85 Kilometer Akten aus über tausend Jahren: Die Vatikanischen Archive sind die größten und ältesten der Welt. Vieles ist unzugänglich. Niemand darf frei herumstöbern. Hubert Wolf zeigt in seinem fesselnden Buch, wie man hier mit detektivischem Spürsinn Entdeckungen machen kann, die hinter die Kulissen von Tradition und Unfehlbarkeit blicken lassen. Von der rätselhaften Haltung des Papstes zum Holocaust über vergessene mächtige Frauen bis zu verborgenen Missbrauchsskandalen lässt er uns an Tiefenbohrungen in den Archiven teilhaben, die unser Bild von der Kirche nachhaltig verändern. Hubert Wolf ist mit Aufsehen erregenden Funden und Forschungen in den Vatikanischen Archiven international bekannt geworden. Er hat verstörende Skandale aufgedeckt - etwa Missbrauch und Mord im römischen Nonnenkloster Sant`Ambrogio - und die Hintergründe folgenreicher Entscheidungen erhellt, etwa zu Bücherverboten und Inquisitionsverfahren, zum Zölibat und zum Unfehlbarkeitsdogma und nicht zuletzt zur Haltung des Vatikan zu Nationalsozialismus und Holocaust. Warum hat der Papst geschwiegen? Hat er das überhaupt? Was wusste er? Die jüngste Freigabe der Akten aus dem Pontifikat Pius' XII. gibt Aufschluss: Hubert Wolf hat Tausende anrührende Bittbriefe von Juden an den Papst gefunden, deren Weg durch die vatikanischen Instanzen ermessen lässt, welche Informationen aus erster Hand in Rom landeten und wie man darauf reagierte. Das Buch beginnt mit diesen neuesten Funden. Von hier aus führt uns Hubert Wolf kundig und voller Überraschungen durch das Labyrinth der Archive, die noch längst nicht alle Geheimnisse preisgegeben haben.
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Nur und wirklich nur für interessierter Zeitreisende
Michael Sterzik aus Wallenhorst am 19.04.2026
Bewertungsnummer: 3113718
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Der Vatikan – eine Festung der Geheimnisse, umwoben von Mythen und Spekulationen. Hinter seinen jahrhundertealten Mauern lagern nicht nur Geschichte, sondern auch Sprengstoff. Der Heilige Stuhl hütet Dokumente, Korrespondenzen, Zeugnisse und päpstliche Briefwechsel, die das Potenzial haben, unser Verständnis der Weltgeschichte zu erschüttern. Es ist der Schatzsaal der Macht und der menschlichen Fehlbarkeit, denn auch jeder Kirchenfürst ist letztlich nur ein Mensch mit seinen Geheimnissen. Die Rede ist vom Apostolischen Archiv – jenem Ort, der oft fälschlicherweise noch als „Geheimarchiv“ bezeichnet wird, weil er viele Wahrheiten hinter verschlossenen Türen für sich behält.
85 Kilometer Akten und detektivischer Spürsinn
Achtzig Kilometer Akten aus über einem Jahrtausend – das Vatikanische Archiv ist das größte und älteste der Welt. Es ist kein Ort für freies Stöbern. Hier setzt man auf detektivischen Spürsinn, und genau diesen bringt Hubert Wolf, renommierter Professor für Kirchengeschichte in Münster, in seinem fesselnden Buch zum Einsatz. Wolf ist international bekannt für aufsehenerregende Funde, die schonungslos hinter die Kulissen von Tradition und dem Dogma der Unfehlbarkeit blicken lassen. Seine „Tiefenbohrungen“ in den Archiven enthüllen verstörende Skandale, die unser Bild der Kirche nachhaltig verändern:
● Von vergessenen mächtigen Frauen bis zu verborgenen Missbrauchsfällen (wie im römischen Nonnenkloster Sant’Ambrogio).
● Zu folgenschweren Entscheidungen bezüglich Bücherverboten, Inquisitionsverfahren, dem Zölibat und dem Unfehlbarkeitsdogma.
Der wohl brisanteste Teil befasst sich mit der Haltung des Vatikans zu Nationalsozialismus und Holocaust: Hat Papst Pius XII. geschwiegen, was wusste er? Die jüngst freigegebenen Akten aus seinem Pontifikat liefern Aufschluss: Wolf fand Tausende anrührender Bittbriefe jüdischer Verfolgter an den Papst. Der Weg dieser Briefe durch die vatikanischen Instanzen macht das Ausmaß der Informationen deutlich, die in Rom landeten, und wie darauf reagiert wurde.
Zwischen Fachwissen und Langeweile
Obwohl Wolfs Funde für die Wissenschaft von unschätzbarem Wert sind, enttäuscht das Werk in seiner Gesamtheit. Der Leser spürt, dass es sich hier zu großen Teilen um Vorlesungsskripte handelt, was dem Stil eine extreme Nüchternheit und Überfrachtung mit überflüssigen Details verleiht. Dies ist keine packende Geschichtserzählung. Wolfs schriftstellerischer Stil ist träge und langweilig, und die historischen Themen sind für ein breites Publikum nicht zeitgemäß.
Man vermisst schmerzlich eine Behandlung aktuellerer Korrespondenzen, etwa von Papst Johannes Paul II., der doch oft in hochbrisante politische und gesellschaftliche Situationen involviert war. Zudem werden die wirklich großen Fragestellungen nicht abschließend beantwortet; die Thesen bleiben oft Andeutungen, da sich der Vatikan seine Karten nicht gänzlich in die Hand schauen lassen will.
Fazit
Der eigentliche Wert des Buches liegt in der nüchternen Bestätigung, dass der „Glaube“ in der Geschichte der Katholischen Kirche immer wieder als Instrument für eigene Machtansprüche missbraucht wurde – sei es durch harte Urteile gegen Andersgläubige oder das Brandmarken von Wissenschaftlern und Astrologen als Ketzer.
Für den spezialisierten Vatikan-Experten mag Wolfs detaillierte Recherche neues Material bieten. Für den allgemeinen Leser jedoch bleibt das größte Manko: der extrem nüchterne, träge Stil und die fehlende Aktualität, die es zu keinem Zeitpunkt schafft, die brisanten Inhalte spannend und originell zu vermitteln. Das Buch ist eine Pflichtlektüre für Archivare und Theologen, aber kein fesselndes Werk für Geschichtsinteressierte.
Michael Sterzik
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