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Produktbild: Der blinde Fleck

Der blinde Fleck Die vererbten Traumata des Krieges - und warum das Schweigen in den Familien jetzt aufbricht - Booktok-Bestseller

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Beschreibung

Produktdetails

Format

ePUB

Kopierschutz

Nein

Family Sharing

Ja

Text-to-Speech

Ja

Erscheinungsdatum

16.04.2025

Verlag

Penguin Random House

Seitenzahl

304 (Printausgabe)

Dateigröße

2168 KB

Sprache

Deutsch

EAN

9783641330521

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ePUB

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Erscheinungsdatum

16.04.2025

Verlag

Penguin Random House

Seitenzahl

304 (Printausgabe)

Dateigröße

2168 KB

Sprache

Deutsch

EAN

9783641330521

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80 Jahre nach Kriegsende immer noch und immer wieder brandaktuell

Bewertung aus Quickborn am 16.04.2025

Bewertungsnummer: 2468112

Bewertet: Hörbuch-Download

Die Autoren Stephan Lebert und Louis Lewitan haben sich mit Vehemenz auf ein Thema eingelassen, das auch mich schon seit Jahren beschäftigt. In diesem (Hör)-Buch geht es aber vor allem um das Schweigen der Täter und ihrer Nachkommen. Ich gehöre zu jenen, die im Buch als die mit einem Kaleidoskop an Vorfahren verschiedenster Prägung – jedoch überwiegen bei mir die Opfer– bezeichnet werden. Und ich gehöre zu jenen, die versucht haben, das Schweigen und Verschweigen in der Familie zu durchbrechen, was sich mittlerweile als Lebensaufgabe herausgestellt hat. Für mich also genau das richtige Buch. Dass es mittlerweile immer mehr Nachfahren von Opfern wie auch von Tätern gibt, die ihre Familiengeschichte aufarbeiten möchten, ist ein gutes Zeichen. Die Autoren dieses Buches haben sich mehrheitlich auf die „Täter“-Nachfahren konzentriert, die Traumata des Krieges sind jedoch wesentlich weiter verbreitet. Und oftmals ist die Unterscheidung von Täter und Opfern auch schwierig, man denke nur an die Millionen Vertriebenen aus den sogenannten Ostgebieten und anderen früheren Wohnorten der Deutschen, wie aus dem Sudetenland oder anderen Ländern wie Ungarn oder Rumänien. Da wird es wohl nicht wenige gegeben haben, die (Mit-)Täter in der Familie hatten und selbst zu Opfern wurden. Jetzt, kurz vor dem 8. Mai, an dem wieder jede Menge wohlmeinender Reden gehalten werden, denke ich an das, was die Autoren als kollektive Scham und Schmach bezeichnen. Noch immer hört man von “Nestbeschmutzern“, für viele ist es nach wie vor kein Feiertag, der Tag der Befreiung. Vorsichtshalber wurde das Gedenken der Deutschen aus ihrem Leben vertrieben. Eines der Kapitel berichtet von Christiane Hoffmann, der die Aufarbeitung durch einen langen Marsch entlang der Fluchtroute ihres Vaters geschafft hat. Ihren Roman „Alles was wir nicht erinnern“ kann ich als ergänzende Lektüre (egal ob Buch oder Hörbuch) sehr empfehlen. Die Autoren haben eine Vielzahl an Nachfahren befragt, nicht nur bekannte