Eine tapfere Buchhändlerin und die Kraft der Worte
Frieda ist Buchhändlerin mit Leib und Seele. Der Krieg hat ihr schönes Königsberg bisher kaum erreicht, aber die Spannungen sind deutlich spürbar. Ihre Lieblingsbücher werden verboten, in der Buchhandlung, dem Ort der freien Gedanken, trauen die Leute sich nicht, offen zu sprechen. Und dann musste auch ihr Verlobter an die Front. Frieda klammert sich an die Bücher, bis Königsberg angegriffen wird und die Bomben fallen. In diesen dunklen Stunden sucht Frieda nach Hoffnung zwischen den Seiten. Doch wie weit können Worte durch schwere Zeiten tragen?
Wenn Sie Ines Thorns "Die Buchhändlerin" und Kerri Mahers "Die Buchhändlerin von Paris" gelesen haben, werden Sie diesen Roman lieben!
Kundinnen und Kunden meinen
4.9/5.0
Gertie G.
aus Wien
5/5
16.06.2025
eBook (ePUB 3)
Eine klare Leseempfehlung!
Wenn auf einem Cover Christian Hardinghaus steht, so sind penible Recherchen und gekonnte Erzählung vorprogrammiert. So auch bei diesem historischen Roman, der während des Zweiten Weltkriegs im damaligen preußischen Königsberg, nunmehr russischen Kaliningrad, spielt.
Geschickt verknüpft Christian Hardinghaus das Schicksal der fiktiven Frieda mit den historischen Ereignissen. Friedas Traum ist es, Bibliothekarin oder Buchhändlerin zu werden. Doch nach dem Willen ihres Vaters soll sie im familieneigenen Gemischtwarenladen arbeiten, um den später zu übernehmen. Allerdings kommt ihr der Verleger Konopke, Eigentümer der (damals) größten Buchhandlung Deutschlands, dem Haus der Bücher, zu Hilfe, um ihren Traum zu verwirklichen.
Wenig später werden zahlreiche Autorinnen und Autoren von den Nazis verboten, darunter, wie man weiß auch Erich Kästner und Erich Maria Remarque sowie Hunderte andere.
„Namen wie Franz Kafka und Stefan Zweig sind Synonyme für literarische Perversion. Ihre Werke sind durch und durch jüdisch und stellen eine Gefahr für die deutsche Seele dar. Wir müssen uns ganz entschieden gegen solche Autoren und ihre Ideen wehren.“
Dieses Zitat aus der geifernden Rede des Zensors Ernst Müller, den Frieda in Leipzig bei der Bücherverbrennung erlebt, lässt in ihr Widerstand keimen. Damit ist sie auf Wellenlänge mit ihrem Chef Konopke, der sie in das Geheimnis der Buchhandlung einweiht. Jeder, der nach dem Roman Die Fliegenfischer von der Memel fragt, erhält in Konopkes Büro ein besonderes Buchpaket. Dass Frieda Bücher empfiehlt und verkauft, die dem Regime nicht genehm sind, ruft Ärger bei Kollegin Hildegard hervor, die sich dann wenig später nicht regelkonform verhält und dabei von Frieda ertappt wird. Während rund um der Zweite Weltkrieg tobt, scheint Königsberg eine Oase in der Wüste zu sein. So könnte es immer weiter gehen, oder doch nicht?
Ein Wendepunkt in Friedas Leben ergibt sich im Sommer 1943, als sie erstmals auf Urlaub geschickt wird. In Rauschen, lernt sie Hans, der sich als große Liebe entpuppt, kennen. Als Hans im Jänner 1944 wieder an die Front muss, flüchtet Frieda in Sorge um ihn, in eine Art Scheinwelt.
Das weitere Schicksal von Königsberg und seiner Bewohnern ab 1945 ist ja grundsätzlich bekannt. Die sowjetische Armee übernimmt die Stadt. Während Tausende flüchten, bleibt Frieda mit einigen anderen Frauen als Krankenschwester. Ihre Freundin aus Kindertagen Lotti ist nun Ärztin und gemeinsam versorgen sie die vor allem an Typhus Erkrankte sowie die zahlreichen Waisenkinder. Lotti ist besorgt um Frieda, die freudestrahlend vom regelmäßigen Briefverkehr mit ihrem Verlobten Hans erzählt, obwohl es seit Monaten keine Post mehr von oder nach Königsberg gibt. Ist Frieda nun zur Gänze in ihre Fantasiewelt abeglitten?
