Berlin 1924 Die junge Luise kommt aus Heidelberg ins geschäftige Berlin. Sie will im Pestalozzi-Fröbel-Haus eine Ausbildung zur Kindergärtnerin beginnen. Durch Zufall macht sie die Bekanntschaft des warmherzigen Bernhard. Die beiden sind voneinander fasziniert und verlieben sich Hals über Kopf. Aber hat ihre Liebe überhaupt eine Chance? Denn Bernhard und seine Familie sind Juden. Außerdem hat ein anderer Mann ein Auge auf Luise geworfen. Dieser schreckt nicht vor Gewalt zurück, um die junge Frau an sich zu binden. Die Wirren der Weimarer Republik und das Erstarken der Nationalsozialisten werfen zusätzliche Schatten auf eine gemeinsame Zukunft. Können Bernhard und Luise den Kampf gegen diese Widerstände gewinnen? Ein berührender Roman, der auf wahren Begebenheiten beruht.
Kundinnen und Kunden meinen
4.9/5.0
Bewertung
Orell Füssli Book Circle Community
5/5
06.05.2026
eBook (ePUB)
Überwältigende Liebe in schwierigen Zeiten
Die Geschichte und Liebesbeziehung von Bernie und Luise hat mich von der ersten Seite an gepackt. Rachel Soost schreibt sehr berührend aber auch fesselnd über die aufblühende Liebe zwischen den verschiedenen Personen. Es könnte alles ein leichter Liebesroman sein, würde er nicht in Deutschland zwischen den Weltkriegen spielen und Bernie jüdisch und Luise christlich, deutsch sein. Der Kniff am Buch ist, dass es sich hierbei nicht um irgend eine ausgedachte Geschichte handelt, sondern dass Bernie und Luise tatsächlich gelebt haben. Sie waren die Vorfahren der Autorin und diese macht sich nun auf, die Geschichte ihrer Vorfahren zu erzählen. Im 2. Band gibt es weitere Familiengeschichten und ich habe mir diesen Band auch bereits auf die Wunschliste gesetzt, denn ich möchte sehr gerne wissen wie es weitergeht. Ausserdem hat Rachel Soost einen sehr leicht zu lesenden Schreibstil.
Bettina Hertz Lesehertzen
aus Brandenburg
5/5
15.11.2025
eBook (ePUB)
Fünf Sterne plus
Was für eine zutiefst berührende Geschichte um Bernie und Luise, geschrieben von Rachel Soost. Dieser Roman beruht auf wahre Begebenheiten und ist ein Teil Familiengeschichte der Autorin.
1924: die junge Luise zieht von Heidelberg nach Berlin und wohnt dort bei ihrer Tante, um eine Ausbildung zur Kindergärtnerin zu starten. Sie lernt Bernhard kennen und die beiden verlieben sich Hals über Kopf. Hat ihre Liebe eine Chance? Bernhards Familie sind Juden und sowohl Bernhards als auch Luises Familie sind gegen die Verbindung. Doch sie setzen sich gegen alle Widrigkeiten zu Wehr. Wir erleben die beiden im verzweifelten Kampf um ihre Liebe und später ums nackte Überleben. Als die Nationalsozialisten immer mehr Stärke gewinnen und Bernhards Familie die Hoffnung nicht aufgibt, dass es nicht schlimmer werden wird, ist es fast zu spät. Mehr möchte ich nicht verraten.
Ich habe das Buch als Hörbuch gehört und Sprecherin Anna-Lena Beck hat das Buch so authentisch eingesprochen, ich hatte stets das Gefühl, die reellen Figuren zu hören, das macht es noch um einiges intensiver. Der Schreibstil ist sehr gefühlvoll, fesselnd, bildhaft und auch humorvoll. Die Autorin gibt ein sehr lebendiges Bild der damaligen Zeit. Die jüdische Bevölkerung hatte seit jeher mit Anfeindungen zu tun und der Glaube, dass es mit Erstarken der Hitlermacht sicher nicht „so schlimm“ wird ist spürbar, man möchte den Betreffenden immer ins Ohr flüstern: Flieht so schnell wie möglich.
Die Figuren sind ganz wunderbar und sehr realistisch gezeichnet. Bernards Familie und Luise sind reelle Figuren. Die Einbindung des jüdischen Lebens, ihre Religion, ihre Traditionen, ihre Sprache sind hier perfekt positioniert. Man fühlt das Buch richtig, es geht unter die Haut.
Rachel Soost hat viele Jahre recherchiert und dies merkt man in jeder Zeile, der Ausgang für Bernhard und Luise ist zum Teil offen und man braucht nicht viel Fantasie, wie es für einige ausgegangen ist.
Das Buch hallt unheimlich nach, ich war zu tiefst berührt und betroffen. Rachel Soost gibt dieser fast vergessenen Geschichte einer jüdischen Familie eine Stimme und ein Gesicht. Ich empfehle es so sehr weiter.
