Doris Schmidauer beschreibt sich am liebsten als »First Volunteer« und als Teil einer großen Gruppe an engagierten Frauen. Es sind Frauen, die durch ihren Mut und ihren Gestaltungswillen unser »Land der Töchter« zu einem noch besseren Ort machen. Einige dieser Pionierinnen erzählen in diesem Buch auch ihre Geschichte.
So entstand mehr als eine Autobiografie: Sie erzählt sehr persönlich von ihrer Vorstellung von Freundschaft und Familie, von ihrer Kindheit und Jugend auf dem Land, von dem, was sie im Leben geprägt hat. Wir erfahren, wie die überzeugte Feministin ihren Mann, Alexander Van der Bellen, kennenlernte und wie sie an seiner Seite für mehr Chancengleichheit und Gleichberechtigung kämpft.
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Ein verpasster Schritt im Feminismus
Bewertung am 07.03.2025
Bewertungsnummer: 2431114
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
„Land der Töchter zukunftsreich“ von Doris Schmidauer, aufgezeichnet von Nina Horacek, enttäuscht auf mehreren Ebenen. Die Erzählung, die sich als mehr als eine einfache Autobiografie präsentiert, scheitert daran, die versprochenen tiefgründigen Einblicke zu liefern. Stattdessen wird der Leser mit einer Aneinanderreihung von Anekdoten und idealisierten Darstellungen von Doris Schmidauer und ihrer Rolle als „First Volunteer“ konfrontiert, die sich bemüht, die Welt für Frauen besser zu machen.
Die erste Schwäche des Buches liegt in der unglaubwürdigen, nahezu übertriebenen Selbstdarstellung Schmidauers. Ihre Beschreibung als Teil einer Gruppe von „engagierten Frauen“, die durch Mut und Gestaltungswillen die Welt verändern, wirkt fast wie ein Lobgesang auf die eigene Rolle, der sich nicht genug kritisch mit den realen Herausforderungen auseinandersetzt, mit denen Frauen heute immer noch konfrontiert sind. Schmidauer inszeniert sich als eine Art Heilsbringerin, die das Land der Töchter zu einem besseren Ort macht – eine Botschaft, die schnell banal und abgehoben wirkt.
Das Buch bleibt in vielen Bereichen oberflächlich und bietet wenig mehr als anekdotische Erzählungen. Ihre Kindheit und Jugend auf dem Land werden ohne echte Tiefe beschrieben, als wären sie lediglich Bausteine einer idealisierten, unkritischen Lebensgeschichte. Es wird nur selten reflektiert, wie prägend diese Jahre wirklich waren und welche sozialen oder politischen Rahmenbedingungen Schmidauer in ihrem Aufwachsen beeinflussten. Stattdessen wird eine Märchenwelt aufgebaut, in der sich alles in einem positiven Licht darstellt.
Der zweite problematische Aspekt des Buches ist die Darstellung von Schmidauers Freundschaft und Familie. Die persönlichen Beziehungen werden stark idealisiert, wodurch die Erzählung den Eindruck erweckt, als würden Frauenfreundschaften und familiäre Bindungen lediglich in einer harmonischen, fast utopischen Blase existieren. Es fehlt an Auseinandersetzungen mit den weniger glanzvollen Aspekten von zwischenmenschlichen Beziehungen, die genauso zum Leben gehören und die das Buch zu einem unvollständigen Bild des „Landes der Töchter“ machen.
Ein weiteres problematisches Element ist die Beziehung zwischen Doris Schmidauer und ihrem Ehemann, dem österreichischen Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen. Obwohl das Buch explizit darauf eingeht, wie Schmidauer an seiner Seite für mehr Chancengleichheit und Gleichberechtigung kämpft, bleibt die Darstellung dieser politischen Partnerschaft erstaunlich flach. Es fehlen kritische Betrachtungen darüber, wie sich ihr Engagement als Feministin mit der Realität politischer Macht und öffentlicher Wahrnehmung vermischen. Der Leser erhält lediglich eine unkritische Darstellung des Paares als Vorbild für den modernen Feminismus – ohne die nötige Reflexion über Machtstrukturen oder tatsächliche politische Veränderungen.
Die größte Enttäuschung ist jedoch, dass das Buch es versäumt, die versprochenen neuen Perspektiven auf Feminismus und Chancengleichheit zu liefern. Stattdessen bleibt es in einer gesichtslosen Erhebung von Vorbildern stecken und trägt wenig zur aktuellen Debatte bei. In einer Zeit, in der Frauenrechte und Gleichberechtigung endlich in einem breiteren politischen und gesellschaftlichen Kontext diskutiert werden, fühlt sich „Land der Töchter zukunftsreich“ wie ein verpasster Schritt an. Es ist eine Werbung für eine Wohlfühlversion des Feminismus, die wenig mit den realen Herausforderungen der heutigen Gesellschaft zu tun hat.
Insgesamt bleibt „Land der Töchter zukunftsreich“ ein weiteres Beispiel für ein Buch, das großes Potenzial verschenkt. Anstatt ein tiefgreifendes, kritisches Werk über Feminismus, Chancengleichheit und die Rolle von Frauen in der Gesellschaft zu sein, ist es eine Sammlung von netten Erzählungen, die vor allem eines vermittelt: die Vorstellung einer heilen Welt, die der Realität leider nicht gerecht wird.
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