Das sprühend-unterhaltsame Roman-Debüt von Katja Kullmann - der ultimative Hochstaplerinnenroman zwischen Astroglamour und Angestelltenödnis
Carla Mittmann, einst hoffnungsfrohe Philosophiestudentin, hat ihr Leben in der Serviceabteilung einer Möbelfirma geparkt. Nebenher betreibt sie eine Horoskop-Website - aus Spaß, als Zuverdienst, Schicksalsglauben liegt ihr fern. Doch dann steht ein Schuhkarton vor ihrer Tür, darin zehntausend Dollar, Absender unbekannt. Sie ergreift die Chance, setzt alles auf eine Karte, steigt in großem Stil ins Astrobusiness ein - und da ist er endlich, der Erfolg. Schnell wird sie zur gefragten Starastrologin und bewegt sich in höchsten gesellschaftlichen Sphären, bis sie sich plötzlich nicht mehr sicher ist: Lenkt sie die Sterne oder lenken die Sterne sie? Ein brillanter, scharfsinniger Roman über die Lust der Verführung und die Sehnsucht nach kosmischer Ordnung in Zeiten der Krise.
Kundinnen und Kunden meinen
3.6/5.0
Bewertung
aus Hamburg
5/5
18.05.2025
eBook (ePUB)
Spannend bis zur letzten Seite
Ich konnte dieses Buch nicht aus der Hand legen, so neugierig war ich auf die Lebensreise, die die Hauptfigur antritt. Der Erzählstil gefällt mir sehr, vor allem die bildhaften Schilderungen von Situationen und Menschen. Eine enorm starke Protagonistin, die scheinbar zwangsläufig ein neues Leben beginnt und dabei ungläubig zusieht, welche Fähigkeiten sie entwickelt, die sie schon immer besaß, aber nicht nutzte.
Micha_W
4/5
14.09.2026
eBook (ePUB)
Durch die Sterne zum Star
Was für eine herrliche Persiflage auf die Astrologie-Szene – und mit einigen Seitenhieben auch auf jene Esoterik, die sich gerne um sie herum versammelt. Katja Kullmann nimmt in ihrem ersten belletristischen Roman „Stars“ eine Welt aufs Korn, in der die Sehnsucht nach Orientierung offenbar umso größer wird, je weniger Orientierung die Wirklichkeit zu bieten hat. Und sie tut das erfreulicherweise nicht mit dem Degen, sondern mit dem Florett.
Die Protagonistin Carla Mittmann hätte eigentlich das geistige Rüstzeug, um gegen kosmische Heilsversprechen einigermaßen immun zu sein. Sie hat Philosophie studiert, ist belesen, intelligent und mit den großen Denkern der Geistesgeschichte bestens vertraut. Nur mit dem eigenen Leben weiß sie nicht so recht etwas anzufangen. Aus einer Mischung aus mangelnder Initiative, Bequemlichkeit und den Zufällen des Lebens landet sie in der Serviceabteilung einer Möbelfirma. Dort bleibt sie neun lange Jahre hängen. Ihr Leben ist nicht wirklich schlecht, aber es findet irgendwie auch nicht statt.
Nebenher betreibt Carla eine Horoskop-Website. Nicht, weil sie an Astrologie glaubt, sondern eher zum Spaß und als kleinen Zuverdienst. Dann steht eines Tages ein Schuhkarton vor ihrer Tür, gefüllt mit 10.000 Dollar und ohne erkennbaren Absender. Carla nimmt das als Wink des Schicksals – oder zumindest als willkommene Gelegenheit, einen solchen darin zu sehen – und gibt ihrem Leben endlich eine neue Richtung, indem sie aus der Hobby-Astrologie ein Geschäftsmodell macht.
Und siehe da: Es funktioniert.
Aus der trägen, gelangweilten Angestellten wird eine erfolgreiche „Astrophilosophin“ mit kontinuierlich wachsender Expertise und fast unangreifbarer Professionalität, schließlich eine gefragte Star-Astrologin mit zahlender Kundschaft, Medienauftritten und Zugang zu gesellschaftlichen Kreisen, von denen sie vorher weit entfernt war. Das eigentlich Vergnügliche daran ist jedoch, wie sich dabei die Grenze zwischen Hochstapelei und Überzeugung immer weiter verschiebt. Carla beginnt schließlich, selbst an das zu glauben, was sie ursprünglich mit reichlich Distanz ihren Kunden verkauft hat. Oder glaubt sie nur, dass sie daran glaubt? Genau diese Unsicherheit zieht sich eigentlich durch den ganzen Roman. Ein amüsanter Spannungsbogen.
