, den Menschen um sich herum den bescheidenen, empathischen, von Teamgeist beseelten Chef zu zeigen.“ Doch war er im Innersten seiner Seele aufrichtig?
Kaum hatte er mit seiner Gabel ans Glas geschlagen, um mit seiner Rede beginnen zu können, versetzt ihn dieser helle, klare Ton in einen Trance-Zustand. Aus dem äußerlich bescheidenen, empathischen Mann bricht sein mühsam verborgener Egoismus hervor. Denn eigentlich ist er überzeugt, einzig und allein für seinen geschäftlichen Erfolg verantwortlich zu sein, während alle anderen nur Profiteure seien. Doch dann durchlebt er in seinem Traum aufwühlende Szenen täglichen Lebens, die ihm zeigen, was es bedeutet, inmitten anderer Menschen zu leben und doch allein zu sein. Aus der Trance erwacht, hält Christoph nun seine Festrede. Doch deren Ton ist ein anderer. „Es ist nicht die Rede, die er vorbereitet hat. Sie entsteht im Moment, geformt vom Wissen um die Schwäche des Einzelnen, um die Kraft der Gemeinschaft, aus der die Stärke des Einzelnen entsteht.“
Die Novelle „Wenn ein Ton zur Wahrheit führt“ überrascht uns nicht mit einer völlig neuen Erkenntnis. Doch macht sie uns dieses gelegentlich verschüttete Wissen wieder bewusst und regt zum Nachdenken über uns und unser Verhältnis zu unseren Mitmenschen an.
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