»Ich habe mich von deinem Vater befreit und dachte, jetzt wird alles besser.« Édouard Louis kehrt zur Geschichte seiner Mutter zurück. Zu einer Frau, die sich schon einmal befreit hat. Von Alkohol, Gewalt und Scham, vom Schweigen. Und deren Geschichte sich zu wiederholen droht, als sie eines Nachts den Sohn anruft, während ihr neuer Partner sie im Hintergrund rüde beschimpft. Schritt für Schritt plant der Sohn mit ihr den Ausbruch, ein neuer Anfang gelingt, aber wie geht das Leben weiter, wenn man Freiheit nie gelernt hat?
»Monique bricht aus« ist ein einfühlsames und zartes Porträt einer Mutter, die für ihre Selbstbestimmung kämpft, und eines Sohnes, der sich mit ihr verbündet. Zweier Menschen, die sich einander annähern und behutsam beginnen, eine gemeinsame neue Geschichte zu schreiben.
Kundinnen und Kunden meinen
4.4/5.0
Anna
5/5
07.06.2026
Buch (Taschenbuch)
Ein eigenes Leben ohne Demütigung
In diesem autofiktionalen Roman schreibt Edouard Louis, wie er seiner Mutter hilft, sich von ihrem tyrannischen, gewalttätigen Lebensgefährten zu befreien.
Wegen seines literarischen Erfolges ist der Autor in der Lage, ihr eine eigene Wohnung zu ermöglichen und einen Neuanfang zu schenken. All diese einzelnen Schritte zu begleiten, war so schön zu lesen. Ich weiß nicht, wie oft ich innerlich aufgeatmet habe, auch deshalb weil Monique zunehmend aufgeblüht ist.
Interessant fand ich die Reflexionen des Autors, der die Beziehung zu seiner Mutter neu überdenkt. Ohne die gegenseitigen Verletzungen, die sie sich in der Vergangenheit zugefügt hatten, und die sich gegenseitig bedingten, wäre seine Hilfe gar nicht möglich gewesen.
Monique bricht aus“ ist ein sehr persönliches Buch, und es löst beim Lesen auch eine persönliche Betroffenheit aus. Auf eine gewisse Art und Weise ist es aber auch Glücksbuch, auch wenn das sehr salopp klingt. Denn wie diese gedemütigte Frau sich endlich wichtig fühlt, und vor allem ihr Weg dahin, das rührt zu Tränen.
Bewertung
5/5
10.06.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eines meiner Lieblingsbücher
Voller Bewunderung habe ich das Buch verschlungen und musste dabei das ganze letzte Kapitel über weinen, weil ich mich so für Monique gefreut habe.
Édouard Louis schafft es mit einer solchen Hoffnung und Liebe über schwierige Themen zu berichten die so viel in mir heilt wenn ich eines seiner Bücher lese und dieses Buch ist meiner Meinung nach das Beste von ihm.
Ich liebe Bücher, die keinen linearen Handlungsstrang haben, sondern das Leben so wie es ist - durcheinander und verzeigt - wie einen Baum, anstatt einer Holzlatte beschreiben.
Dieses Buch ist eine 10/10 und ich lese es so gerne - man kann es nämlich extrem gut auch mehrmals lesen, weil es so schön ist.
Literatursprechstunde
aus Göttingen
5/5
03.02.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wow - Édouard Louis’ zweites Buch über seine Mutter, großartig!
„Ich könnte sagen: Kein Leid in meiner Kindheit = keine Bücher = kein Geld = keine Freiheit.“
Nur aufgrund seiner Literatur über seine prägenden familiären Erfahrungen ist Édouard Louis in der Lage seiner Mutter helfen zu können, als diese vor einem gewalttätigen Mann flüchtet, um sich ihre eigene Existenz aufzubauen.
Aber erstmal von vorne. Louis‘ Mutter verbrachte den größten Teil ihres Lebens in Nordfrankreich, in einem abgelegenen Dorf mit knapp tausend Einwohnern. Sie lernte dort den Mann kennen, vor dem sie später würde fliehen müssen. Aber auch schon Louis‘ Vater misshandelte sie.
„Kurz zuvor hatte sie meinen Vater nach zwanzig Jahren Ehe rausgeworfen, zwanzig Jahre, in denen er von ihr erwartet hatte, dass sie
kochte
putzte
einkaufte
spülte
die Wäsche wusch
dass sie den Mund hielt, wenn er fernsah, sechs oder sieben Stunden am Tag, und wenn sie es nicht tat, rastete er aus,..“
Da sie in ihrem Zuhause keine Bestätigung bekam, verfügte seine Mutter über ein geringes Selbstwertgefühl.
„Meine Mutter hat sich in ihrem Leben oft an Komplimente geklammert, die andere ihr gemacht haben; sie gaben und geben ihr das Gefühl, gesehen zu werden, in den Augen und in den Worten der anderen zu existieren und die Unsichtbarkeit zu durchbrechen, die eine Folge der Armut war und eines Lebens an der Seite von Männern, die alles daran gesetzt hatten, sie zu erniedrigen.“
Heute als erwachsener Mann versteht Louis die Not seiner Mutter, die Freude über - und den Heisch nach Aufmerksamkeit.
Als sie sich endlich von ihrem aktuellen, gewalttätigen Lebensgefährten lossagt, gewährt ihr Sohn Édouard ihr Unterschlupf in seiner Pariser Wohnung. Er spürt ihre Dankbarkeit, aber nimmt auch die Müdigkeit seiner Mutter wahr.
