Vom Zurückkehren und Aufarbeiten: Der Tod ihres exzentrischen Großvaters bringt Chris' Leben ordentlich durcheinander. Um Abschied zu nehmen, kehrt sie in die Kleinstadt zurück, in der sie aufgewachsen ist, aus der sie jedoch vor über sechs Jahren Hals über Kopf geflohen ist.
Sie schlittert wieder in das Leben von damals, mit Doro, Rafa und Antonia, die vor sieben Jahren entschieden haben, als Wahlfamilie gemeinsam ein Kind großzuziehen. Zusammen mit Chris, eigentlich. Stück für Stück realisiert sie, wieso sie damals vor der Verantwortung weggelaufen ist und was das alles mit ihrem Großvater zu tun hatte. Ihr wird bewusst, was für einen Einfluss ihr Großvater auf sie gehabt hat, der Mann, der sich sofort auf jeden vermeintlichen Fehler gestürzt hat. Es waren seine Augen, die immer über sie gewacht haben und ihren Blick gelenkt haben.
Zwischen Herkunfts- und Wahlfamilie: Ela Meyer erzählt in Furchen und Dellen die Geschichte von alten Freund*innen, von einer Rückkehr und vom Aufwühlen tiefsitzender Emotionen einfühlsam, authentisch und mitreißend. Dabei widmet sich die Autorin wichtigen Themen wie gesellschaftliche Erwartungen an Frauen, Kinderwunsch und gewollte Kinderlosigkeit, unterschiedliche Familienmodelle und Feminismus. Das HörErlebnis Furchen und Dellen erscheint als digital only bei GOYALiT und wird von Marion Elskis mit Sogwirkung gesprochen.
Kundinnen und Kunden meinen
4.1/5.0
hamburg.lesequeen
aus Bargfeld-Stegen
4/5
08.11.2024
Hörbuch-Download (MP3)
Gutes (Hör)Buch
FURCHEN UND DELLEN
Ela Meyer
Chris kehrt heim, weil ihr exzentrischer Großvater im Sterben liegt. Seit vielen Jahren war sie nicht mehr zu Hause gewesen, hatte den Ort bewusst gemieden. Zu viele Beleidigungen und entwürdigende Herabsetzungen waren von ihrem Großvater ausgegangen. Doch es gab noch einen weiteren Grund, der sie davon abhielt, das kleine Dorf zu besuchen.
Damals lebte sie in einer WG. Die queere Doro war seit der Kindheit ihre beste Freundin gewesen; es war selbstverständlich, dass sie zusammenzogen. Antonia kam erst später dazu, aber die drei verstanden sich blendend. Unter ihnen wohnte Rafa, ein Freund, der beruflich viel reiste, aber wenn er zu Hause war, gehörte er fest zur Gruppe.
Alles änderte sich, als Doro plötzlich den Wunsch nach einem Kind äußerte. Alle gemeinsam sollten das Kind großziehen – mit gleichen Rechten und Pflichten. Für Chris, die selbst nie einen Kinderwunsch hatte, war das eine unerträgliche Vorstellung. Kurzerhand zog sie von einem Tag auf den anderen aus und brach den Kontakt zu ihren Freunden vollständig ab.
Nun muss Chris sich ihrer Vergangenheit stellen und erkennt zum ersten Mal, dass auch ihr eigenes Verhalten nicht immer richtig war.
Das Buch liest sich flüssig, der Schreibstil ist angenehm. Besonders gefallen haben mir die zahlreichen Reflexionen der Figuren und die detaillierten Beschreibungen der Protagonisten. Der furchteinflößende Großvater bleibt noch Tage nach dem Lesen im Gedächtnis – seine rigide Erziehung ließ mir beim Lesen die Nackenhaare hochstehen. Auch die Entwicklung von Chris zu einer einfühlsameren Person hat mich berührt.
