Als die Hamas am 7. Oktober 2023 über 1200 Israeli ermordete, war auf einen Schlag der von den Nazis verübte eliminatorische Antisemitismus zurückgekehrt. Und das ausgerechnet auf dem Boden jenes Staates, der seiner Bevölkerung eine existentielle Sicherheitsgarantie gegeben hatte.
Als Reaktion auf den Überfall ordnete die Regierung Netanyahu an, den Aggressor auszuschalten. Da sich dieser aber im Gaza-Streifen versteckt hielt, kam es dabei zu einer enorm hohen Zahl an Opfern unter den palästinensischen Zivilisten.
Die Bilder, die seitdem um die Welt gehen, führten zu einem Aufflammen des Antisemitismus in einem kaum noch für möglich gehaltenen Ausmaß. Begleitet werden diese Reaktionen von uferlosen Debatten, die häufig affektbesetzt und von einer Begriffsverwirrung erheblichen Ausmaßes gezeichnet sind.
Wolfgang Kraushaar unternimmt es, die altbekannten, häufig antisemitismusverdächtigen Stereotypen von triftigen Argumenten zu trennen. Dabei geht es ihm nicht - jedenfalls nicht primär - um historische Rekonstruktionen, sondern darum, das diskursive Feld von Topoi, Narrativen und Metadebatten nach Maßgabe einer Unterscheidung zwischen den zivilisatorischen Minimalbedingungen auf der einen und der Präzisierung und Ausdifferenzierung der Problem- und Grenzfälle auf der anderen Seite zu ordnen.
Kundinnen und Kunden meinen
2.0/5.0
Bewertung
5/5
13.01.2025
Buch (Taschenbuch)
Umfassender Einblick in einen Teil des Problems
Wolfgang Kraushaars Buch Israel: Gaza-Hamas-Palästina bietet eine fundierte und prägnante Analyse der komplexen politischen und historischen Hintergründe des Nahostkonflikts. Mit beeindruckender Klarheit beleuchtet der Autor die Dynamiken zwischen den Akteuren, ohne dabei an Objektivität zu verlieren. Es wird deutlich, dass es sich nicht nur um Israel und Palästinenser handelt, sondern der Konflikt viel größer ist. Kraushaar gelingt es, die schwierige Thematik auch für Leserinnen und Leser ohne tiefgehende Vorkenntnisse zugänglich zu machen, während er gleichzeitig Denkanstöße für Kenner des Themas liefert. Besonders lobenswert ist seine ausgewogene Perspektive, die sowohl historische als auch aktuelle Entwicklungen beleuchtet. Ein unverzichtbares Werk für alle, die den Konflikt besser verstehen möchten.
Bewertung
1/5
26.06.2024
Buch (Taschenbuch)
Eine komplette Enttäuschung
Pure Hasbara und Verzerrung der Wahrheit ist alles, was dieses Buch zu bieten hat. Es graust mich solche Methoden zu sehen, um den Mord an 50.000 Menschen im Gazastreifen zu rechtfertigen. Absolut abscheulich.
Rantanplan
1/5
07.06.2024
Buch (Taschenbuch)
Oje oje
Was kann man schon von einem Buch erwarten, das den Nullmeridian auf den 07.10.2023 setzt? 57 Jahre äußerst brutale und völkerrechtswidrige, weil anhaltende israelische Besatzung und 77 Jahre Vertreibung, Landraub und Zerstörung - und somit die gesamte (!) Vorgeschichte- werden einfach unter den Teppich gekehrt. Zu behaupten, die Hamas verstecke sich im Gazastreifen ist eine Verhöhnung der Palästinenser, die seit 2007 dort durch eine mehrere Meter hohe Sperranlage, gespickt mit Überwachungstechnologien, Bewegungsmeldern und ferngesteuerten Waffen, eingesperrt und einer totalen Land-, Luft- und Seeblockade unterworfen sind. Dieses Buch trägt in keinster Weise dazu bei, seinen historischen und/oder politischen Horizont zu erweitern, sondern allenfalls, die beiden Lager noch mehr zu spalten und Antisemitismus auf der einen sowie islamophoben Rassismus auf der anderen Seite zu befeuern. Wenn man schon ein deutschsprachiges Buch zur Hamas lesen möchte, so ist man bei Helga Baumgarten wesentlich besser aufgehoben.
