Frank arbeitet bei Willys Wonne Wannen, einer kleinen Sanitärfirma. Der Chef ist auf Weltreise, die Kollegen tanzen ihm auf der Nase herum. Seine Wohnung ist abgebrannt, seitdem sucht er verzweifelt eine neue Bleibe, um aus dem elterlichen Gartenhaus ausziehen zu können. Geht es noch schlimmer? Oh ja! Das Haus im Grünen, welches günstig zu vermieten ist, wird künftig nicht nur ihn beherbergen... Haltet die Taschentücher bereit, es gilt, sowohl Lach- als auch sonstige Tränen wegzuwischen. Und bitte beachten: Kettet den Schaukelstuhl an die Heizung, sonst ist er vielleicht ganz schnell verschwunden!
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Ein Gespenst zum Verlieben
Bewertung am 19.09.2024
Bewertungsnummer: 2296093
Bewertet: eBook (ePUB)
Eigentlich liegen mir Horror und sonstige Spukgeschichten überhaupt nicht. Dann bot mir die Autorin dieses Buch an. Ich habe halbherzig angefangen zu lesen – und konnte nach wenigen Minuten nicht mehr aufhören. Selbst, als mein Tolino kurz darauf meckerte, dass sein Akku leer sei, habe ich einfach das Kabel an die Steckdose angeschlossen und weitergelesen, wenn auch ziemlich unbequem sitzend. Aufhören war jedoch absolut keine Option!
Als ich kurz darauf feststellte, dass das Thema Steckdosen auch in dem Buch wichtig ist, vertiefte sich mein Grinsen. Es wurde abgelöst von schallendem Lachen, aber auch von Schluchzen.
Man sollte den Klappentext ernst nehmen: Haltet die Taschentücher bereit!
Frank zieht in ein Haus, in dem es spuken soll. Er glaubt nicht an Geister, vor allem ist er jedoch verzweifelt und wäre vermutlich auch in eine Hundehütte gezogen, wenn diese mit Bad und Kühlschrank ausgestattet gewesen wäre. Schon beim Einzug merkt er, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Er verschenkt den Schaukelstuhl der Vormieterin an seinen Kollegen, der ihn seiner Oma bringt. Am nächsten Tag steht der Stuhl wieder bei ihm - und schaukelt auch noch! Frank lässt sich nicht beirren, bringt den Schaukelstuhl erneut fort, kettet ihn bei der neuen Besitzerin an (man kann ja nie wissen!) und nimmt Kontakt zu dem Gespenst auf.
Dieses Gespenst ist Samuel, 118 Jahre alt, verstorben im Jahr 1941. Geboren in der Weimarer Republik, absolut kein Kind von Traurigkeit. Als 1933 die Nazis an die Macht kamen, war er doppelt gefährdet, denn Samuel ist nicht nur Jude, sondern auch schwul.
Im Verlauf des Buches erzählt Samuel seine Geschichte. Auf informative Art wird dem Leser nicht nur die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen, sondern auch der Naziterror und das Leben in der DDR übermittelt. Die Fakten sind gut recherchiert, und ich habe Lachanfälle bekommen, u.a. bei der Erzählung, wie Samuel Orangen von West nach Ost gebracht hat.
Überhaupt musste ich sehr oft lachen, jedoch auch weinen. Samuels Geschichte ist locker-lässig erzählt, wenn man jedoch hinter die Fakten schaut, dann ist es traurig, was damals passiert ist. Das Buch ist auch eine Antwort auf die heutzutage zunehmende Rechtsbewegung, fast spielerisch, aber um so eindringlicher wird geschildert, wie es damals zu den Nazis kommen konnte und welche Parallelen es zur heutige Zeit gibt. Ein gewisser Herr A.H., ich möchte den Namen nicht ausschreiben, wird als ‚der Demagoge mit der Popelbremse‘ benannt. Fast zu nett für diesen Massenmörder!
Das Buch spielt jedoch in der Jetzt-Zeit und erzählt das Leben von Frank und Samuel. Beide kommen sich näher. Die einfach nur urkomischen Situationen, wenn Samuel fast schon gezwungen wird, endlich moderne Kleidung anzuziehen, Zitat: ‚ich trage keine Arbeiterhosen‘, Antwort von Frank: ‚das sind Jeans, und die trägt man heute‘, nun, ich möchte nicht spoilern, aber lesenswert ist es auf jeden Fall! Auch die Hilfe, die Samuel Frank geben kann, ist einfach sensationell, da Samuel als Gespenst nun einmal Fähigkeiten hat, die lebende Menschen nicht haben. Nein, ich spoilere nicht, sondern sage nur: Frau Klatschkowski! Eine Kollegin wie aus dem Leben gegriffen! Nun, wer solche Kollegen hat, der braucht echt keine Feinde mehr, der ist gestraft genug.
Ein Zitat aus dem Buch kann ich mir jedoch auch nicht verkneifen: „Leiche und Totengräber in Personalunion! Das muss dir erst einmal jemand nachmachen!“, Samuels Antwort darauf lautet: „Das war die erste Ich-AG der Welt.“
Von mir eine klare Leseempfehlung, und ich fiebere bereits dem zweiten Band entgegen! Und kennt jemand zufälligerweise eine Haus mit einem Gespenst drin? Möchte ich auch mieten! Aber nur, wenn der Geist Samuel heißt! Ein Gespenst zum Verlieben!!!
Samuel, ich bin Dir verfallen...
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