Meine Meinung:
Wie schon eingangs erwähnt, hat Autor und Historiker Christian Hardinghaus die Fakten penibel recherchiert. Wie wir es von ihm gewöhnt sind, verpackt er die geschichtlichen Details authentisch in eine fesselnde fiktionale Handlung, die sich in Teile so ähnlich zugetragen haben könnte. Er zeigt auf, dass viele Menschen durch kleine Gesten, die nicht gering zu schätzen sind, Widerstand gegen das NS-Unrechtsregime geleistet haben. Vieles davon ist unbemerkt und vor allem unbedankt geblieben.
Sehr einfühlsam ist auch der Schutzmechanismus, den sich die fiktive Frieda, stellvertretend für alle traumatisierten Frauen, zugelegt hat, beschrieben. Heute würde man ihr eine PTBS attestieren. In den 1950er Jahren sind die schmerzhaften Erlebnisse viel zu präsent und viele Menschen wollen nur vergessen, um nicht zu sagen, verdrängen. Dieses letzte Kapitel des Romans hätte meine Ansicht nach durchaus ausführlicher beschrieben werden können. Wie ist Frieda zum Psychotherapeuten gekommen? Zur Frage nach dem Verbleib von Hans, kann wohl jeder Leser selbst eine passende Antwort finden. Wenn man bedenkt, dass auch nach 1955 noch einzelne Kriegsgefangene aus Russland nach Deutschland oder Österreich gekommen sind, ist alles möglich. Dennoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass Hans überlebt haben mag, äußerst gering.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem beeindruckenden historischen Roman 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
Bewertung
5/5
18.06.2026
Hörbuch-Download
Bewegend bis zum Schluss
"Die Buchhändlerin von Königsberg" ist ein bewegender historischer Roman, der im heutigen Kaliningrad zur Zeit des Zweiten Weltkriegs spielt. Im Mittelpunkt steht Frieda, die Bücher und Literatur über alles liebt und das Glück hat, in einer Buchhandlung arbeiten zu dürfen. Mit dem heimlichen Verkauf verbotener Bücher leistet sie einen stillen Widerstand und bewahrt sich zugleich ihre Hoffnung und ihr persönliches Bild von Menschlichkeit und Freiheit in einer immer grausamer werdenden Zeit.
Als Königsberg bombardiert wird und schließlich von russischen Soldaten eingenommen wird, verändert sich ihr Leben dramatisch. Frieda wird mit Hunger, Krankheit, Verlust und Tod konfrontiert und muss den schwierigen Spagat zwischen Hoffnung, Angst und einer erschütternden Realität bewältigen. Während des Krieges kümmert sie sich zudem um Kinder, denen sie mit Geschichten Trost, Halt und kleine Momente des Entkommens schenkt. Gerade hier wird deutlich, welche Kraft Geschichten besitzen können.
Der Roman zeigt auf eindrucksvolle und emotionale Weise, wie das Leben der Menschen in Königsberg während und nach dem Krieg aussah und welche unglaubliche Stärke sie aufbringen mussten, um zu überleben. Man merkt beim Hören, wie sorgfältig und fundiert die historischen Hintergründe recherchiert wurden, wodurch die Geschichte besonders authentisch wirkt.
Die Erzählweise ist mitreißend und berührend. Die Sprecherin macht das Hörbuch zu einem besonderen Erlebnis und verleiht der Geschichte durch ihre authentische Interpretation – inklusive des Dialekts – zusätzliche Tiefe. Es ist bis zum letzten Satz sehr emotionale, erschütternde und zugleich hoffnungsvolle Geschichte, die lange nachhallt. Von mir gibt es auf jeden Fall eine Hörempfehlung.
Matthias Klemm
5/5
06.06.2026
Hörbuch-Download
Geschichte wie sie sein sollte, spannend und erspürbar
In die Buchhändlerin von Königsberg begleitet man die junge Frieda dabei sich Ihren Berufswunsch zu erfüllen. Aller Widrigkeiten zum trotz gibt sie Ihr bestes um ihrem Traumberuf näher zu kommen. Zu Beginn der Geschichte ist die Welt um Königsberg noch in Ordnung, der Krieg ist fern und das Leben passiert in gewohnten Bahnen, allerdings wird sich dies im Laufe ändern. Aus dem Idyllischen Königsberg wird leider ein Kriegsgebiet, die Stimmung wird düster, es häufen sich die Tragödien, doch Friede versucht dennoch Ihre Hoffnung nicht zu verlieren und gleichzeitig spendet sie Ihren Mitmenschen selbige.
Dieser Roman macht einem die damalige Zeit erspürbar, was zu großen Teilen auch an der ausgezeichneten Marie Bierstedt liegt, welche das Königsberger Platt sehr authentisch spricht.
