Während das Zentrum von Graz in der Gründerzeit aufblüht, ist auf der rechten Seite der Mur wenig davon zu spüren. Hier hausen die „Engelmacherinnen“ und Verbrechen stehen an der Tagesordnung. Unerwünschte Schwangerschaften treiben unglückliche junge Frauen zu Mütterlein Schreiner, die dafür bekannt ist, solche Probleme kurzerhand und herzlos aus dem Weg zu räumen. Sofern die Bezahlung stimmt. Während ihre reizlose Tochter Christina versucht, den Pfarrer an sich zu binden, muss der kleine Hans immer wieder fest verschnürte Pakete zur Mur tragen und in den Fluten versenken. Als eines davon geborgen wird, beginnt sich das Rad der Gerechtigkeit endlich zu drehen …
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
Bewertung
aus Wertingen
5/5
22.07.2025
Buch (Taschenbuch)
Die Engelmacherin von Graz
Allein schon das schwarz-blaue Cover mit dem kleinen Kind, aus dessen Augen blutige Tränen fließen, ist sehr makaber. Graz im Jahr 1886. Im Stadtteil Gries direkt an der Mur herrscht große Armut. Die Menschen haben kaum etwas zum Leben. Hier wohnt auch in einer alten schmutzigen Hütte Mütterlein Schreiner. Sie ist als Engelmacherin bekannt, hilft ledigen Frauen in der Not ihre Frucht zu beseitigen und wenn das schon zu spät ist, hilft sie bei der Geburt und nimmt diese unseligen Kinder bei sich auf, die Frauen mußte dafür Kostgeld zahlen, Aber die Schreinerin war eine kalte und gierige Frau und so verstarb ein Kostkind nach dem anderen, einzig der taubstumme Hans durfte überleben und mußte sehr viele verschnürte Pakete in der Mur entsorgen. Die häßliche Tochter Christina der Schreinerin haßte diese Kinder ebenfalls. Doch dann macht sie sich an den Pfarrer heran, mit viel Raffinesse und sehr viel Lügerei und versucht ihn zu verführen, damit er sie heiratet und sie ein sorgenfreies Leben führen kann. Doch dann bekommt ein Fischer eines der Pakete an die Angel und der Kreis um die Schreinerin zieht sich immer enger zu, bis sie dann für ihre Taten zur Rechenschaft gezogen wird. Dieser Krimi führt uns in eine andere, arme und schreckliche Welt, wo die Menschen hungern mußten. Man spürt beim Lesen den Schmutz und Gestank, kann sich die armseligen Behausungen gut vorstellen. Die Autorin läßt uns an dem Grauen teilnehmen, an dem Leid der Säuglinge, an den Intrigen ihrer Tochter, deren Faulheit und Boshaftigkeit alles übertrifft. Die Ausdrucksweise und der Stil in diesem Krimi sind leicht zu lesen, die Sätze sind kurz und prägnant gehalten und man fliegt nur so durch die Kapitel, die teilweise mit eine Pageturner enden, so dass man einfach immer weiter lesen muß. Das Ende des Buches zeigt uns, dass das Böse stets aufkommt und bestraft wird. Ein wirklich großartiger Krimi aus einer anderen Zeit.
Witch-Journal
5/5
19.04.2025
Buch (Taschenbuch)
Eine große Leistung
Was treibt da, dieses Mütterlein Schreiner und was muss der arme kleine Hans da tun? Eine schlimme geschichte. Ich verstehe, dass sie manchen Frauen damit hilft. Jedoch wo ist das Recht auf Leben. Auch das Tun der Tochter Christina beschäftigte mich lange. Mütterlein Schreiner, tut das Ganze nur für Geld. Die Frauen sind ihr egal. Es waren andere Zeiten und ein uneheliches Kind war eine große Schande. Doch für mich geht diese - Engelmacherei - zu weit. Die Autorin Mirella Kuchling, hat die Story sehr gut ungesetzt. Sie hat wohl große Recherchen über die damalige Zeit angestellt. Ansonsten hätte sie nicht so realistisch und detailgetreu schreiben können. Die Story ist spannend und auch sehr traurig. Der kleine Hans weiß gar nicht was er da tut. Dies ist von der Autorin alles gut dargestellt. Die Story selbst weckt das Gänsehautfeeling und läßt das Kopfkino erwachen. Iregendwei sieht man die Umstände unter denen - Mütterlein Schreiner - arbeitet. Schmutz und Dreck erscheinen und lassen den Leser nicht los. Man hört die Schrei der Frauen. Ein dunkler Schleier überschattet alles. Doch auch das Treiben der Engelmacherin findet ihr Ende. Die Autorin hat es geschafft, alle Übergänge nahtlos,aneinander zureihen. Das Setting ist super umgesetzt. Der Schreibstil der Autorin ist sehr weich und warm. Sie schreibt lebendig, flüssig und sehr wortreich. Gefällt mir gut. Dieses Buch ging mir wirklich an die Nerven. Es ist ein Buch, das man bestimmt noch einmal liest. Die Autorin hat hier alles richtig gemacht. Sie hat den Nerv des Lesers getroffen. Geniale Arbeit. Vielen Dank, liebe Mirella.
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