Gábor Fónyad hat nach seinem letzten Roman "Als Jesus in die Puszta kam" mit seinem satirischen Blick auf Machtmissbrauch und Verschwörungsglaube nun ein ganz anderes Thema aufgegriffen, das jedoch nicht weniger Relevanz und Gesprächswert hat: In seinem neuen Buch "Was noch kommt" liefert er uns einen humorvollen Blick auf die Zeit der Midlife-Crisis und beschreibt gleichzeitig die verzweifelte Suche nach Identität eines modernen Mannes, der aus alten Rollenklischees ausbrechen will.
Fónyad schafft es, aus der Sicht eines Mannes, ohne in den üblichen Jargon der Geschlechterkampfparolen einzusteigen, die Rollenverteilung in heterosexuellen Beziehungen zu hinterfragen, ohne Patentrezepte und lauwarme Antworten zu liefern.
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Ein amüsanter Streifzug durch…
MarcoL aus Füssen am 08.12.2024
Bewertungsnummer: 2905419
Bewertet: eBook (ePUB 3)
Ein amüsanter Streifzug durch einen Familienurlaub, gewürzt mit essentiellen Fragen zum Leben. War das schon alles im Leben? Kommt da noch was? Vierzig, Mitte vierzig. Wohnung, gefestigte Partnerschaft, Kinder. Job auch nicht so schlecht. Ein geregeltes Leben. Was will man(N) denn mehr? Geben sich Alltagsfrust und die Eintönigkeit des Lebens die Hand und klopfen dir auf die Schulter und sagen: Prima gemacht. Auf amüsante Art und Weise erzählt uns der Autor von zwei Familien, die mit ihren Kindern Urlaub in Südengland machen, nähe Brighton. Warum? Der Ich-Erzähler Max hat dort vor vielen Jahren eine geile Zeit verbracht. An seine Erinnerungen möchte er anknüpfen, nochmals den Flair erleben, das Feeling aufsaugen. Seine Frau Sarah willigte in den Urlaub ein, genauso ihr befreundetes Paar Mona und Stefan samt Söhnchen Theo. Neben Regen und Strand gibt es auch den ein oder anderen Ausflug. In der Ferienwohnung versucht man, sich mehr oder weniger aus dem Weg zu gehen. Die Abende sind vorgeplant, jeweils zwei Erwachsene gehen in den Pub, was sechs verschiedene Konstellationen abgibt. Die anderen beiden hüten die Kinder. Neben Windelwechseln und quengelndem Nachwuchs herrscht sogar manchmal so etwas wie Harmonie, und der ein oder andere Ausflug wird dann gar nicht mal so schlecht. Max erzählt viel von sich, seine Art sich um die Familie zu kümmern ist fast schon übertrieben mustergültig mit Arbeitsteilung, Karenzjahr, usw. Ein Ding, das für Stefan unmöglich wäre. Er sieht sich als „der Macher“, ist handwerklich geschickt (also das komplette Gegenteil von Max) und demnächst würden sie ein Haus renovieren und dort einziehen. Auch Sarah und Mona sind unterschiedlich. Während sich Sarah kaum ein Blatt vor den Mund nimmt und ihren Max auch vor versammelter Mannschaft spüren lässt, was ihr nicht passt, ist Mona die eher ruhige Frau, die abwägt, diplomatisch agiert. Und Mona und Max scheinen gut miteinander auszukommen. Und so kristallisiert sich nach und nach heraus, wo die Sehnsüchte der jeweiligen Personen liegen, was sie noch machen möchten, was in ihrem Leben noch kommen könnte (oder auch nicht). Es wird zum einem zukunftsweisenden Urlaub für alle Beteiligte. Was passiert: bitte selber lesen. Detailverliebt, mit Esprit und dezentem Humor geht Gábor Fónyad an diesen Roman heran. Feinfühlig portraitiert er die ProtagonistInnen, man erkennt sich in der einen oder anderen Situation wieder. Die große Frage, ob ab einem bestimmten Alter schon der große Haken unter das Schauspiel namens „Leben“ gesetzt werden kann, versucht er mit dieser Urlaubsgeschichte zu erörtern. Wie sind die Menschen: langweilig sesshaft oder aufgeweckt genug für Neues? Und wer bleibt dann auf der Strecke? Oder ist es wirklich nur die viel zitierte Midlife-Crises? Gekonnt und amüsant umgesetzt, bleibt es dennoch an uns selber, diese Frage zu beantworten. Gerne gebe ich eine Leseempfehlung für diesen Roman, der mich nicht nur gut unterhalten, sondern auch zum Nachdenken angeregt hat. Das Coverbild skizziert das „Upside Down“ Haus, eines der Ausflugsziele im Roman, und auch ein wenig Sinnbild für den Inhalt, wenn das Nachdenken über das bisherige Leben so manches auf den Kopf stellen mag.
2 Paare, ein Urlaub, eine Midlife-Crisis
nil_liest aus RheinMain Gebiet am 02.01.2025
Bewertungsnummer: 2376932
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Bei dem Satz hatte der Autor Gábor Fónyad mich:. "Eine gute Midlife-Crisis muss man sich leisten können" und ich wollte das Buch lesen! Und ich bereue es nicht, eine famos gute Lektüre.
Wieder mal ein guter Roman aus dem kleinen, aber sehr feinen Elster & Salis Verlag aus Wien. Da fällt mir auf, mal wieder ein österreichischer Roman, irgendwie hab ich es mit den Sprachjongleuren südlich von Bayern.
Zum Roman „Was noch kommt“. Vielleicht spricht mich der Roman auch besonders an, weil ich genau in diesem Alters Sandwich bin, in dem die Hauptfigur Max sich hier windet. Anfang 40 mit der Frage: War es das?
Hier wird wieder einmal eines meiner liebsten Szenarien verwendet: Urlaub! Max und seine Frau Sarah fahren mit einem befreundeten Paar, Mona und Stefan nach Südengland. Max hat verklärte Erinnerungen an die Gegend aus jungen Jahren. Alle im ähnlichen Alter und mit Flausen im Kopf, aber dann doch grundverschieden. Sie wollen mehr als abends auf der Couch sitzen, also gehen sie Paarweise aus, zwei weg, zwei bleiben bei den Kindern. Mal die Männer gemeinsam, mal als Paare, dann die Frauen und dann noch überkreuz….
Gut geschrieben, toller Roman. Er hat mich gut unterhalten, bringt einen feinen Humor mit und beleuchtet die vier Personen in ihrer Interaktion herrlich genau. Alltag und Urlaub, alles auf dem Tisch, auch Bedürfnisse.
Absolut lesenswert!
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