Dass man dabei nicht nur ausgezeichnet unterhalten wird, sondern auch viel über das damalige Königsberg lernt. Auch die Grausamkeit des Krieges gehört zu den Lektionen des Buches dazu, was einem immer wieder den Atem stocken lässt.
Die Buchhändlerin von Königsberg lies mich lachen, aber auch trauern. Sie hinterlässt ihre Spuren in mir, brachte mir Königsberg nahe, aber auch das Grauen des Krieges.
sunshine-500
aus 55597
5/5
05.06.2026
Hörbuch-Download
Friedas großer Traum
„Die Buchhändlerin von Königsberg“ von Christian Hartinghaus ist im Februar als Hörbuch im Verlag Lauscherlounge erschienen.
Spieldauer: 9 Stunden und 48 Minuten
Gesprochen von: Marie Bierstedt
Die junge Frieda liebt Bücher und das Lesen über alles. Deshalb möchte sie unbedingt Buchhändlerin werden. Nach einigen Schwierigkeiten kann sie eine Lehre im „Haus der Bücher“ in Königsberg absolvieren. Später, nach Kriegsbeginn, lernt sie im Urlaub den Soldaten Hans kennen. Beide verlieben sich und wollen nach Kriegsende heiraten. Doch dann kommt der Zweite Weltkrieg 1944 nach Königsberg: Durch Luftangriffe wird die Altstadt zerstört und 1945 wird Königsberg von den Russen eingenommen. Frieda ist inzwischen Hilfskrankenschwester und arbeitet in einem Krankenhaus unter russischer Leitung. Es gibt nicht genug Essen und Medikamente sind knapp. Doch Frieda hat den Lebensmut nicht aufgegeben. Sie hilft, wo sie kann, und entführt die leidenden Kinder oft mit Geschichten aus ihrem Elend.
Christian Hartinghaus ist es wunderbar gelungen, historische Ereignisse und Personen mit fiktiven zu verbinden. So entstand eine spannende Geschichte über die lebensfrohe Frieda und die Stadt Königsberg und ihre Bewohner – stellvertretend für viele Städte während des Zweiten Weltkriegs. Der Schreibstil ist bildhaft und tiefgründig.
Marie Bierstedt bringt das Gelesene mit ihrer eindringlichen Stimme zum Klingen und lässt die einzelnen Figuren lebendig werden. Besonders gut gelungen sind ihr die Passagen im ostpreußischen Dialekt von Königsberg. Die menschlichen Tragödien, die sich während des Zweiten Weltkriegs abspielen, erzählt sie mit sehr viel Einfühlungsvermögen.
Fazit: Mir hat die Geschichte sehr gut gefallen. Der Autor hat für mich eine gute Verbindung von historischen Ereignissen und Fiktion geschaffen. Darüber hinaus zeigt der Roman, welche Kraft von Büchern und Geschichten ausgeht, und dass es auch in den dunkelsten Zeiten Hoffnung auf eine Zukunft gibt. Ich empfehle das Hörbuch sehr gerne weiter.
Philotine
5/5
02.06.2026
Hörbuch-Download
Die Liebe zu den Büchern in Königsberg während und nach dem 2. Weltkrieg
Die Buchhändlerin von Königsberg zeigt auf fiktive Weiße auf, wie das Leben während des 2. Weltkriegs in Königsberg war. Dort gab es damals die größte Buchhandlung Europas, in der die Hauptprotagonistin Frieda arbeitet. Erst später wurde die Stadt Königsberg Schauplatz des Krieges und so wirkt Friedas Alltag lange relativ normal. Aber sie leistet ihre Art von Widerstand gegen das Naziregime in Form von Büchern.
Friedas Liebe zu den Büchern fand ich als Bücherwurm sehr ansprechend. Auch später erzählt sie viele Geschichte an leidenden Kindern im Krankenhaus. Der literarische Hintergrund ist wirklich faszinierend und gründlich recherchiert. Sogar Kantzitate kommen vor.
Der historische Hintergrund ist von Christian Hardinghaus wunderbar recherchiert. Durch den flüssigen Schreibstil ist die Geschichte auch sehr gut als Hörbuch zu hören und jedem zu empfehlen, der Bücher und historische Romane liebt. Ich musste mich zunächst an die hohe Frauenstimme der Sprecherin gewöhnen, aber schon nach kurzer Zeit fand ich die Stimme und die Tonlage zur Protagonistin passend. Auch der ostpreußische Dialekt wird wunderbar vorgetragen und macht das Buch noch authentischer.
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