Ich hätte wissen müssen, dass es gefährlich ist, den Gott des Todes zu erzürnen. Kaum bin ich aus dem dunklen Labyrinth entkommen, werde ich an den nächsten gefährlichen Ort verschleppt: die Unterwelt. Ich habe nicht die geringste Absicht, freiwillig im Reich des Todes zu bleiben. Doch der Herr der Unterwelt macht mir ein verführerisches Angebot ...
Kundinnen und Kunden meinen
4.0/5.0
Jürg K.
5/5
01.05.2026
Buch (Taschenbuch)
Ein intensiver, atmosphärischer Fantasyroman
Dieser Roman hat mich gefesselt, weil er eine ungewöhnliche Mischung aus Mythologie, emotionaler Zerrissenheit und psychologischer Spannung bietet. Die Ich Erzählerin wird nicht einfach in die Unterwelt verschleppt, sie wird in einen inneren Konflikt gestossen, der weit über ein klassisches Fantasy Setting hinausgeht. Zwischen dem Geliebten, der sie retten will, und dem Gott, der sie beansprucht, entsteht ein Spannungsfeld, das weniger körperlich als existenziell wirkt. Besonders stark finde ich die Figur Isha Aggatar. Ein Gott, der nicht nur Macht ausübt, sondern auch die Erinnerungen, Wünsche und Ängste der Protagonistin manipuliert. Ein Spiel mit Identität und Selbstbestimmung. Dadurch bekommt die Geschichte eine Tiefe, die über reine Verführung hinausgeht. Gleichzeitig bleibt Daesra als Gegenpol präsent. Er steht für das Leben, für Bindung, für das, was die Erzählerin eigentlich festhalten möchte. Doch je länger sie in der Unterwelt bleibt, desto brüchiger wird dieses Festhalten. Die Frage, ob sie sich selbst treu bleiben kann, wenn ihre Erinnerungen verblassen, ist für mich der eigentliche Kern des Romans. Für mich ist es eine Geschichte über Versuchung, Macht und die Gefahr, sich selbst zu verlieren. Ein intensiver, atmosphärischer Fantasyroman, der weit mehr erzählt als eine Dreiecksdynamik.
Bewertung
Thalia Book Circle Community
3/5
01.05.2026
Buch (Taschenbuch)
Dark Descent – Göttliche Rivalen
Das Cover:
Das Cover von Göttliche Rivalen greift die düstere Ästhetik von Band 1 wunderbar auf, die beiden machen gemeinsam wirklich was her. Die Unterwelt-Vibes kommen optisch perfekt rüber.
Meine Meinung:
Wer Dark Labyrinth gelesen hat, weiß: das Buch war ein Geduldsspiel, das sich am Ende irgendwie ausgezahlt hat. Mit Göttliche Rivalen verlässt AdriAnne May das Labyrinth und schickt uns direkt in die nächste mythologische Neuinterpretation: diesmal Orpheus und Eurydike. Das Setting wechselt in die Unterwelt. Der Einstieg knüpft nahtlos an Band 1 an, man sollte die Geschichte von Sadaré und Daesra also kennen, bevor man hier einsteigt.
Kaum ist Sadaré dem dunklen Labyrinth entkommen, wird sie in die Unterwelt verschleppt. Ohne Daesra, ohne Plan, und mit einem Herrn der Unterwelt, der ihr ein Angebot macht, das sie eigentlich nicht annehmen sollte, aber irgendwie doch verführerisch klingt. Daesra seinerseits kämpft zwischen seinen Pflichten als Gott und dem Dämonen, der er einmal war, und macht sich auf den gefährlichsten Weg seines Lebens, um sie zu retten. Die Ausgangssituation ist stark und hat mich sofort mehr gepackt als Band eins.
Sadaré hat in diesem Band deutlich mehr Handlungsspielraum als noch im Labyrinth und das tut ihr gut. Man merkt, wie sie über sich hinauswächst und langsam begreift, wer sie wirklich ist. Ihre innere Zerrissenheit zwischen dem Herrn der Unterwelt und den Gefühlen für Daesra ist gut geschrieben und erzeugt echte Spannung, auch wenn das Dreieck manchmal etwas länger ausgereizt wird als nötig.
Daesra bleibt der faszinierend undurchsichtige Charakter, den man aus Band 1 kennt, er ist hin- und hergerissen zwischen Pflicht und Gefühl, zwischen Gott und Dämon. Genau diese Zerrissenheit macht ihn so interessant. Die Dynamik zwischen ihm und Sadaré hat nach wie vor dieses Kribbeln, das einen weiterlesen lässt, auch wenn die Entwicklung ihrer Beziehung im Mittelteil etwas auf der Stelle tritt.
Was das Buch besonders macht, ist das neue Setting. Die Unterwelt ist atmosphärisch dicht und düster. Die Autorin weiß, wie man eine Welt erschafft, in der man sich gleichzeitig unwohl und fasziniert fühlt. Der Schreibstil bleibt flüssig und leicht, was angesichts des schweren Themas wohltuend ist. Allerdings hat Göttliche Rivalen dasselbe kleine Problem wie schon Band 1: Die Geschichte nimmt sich viel Zeit, es bleibt lange unklar wohin die Reise geht, und wer schnelles Tempo erwartet, könnte zwischendurch die Geduld verlieren. Das Ende entschädigt jedoch für vieles, bei weitem aber nicht für alles.
Das Buch ist der Abschluss der Labyrinth-Dilogie und sollte unbedingt nach Band 1 gelesen werden.
Mein Fazit:
Ein würdiger Abschluss einer Dilogie, die mit mutigen Konzepten und einer düsteren Atmosphäre punktet, aber Geduld fordert. Sadaré und Daesra bekommen das Ende, das sie verdienen, die Unterwelt als Setting ist stark, und wer Band 1 mochte, wird auch hier auf seine Kosten kommen. Drei bis vier Sterne, je nachdem wie viel Geduld man für langsame Mittlteile mitbringt.
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