Es ist eine Geschichte über Freundschaft, Vergebung und die Chance auf einen Neuanfang. Ein sehr einfühlsames Buch. Gerne spreche ich eine Leseempfehlung für alle aus, die emotionalen Geschichten mögen.
4/5
Bewertung
5/5
10.10.2024
Buch (Taschenbuch)
Tolles zweites Buch von Ela Meyer
Mir hat schon das erste Buch von Ela Meyer ‚Es war schon immer ziemlich kalt‘ sehr gut gefallen. Und auch in diesem Buch liebe ich die Beschreibungen der Charaktere.
Das Buch macht Mut und nachdenklich und wirkt noch lange nach.
Bewertung
5/5
08.10.2024
eBook (ePUB)
Gelungen- spannend, unterhaltsam und wichtig
Ich mag Ela Meyers Schreibstil sehr. Abgesehen von der spannenden Geschichte beschreibt sie so viele kleine Details so lebendig dass sie sofort in mir auftauchen. Ein Genuss.
Ich finde Ela Meyer hat sich stimmig in den Konflikt einer Frau eingefühlt, die der gesellschaftlichen Vorstellung von angeborener Mutterschaft, einen Widerwillen entgegen bringt. Dies ist nicht das einzige Thema des Buches, es ist aber das Thema das mich besonders berührt hat.
Ein absolut empfehlenswertes Buch.
Spannend, unterhaltsam und wichtig.
Eva
aus Göttingen
5/5
02.09.2024
eBook (ePUB)
Absolut fesselnd und zum Grübeln gemacht!
Chris fährt nach sechs Jahren wieder in ihre Heimat, um von ihrem Großvater Abschied zu nehmen. Dort trifft sie auf all das, weswegen sie ihren Heimatort verlassen hat. Ihre damalige beste Freundin hat ein Kind bekommen und zieht es mit gemeinsamen Freunden auf. Das Kind, an dessen Leben sie nicht teilhaben wollte. Nun sieht sich Chris gezwungen sich mit ihrer Vergangenheit und ihren Entscheidungen auseinander zu setzten und zu entdecken, wer sie wirklich ist.
In ihrem Buch greift Ela Meyer viele gesellschaftliche Themen auf, ohne sie direkt zu bewerten. Es werden vor allem die Familienwünsche und die Rolle der Frau beleuchtet. Ela Meyer zeigt den Leser:innen was es für alltägliche Fragen gibt, die uns in unserem Leben beeinflussen, ohne das es uns bewusst wird. Besonders in Chris konnte ich mich sehr gut hineinversetzten. Eine Frau, die eigentlich genau weiß, was sie will, aber vor Dingen wegläuft, ohne es selbst richtig verstehen zu können. Ein Zwiespalt zwischen Freiheit und Sicherheit, Sehnsucht und Fernweh. Das Buch hat mich an einigen Stellen selbst zum Nachdenken und Reflektieren gebracht.
Der Schreibstil ist sehr flüssig und anschaulich. Die Autorin ist gut darin die Situationen so zu beschreiben, dass ich es mir bildlich vorstellen kann, ohne dass es zu ausschweifend beschreibend wird. Man kann sich sehr leicht in den jeweiligen Situationen wiederfinden und in das Buch eintauchen.
Für mich war es ein echtes Leseerlebnis!