Persönlichkeiten, sondern auch völlig unbekannte Menschen, die ihnen von der Schwierigkeit der Aufarbeitung der Vergangenheit und vom Verschweigen in den eigenen Familien berichteten. Von Karl-Theodor zu Guttenberg über Klaus-Michael Kühne und Ida Ehre bis hin zu Erwin Strittmatter, Ute Scheub oder Charlotte Link begegnet man Menschen, die auf verschiedenste Weise mit dem Schweigen über ihre Vorfahren und eine Verflechtung mit den Taten der Nationalsozialisten zurechtgekommen sind oder es zumindest auf ihre Art versuchen. Der besondere, ich könnte auch schreiben, besonnene Blick auf die Lage in der DDR, in der ja offiziell keine Nazis mehr waren, es offiziell keinen Antisemitismus gab, offiziell die Deutsch-Sowjetische Freundschaft über allem stand, das hat mir noch einmal einen Rückblick gegeben, dem ich hier nur voll zustimmen kann. Dass es im Gegensatz zur DDR in der BRD aber auch ein beharrliches Verschweigen und Vertuschen gab, das wird hier auch thematisiert. Allein diese Ost-West-Aspekte würden ein weiteres Buch ergeben mit Analysen, wie und warum die ehemals zwei deutschen Staaten nun vereint immer noch gern verschweigen und vertuschen. Zumindest ist klar, nicht jede Wahrheit verbessert die Reputation. Eine interessante Art der Verantwortungsübernahme bietet das Beispiel ZDF, das mittlerweile seine Krimi-Serie Derrick im Giftschrank verrotten lässt, anstatt sich vernünftig mit Vergangenheit und Gegenwart auseinanderzusetzen. Der Umgang mit der Nazivergangenheit ist immer noch verlogen. Bloß nicht dran rühren. Horst Tappert ist nach seinem Tod zur persona nongrata geworden, Herbert Reinecker soll auch zu Lebzeiten besser ruhig bleiben. Zufällig wurde gerade als ich dieses Hörbuch hörte, in einem Beitrag des Historikers Thomas Gruber erstmals die NSDAP-Mitgliedschaft des bekannten Suhrkamp-Verlegers Siegfried Unseld öffentlich gemacht. Unseld ist bereits 2002 verstorben, die Mitgliedskarte, die den Beitritt mit 18 Jahren belegt, war ein „Recherchebeifang“, mit dem wohl auch der Historiker nicht gerechnet hatte. Ich könnte mir gut vorstellen, dass auch hier nun ein Schweigen aufgebrochen wird, das 80 Jahre lang und über den Tod Unselds hinaus gehalten hat. Wäre der Fund etwas früher geschehen, wäre er sicherlich als Kapitel in dieses Buch eingegangen. Die Autoren sagen sinngemäß „Verdrängung sei ein Filter, den Menschen dringend brauchen“. Nur durch Verdrängung ist es aber vielen, Opfern wie Tätern einschließlich der Nachfahren, seit 80 Jahren möglich, ein normales Leben zu führen. „Man wird seine Geisterbibliothek nicht mehr los“, aber man kann sich auch nicht Tag und Nacht zerfleischen. Viele haben sich dafür entschieden, nie etwas zu sagen oder zu fragen, einige verarbeiten die ambivalenten Gefühle durch das Schreiben, das Drehen von Dokumentarfilmen oder das Sprechen über das Erlebte vor Publikum. In diesem Buch lernen wir unterschiedlichste Sichtweisen kennen, das macht das Zuhören (bestimmt auch das Lesen) sehr spannend. Z. B. Niklas, der