Hereimspaziert! In seinem neuesten Buch lädt Thomas Gsella Sie ein zu einem Besuch bei seinem lyrischen Ich, zu einem Stelldichein, das Sie als eines der lustigsten Dates mit deutscher Dichtung erinnern und lieben werden. Erstmals offenbart der Dichter hier seine privatesten Seiten, die, wie wir alle wissen, doch auch die politischsten sind. Nach seinem Band mit dezidiert politischen Gedichten zeigt sich der Robert-Gernhardt-Preisträger Thomas Gsella hier auch von seiner unpolitischen Seite und präsentiert satirische und komische Reimdichtung, die die großen Themen der Menschheit besingt: Rausch und Liebe, Schuld und Sühne, Fußball und Zölibat, die Schokoladenseiten des Hundes, die Schattenseiten des Orgasmus, den Überfluss an April, den Mangel an Brückentagen, das seltsame Ruhrgebiet, das hässliche Autohupen, Musks bezaubernden Cybertruck sowie die ewige Grundfrage: Bier oder Wein? Allerdings wäre es wiederum komisch, würde man zumal in diesen Zeiten die politische Dimension seiner Lyrik unterschlagen, und so haben sich auch in diesen Band wieder politische Gedichte geschmuggelt, die zu den lustigsten Kommentierungen eben jener Debatten und Desaster gehören, die uns alle beschäftigen: die Klimakatastrophe mit ihren niedlichen Weltklimagipfeln, die komische Ampelkoalition, Kapitalismus und Sozialneid, Krieg und Aufrüstung, die Hetzer & Schwätzer der Rechten und natürlich die zu Recht haushohen Boni für Bahnführungskräfte - olé!
Kundinnen und Kunden meinen
2.0/5.0
VolkerM
2/5
30.08.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ich kannte Thomas Gsella…
Ich kannte Thomas Gsella bisher nur von seinen elegant geknittelten Versen aus dem „Stern“, in perfektem Versmaß und immer mit einer witzigen Pointe am Schluss. Dass er auf noch anderen Hochzeiten tanzt, habe ich zwar geahnt (von irgendwas muss man ja leben), aber dass es so viele sind, wusste ich dann doch nicht. Von der FAZ bis zur Zeitschrift des Dresdner Seenotrettungsvereins reicht sein Netzwerk und entsprechend vielseitig ist sein Oeuvre. „Hereimspaziert“ enthält, anders als es der Untertitel suggeriert, kaum neue Gedichte, sondern solche, die bereits zwischen 2016 und 2024 irgendwo veröffentlicht wurden. Lose gruppiert in thematisch nicht ganz trennscharfen Kapiteln zeigt Gsella hier seine bemerkenswerte Sprachbeherrschung. Ich war wie gesagt durch die dichterische Kurzform im Stern geprägt, die selten mehr als 12 Zeilen hat, aber er kann auch längere Distanzen. Unter den Gedichten sind einige, die es locker mit den zeitlosen Werken eines Eugen Roth aufnehmen können. Da wo Gsella von Menschlichem und Allzumenschlichem schreibt, da wo er unpolitisch bleibt, macht das wirklich Spaß. Leider hat er einen unverkennbaren Hang zu einem unreflektierten Steinzeitkommunismus, mit ziemlich platten Angriffen gegen jede Form von unspezifiziertem „Reichtum“ und er vertritt einen moralischen Standpunkt, der nur mit einem völlig ungezügelten Sozialstaat zu realisieren ist, dessen Verantwortlichkeit Gsella auch noch auf die gesamte Welt ausdehnt. Ich habe mir wirklich die Augen gerieben, ob das noch ernst gemeint war oder schon Satire ist. Nein, Gsella meint es wirklich ernst. Das hat mir die Lektüre tatsächlich ziemlich verhagelt, denn den moralischen Überlegenheitsgestus bei gleichzeitig staatlichem Totalversagen habe ich mittlerweile gründlich satt. Da helfen mir auch nicht die vereinzelten Perlen in dichterischer Reimkultur drüber hinweg. (Das Buch wurde mir vom Verlag kostenfrei zur Verfügung gestellt. Auf meine Rezension wurde kein Einfluss genommen, der Inhalt stellt meine persönliche Meinung dar.)
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