Bevor Timyian um Hilfe rufen konnte, presste sich eine Hand auf seinen Mund.
»Du wirst mir nicht den Hof stehlen«, knurrte Grayns Stimme dicht neben ihm.
Der halbwüchsige Bauernjunge Timyian, vom eigenen Bruder verkauft, landet in der Stadt Darin, wo sich Thiula, die Stadtobere, und der Herr der Unterwelt einen gnadenlosen Machtkampf liefern. Timyian bekommt von einem geheimnisvollen Fremden ein Angebot: Seine Freiheit gegen die Mitarbeit an einem groß angelegten Betrug. Aber im Spiel um die Macht ziehen mehr als zwei Parteien die Figuren – und Timyian ist eine davon.
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Nicht alle lassen sich manipulieren
phantastische_fluchten aus Walzbachtal am 11.04.2026
Bewertungsnummer: 3105780
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Timyian lebt in dem kleinen Dorf Callia, abseits der großen Städte. Seit Vater verachtet ihn, sein Bruder hasst ihn. Timyian ist ein Tagträumer, der lieber auf seiner kleinen Hirtenflöte spielt als ernsthafter Arbeit nachzugehen. Er taugt gerade mal dazu, die Schafe zu hüten. Aber auch hier träumt er zu sehr vor sich hin, beobachtet den Flug der Adler und folgt ihm mit seinen Melodien bis weit hinauf in den Himmel.
Als er die Schafherde vor wilden Hunden schützt und dabei verletzt wird, ändert sich die Haltung des Vaters ihm gegenüber und er verspricht, dass Timyian eines Tages den Hof erben wird. Diese Zusage ist Timyians Untergang. Der Hass, den sein älterer Bruder Grayn gegenüber Timyian empfindet, steigert sich ins Unermessliche und er verschachert Timyian an die Gaukler, die die Kinder an ein Hurenhaus in Darin verkaufen.
Als die Gaukler in Darin ankommen und ihre Beute dem brutalen Bruto präsentieren, kann Timyian fliehen. Ein seltsamer, schwarz gekleideter Fremder kommt ihm zu Hilfe und nimmt ihn bei sich auf. Niemand anders als Shevon al Yontar interessiert sich für den Jungen, der somit eine weitere Figur auf dem Spielbrett des Mannes wird.
Kommentar:
Von allen bisherigen Figuren mag ich Timyian am liebsten, Er hat sofort mein Herz gewonnen. In Callia hält lediglich seine Schwester Tia zu ihm. Sie liebt sein Flötenspiel und sie schleicht sich oft heimlich zur Schafweide, um Timyian zu überreden, für sie zu spielen. Von seinem Vater und seinem Bruder empfängt er nur Prügel und Verachtung. Vom Altknecht Dreg lernt er immerhin den Stockkampf so dass er die Schafe gegen die angreifenden Hunde verteidigen kann.
Die Zeit bei den Gauklern überlebt er durch Anpassung. Er ist es gewohnt verprügelt zu werden, das macht ihm keine Angst. Er lernt, zu jonglieren und hofft, dass er bei den Gauklern bleiben kann.
Seine Flucht verändert sein Leben erneut von Grund auf, als er Shevon al Yontar begegnet. In dessen Haushalt leben alles Menschen, die das Schicksal schwer getroffen hat. Hier gibt es auch die ersten Verknüpfungen zu den vorherigen Bänden, denn Rond und Merya gehören zu diesem Haushalt, ebenso wie Malcon al Andre. Dazu gesellt sich die Köchin Gyrid.
Man könnte meinen, ich verrate hier schon zu viel, aber die eigentliche Geschichte beginnt erst, als all diese Menschen zusammentreffen.
Rond macht seinem Namen „der dunkle Mann“ alle Ehre und ist ein Miesepeter durch und durch.
Merya, nicht auf den Mund gefallen, gibt ihrem Bruder immer Kontra und reizt ihn oft bis aufs Blut. Malcon ist der ruhende Pol in dieser Gemeinschaft. Und nun der junge Timyian. Rond sieht den Bengel als Ballast an, er weiß nicht, warum Shevon den Jungen aufgenommen hat. Merya sieht in ihm das Kind, das sie nie gehabt hat und Gyrid, die Köchin, hat nun eine Person mehr, die sie füttern kann.