Mann mit den verschlungenen Pfaden seiner Vorfahren ist ein gutes Beispiel für das komplizierte Geflecht aus Verschweigen, Erinnern und die Wahrheit suchen und finden. Wobei Wahrheit ein sehr dehnbarer Begriff bei der Familienforschung ist. In die Kapitel eingebaut wurden die „Zwischenrufe“ des Psychologen Louis Lewitan, der Nachkomme von Schoah-Überlebenden ist. Als Expert für Stress(bewältigung) erklärt er sehr gut verständlich die sich herausbildenden, auch krankhaft werdenden Traumata. Im Buch wird auch der Unterschied zwischen Schoah (hebräisch für "große Katastrophe") und Holocaust (altgriechisch holókaustos, deutsch für „vollständig verbrannt“) sehr umfangreich erklärt. Die Sicht der Autoren ist wissenschaftlich gesehen sicher zutreffend, umgangssprachlich jedoch wird zumeist von Holocaust und Holocaust-Opfern gesprochen und geschrieben. Auch ich verwende diese Bezeichnung und empfinde sie nach wie vor nicht als falsch. Der Epilog hat eine andere Autorin: Joëlle Lewitan, die 1999 geborene Tochter von Louis Lewitan, die auch Psychologie studiert hat. Sie bezeichnet sich selbst als Angehörige der Generation Z und sie lässt einen Blick zu auf die Befindlichkeiten der heutigen jüdischen jungen Leute. Und sie macht unumwunden klar, die NS-Zeit ist ein Teil ihrer Biografie. Ihr unverfälschter Blick auf die Ereignisse um den 7. Oktober 2023 in Israel und auf die Entwicklung antisemitischer Haltungen danach spricht Bände. Besonders bewegte mich die Frage, ob und wie offen sie ihre Kette mit dem Davidstern denn in unserem Land, in Europa, in der Welt überhaupt noch tragen kann. Obwohl zu Beginn des Buches davon die Rede ist, dass die Autoren sich „meist“ für das grammatische, generische Maskulinum entschieden hätten, haben mich die vielen Wiederholungen der „Jüdinnen und Juden“ oder auch „Bürgerinnen und Bürger“ genervt. Die anderen „geschlechtergerechten“ Wortfindungen erwähne ich erst gar nicht. Es ist einfach unschön, beim Hören wie beim Lesen, es stört den Satz, es stört mich beim Denken, weil ich mich jedes Mal von Neuem darüber ärgere. Im Gegensatz zu dieser kleinen Kritik hat mir der Schreibstil ebenso gut gefallen, wie die Lesung von Thomas Dehler. Hier hätte ich gleich einen Vorschlag für den nächsten Hörbuchpreis! Das Cover passt perfekt zum Thema, das Blaugrau des Fotos mit dem Wehrmachtsangehörigen und dem Mädchen erinnert sehr an die Dramatik der Weltkriegszeit. Entweder fiel der Vater oder er kam in Gefangenschaft, viele Kinder sind so ohne ihre Väter aufgewachsen. Fazit: Ein aktuelles Thema, das die letzten 80 Jahre überdauert hat und wohl auch noch weitere Generationen beschäftigen wird. Das Buch trägt aus meiner Sicht sehr dazu bei, sich auch in der heutigen Zeit gedanklich nicht über die Vorfahren zu erheben. Niemand weiß, wie er gehandelt hätte, wäre er in der Lage der Väter, Großväter usw. gewesen, egal ob sie Täter oder Opfer oder beides waren. Egal ob Hörbuch oder Buch, ich spreche eine Empfehlung aus!

