Anatol muss noch ein zusätzliches Jahr im Kindergarten bleiben. Er ist ein kluges, fantasievolles Kind, aber er kann sich in keine Gruppe integrieren. Er ist ein Systemsprenger. Der Junge bringt seine Familie und die Erziehungsinstitutionen an ihre Belastungsgrenzen. Der Roman erzählt die aufwühlende und doch tröstende Geschichte über die Reise einer Familie durch die Wirren unseres Systems und über ein Kind, das anders ist und anderes braucht.
Kundinnen und Kunden meinen
4.5/5.0
Melissa
Book Circle Community
5/5
27.02.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Mitfühlend und Wahrhaftig
In „Anatol abholen“ von Lea Gottheil wird die bewegende Geschichte eines kleinen Jungen namens Anatol erzählt, der an ADHS leidet und in einem bürokratischen Schweizer Schulsystem nicht den Platz findet, den er braucht. Die Autorin beleuchtet eindringlich, wie Anatol unter der Überforderung des Schulsystems leidet, das wenig Raum für individuelle Bedürfnisse lässt und ihn oft an die Grenzen seiner Möglichkeiten bringt.
Die Verzweiflung seiner Eltern, die hilflos zusehen müssen, wie ihr Sohn kämpft, wird authentisch und berührend dargestellt. Sie sind gefangen zwischen dem Wunsch, ihrem Kind zu helfen, und der Realität eines Systems, das sie als unzulänglich empfinden. Diese emotionale Belastung führt zu einem Gefühl der Isolation und der Unverständnis, sowohl innerhalb der Familie als auch in der sozialen Aussenwelt.
Gottheil thematisiert auch die Abgrenzung, die Anatol aufgrund des Unverständnisses seiner Mitschüler und der Gesellschaft erfährt. Diese fehlende Empathie und das Unvermögen, seine Herausforderungen zu begreifen, verstärken das Gefühl der Einsamkeit und des Andersseins.
Das Buch regt zur Reflexion über die realen Herausforderungen an, mit denen Kinder wie Anatol und ihre Familien konfrontiert sind, und fördert ein besseres Verständnis für die komplexen Dynamiken zwischen dem Bildungssystem, den Eltern und der sozialen Umwelt.
Bewertung
Book Circle Community
5/5
20.10.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Systemsprenger
Anatol bringt alle an ihre Grenzen - die Eltern, die Schwester, die Schulen, die Behörden. Und auch sich selbst.
Aus dem Blickwinkel der Mutter wird die Situation beschrieben, in eindrücklichen, berührenden, kurzen Sätzen. Es zeigt auf, wie die Mutter, auf der der grösste Teil der Care-Arbeit lastet, in eine Erschöpfungsdepression gerät und sich sogar suizidale Szenarien vorzustellen beginnt.
Das Buch zeigt aber auch realitätsnah auf, wie schnell ein Kind ein ganzes System an seine Grenzen bringt, weil es sich eben nicht in eine Schublade stecken lässt; weil das Bildungssystem grundsätzlich aufgrund Ressourcen- und Fachkräftemangel insbesondere mit ausserordentlichen Spezialfällen komplett überfordert ist. Und - weil Schulen nach wie vor nicht genügend individualisierend ausgerichtet sind, sondern sich das Kind einer bestimmten Schulideologie anzupassen hat.
Ein Buch, dass sicherlich alle jene berührt und nachdenklich stimmt, die Schnittpunkte mit Pädagogik und "Systemsprenger:innen" haben.
Esther N.
Book Circle Community
4/5
20.10.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Buch, das zum Nachdenken anregt
Dieser Roman der von mir unbekannten Autorin, Lea Gottheil, hat mir sehr gut gefallen. Ich wurde auf dieses Buch nur dank einer Leserunde des bookcircle aufmerksam, in der ich mitmachen durfte.
Dieses Buch hat mir sehr gut gefallen, da mich die darin behandelten Themen interessieren.
