„Noch lange nicht alles gewesen“ von Jana Mandl versammelt fragmentarische Tagebucheinträge und Gedichte einer Heranwachsenden. Die Texte schwanken zwischen Trotz und Verletzlichkeit, Systemkritik und Selbstbefragung: Schulschwänzer-Memoiren, rebellische Gedanken, Verlorenheit und intime Selbstzweifel. Sprachlich wechselt das Buch zwischen deutsch und englisch, zwischen roher Direktheit und poetryslam-artigen Bildern. Themen sind Identitätssuche, Enttäuschung, Verblendung und das Ringen um Sinn — immer mit dem Blick zurück auf ein junges Ich, das Form annimmt und sich selbst befragt.
Jana Mandl schreibt so, als blätterte sie durch eine Kiste mit alten Stimmen — und jede Seite atmet ihre Teenager Zeit. Ihre Sprache ist fragmentarisch, oft bissig, manchmal zärtlich; sie trifft die Momente, in denen man sich selbst nicht mehr vertraut und doch nicht aufhören kann, sich zu beobachten. Das Buch ist kein linearer Roman, sondern wie ein Spiegel: in jeder Reflexion sieht man ein anderes Ich, das kämpft, lächelt, scheitert und wieder aufsteht.
Besonders bewegend ist, wie die Autorin, meine Tochter das Nachvollziehen des eigenen Werdens zur Form erklärt: Tagebucheinträge werden zur Archäologie der Seele. Wenn sie schreibt „Was ich war, ist, wie ich werde“, klingt das wie ein Versprechen und eine Warnung zugleich — die Wahrheit formt sich, aber sie ist niemals endgültig. Die Texte über Gleichgültigkeit, Sinnlosigkeit oder Verblendung sind keine pathetischen Abrechnungen, sondern ehrliche Verhandlungsprotokolle mit dem Leben. Sie nehmen die Leserin, den Leser mit in jene Zwischenräume, in denen Welt und Selbst aneinander reiben und Funken schlagen.
Stilistisch, ein eindringlicher Mix aus Deutsch und Englisch, Alltagssprache und dichterischer Verdichtung — wie kleine Eruptionen, die sowohl Wut als auch Verwundbarkeit zulassen. Manche Passagen sind roh und ungeschliffen; genau darin liegt Jana Mandls Kraft: Authentizität hat hier Vorrang vor Perfektion. Wer Nähe zu jugendlicher Verletzlichkeit und rebellischer Selbstfindung sucht, findet hier wiederkehrende Motive, die nachhallen.
Ein scharfer, liebevoll-verletzlicher Streifzug durch das Ich einer Jugendlichen: „Noch lange nicht alles gewesen“ ist ein kleiner Auszug aus Tagebüchern in Fragmenten — ein Buch für alle, die das laute, unbequeme Suchen nach sich selbst noch kennen (oder es wieder erinnern wollen). Speziell ich, als Mutter bin besonders stolz auf dieses Buch. Dankeschön, liebe Jana.
L. Bloom's Biographie
Bewertung am 26.07.2025
Bewertungsnummer: 2550355
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Schon bevor ihr Ihr erstes Buch (abseits der Biographie) lesen könnt, bietet sich euch die Chance vielseitige Einblicke in Ihr Leben, Ihre Gedanken und Ihren Schreibstil zu bekommen und mit Ihr näher vertraut zu werden.
Grundsätzlich würde man ja zuerst Erfolgreich werden und später seine Biographie niederschreiben aber jene Autorin war mutig genug Ihre Seele von vornherein zu offenbaren!
Aber nun zum Buch selbst;
Der Titel der Bewertung richtet sich an jene die "Ulysses" kennen, da die Biographie ähnlich verfasst ist.
Für die, die es nicht kennen,
In Ulysses werden Gedanken, Gedanken Fetzen, und unzählige Geschehnisse und Abläufe direkt aneinander geknüpft um am Ende des Buches einen einzigen Tag und Ort wieder gespiegelt zu haben.
So ist spiegelt dieses Buch u.a. die Gefühle der Autorin wieder.
In dieser Biographie liest man sich durch einzelne Auszüge des Tagebuchs/der Tagebücher der Autorin und erhält so tiefe Einblicke in Ihre Gedanken und Werte, wie sie sich im Lauf der Zeit verändert haben oder gleich blieben..erfährt wonach unsere Autorin in diesem Buch strebt und ein bisschen über diese Welt oder auch über sich selbst.
Jedoch wartet man auf eine klare Zeitlinie wie auf Godot;
Man erfährt nie genau Wann den nun Was geschah und man kann nur darüber mutmaßen...was das Buch aber nicht weniger Interessant macht.
Abschließend würd ich sagen dass mich dieses Buch sehr begeistert hat, so wie diese Autorin empfindet bin ich sehr gespannt auf ihre weiteren Veröffentlichungen und erhoffe mir dass noch einige folgen werden!
Kritisieren würde ich im allerhöchsten das es keine typische Zeitlinie, Anfang bis Ende gibt oder den ständigen Wechsel der Schreibweisen aber Einerseits ist es als eine Sammlung von Emotionen und Erlebnissen nicht nötig sich an Formen zu binden
und Andererseits...
liegt's vielleicht auch daran dass ich es allgemein
sehr spannend empfinde über Leben Anderer zu Lesen und Erfahrungen draus zu ziehen...
Hoffe (wie erwähnt) inständig dass es noch lange nicht Alles gewesen ist!
Sorry übrigens dass die Rezension so unglaublich lang geworden ist...das war so nicht geplant aber ging irgendwie nicht anders, haha
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