80 Jahre nach Kriegsende immer noch und immer wieder brandaktuell

Bewertung aus Quickborn am 16.04.2025
Bewertungsnummer: 2468112
Bewertet: Hörbuch-Download

Die Autoren Stephan Lebert und Louis Lewitan haben sich mit Vehemenz auf ein Thema eingelassen, das auch mich schon seit Jahren beschäftigt. In diesem (Hör)-Buch geht es aber vor allem um das Schweigen der Täter und ihrer Nachkommen. Ich gehöre zu jenen, die im Buch als die mit einem Kaleidoskop an Vorfahren verschiedenster Prägung – jedoch überwiegen bei mir die Opfer– bezeichnet werden. Und ich gehöre zu jenen, die versucht haben, das Schweigen und Verschweigen in der Familie zu durchbrechen, was sich mittlerweile als Lebensaufgabe herausgestellt hat. Für mich also genau das richtige Buch. Dass es mittlerweile immer mehr Nachfahren von Opfern wie auch von Tätern gibt, die ihre Familiengeschichte aufarbeiten möchten, ist ein gutes Zeichen. Die Autoren dieses Buches haben sich mehrheitlich auf die „Täter“-Nachfahren konzentriert, die Traumata des Krieges sind jedoch wesentlich weiter verbreitet. Und oftmals ist die Unterscheidung von Täter und Opfern auch schwierig, man denke nur an die Millionen Vertriebenen aus den sogenannten Ostgebieten und anderen früheren Wohnorten der Deutschen, wie aus dem Sudetenland oder anderen Ländern wie Ungarn oder Rumänien. Da wird es wohl nicht wenige gegeben haben, die (Mit-)Täter in der Familie hatten und selbst zu Opfern wurden. Jetzt, kurz vor dem 8. Mai, an dem wieder jede Menge wohlmeinender Reden gehalten werden, denke ich an das, was die Autoren als kollektive Scham und Schmach bezeichnen. Noch immer hört man von “Nestbeschmutzern“, für viele ist es nach wie vor kein Feiertag, der Tag der Befreiung. Vorsichtshalber wurde das Gedenken der Deutschen aus ihrem Leben vertrieben. Eines der Kapitel berichtet von Christiane Hoffmann, der die Aufarbeitung durch einen langen Marsch entlang der Fluchtroute ihres Vaters geschafft hat. Ihren Roman „Alles was wir nicht erinnern“ kann ich als ergänzende Lektüre (egal ob Buch oder Hörbuch) sehr empfehlen. Die Autoren haben eine Vielzahl an Nachfahren befragt, nicht nur bekannte Persönlichkeiten, sondern auch völlig unbekannte Menschen, die ihnen von der Schwierigkeit der Aufarbeitung der Vergangenheit und vom Verschweigen in den eigenen Familien berichteten. Von Karl-Theodor zu Guttenberg über Klaus-Michael Kühne und Ida Ehre bis hin zu Erwin Strittmatter, Ute Scheub oder Charlotte Link begegnet man Menschen, die auf verschiedenste Weise mit dem Schweigen über ihre Vorfahren und eine Verflechtung mit den Taten der Nationalsozialisten zurechtgekommen sind oder es zumindest auf ihre Art versuchen. Der besondere, ich könnte auch schreiben, besonnene Blick auf die Lage in der DDR, in der ja offiziell keine Nazis mehr waren, es offiziell keinen Antisemitismus gab, offiziell die Deutsch-Sowjetische Freundschaft über allem stand, das hat mir noch einmal einen Rückblick gegeben, dem ich hier nur voll zustimmen kann. Dass es im Gegensatz zur DDR in der BRD aber auch ein beharrliches Verschweigen und Vertuschen gab, das wird hier auch thematisiert. Allein diese Ost-West-Aspekte würden ein weiteres Buch ergeben mit Analysen, wie und warum die ehemals zwei deutschen Staaten nun vereint immer noch gern verschweigen und vertuschen. Zumindest ist klar, nicht jede Wahrheit verbessert die Reputation. Eine interessante Art der Verantwortungsübernahme bietet das Beispiel ZDF, das mittlerweile seine Krimi-Serie Derrick im Giftschrank verrotten lässt, anstatt sich vernünftig mit Vergangenheit und Gegenwart auseinanderzusetzen. Der Umgang mit der Nazivergangenheit ist immer noch verlogen. Bloß nicht dran rühren. Horst Tappert ist nach seinem Tod zur persona nongrata geworden, Herbert Reinecker soll auch zu Lebzeiten besser ruhig bleiben. Zufällig wurde gerade als ich dieses Hörbuch hörte, in einem Beitrag des Historikers Thomas Gruber erstmals die NSDAP-Mitgliedschaft des bekannten Suhrkamp-Verlegers Siegfried Unseld öffentlich gemacht. Unseld ist bereits 2002 verstorben, die