Malcon nimmt Timyian unter seine Fittiche, es dauert jedoch lange, bis er das Vertrauen des Jungen gewinnen kann, der weder Freundschaft noch Zuneigung kennt und bei jedem Fehler Prügel erwartet. Und Rond trägt viel dazu bei, dass der Junge sein Misstrauen nicht verliert. Während Rond im dritten Band noch so etwas wie ein Herz zeigt, ist er hier einfach ein unfreundlicher und ungehobelter Kerl, der vergisst, dass Shevon auch ihn einst gerettet hat.
Timyian ist ein liebenswertes Kerlchen, der sein Herz auf dem rechten Fleck hat und es auch oft auf der Zunge trägt. Er versteht nicht, warum er in den Haushalt aufgenommen wurde aber er versucht alles, um seine Dankbarkeit zu zeigen. Wie die Melodien für seine Flöte, so sprechen auch die Zahlen zu ihm und mit diesem Talent kann er Malcon in der Buchführung unterstützen. Mit seiner Flöte verzaubert er alle, er spielt, was er sieht und vor den Zuhörenden entfalten sich wunderbare Bilder.
Die Zahlen reden mit ihm und seine Musik erzählt Geschichten.
Mit Timyian hat Michael Knabe eine liebenswerte Figur geschaffen, die ihren Weg findet und sich dabei nicht selbst verliert. Shevon muss erkennen, dass er nicht alles und jeden für sein Spiel benutzen und nicht alle Menschen manipulieren kann.
Kindermund tut Wahrheit kund heißt es ja oft und Shevon muss sich einige bittere Wahrheiten anhören.
Man merkt von Band zu Band, wie sich die Figuren weiterentwickeln, das Spiel des Shevon al Yontar weiter fortschreitet und die Figuren positioniert werden.
Die Welt ist faszinierend. Es handelt sich um ein Inselrund, das aus tausenden von Inseln besteht, Neben Levanon, der Heimat von Shevon, Sabinon, wo Ishabel lebt, gibt es noch einen Zusammenschluss der freien Königreiche, die sich gegen die beiden mächtigsten Reiche verbündet haben. Bisher spielt jeder Band auf einer anderen Insel, die sich sehr voneinander unterscheiden. Das macht diese Serie so abwechslungsreich und interessant. Langeweile kommt hier keine Minute auf.
Zu den Büchern hat sich Michale Knabe ein eigenes Spiel „Cal-Shon“ ausgedacht, inklusive eines Spielbrettes und absolut schönen Spielfiguren. Zu sehen ist das alles auf Instagram auf seinem Profil. Es handelt sich um ein Strategiespiel, dass Shevon meisterhaft beherrscht und er lebt und agiert so, als wäre das Leben einziges großes Spiel. Verständlich, dass er damit oft auf Unverständnis stößt und sich Menschen von ihm oft benutzt fühlen.
Das Cover dieses Bandes finde ich bisher am besten. Nach Rond hat es wieder die helleren Farben und die Fluchtpunktpersektive ist gut eingesetzt.
Fazit:
Auch Band vier hat mich wieder absolut überzeugt. Langsam fügen sich die Fäden zusammen und man ahnt als Leser eventuell, wohin die Spielzüge führen werden und wer in diesem Spiel welche Position einnimmt. Selten war ich von einer Geschichte so gefangen. Nach der Mitrys Trilogie von Pawel Kopijer ein weiteres Highlight aus einem Miniverlag. Ich bin froh, dass diese Kleinverlage diesen wunderbaren Geschichten eine Chance geben.
Wird der Schafshirte Timyian zu einer Spielfigur auf dem Brett des Cal-shòn Spiels!
Rajets Fantastische Leseseite aus Grünberg am 04.02.2025
Bewertungsnummer: 2403649
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Der Schreibstil ist gut zu lesen und flüssig, bildhaft und mitreißend – spannend und unterhaltend zu gleich.
