Die Geschichten aller deutschen „Gerechten unter den Völkern“ umfassend erzählt
651 Deutsche retteten im Dritten Reich jüdische Mitbürger vor der Ermordung – und riskierten dabei das eigene Leben. Sie wurden nach dem Krieg von der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem als „Gerechte unter den Völkern“ geehrt. Dabei gab es viele Wege der Hilfe. Sie reichten vom Verstecken in der eigenen Wohnung über das Fälschen von Papieren bis zur direkten Konfrontation mit der SS mit vorgehaltener Waffe.
Was bewog diese Menschen zum Handeln? Aufschluss darüber geben im ersten Teil 100 ausgewählte Portraits der Retter. Der bekannteste ist Oskar Schindler. Das Schicksal der meisten Retter und ihrer Schützlinge ist dagegen bis heute einer breiteren Öffentlichkeit weitgehend unbekannt. Obwohl ihre Geschichten häufig so waghalsig und dramatisch waren, dass es kaum vorstellbar ist. So reiste Heinrich Heinen, ein junger Mann aus Köln, 1942 kurz entschlossen nach Riga, um seine jüdische Verlobte, die kurz zuvor deportiert worden war, persönlich aus dem Ghetto zu befreien.
Im 2. Teil werden erstmals alle 651 Gerechten und ihre Rettungstat in Kurzportraits erzählt. Ein Rahmen, der den historischen Hintergrund und die Arbeit von Yad Vashem erläutert, rundet das Buch ab.
Empfohlen vomPräsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster, der dem Buch wünscht, "dass es einen großen Anklang findet”.
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Hervorragend
Bewertung aus Heyerode am 09.04.2025
Bewertungsnummer: 2461854
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Dieses Buch ist eines derer, die gut sind, dass sie geschrieben wurden. Ich finde es immer noch und gerade wieder sehr wichtig, dass das Andenken derer hochgehalten wird, die sich für Ungerechtigkeit einsetzen, ihr eigenes Leben aufs Spiel setzen und selbstlos riskieren.
Das mir vorliegende Buch ist wahnsinnig tiefgründig recherchiert. Als Lexikon und/oder Sachbuch zu verstehen, als Auflistung von Biografien zum Thema und als Porträt – und all das umfassend tiefgründig emotional erzählt.
651 Deutsche retteten im Dritten Reich Juden. Sie setzten ihr eigenes Leben aufs Spiel. Nach dem Krieg ehrte man sie als „Gerechte unter den Völkern“. Sie hatten in vieler Hinsicht geholfen, nicht nur, indem sie die Menschen versteckten.
Das Buch besteht aus zwei Teilen, im zweiten werden zum ersten Mal die 651 genannten Gerechten mit ihrer Heldentat als Porträt beschrieben. Ich finde das soooo gut, dass man dies tut. Sie dürfen nicht in Vergessenheit geraten, auch und gerade heute nicht.
Das Buch geht unter die Haut, es erzählt und berichtet, es erinnert und es ist gegen das Vergessen !!!
Rundherum positiv, dass der Verlag Solibro es herausgebracht und Frank Littek recherchiert und zusammengetragen hat.
In der Einleitung des Buches…
LichtundSchatten am 06.10.2024
Bewertungsnummer: 2892607
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
In der Einleitung des Buches werden das Milgram und das Wellen Experiment erwähnt. Beide sagen, dass der Mensch unter großem Gruppendruck Dinge macht, die ihm diktatorisch aufgezwungen werden, unabhängig von der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Nation oder Kultur. Die Frage bliebe, ob es in Nationen / Kulturen gewisse Tendenzen gibt, der Obrigkeit mehr zu folgen als in anderen. Es gab und gibt sie zu allen Zeiten, an allen Orten. Gerechte, hilfsbereite Menschen, die Verfolgten Schutz bieten und weiterhelfen. So auch in Deutschland. „In den meisten Fällen geschah das, in dem die Retter Juden vor dem Zugriff von Gestapo und SS versteckten und mit Lebensmitteln versorgten.“ Die in diesem Buch erzählten Geschichten zeugen von Mut und Kreativität, ihre Helden werden heute unter dem Ehrentitel „Gerechter unter den Völkern“ in der Gedenkstätte Yad Vashem in Erinnerung gebracht. 651 Deutsche wurden bisher ausgezeichnet. In der Tat stünde es Deutschland gut an, diese Retter sehr viel stärker zu ehren als dies bislang geschehen ist. Pro Tag lese ich eine Geschichte, eine Biografie, um zu erkennen, was Menschsein und Anteilnahme ausmacht. Hier werden mutige Personen beschrieben, die sich für anderen einsetzten, in größter Not nicht abseits standen. Ein besonderes Versteck war in Lenggries / Oberbayern. Retter war der örtliche Polizeichef Paul Mayer, der Juden im Gebäude der Polizeistation versteckte. Zusammen mit seiner Frau Rosa Mayer beschützte er dort die jüdische Ärztin Sophie Mayer. Maria Letnar, die Schwester von Rosa Mayer lernte die Ärztin im Englischen Garten in München kennen und vermittelte die Polizeistation in Lenggries bzw. die Familie Mayer. Dr. Sophie Mayer lebte dort drei Jahre!! in der Dienstwohnung, die sich direkt über dem Polizeirevier befand. Der amerikanische Kommandeur stellte den Offizieren Sophie Mayer mit den Worten vor, sie habe sich direkt vor der Nase der Gestapo versteckt. Aus jeder Geschichte bzw. den Namen, die in diesem Buch erwähnt werden, könnte man vermutlich einen Roman entwickeln. Verzweiflung, Mut und Hilfe sind trotz allem nahe beieinander, sie sind Züge des Menschlichen in finsterer Zeit, es kommt immer darauf an, was wir daraus machen. Wichtig ist immer, miteinander zu reden, so wie dies Maria Letnar im Englischen Garten in München mit der Ärztin Dr. Sophie Mayer tat. Nicht alle sind ideologisch verblendet und vermutlich erkennt man diese Menschen, wenn man ihnen in die Augen und das Herz schaut. Max Nagler in Krakau, ein Postangestellter, rettete 6 Menschen vor dem Zugriff der Nazis, in dem er sie 3 Jahre bei sich in der Wohnung aufnahm, er wurde von den Russen im Mai 1945 trotzdem verhaftet und blieb bis 1949 in Kriegsgefangenschaft. Er starb 1996, seine Anerkennung als Gerechter unter den Völkern wurde 2015 erklärt. Die Berichte sind kurz und ergreifend, ich lese in diesem Buch immer wieder.
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