Mit einem Nachwort von Faber Der 19-jährige Harold versucht, sich den gesellschaftlichen Zwängen seines wohlhabenden Elternhauses durch ungewöhnliche »Marotten« zu entziehen. Die 79-jährige Maude ist unkonventionell, energisch, impulsiv und lebensfroh – trotz ihrer schweren Vergangenheit. Die beiden lernen sich bei einer Beerdigung kennen, und bald verwandelt sich ihre Freundschaft in eine zarte und bewegende Liebesgeschichte. Bis zum Tag von Maudes 80. Geburtstag.
Kundinnen und Kunden meinen
4.2/5.0
Alrik Gerlach
aus NordWestMecklenburg
5/5
22.05.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ungewöhnlich schön: Eine Liebeserklärung an das Leben
Manche Bücher schleichen sich leise ins Herz – Harold und Maude hingegen hat bei mir höflich geklopft, ist dann aber ohne Einladung hereingespaziert und hat es sich auf dem Sofa bequem gemacht. Es erzählt die Geschichte zweier Menschen, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben sollten: Harold, jung, reich, todessüchtig und chronisch gelangweilt vom Leben – und Maude, alt, arm, lebenshungrig und voller eigenwilliger Energie.
Was mich an diesem Roman so begeistert hat, ist der Ton: trocken, feinsinnig, fast schon zärtlich ironisch. Kein Kitsch, keine platte Moral, sondern eine feine Balance zwischen Melancholie und Heiterkeit. Maude, diese unerschrockene, warmherzige Rebellin, bringt nicht nur Harold, sondern auch mich zum Umdenken – über Freiheit, über Lebenslust, über das Recht, anders zu sein.
Die Dialoge sind messerscharf und doch leicht, fast schwebend. Higgins schafft es, die Schwere von Themen wie Tod, Trauma und gesellschaftlichem Druck mit einer Leichtigkeit zu erzählen, die nie oberflächlich wirkt. Die Liebesgeschichte, so unwahrscheinlich sie auch scheint, berührt ohne Pathos.
Die Übersetzung ist dabei wunderbar gelungen – nie gezwungen, sondern stilvoll und stimmig. Ich habe das Buch in einem Rutsch gelesen, mit einem Lächeln im Gesicht und einem Kloß im Hals. Es ist klug, charmant, originell – und auf eine leise Weise lebensverändernd. Ganz große Empfehlung. Fünf Sterne – aus vollem Herzen.
seschat
5/5
09.03.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Unkonventionelles Paar feiert…
Unkonventionelles Paar feiert das Leben Bei "Harold und Maude" handelt es sich um eine schwarze Komödie aus den 70ern, deren Veröffentlichung damals in den USA sicherlich für einen Skandal gesorgt hat. Die Story ist so abgründig wie faszinierend. Der 19-jährige Upperclass-Sohn Harold Chasen freundet sich auf einer Beerdigung mit der 79-jährigen Lebefrau Maude an. Während Harold nicht weiß, was er mit seinem Leben anfangen soll und täglich seiner Mutter einen Suizid vorspielt, lebt Maude intensiv und schlägt gern über die Stränge. Dieses ungleiche Paar trifft sich fortan regelmäßig, wobei Harold richtig aufzublühen scheint. Maudes unkonventioneller Lebensstil und ihre überbordende Lebenslust wirken ansteckend. Higgins hält damit der angepassten bis steifen Gesellschaft den Spiegel vor und feiert gleichzeitig die Individualität. Dieses Werk kann also nie aus der Mode kommen. Higgins schwarzer Humor ist zudem eine Lektüre wert. Die Buchseiten verfliegen beim Lesen. Auch das traurige wie mutige Ende passt zur ungewöhnlichen Geschichte.
Rina
aus Mannheim
5/5
03.04.2025
eBook (ePUB)
Harold & Maude
Harold ließ den Stamm los. „Nun. Die meisten Menschen sind nicht Sie, sondern Gefangene ihrer selbst. Sie leben in ihren jeweiligen Schlössern, für sich allein. Sie wie ich!"
(Zitat - Seite 43 vom bereitgestellten Leseexemplar)
Der Roman wurde 1971, erstmals veröffentlicht und wurde ursprünglich als Drehbuch für einen Film geschrieben.
Als ich das Buch entdeckte und den Klappentext las, hatte ich das Gefühl, dass es nur gut werden kann. Und was soll ich sagen? Es ist ein Highlight!