Mitgliedskarte, die den Beitritt mit 18 Jahren belegt, war ein „Recherchebeifang“, mit dem wohl auch der Historiker nicht gerechnet hatte. Ich könnte mir gut vorstellen, dass auch hier nun ein Schweigen aufgebrochen wird, das 80 Jahre lang und über den Tod Unselds hinaus gehalten hat. Wäre der Fund etwas früher geschehen, wäre er sicherlich als Kapitel in dieses Buch eingegangen. Die Autoren sagen sinngemäß „Verdrängung sei ein Filter, den Menschen dringend brauchen“. Nur durch Verdrängung ist es aber vielen, Opfern wie Tätern einschließlich der Nachfahren, seit 80 Jahren möglich, ein normales Leben zu führen. „Man wird seine Geisterbibliothek nicht mehr los“, aber man kann sich auch nicht Tag und Nacht zerfleischen. Viele haben sich dafür entschieden, nie etwas zu sagen oder zu fragen, einige verarbeiten die ambivalenten Gefühle durch das Schreiben, das Drehen von Dokumentarfilmen oder das Sprechen über das Erlebte vor Publikum. In diesem Buch lernen wir unterschiedlichste Sichtweisen kennen, das macht das Zuhören (bestimmt auch das Lesen) sehr spannend. Z. B. Niklas, der Mann mit den verschlungenen Pfaden seiner Vorfahren ist ein gutes Beispiel für das komplizierte Geflecht aus Verschweigen, Erinnern und die Wahrheit suchen und finden. Wobei Wahrheit ein sehr dehnbarer Begriff bei der Familienforschung ist. In die Kapitel eingebaut wurden die „Zwischenrufe“ des Psychologen Louis Lewitan, der Nachkomme von Schoah-Überlebenden ist. Als Expert für Stress(bewältigung) erklärt er sehr gut verständlich die sich herausbildenden, auch krankhaft werdenden Traumata. Im Buch wird auch der Unterschied zwischen Schoah (hebräisch für "große Katastrophe") und Holocaust (altgriechisch holókaustos, deutsch für „vollständig verbrannt“) sehr umfangreich erklärt. Die Sicht der Autoren ist wissenschaftlich gesehen sicher zutreffend, umgangssprachlich jedoch wird zumeist von Holocaust und Holocaust-Opfern gesprochen und geschrieben. Auch ich verwende diese Bezeichnung und empfinde sie nach wie vor nicht als falsch. Der Epilog hat eine andere Autorin: Joëlle Lewitan, die 1999 geborene Tochter von Louis Lewitan, die auch Psychologie studiert hat. Sie bezeichnet sich selbst als Angehörige der Generation Z und sie lässt einen Blick zu auf die Befindlichkeiten der heutigen jüdischen jungen Leute. Und sie macht unumwunden klar, die NS-Zeit ist ein Teil ihrer Biografie. Ihr unverfälschter Blick auf die Ereignisse um den 7. Oktober 2023 in Israel und auf die Entwicklung antisemitischer Haltungen danach spricht Bände. Besonders bewegte mich die Frage, ob und wie offen sie ihre Kette mit dem Davidstern denn in unserem Land, in Europa, in der Welt überhaupt noch tragen kann. Obwohl zu Beginn des Buches davon die Rede ist, dass die Autoren sich „meist“ für das grammatische, generische Maskulinum entschieden hätten, haben mich die vielen Wiederholungen der „Jüdinnen und Juden“ oder auch „Bürgerinnen und Bürger“ genervt. Die anderen „geschlechtergerechten“ Wortfindungen erwähne ich erst gar nicht. Es ist einfach unschön, beim Hören wie beim Lesen, es stört den Satz, es stört mich beim Denken, weil ich mich jedes Mal von Neuem darüber ärgere. Im Gegensatz zu dieser kleinen Kritik hat mir der Schreibstil ebenso gut gefallen, wie die Lesung von Thomas Dehler. Hier hätte ich gleich einen Vorschlag für den nächsten Hörbuchpreis! Das Cover passt perfekt zum Thema, das Blaugrau des Fotos mit dem Wehrmachtsangehörigen und dem Mädchen erinnert sehr an die Dramatik der Weltkriegszeit. Entweder fiel der Vater oder er kam in Gefangenschaft, viele Kinder sind so ohne ihre Väter aufgewachsen. Fazit: Ein aktuelles Thema, das die letzten 80 Jahre überdauert hat und wohl auch noch weitere Generationen beschäftigen wird. Das Buch trägt aus meiner Sicht sehr dazu bei, sich auch in der heutigen Zeit gedanklich nicht über die Vorfahren zu erheben. Niemand weiß, wie er gehandelt hätte, wäre er in der Lage der Väter, Großväter usw. gewesen, egal ob sie Täter oder Opfer oder beides waren. Egal ob Hörbuch oder Buch, ich spreche eine Empfehlung aus!