„Müdigkeit, das war im Leben meiner Mutter immer das deutlichste Anzeichen dafür gewesen, dass ihr Unrecht geschah. Müdigkeit, weil sie zu einem Hausfrauendasein gezwungen war, Müdigkeit, weil sie gedemütigt wurde, Müdigkeit, weil sie weglaufen musste, Müdigkeit, weil sie sich abrackern musste, Müdigkeit, weil sie immer wieder von vorne anfangen musste.
Manche werden vom Leben getragen, für andere ist das Leben ein ständiger Kampf.
Wer zur zweiten Kategorie gehört, ist müde.“
Auch finanzielle Abhängigkeit ist ein großes Thema des Buches - seine Mutter verlor durch den Einzug bei dem Mann, mit dem sie zusammen war, ihre Sozialhilfe, auf die sie nach der Trennung von seinem Vater Anspruch gehabt hatte, sowie auch ihren Halbtagsjob. Vorbei war ihre „Unabhängigkeit“. Und so kreuzt sie eines Tages unangekündigt bei Édouard auf, ohne einen Cent in der Tasche.
„Wenn wir uns streiten, sagt er jedes Mal, er gibt mir zur Strafe keinen Cent mehr. Deshalb habe ich nicht mal zwei Euro, um einen Kaffee zu trinken und aufs Klo gehen zu können. Heute bin ich ein bisschen spazieren gegangen und habe mich zu weit von zu Hause entfernt. Deshalb musste ich zu dir kommen, sonst hätte ich dich in Ruhe gelassen.“
Louis sagt über die Szene selbst, „Die Scham hat ein Gedächtnis“, was ich für eine unglaublich wichtige Erkenntnis halte und auch aus eigener Erfahrung heraus bestätigen würde, denn wer kann sich mich selbst an besonders schambehaftete Situationen oder Erlebnisse erinnern?! Ich kann es.
Mit zunehmender Bildung entfernte sich Louis nicht nur geistig immer mehr von seiner Familie, sondern auch körperlich.
„Von dem Tag an, als ich aufs Gymnasium kam, obwohl niemand in meiner Familie Abitur hatte, von dem Tag an, als ich Bücher zu lesen, ins Theater zu gehen, mich für Filmgeschichte zu interessieren begann, wurde all dies schlagartig unmöglich. Plötzlich langweilte ich mich im Supermarkt, hasste die Nachmittage dort, empfand sie als Zeitverschwendung, verachtete Videospiele, hielt sie für dumm, begann zu sagen - den Satz hatte ich in der Uni aufgeschnappt -, dass es in Fastfoodrestaurants nach Frittierfett stinkt und das mir von dem Geruch schlecht wird.“
Es schmerzt solche Passagen zu lesen, denn man bekommt wahrhaftig mit, wie sich Louis von seiner Familie lossagt, ja lossagen will, weil sie einfach nicht in sein neues Bildungsbürger-Leben passt - Klassismus at it’s best!
Schafft Louis‘ Mutter dem Abwärtsstrudel aus Gewalt, finanzieller Abhängigkeit und co zu entkommen?!
Das müsst Ihr schon selber nachlesen in „Monique bricht aus“ - was ich aber verraten möchte: Es lohnt sich, denn er hat das Buch aus einem besonderen Grund geschrieben: Es war der Wunsch seiner Mutter - sie wollte, dass wir Leser*innen erfahren, welche Wendung ihr Leben genommen hat. Denn es hat sich einiges getan seit „Die Freiheit einer Frau“ - dem ersten Buch, dass Édouard Louis über seine Mutter schrieb.
„Ich habe nicht entschieden es zu schreiben. Es war nicht meine Idee. Noch nie hat mir das Schreiben so große Freude bereitet.“
Unbedingte Leseempfehlung!
Bewertung
5/5
02.02.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Aufbruch
Louis schreibt nicht zum ersten Mal über seine Familie, doch die Geschichte Moniques, seiner Mutter, lässt ihn nachdenken und berührt den Leser auf den weniger Seiten gleichermassen. Die Mutter hatte es endlich geschafft, den gewalttätigen Vater zu verlassen und nach einer kurzen Phase des Aufblühens, landet sie in einer genauso toxischen Beziehung. Auch wenn sie mit Hilfe ihres Sohnes schneller wieder herauskommt, fragt sich Louis, warum Monique kein Einzelfall ist, warum diese Abhängigkeiten immer wieder entstehen.
begine
aus Lemwerder
5/5
29.01.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Mutter und Sohn
Édouard Louis schreibt schonungslos über sich und seine Familie.
In dem Roman, Monique bricht aus, geht es um seine Mutter.
Das ist ihm gut gelungen. Das einige Frauen immer wieder auf die gleiche Art Männer reinfallen ist erschreckend.
Der Autor schont sich auch nicht, er gibt zu, das er sich zu wenig um die Mutter kümmerte.
Witzig war die Szene, als er der Mutter telefonisch beibringt, wie sie ins Internet gehen kann, das war ein Stück Arbeit.
Sein Schreibstil ist fesselnd und ich war von dem Roman begeistert.
Ich freue mich schon, ihn im März bei der Litcolon in Köln persönlich zu erleben.
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4/5
07.03.2025
eBook (ePUB 3)
Jede Flucht ist eine Last
"Wenn ihr diese Geschichte lest, müsst ihr fragen: Warum laufen manche weg und andere nicht? Warum fliehen manche, während andere ruhig schlafen? Warum kämpfen manche, während andere das Leben genießen?"
Diese autofiktionale, kurzgefasste Erzählung über den Ausbruch der Mutter des Autors aus einer gewalttätigen Beziehung ist zwar berührend, aber sehr schlicht geschrieben. Ein Dokument der Befreiung.
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