Kullmann erzählt dabei nicht nur eine Geschichte über Astrologie. Sie erzählt über Menschen, die bereitwillig viel Geld dafür bezahlen, dass ihnen jemand eine Geschichte über ihr eigenes Leben erzählt. Eine Geschichte, die erklärt, warum sie sind, wie sie sind, warum Dinge geschehen und was als Nächstes kommen könnte. Dass dafür heute statt eines Philosophen auch einmal Saturn, Pluto oder ein Aszendent zuständig sein können, gehört zu den wohl sehr realistischen Absurditäten unserer Zeit.
Im ersten Drittel hätte „Stars“ allerdings durchaus etwas Straffung vertragen. Die Geschichte braucht eine Weile, bis sie Fahrt aufnimmt. Manche philosophische Abschweifung und manche Beschreibung von Carlas Angestelltendasein ist länger geraten, als es für den Roman unbedingt notwendig gewesen wäre. Auffällig ist zudem der Erzählstil: Über weite Strecken wird mit indirekter Rede gearbeitet. Das schafft Distanz und ist zunächst gewöhnungsbedürftig, entwickelt aber zunehmend einen eigenen Rhythmus und Charakter. Einen Punktabzug in der B-Note gibt es leider dafür - und das ist sicher etwas ganz Subjektives -, dass eine Kerngeschichte des Plots unaufgeklärt bleibt.
Aber alles in allem ist Katja Kullmann eine ausgezeichnete Geschichtenerzählerin. Bisweilen erinnert die Art, mit der sie ihre Protagonistin von einer eigentlich ziemlich gewöhnlichen Ausgangslage immer tiefer in eine zunehmend absurde Lebensgeschichte hineinmanövriert, sogar ein wenig an Jonas Jonasson – nur deutlich moderner und intellektueller. Kullmann kommt schließlich aus dem Essayistischen und Journalistischen und versteht es entsprechend gut, gesellschaftliche Beobachtungen beinahe beiläufig in eine Geschichte einzubauen. Dass sie schreiben kann, hatte sie ohnehin lange vor ihrem Romandebüt bewiesen: Für „Generation Ally“ erhielt sie bereits 2003 den Deutschen Bücherpreis in der Kategorie Sachbuch.
Besonders gelungen ist der Schluss. Gerade als man meint, Carla habe sich von ihrer eigenen Geschäftsidee endgültig überzeugen lassen und sei vom astrologischen Saulus zum kosmischen Paulus geworden, schlägt Kullmann noch einmal einen Haken. Mehr soll darüber nicht verraten werden. Nur so viel: Die letzten Seiten lassen manches, was vorher geschah, noch einmal in einem etwas anderen Licht erscheinen – und verraten vielleicht auch ein wenig mehr über Kullmanns eigene Haltung zur Astrologie, als sie sich auf den gut 250 Seiten zuvor anmerken lässt.
Ein kluger, amüsanter und wunderbar zeitgemäßer Roman über Orientierungslosigkeit, Lebensunlust, Astrologie, Selbsttäuschung, Geschäftssinn und die so verbreitete und unverwüstliche Sehnsucht danach, dass irgendwo da draußen doch jemand – oder wenigstens irgendein Planet – einen Plan für unser Leben haben möge.
Magnolia
4/5
15.04.2025
eBook (ePUB)
Astro-Business
Am Anfang war ein Stein. Ein Pflasterstein, der durch Carlas Fenster flog. Und viele Dollars, in einem müffeligen Karton. Sowohl Stein als auch Geld geben Rätsel auf, beides verwahrt sie erst mal sicher.
Katja Kullmann, die Autorin von „Stars“, glaubt nicht an die Sterne, wie sie verrät - und ihre Heldin glaubt auch nicht daran. Carla Mittmann, eine ehemalige Philosophiestudentin, verdient ihre Brötchen als Sachbearbeiterin in einer Möbelfirma. Von ihren einstigen Plänen und ihrem Forschungsprojekt „Der Aberglaube im Spätkapitalismus“ ist nichts geblieben, zumindest hat explizit sie davon nicht profitiert und das, obwohl das Geschäft mit der Astrologie boomt. Man wird täglich damit konfrontiert und wie es das Schicksal so will – oder sind es die Sterne, die ihren weiteren Weg befördern?- ist Carla plötzlich mittendrin in diesem Metier. Ihre Horoskop-Website ist der Anfang ihrer Erfolgsgeschichte, sie steigt groß ein ins Astro-Business.