DeinFreund
1/5
27.05.2024
Buch (Taschenbuch)
Ein hochgradig tendenziöses Buch
Objektivität, Ausgewogenheit, sachliche Richtigkeit? - All das vermisse ich in Wolfgang Kraushaars tendenziösem Buch, das offensichtlich eine unlautere Agenda verfolgt. Hier ein paar Beispiele für Kraushaars manipulative Darstellung der (historischen) Ereignisse:
Beispiel 1
Im sechsten Kapitel geht Kraushaar im Unterpunkt „Israel und der Zionismus" auf die (vermeintliche) Vorgeschichte ein, die „[r]und tausend Jahre vor Christi Geburt" beginnen soll. Interessant ist Kraushaars Formulierung zur Eroberung Palästinas durch die Araber im Jahr 638 n. Chr., wenn er schreibt, dass die Bevölkerung zu jener Zeit „kolonialisiert" worden sei. Zugleich ist aber im Kontext des Zionismus am Ende des 19. und im 20. Jahrhundert der zu Recht negativ konnotierte Begriff „Kolonialismus" nirgendwo zu finden. Und dies, obwohl die führenden Köpfe des Zionismus selber immer und immer wieder von einer Kolonisierung Palästinas gesprochen haben. Theodor Herzl sprach von einem „kolonialen Projekt", 1899 wurde der „Jewish Colonial Trust" zur Finanzierung des Projekts gegründet. Bereits in den Anfängen ist auch offen über den „Transfer" der palästinensischen Bevölkerung gesprochen worden. All dies sucht man bei Kraushaar vergeblich. Es wird nicht einmal angedeutet. Fazit: Die Eroberung der Araber im 7. Jahrhundert wird als Kolonialisierung dargestellt. Der Zionismus, welcher in der Hochphase des Imperialismus und des Nationalismus entstanden ist und von Zionisten selbst offen als koloniales Projekt bezeichnet wurde, wird dagegen als das Unterfangen „eindrucksvollste[r]" Visionäre wie Leon Minsker und Theodor Herzl dargestellt.
Beispiel 2
Auf Seite 37 wird von einem „Bürgerkrieg" berichtet, der 1947 erfolgt sein soll. Die Flucht von 700.000 Palästinensern sei die Folge gewesen.
Was hier so knapp beschrieben, aber nicht namentlich benannt wird, ist die Nakba! In der überwiegenden Mehrheit der Fachliteratur ist von mehr als 750.000 Opfern die Rede. Diese sind auch nicht einfach geflohen, sondern sind vertrieben worden. Duzende Massaker sind an der einheimischen Bevölkerung verübt worden, Hunderte palästinensischer Dörfer und Städte sind von zionistischen Einheiten systematisch zerstört oder von Israelis bezogen worden. Auf den Ruinen der palästinensischen Dörfer wurden Gebäude errichtet oder Wälder gepflanzt. Davon lesen Sie in diesem Buch kein Wort.
Beispiel 3
Unter der Überschrift „Der Gaza-Streifen" geht Kraushaar zunächst grob auf die Geschichte des Streifens ein und kommt sehr schnell auf den 7. Oktober 2023 zu sprechen. Interessant ist, was er nicht erwähnt: Mit keinem Wort erwähnt er die israelischen Militäraktionen, die VOR dem 7. Oktober stattgefunden haben: 1) Die Operation „Gegossenes Blei" (2008/2009, laut Amnesty International 1400 Tote, davon etwa 300 Kinder und mehr als 115 Frauen). 2) Die Operation „Pillar of Defense" (2012, laut der israelischen Menschenrechtsorganisation B'Tselem 167 Tote, mindestens 87 Zivilisten, davon mindestens 32 Minderjährige, 20 unter 12 Jahren). 3) Operation „Protective Edge" (2014, laut AI über 10.000 Verletzte und mehr als 2000 Tote, davon mindestens 500 Kinder). 4) Die Niederschlagung des friedlichen Protests „The Great March of Return" (2018/2019, laut UN 214 Tote, davon 46 Kinder, 36.143 Verletzte, 8.800 davon Kinder, 1200 benötigen langwierige Reha). 5) Operation „Guardian of the walls" (2021, laut der israelischen Menschenrechtsorganisation B'Tselem 236 Tote in Gaza, davon mindestens 157 Zivilisten, 53 Kinder und 38 Frauen). 6) Operation „Breaking Dawn" (2022, 32 Tote, davon 3 Frauen und 8 Minderjährige).