MarcoL
aus Füssen
5/5
17.08.2024
Buch (Taschenbuch)
Tiefgründiger Roman. Schatten…
Tiefgründiger Roman. Schatten der Vergangenheit, kindliche Prägungen uns Selbstbestimmung der Frau. Chris kehrt nach sechs Jahren in ihre Heimatstadt zurück. Ihr Großvater liegt im Sterben. Gemeinsam mit Mutter und Bruder wacht sie am Krankenbett, ihre Vergangenheit holt sie ein. Zum einen ist es ihr Opa, der ihr Denken und Leben maßgeblich bestimmte. Er war ein frauenfeindlicher Patriarchat durch und durch. Sie wuchs mit ihrem Bruder und ihre Mutter zusammen in dem kleinen Miethäuschen auf, in welchem der Großvater über alles herrschte, und vor allem anherrschte, während ihre Mutter für den Lebensunterhalt sorgte. S.107: „Weiber waren nervig, so ließ er es durchklingen, waren zweitklassig, waren weniger wert. Er stellte sich darüber, weil er meinte, das Recht dazu zu haben, weil so das Patriarchat funktionierte.“ Zum anderen war es die WG, in der Chris dann lebte. Ihre beste Freundin Doro wollte unbedingt ein Kind, und der Plan war, dass die WG-Bewohner:Innen sich dann alle gemeinsam um das Kind kümmern sollen. Damit war Chris heillos überfordert, sie wollte das nicht, und schon gar keine Verantwortung über fremdes Leben übernehmen. Es gab Unverständnis auf beiden Seiten. Hals über Kopf zog sie aus. Nun, sechs Jahre später, kommt sie zurück, Begegnungen sind unausweichlich. Es kommt zu Annäherungen, einem ersten, heftigen Schlagaustausch zwischen ihr und Doro. Die Fronten klären sich, die Sichtweisen beider Frauen, und auch die der WG-Mitglieder, werden uns preisgegeben. Ela Meyer packt in diesen Roman sehr viele Themen hinein, die sie sehr geschickt in eine kleine Rahmenhandlung verwebt. Was ist Heimat, oder wo ist sie? Oder wie bestimmt unsere Kindheit/Vergangenheit unser weiteres Leben? Was machen frühkindliche Prägungen mit uns (sehr spannend)? Viele Fragen suchen nach Antworten. Selbstbestimmung der Frauen über ihren eigenen Körper, die Freiheiten, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen. Chris wollte einfach keine Kinder bekommen, und die Gesellschaft verlangt nach wie vor von den Frauen, die sich so entscheiden, eine Rechtfertigung. S.38: „Je breiter mein Becken in den Jahren meiner Pubertät wurde, desto sicherer war ich mir, niemals ein Kind hindurchpressen zu wollen […] Die ganzen Zuschreibungen, die mein Körper erfuhr, reduzierten ihn auf Funktionen, Ausscheidungen und Organe: Becken, Brüste, Gebärmutter, Eierstöcke […]“ S.192: „Ich bereue vor allem, dass es all diese unverhältnismäßigen Erwartungen an Personen mit Uterus gibt und es mir nie möglich war, mich davon unabhängig zu machen. Und ich bereue, mein Leben lang an die Zuschreibungen meines Opas geglaubt zu haben […]“ Während ihres Aufenthaltes in ihrer alten Heimat schafft es Chris so allmählich, sich von den Gespenstern der Vergangenheit zu lösen, und endgültig zu akzeptieren, dass jeder Mensch allein für sich, sein Tun, seine Wünsche, Sehnsüchte, das ganze Leben, verantwortlich ist. Auch die Passagen, wem ein Kind wohl ähnlicher sehe, all das Geschwafel der Leute über dieses Thema, das wirklich niemanden etwas angeht (und wir uns dabei wohl auch selber an der Nase nehmen müssen), fand ich sehr gut. Das ganze Buch ist eine gut durchdachte Aufarbeitung von so manchen „Mängeln“ unserer Gesellschaft, vor allem aus der Sicht einer Frau. Manchmal wünschte ich mir beim Lesen zwar, dass es weniger thematische Wiederholungen gegeben hätte, aber in Summe fügt sich alles zusammen zu einem Aufschrei, was alles so falsch läuft. Gerne gebe ich in eine Leseempfehlung , und wünsche Ela Meyer von Herzen, dass sehr viele diesen tiefgründenden Roman lesen, vor allem auch Personen mit Y-Chromosomensatz.
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