Obwohl auch ich nicht an die Sterne glaube, ich früher mal diese Zeitungshoroskope gelesen und dann gleich wieder vergessen habe, war ich auf diese „Stars“ dann doch neugierig, „der ultimative Hochstaplerinnenroman“ hat mich direkt angezogen.
In den 1970er Jahren war es Madame Teissier und ihre Astro-Show, die die Astrologie in die Wohnzimmer brachte und nun ist dies Carla Mittmann, die sich vor Aufträgen kaum retten kann.
Carlas Geschichte lese ich mit einem Augenzwinkern, ihr schier kometenhafter Aufstieg wird launig erzählt, so manch Konkurrenz entlarvt sich durch plumpe Plagiate selber, Zeitschriften, VHS-Kurse, Funk und Fernsehen springen auf den lukrativen Zug der Astrologie auf, Zulauf bekommen sie aus allen gesellschaftlichen Schichten und dafür wird so manch erkleckliches Sümmchen hingelegt. Wollen wir nicht alle dem Schicksal ein wenig in die Karten schauen und von dem vermeintlich schicksalhaften Einfluss der Gestirne auf uns Menschen nur das Positive glauben? Und sind diese Voraussagen auch und gerade in Lebenskrisen ein Stück weit tröstlich?
Alles steht in den Sternen – diese Aussage lässt sich beliebig interpretieren. Ich lass das mal, Carla, die Astrophilosophin, kann das viel besser. In diesem Sinne wünsche ich viel Freude mit diesem unterhaltsamen Roman.
Cha
aus Baden-Baden
3/5
04.04.2025
eBook (ePUB)
Fehlender roter Faden
Nachdem das Cover mich total angesprochen hat und ich Astrologie liebe, war ich ganz gespannt auf dieses Buch. Im Laufe der Geschichte habe ich das aber immer wieder hinterfragt. Die Protagonistin ist nicht unbedingt sympathisch, was ja aber auch nicht immer nötig ist. Die immer wieder einfließenden astrologischen Teile waren richtig cool und es war erkennbar, dass sich mit dem Thema beschäftigt wurde. Allerdings fehlte ansonsten darüber hinaus etwas der rote Faden. Die anfangs so zentralen Dollar werden über den Mittelteil total aus den Augen verloren und spielen nicht wirklich eine Rolle. Und durch die drei großen Kapitel liest sich das Buch auch recht schleppend. Zusätzlich gibt es immer wieder Sprünge und das Erzähltempo ist recht schnell, wodurch die Geschichte etwas belanglos wird, weil die kleinen Details, die einen verzaubern und ans Herz gehen, ausgelassen wurden. Trotzdem war es stellenweise auch echt schön und unterhaltsam zu Lesen, wie Carla ihre Klient*innen kennenlernt und begleitet.
Cha_love
3/5
04.04.2025
eBook (ePUB)
Fehlender roter Faden Nachdem…
Fehlender roter Faden Nachdem das Cover mich total angesprochen hat und ich Astrologie liebe, war ich ganz gespannt auf dieses Buch. Im Laufe der Geschichte habe ich das aber immer wieder hinterfragt. Die Protagonistin ist nicht unbedingt sympathisch, was ja aber auch nicht immer nötig ist. Die immer wieder einfließenden astrologischen Teile waren richtig cool und es war erkennbar, dass sich mit dem Thema beschäftigt wurde. Allerdings fehlte ansonsten darüber hinaus etwas der rote Faden. Die anfangs so zentralen Dollar werden über den Mittelteil total aus den Augen verloren und spielen nicht wirklich eine Rolle. Und durch die drei großen Kapitel liest sich das Buch auch recht schleppend. Zusätzlich gibt es immer wieder Sprünge und das Erzähltempo ist recht schnell, wodurch die Geschichte etwas belanglos wird, weil die kleinen Details, die einen verzaubern und ans Herz gehen, ausgelassen wurden. Trotzdem war es stellenweise auch echt schön und unterhaltsam zu Lesen, wie Carla ihre Klient*innen kennenlernt und begleitet.
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