Ich liebe besondere und skurrile Charaktere – und genau das bietet dieses Buch. Harold stammt aus einer wohlhabenden Familie, doch er ist das, was man ein schwarzes Schaf nennt. In sich gekehrt, rebelliert er auf seine eigene Weise gegen gesellschaftliche Konventionen. Er fährt einen Beerdigungswagen, hat ein makabres Hobby, liebt Schrottplätze und besucht mit Vorliebe Beerdigungen – und genau dort trifft er auf Maude.
Maude sprüht vor Lebensfreude, ist ein absolutes Unikat und schert sich nicht um gesellschaftliche Normen. Sie biegt sich die Welt nach ihren eigenen Vorstellungen zurecht. Harold ist sprachlos, fasziniert und ahnt nicht, auf welche verändernde Reise sie ihn mitnehmen wird.
Und ganz ehrlich – wie könnte man sich nicht in Maude verlieben?
Natürlich kann man sich daran stören, dass sich der 19-jährige Harold im Laufe der Geschichte in die deutlich ältere Maude verliebt. Doch für mich war ihre Beziehung eher ein Symbol dafür, was Liebe wirklich ausmacht - und eine Rebellion gegen die Konventionen der Zeit.
Harold und Maude sind ein ungleiches Paar, aber sie ergänzen sich auf eine Weise, die berührt.
Die Geschichte lädt zum Schmunzeln ein, doch wenn man genau zwischen den Zeilen liest, entdeckt man eine unerwartete Tiefe.
Das Ende ließ mich mit einem eher traurigen Lächeln zurück, doch es war das einzig passende.
Diese Geschichte vermittelt eine einfache, aber umso wichtigere Botschaft: Das Leben ist schön – wenn du es einfach lebst.
Ein gesellschaftskritischer Roman, eine Satire über Moral mit tiefgründigen Momenten – und für mich ein absolutes Highlight des Jahres!
Bewertung
aus Oberursel
2/5
29.07.2025
eBook (ePUB)
war nicht meins
Mittlerweile ein Klassiker. Jeder kennt die Story – außer mir :-) Ich dachte, diese Bildungslücke schließe ich mal und habe diese schöne Sonderausgabe beim Diogenesverlag geordert. 192 Seiten stark, relativ großes Schriftbild: also auch eine relativ kurze Geschichte.
Soooo. Und ich schaff diese 192 Seiten nun nicht. Bzw. nach 100 Seiten lese ich die zweite Hälfte des Buches nur noch quer. Passiert mir ja auch sehr selten.
Das geht irgendwie gar nicht an mich. Hauptfigur Harold, 19 Jahre alt, hat für mich einen mittelschweren Dachschaden, und selbst sein Therapeut kommt nicht an ihn ran. Seine Mutter tut das einzig Wahre, sie ignoriert die Eskapaden weg, so gut es geht. Besagte Eskapaden sind übrigens recht phantasievoll inszenierte Selbstmorde. Der wohlhabende Spross aus altehrwürdigem Geblüt hat echt zu viel Zeit für Irrsinn.
Maude, die alte Exzentrikerin, knappe 80, finde ich schon wieder recht witzig, aber auch komplett unrealistisch durchgeknallt.
Und gemeinsam mit Harold ergibt sich dann jetzt ein Paar, das für mich überhaupt nicht funktioniert. Ich weiß, ich weiß, genau diese so unwahrscheinliche Freundschaft mit den angeblich charmant-witzigen-klugen Dialogen über das Leben an sich bildet das Kernstück des Romans – aber wie gesagt, mich erreicht das alles nicht.
Die beiden freunden sich erst locker an, und dann entwickelt sich eine zarte Liebesgeschichte. Ich habe gerade eine Kussszene gelesen, und sorry, hier reicht meine Vorstellungskraft echt nicht aus, ich bin anscheinend zu dröge. Also ich bin nicht abgestoßen, das nicht, aber es überzeugt mich null.
Der Stil von Herrn Higgins überzeugt mich auch nicht wirklich, obwohl ich jetzt den Finger nicht draufhalten könnte, um das explizit zu beschreiben, was genau mich stört.
Ja nun. Vielleicht versuche ich es noch mal mit dem Film, der soll witzig sein und vor allem mit guter Musik untermalt (Cat Stevens), aber ich glaub,ich hab auch nix verpasst, wenn ich es sein lasse....
Wie auch immer.
War schlicht nicht meins.
Ich bedanke mich trotzdem vielmals beim Diogenesverlag für das Rezensionsexemplar!
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