Auch erwähnt er nicht, dass der Gaza-Streifen mindestens seit 2007 unter einer israelischen Total-Blockade leidet: Ohne Israels Erlaubnis können weder auf dem Land-, noch auf dem Wasser- oder Luft-Weg Waren nach Gaza gelangen. Diese Blockade wird von der UN als eine „Form ökonomischer und politischer Kriegsführung" bezeichnet, die nicht auf Gegenstände beschränkt ist, die gegen Israel genutzt werden können, sondern auch alltägliche Güter betrifft und somit eine humanitäre Krise in Gaza hervorgerufen hat. Aus diesem Grund hat eine internationale „Gaza Freedom Flotilla" bereits 2010 versucht, die israelische Seeblockade mit Hilfsgütern zu durchbrechen. Israelische Soldaten haben auf einem der Boote neun der beteiligten Aktivisten getötet. Wohlgemerkt: 2010!
All dies findet bei Kraushaar keine Erwähnung. Es wird nicht einmal angedeutet.
Stattdessen wird lässig von einem abgefallenem Lebensstandard berichtet sowie von Problemen mit der Wasser- und Stromversorgung - ohne Israels Rolle bei der Misere zu erwähnen.
Beispiel 4
So selektiv der Politikwissenschaftler in seinem Metier vorgeht, so selektiv und manipulativ gestaltet er auch seine Ausführungen zum „Genozid"-Vorwurf. Selbstverständlich erwähnt er dabei keine internationalen Experten. Selbstverständlich werden die Wortmeldungen namhafter Völkerrechtler unter den Tisch gekehrt. Lobenswerterweise geht Kraushaar kurz auf den jüdischen Juristen Raphael Lemkin ein, den Initiator der UN-Genozidkonvention von 1948. Doch direkt danach wird alles unternommen, um Zweifel an Israels Genozid in Gaza zu streuen. So bekämpft er das Strohmannargument, dass es nicht auf die Anzahl der Toten ankomme - so als hätte dies jemals ein Völkerrechtler behauptet. Gerade weil es nicht auf die Anzahl der Toten ankommt - die sich im Moment meiner Rezension bei etwa 36.000 Tausend bewegt -, kann man den Vorwurf des Genozids erheben. Die legalen Kriterien sind ganz andere: Es geht um „Killing of Members of a Group", es geht um das „Causing serious bodily or mental harm to members of the group", es geht um das „Deliberatly inflicting on the group conditions of life calculated to bring about its physical destruction in whole or in part" (UN Special Rapporteur Michael Lynk hat bereits im Oktober 2018 davor gewarnt, dass Gaza aufgrund des von Israel herbeigeführten Elends bis 2020 nicht mehr bewohnbar sein könnte!). Diese Punkte sind spielerisch nachweisbar.
Wie andere Israel-Propagandisten betont Kraushaar, dass der Nachweis entscheidend sei, den Genozid-„Urhebern eine entsprechende Absicht [...] zweifelsfrei nachzuweisen". Dieser Nachweis wurde und wird von internationalen Expertinnen und Experten erbracht. Gerade deshalb, weil es zu erwarten ist, dass der Nachweis stichhaltig sein wird, wurde Südafrikas Genozid-Vorwurf vom IGH ja auch als „plausibel" bezeichnet und nicht abgewiesen. Mit den dazugehörigen Argumenten, Indizien und Beweisen befasst sich Kraushaar nicht - obwohl sie sehr leicht zu recherchieren wären, stehen sie doch als PDF-Dateien im Internet für jeden zur Verfügung. Stattdessen bedient er sich selektiv einer recht oberflächlichen Äußerungen des Völkerrechtlers der Bundeswehr Daniel-Erasmus Khan, der sich im Übrigen - zumindest im Mai 2024 - deutlich differenzierter äußert, als dies von Kraushaar angedeutet wird.
Ich könnte weit mehr schreiben, belasse es aber bei diesen 4 Beispielen. Mein Fazit: Das Buch ist hochgradig tendenziös. Menschen ohne Vorkenntnisse werden geschickt beeinflusst und politisch indoktriniert. Einen anderen Zweck kann ich in diesem Werk nicht erkennen.
Für Menschen, die bereits indoktriniert sind, ist das Buch natürlich super, weil sie daraus weitere Scheinargumente entnehmen können.
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