Bewertung
5/5
10.07.2025
eBook (ePUB)
Fesselnd und berührend zugleich
Ich bin keine große Leserin, aber das Buch hat mich so gefesselt, dass ich es im Urlaub am Pool nicht beiseite legen konnte und es schnell fertig gelesen hatte. Mir wurde beim Lesen so viel mehr geschenkt, als ich zuvor erwartet hatte. Konnte mir nicht vorstellen, dass jemand den ich kenne ein Buch schreiben „kann“, das mich dann auch noch so sehr berührt. Danke dafür liebe Rachel. Auch für dein Vertrauen in mich. Denn ich durfte ein Kapitel probelesen und das ganze Buch war noch so viel besser, als ich es mir danach ehrlich gesagt vorgestellt habe. Wer Geschichte und wahre Begebenheiten mag und zugleich Herzschmerz verträgt, liegt mit diesem Buch genau richtig. Eine absolute Herzens- und Kaufempfehlung <3
Büchertanz.de
aus Freiburg
5/5
24.01.2025
eBook (ePUB)
Berührend und intensiv
"(...) Unser Leben ist von Einschränkungen und Verfolgung gekennzeichnet. Was meinst du, warum wir unsere Heimat verlassen haben? Die vielen Ausschreitungen haben uns vertrieben; ein Pogrom jagte das Nächste. Und auch hier hört es nicht auf. Die Zeiten werden immer schlimmer. (...)"
[Kapitel 28]
Tief berührt und mit Tränen in den Augen habe ich das Buch "Bernie und Luise - Die vergessene Geschichte einer jüdischen Familie" von Rachel Soost beendet.
Das Buch hat 368 Seiten, die ich innerhalb von drei Tagen gelesen habe ... und ich habe das Gefühl mindestens drei Bücher gelesen zu haben. Es ist eine so große und intensive Geschichte, die mich mitgenommen und bewegt hat. Ab der ersten Seite spürte ich eine starke Verbindung zu den Figuren, die sich im Laufe der sich zuspitzenden Handlung authentisch weiterentwickelt haben.
Es ist absolut keine Wohlfühl-Lektüre, ab einem gewissen Punkt saß ich hier noch zwischen etlichen Taschentüchern. Auf die kleine und romantische Liebesgeschichte zu Beginn des Buches fallen die immer größer und gefährlich werdenden Schatten der Nationalsozialisten: Ausgrenzung, Übergriffe und Verfolgung nehmen immer mehr Raum im Leben und Alltag der Figuren ein.
Rachel Soost beschreibt diesen Teil ihrer eigenen Familiengeschichte sehr bildhaft und stellt die geschichtlichen und gesellschaftlichen Hintergründe sehr lebendig dar.
Ein wichtiges und unvergessliches Buch, welches mit Sicherheit noch lange ... lange nachklingen wird. Ganz große Lese-Empfehlung.
Bewertung
aus Quickborn
5/5
04.01.2025
eBook (ePUB)
Eine unvergessliche Liebesgeschichte
Das Berlin der 1920er Jahre erscheint noch heute manchem als das Goldene Zeitalter einer modernen Stadt, aber hinter dem schimmernden Gold des Ku’damms und den Charlottenburger Prachtbauten bedenkt man zu selten die Dunkelheit und Armut und die heraufziehende Gefahr des Nationalsozialismus und des immer aggressiver werdenden Judenhasses.
Mitten in dieses trubelige und anziehende wie abstoßende Stadt zieht es Luise, die gerade volljährig gewordene Frau aus Heidelberg. Sie will Kindergärtnerin werden und hat all ihren Mut und ihr Geld zusammengenommen, um sich diesen Traum zu erfüllen. Sie wohnt bei ihrer Tante, die zwar selbst recht freizügig lebt, aber sehr auf Etikette und Anstand ihrer Nichte wert legt.
Kaum ist Luise in Berlin, lernt sie per Zufall oder besser Unfall Bernhard kennen, der mit dem Kosenamen Bernie auch schon im Titel des Romans in Erscheinung tritt. Luise und Bernie, sie könnten nicht unterschiedlicher sein. Sie aus einer katholischen kleinbürgerlichen Familie, er ein jüdischer Schlosser, der mit Mitte zwanzig noch bei seiner verwitweten Mutter und zusammen mit zwei Brüdern im Berliner Scheunenviertel lebt. Luise und Bernie werden ein Paar, Luise entscheidet sich für den schwierigen Weg des Giur, den Übertritt zum Judentum. Dass das wegen ihrer ersten Schwangerschaft etwas schneller gehen muss als normalerweise, ist noch die geringste Hürde.
Bernie ist nicht nur jüdischer Schlosser, er ist auch Gewerkschafter und SPD-Unterstützer. Dass er damit nicht nur die Nazis allgemein, sondern im Besonderen auch einen gewissen Kurt, der ein Auge auf Luise geworfen hatte, herausfordert, zeigt sich bald nicht nur in Form von Schlägen. Luise und Bernie leben immer mehr unter Druck und Angst, was sich nach der Machtübernahme noch verschlimmert. Bernie aber will sich auch durch Haft und Drangsalierungen nicht einschüchtern lassen.
