Ein Dokument über Entrechtung, Verfolgung, Deportation und Tod, über Illegalität und Identitätsverlust und zugleich stiller menschlicher Hilfsbereitschaft. Viele Angehörige der älteren Generation erinnern sich noch daran, wie die Nazis ihre Kindheit missbrauchten, ohne dass sie dies damals erfassen konnten. Wie aber erlitten die Söhne und Töchter jüdischer Eltern diese Zeit? Inge Deutschkron, in Berlin aufgewachsen, musste erfahren, was es heißt, ein jüdisches Kind zu sein. Zunächst bedeutete dies nur, nicht mit Gleichaltrigen spielen zu können, vom Schwimm- und Sportunterricht ausgeschlossen zu sein, mehrmals die Schule zu wechseln und in andere Stadtviertel umziehen zu müssen. Allmählich kommt die Angst vor Verhaftungen hinzu, und bald wird der Familie klar, dass es sich um eine planmäßige Diskriminierung handelt, an deren Ende die totale Menschenverachtung und Mord stehen. Der Ausbruch des Krieges verhindert die Emigration. Ab 1941 mussten die Juden den gelben Stern tragen, die ersten Deportationen unter den 66.000 Berliner Juden setzten ein. Die verzweifelte Angst vor dem offenbar unausweichlichen Schicksal wurde übermächtig. Für Inge Deutschkron und ihre Mutter begann nun ein Leben in Illegalität, unter fremder Identität, lebensbedrohend für sie selbst wie für ihre Freunde, die ihnen in menschlicher Solidarität Beistand gewährten. Nach Jahren der quälenden Angst vor der Entdeckung, haben sie schließlich den bürokratisierten Sadismus des nationalsozialistischen Systems überlebt: zwei unter 1.423 Juden in Berlin, die dem tödlichen Automatismus entronnen sind.
Kundinnen und Kunden meinen
4.7/5.0
Bewertung
aus Quickborn
5/5
05.12.2024
Hörbuch-Download (MP3)
Niemals unterkriegen lassen!
Das Hörbuch ist die Vertonung der schon 1978 erschienen Autobiografie von Inge Deutschkron. Sie beschrieb ihre Erlebnisse und ihren Lebensweg, den sie als Jüdin in Deutschland nicht in die Gaskammern der Nazis ging. Schon dies ist für die 1925 geborene Frau ein bemerkenswertes Alleinstellungsmerkmal, nur einigen zehntausend Juden gelang das Überleben, sechs Millionen Juden starben im Holocaust. Ich beschäftige mich seit langem mit diesem unmenschlichen und unglaublichen Phänomen. So hörte ich vor Kurzem auch die Sprecherin Chris Nonnast das Hörbuch „All die gestohlenen Erinnerungen“ lesen, dass sich mit dieser Thematik aus der heutigen Sicht einer Mitarbeiterin von Arolsen Archives (früher ITS) beschäftigte. Chris Nonnast hat jetzt ein weiteres Mal gezeigt, dass sie sich hundertprozentig in die Zeit und die Protagonisten der Bücher hineinversetzen kann. So kam mir Inge Deutschkron sehr nahe, ich konnte mit ihr mitfühlen und ihre Ängste verstehen. Trotzdem ist es mir ein Rätsel, wie ihr mit ihrer Mutter das Überleben gelang.
Inge Deutschkron hat in den 1940er Jahren in der Werkstatt von Otto Weidt – teilweise mit falscher Identität – gearbeitet. Im Dokudrama „Ein blinder Held – Die Liebe des Otto Weidt“ ist es die Autorin, die durch die Handlung führt. Ich habe mir danach die Ausstellung in Berlin in den Hackeschen Höfen angeschaut, da bekam alles noch mehr Gewicht. Beim Hörbuch fiel es mir deshalb nicht schwer, einen Film im Kopf ablaufen zu lassen. Das Gehörte war sehr real. Mich freut es im Rückblick, dass es doch so viele Menschen gab, die sich unter Gefahren um jüdische Mitbürger gekümmert haben. Ich bin ihnen zutiefst dankbar, auch wenn meine Verwandten in Deutschland keine schützende Hand hatten, so haben doch einige in der rechtzeitigen Emigration ihr Leben retten können. Die Bitternis, die nach dem Krieg nicht nur bei Inge Deutschkron aufkam, dass sie eine der Auserwählten war, aber viele andere egal wo, in Auschwitz oder Bergen-Belsen, ermordet wurden, kann ich gut nachvollziehen.
Es wäre schön, würden Bücher, Hörbücher, egal ob Berichte oder Fiktion, zu diesem Thema immer wieder erscheinen. So wie dieses Hörbuch 46 Jahre nach Ersterscheinen nun zum Nachdenken einlädt. Danke an Aufbau audio, ein wunderbar erzähltes, trauriges Stück Zeitgeschichte lassen Sie lebendig werden. Von mir eine absolute Hörempfehlung.
Bewertung
aus angermünde
5/5
22.08.2005
Buch (Taschenbuch)
Fantastisch
Ein buch das ich nur wärmstens empfehlen kann. Ich lese schon seit einigen jahren bücher aus dieser Rubrik. Dieses ist eines von denen die ich förmlich verschlungen habe. Ein sehr bewegendes Schicksal einer starken Frau, die sich vor den Nazis und der Deportation verstecken musste.
Ramses
aus Bayern
4/5
08.01.2025
Buch (Taschenbuch)
Schonungsloser Bericht über…
Schonungsloser Bericht über das Leben mit dem gelben Stern Inge und ihre Mutter sind Juden und können Deutschland nicht mehr verlassen. Das Leben wird all gefährlicher und während all mehr Juden abtransportiert werden, versuchen Inge und ihre Mutter im Versteckten zu überleben. Meine Meinung Ein erschütternder Tatsachenbericht über das Leben mit dem gelben Stern. Ich habe das Hörbuch gehört und fand die Stimme der Sprecherin etwas monoton. Das Buch konnte mich nicht packen, denke aber, dass viel an der Sprecherin lag. Hätte ich das Print in den Händen gehabt, hätte es mir noch besser gefallen. Der Schreibstil liest sich leicht und flüssig und die Personen und Handlungen werden sehr gut erklärt und verständlich beschrieben. Ich empfehle ganz klar das Print und nicht das Hörbuch. 4 Sterne und eine Kaufempfehlung
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