Eine Elternpaar hat zwei Kinder: Tochter Pamina und Sohn Anatol. Die Mutter macht sich grosse Sorgen um das jüngere Kind, Anatol. Er muss noch ein zusätzliches Jahr im Kindergarten bleiben, da er sich in keine Gruppe integrieren lässt. Er bringt seine Familie wie auch die Erziehungsinstitutionen an ihre Grenzen. Schliesslich fliegt er aus dem Kindergarten und es beginnt für die ganze Familie ein Alptraum.
Diese Lektüre liess mich als Mutter mitleiden und stimmte mich nachdenklich. Ich habe selber zwei Kinder, die sich in einem ähnlichen Alter befinden. Beim Lesen wurde einem vor Augen geführt wie schwierig das Familienleben werden kann wenn Eltern und Kinder aus einem geregelten System herausfallen. Dabei wurde die Frage offen gelassen wo genau das Problem lag – an mangelnder Erziehung, an der psychischen Erkrankung des Sohnes oder am Schulsystem, das für solche Herausforderungen keine Lösungen hat?
Leider erfuhr man zu wenig über die Eltern und ihre Kinder, um sich diese Fragen beantworten zu können. Am Ende des Buches bleibt man mit diesen Gedanken alleine. Die Handlung ist nicht sehr spannend, da sich viele Szenen ständig wiederholen dennoch ist das Buch sehr fesselnd.
Ich empfehle diese Lektüre allen Eltern und Lehrpersonen denn es ist wichtig, sich über solche Herausforderungen zu informieren und auszutauschen.
Bewertung
Book Circle Community
4/5
18.10.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Inklusion ist das Wichtigste!
Puh - Nach dem ersten Teil musste ich das Gelesene zuerst einmal setzen lassen, denn ich habe mit der Mutter mitgelitten und war schon ein wenig geschockt, wie dieses Kind ziellos herumgeschoben wird, und wie wenig man sich um das nicht mindere Problem der psychischen Gesundheit der Mutter kümmert.
Die Frage ist (entschuldigt bitte die Provokation):
Mangelt es an der Erziehung seitens Eltern, oder besteht wirklich ein psychiatrisches Krankheitsbild (nicht nur bei Anatol)? Die grössere Schwester scheint in dieser Familie ja auch rebellisch zu sein, was wiederum mit der Pubertät zu tun haben könnte - oder halt eben aber auch mit der fragwürdigen Erziehung.
Nichtsdestotrotz sind mittlerweile Krankheiten wie Autismus und ADHS mehr geforscht und bekannt, dennoch hinterlassen diese doch lebenslange Stigmata.
Auch werden aktivere Kinder - sogenannte Zappelphilipps - sehr schnell mit ADHS „abgestempelt“ und im schlimmsten Fall mit Ritalin o.ä. sediert und ruhig gestellt, weil es halt eben ansonsten „anstrengend“ ist, und der medikamentöse Weg der einfachere ist.
Ich muss ehrlich gestehen, mich hat dieses Buch schon ein wenig mitgenommen.
Ich habe den zweiten Teil in einem Rutsch gelesen, ich musste einfach wissen, wie dieses Buch zu Ende geht. Ich war viel zu gespannt darauf, ob man für Anatol nun endlich eine zielführende Lösung finden kann.
Dieses Buch war aufwühlend, aus dem Leben gegriffen und real.. ich hatte auch einen Austausch mit meiner Schwester, welche als Heilpädagogin mit beeinträchtigten Kindern arbeitet, und sie konnte mir bestätigen, dass die Beschreibungen leider der Realität entsprechen. Auch die Akzeptanz seitens Eltern, dass das eigene Kind “anders” als die anderen ist, sei immer wieder ein schwieriges Thema. Wenn die Akzeptanz fehlt, wird es schwierig, das “Problem” anzugehen, bzw. dass dann die Lösungsansätze funktionieren.
Ich fand es ein sehr gutes Buch - jeder Lehrer und alle betroffene Eltern sollten dieses Buch auf jeden Fall lesen.
Denn trotz Schwierigkeiten und allem - jeder Mensch muss einbezogen werden.
**Inklusion ist das Wichtigste!**
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