Luise wird aus ihrer Familie ausgestoßen, die Mutter verweigert ihr jeden Kontakt. Nur ihre Schwester Tilda bleibt ihr erhalten, mit ihr hat sie einen berührenden Briefwechsel, bei dem man tief in ihr Innerstes blicken kann. Die Autorin nutzt diesen Briefwechsel als eine Möglichkeit, die Zerrissenheit von Luise zu offenbaren. Dass sie im Verlauf der Jahre Chana, Bernies Mutter, als Verbündete und Helferin in größter Not findet, ist um so schöner. Denn Chana war zuerst genau wie Luises Mutter furchtbar ungehalten über die nichtjüdische Freundin, wie auch später über die Heiratspläne ihres Sohnes.
Von den vielen Erlebnissen und Schrecken, die den beiden geschehen, möchte ich hier nicht schreiben, nicht nur, weil ich keine zu starken Spoiler mag, ich möchte jedem dieses Buch empfehlen, der sich mit der deutschen Geschichte in ihrer dunkelsten Zeit auseinandersetzen will. Dafür eignet sich auch diese tragische Liebesgeschichte. Und der Spannungsbogen hält bis zur letzten Seite.
Mich hat dieser Roman aus mehreren Gründen fasziniert und auch interessiert: Viele Geschichten der Unterdrückung, Verfolgung und des verlorenen Lebens jüdischer Familien spielen in einem vorrangig bürgerlichen, auch großbürgerlichen Milieu. Bei Rachel Soost habe ich dieses Mal eine jüdische Arbeiterfamilie aus dem ärmlichen Scheuenviertel kennengelernt, aber auch Bernie als jüdischen Gewerkschafter und SPD-Anhänger. Wie hart diese Familie Smedresman um alles kämpfen musste, ist mir sehr nahe gegangen. Andererseits ist die Konversion von Luise, die katholischen Glaubens war, keine Selbstverständlichkeit. Niemand kann sich das wohl heute vorstellen, dass dieser Übertritt zu einem anderen Glauben oftmals den totalen Verlust der Familienbindung darstellte. Aber Luise stellt ihre Liebe zu Bernie über alles andere. Das ist ungeheuer beeindruckend.
Rachel Soost hat in ihrem Roman tatsächliches Geschehen, Geschichte und Fiktion auf sehr eindringliche Weise verknüpft. Sie ging jahrelang auf Spurensuche, hat recherchiert und geschrieben, ich kann mir diese Mühe lebhaft vorstellen. Es ist nicht das Recherchieren allein, das die Buchvorbereitungen so mühsam macht, es ist das Erleben, ja Mitfühlen beim Entdecken jedes neuen Details. Das ist ein sehr schmerzhafter Prozess, den ich selbst mehrmals durchlaufen habe, als ich meine, nicht nur jüdische Familiengeschichte erforscht habe, und deshalb dieses Buch so sehr in mein Herz schließen konnte.
Beim Lesen von Nachwort und Danksagung kam es mir vor, als wären das Sätze, die ich auch hätte schreiben können oder so ähnlich geschrieben habe. Besonders berührte mich, dass der Ehemann der Autorin mit ihr alle Orte besuchte und mit ihr in die Archive ging, jahrelang allem zuhörte, wahrscheinlich auch ihre zeitweilige geistige Abwesenheit ertrug, wenn ihr eine Episode durch den Kopf ging und nicht verschwinden wollte. Ja, das ist meinem Ehemann auch passiert.
Ein einziges kleines Manko sehe ich im fehlenden Literatur- bzw. Quellenverzeichnis. Das hätte mich zusätzlich sehr interessiert, weil ich dort einerseits Parallelen zu Bekanntem, andererseits auch neue Bücher oder Quellen gefunden hätte.
Diese Kritik wird aber auf wunderbare Weise von der Autorin mit ihrem Instagram-Auftritt wieder wettgemacht. Dort hat sie mit vielen Posts und Reels über die Entstehungsgeschichte und ihre Recherchen und Gedanken ein Zeugnis abgelegt, dass jeder Leser als Hintergrundinformation nutzen sollte. Bei Instagram findet man Rachel Soost unter „schwarzgraubunt“, wie sie es auch im Impressum ihres Buches vermerkt hat.
Fazit: Ein wunderbares Buch, das weit über einen Liebesroman und eine Familiengeschichte hinausgeht. Ich würde gern mehr erfahren über das weitere Leben von Luise und Bernie. Auch wenn das angekündigte nächste Buch von Rachel Soost die Geschichte von Bernies Bruders Robin und seiner Ehefrau beschreibt, hoffe ich von den beiden noch etwas zu lesen, das mit dem traurigen Abschluss dieses Buches etwas versöhnt. Aber ich weiß, der Holocaust wird am Ende auch in diese Familie tiefe Wunden schlagen.
Mazel tov, liebe Rachel Soost.
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