Mehr erwartet

Bewertung aus Vaihingen am 13.07.2025

Bewertungsnummer: 2538308

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Aufgrund lebenslanger (75 J.) eigener Erfahrungen mit menschlichem Verhalten und aufgrund der seit Jahren zu beobachtenden politischen Entwicklungen hatte ich mir von dem Buch mehr erwartet. Die Analyse, die Summe der Einzelbeispiele der Autoren konnte ich pauschal bestätigen, konnte ich also getrost diagonal lesen. Der Schluss, die letzten Kapitel aber enttäuschten mich. Warum die Mühen für rund 280 Seiten, wenn ganz dürftig fast nur das kurze Kapitel "Jakob Springfeld" die Frage nach der Zukunft aufwirft? Ist es die unausgesprochene Selbstverpflichtung, den Lesern die Hoffnung auf Besserung nicht zu nehmen? Denn alles, was ich so erlebe, angefangen in der Kommunalpolitik, selbst im Umfeld der Gedenkstätten-Initiative, deren Mitglied ich bin, über Landes- hin zur Geo-Politik beweisen mir mehr und mehr, dass den meisten Menschen die Fähigkeit fehlt oder sie verdrängt wird, Parallelen des eigenen Verhaltens zu denen zu finden, denen sie heute vorwerfen, die Entwicklung nicht rechtzeitig erkannt zu haben. "Wird schon nicht so schlimm werden", "sei doch toleranter", "das ist heute doch etwas ganz anderes",... Hoffnung? Nein, Menschen verhalten sich immer gleich, wenn vergleichbare (nicht die gleichen!) Voraussetzungen wieder gegeben sind.

Mehr erwartet

Bewertung aus Vaihingen am 13.07.2025
Bewertungsnummer: 2538308
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Aufgrund lebenslanger (75 J.) eigener Erfahrungen mit menschlichem Verhalten und aufgrund der seit Jahren zu beobachtenden politischen Entwicklungen hatte ich mir von dem Buch mehr erwartet. Die Analyse, die Summe der Einzelbeispiele der Autoren konnte ich pauschal bestätigen, konnte ich also getrost diagonal lesen. Der Schluss, die letzten Kapitel aber enttäuschten mich. Warum die Mühen für rund 280 Seiten, wenn ganz dürftig fast nur das kurze Kapitel "Jakob Springfeld" die Frage nach der Zukunft aufwirft? Ist es die unausgesprochene Selbstverpflichtung, den Lesern die Hoffnung auf Besserung nicht zu nehmen? Denn alles, was ich so erlebe, angefangen in der Kommunalpolitik, selbst im Umfeld der Gedenkstätten-Initiative, deren Mitglied ich bin, über Landes- hin zur Geo-Politik beweisen mir mehr und mehr, dass den meisten Menschen die Fähigkeit fehlt oder sie verdrängt wird, Parallelen des eigenen Verhaltens zu denen zu finden, denen sie heute vorwerfen, die Entwicklung nicht rechtzeitig erkannt zu haben. "Wird schon nicht so schlimm werden", "sei doch toleranter", "das ist heute doch etwas ganz anderes",... Hoffnung? Nein, Menschen verhalten sich immer gleich, wenn vergleichbare (nicht die gleichen!) Voraussetzungen wieder gegeben sind.

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Der blinde Fleck

von Stephan Lebert, Louis Lewitan

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