Das Cover wirkt diesmal kühler, man sieht einen langen Säulengang und einen Kreis in weiß mit Ornamenten. Die Schrift inklusive der geflügelten Figur in Rüstung und Schild in zwei Farben (die zu einem Spiel Cal-shòn im Roman gehört und zugleich einer Erinnerung an Shevons Vergangenheit ist) wirkt gut abgestimmt und harmonisch.
Fazit:
Bevor Timyian um Hilfe rufen konnte, presste sich eine Hand auf seinen Mund. „Du wirst mir nicht den Hof stehlen“, knurrte Grayns Stimme dicht neben ihm.
Im dritten Band der Flüchtlings Chroniken dreht sich alles um den halbwüchsigen Bauernjunge Timyian, der von seinem eigenen Bruder verkauft wird. Er landet in der Stadt Darin, wo sich Thiula, die Stadtobere, und der Herr der Unterwelt einen gnadenlosen Machtkampf liefern. Timyian bekommt von einem geheimnisvollen Fremden ein Angebot (Shevon): Seine Freiheit gegen die Mitarbeit an einem groß angelegten Betrug. Aber im Spiel um die Macht ziehen mehr als zwei Parteien die Figuren – und Timyian ist eine davon.
Timyian wächst – ob es seinen Verkauf an durch den eigenen Bruder ist, die Entführung durch die Gaukler und die Reise in die Stadt Darin. Und nicht zu vergessen das, was er mit seiner Flöte schafft, wenn er sie spielt – eine Art von Zauber genau wie sein Umgang mit Zahlen. Er absolviert erfolgreich eine Lehre. Ansonsten wirkt er eher schüchtern und zurückhaltend – aber er wird immer mutiger.
Shevon al Yontar durfte wir ja schon in Band 1 - 3 kennen und als Protagonisten zu schätzen lernen. Mittlerweile zeigt er immer mehr sein diplomatisches Geschick und eine Intrigante Ader, die ihn auch aus prekären Situationen rettet.
Wir treffen auch auf einige andere uns schon bekannte Figuren aus den vorherigen Bänden: Rond und Malcon zum Beispiel. Shevon spielt sein Spiel nicht mehr allein – aber sind sie Verbündete und Freunde oder nur Spielfiguren für ihn?
Diesmal spielt die Handlung hauptsächlich in der Stadt Darin, am Anfang auf dem Land wo Timyain vorher lebte und seinen Weg in die Stadt. Das Setting ist mittelalterlich mit Kaufleuten, Kriegern, Handwerkern, Händlern und einer Menge Sklaven sowie diversen Herrschern ausgestattet. Handelt findet größtenteils auf dem Schiffsweg mit Seglern statt.
Im Hintergrund hört man auch immer wieder von dem Spiel Cal-shòn, es wohl im gesamten Inselreich bekannt und das man anscheinend mit der Spielfigur des Flügelboten (auch Zweigesicht genannt) nur in Levanyi spielt – es handelt sich um eine Art Strategie Spiel auf einem Brett (ähnlich mit Figuren wie beim Schach).
Dem Autor gelingt es auch in Band 4 eine wunderbare Art von Fantasy und Abenteuer zu schreiben, ohne ein Quäntchen Magie anzuwenden, zählt das Spiel auf der Flöte von Timyian einer Art Magie? Was einmal mehr eine wunderbare Abwechslung ist, dies wird sich so durch die ganze Reihe fortsetzen (so seine Aussage). Auch großes Gemetzel bleibt aus, obwohl es genug Brutalität und Blutvergießen gibt. Dafür treffen wir auf mehr politische Kalkül mit Intrigen und mancher überraschenden Wendung. Die zentrale und damit auch faszinierende Handlung liegt vor allem in der Figur von Shevon al Yontar.
Eine gelungene, fesselnde und spannende Fortsetzung, mit vielen Intrigen und überraschenden Wendungen, mal mit harten Worten und Ausdrücken – aber auch leisen Tönen, optisch kann das Cover und die Karten überzeugen, von mir 5 Sterne für diesen Fortsetzungsband und Vorfreude auf Band 5 (egal wann er erscheinen wird – ich will dabei sein).
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