James Baldwin (1924 - 1987) gehört zu den wichtigsten Schriftstellern des 20. Jahrhunderts. Schon zu Lebzeiten machten ihn seine Romane «Giovannis Room» und «Another Country» sowie der Essay "The Fire Next Time" berühmt und brachten ihn auf die Coverseite des «Time Magazine». Aber Baldwin war schwarz und schwul, die Gesellschaft, in der er lebte, rassistisch und schwulenfeindlich. Aus dieser Spannung ist ein einzigartiges Werk entstanden, das die Tore weit aufgestoßen hat, durch die Generationen von Aktivistinnen und Aktivisten nach ihm gegangen sind.
In seinem elegant geschriebenen Porträt skizziert Baldwin-Kenner René Aguigah das Leben Baldwins von der Herkunft in ärmlichen Verhältnissen in Harlem bis zur Flucht vor dem alltäglichen Rassismus nach Paris, seinen rasanten Aufstieg zu einem berühmten Schriftsteller und gefragten Redner, seine Beziehungen mit Martin Luther King und Malcolm X. Vor allem aber begibt sich Aguigahs essayistisches Buch auf die Suche nach dem, was Baldwin uns heute noch mitzuteilen hat. Es fragt nach dem Verhältnis zwischen seinem Künstlertum und Aktivismus, der Spannung zwischen Literatur und Politik, seinem Eintreten für Minderheiten und seinen universalistischen Überzeugungen. Baldwin, der Hass so gut kannte, hielt in seinen Romanen und Essays an der Liebe als Hoffnung fest. Aguigah porträtiert ihn als Zeugen - einer Zeit der Gewalt und des Unrechts, die bis heute fortexistieren.
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Annäherung an einen großen Schriftsteller
Katrin aus Kiel am 12.10.2024
Bewertungsnummer: 2314389
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Um James Baldwin kommt man in diesem Jahr kaum herum, wäre er doch im August 100 Jahre alt geworden – ein Grund, sich intensiver mit seinem Werk zu befassen. René Aguigah porträtiert Baldwin an seinen Texten entlang, er zeigt ihn im Spannungsfeld zwischen Autor und Aktivist. Dabei verdeutlicht er, dass Baldwin sich nie hat vereinnahmen lassen, er sah sich selbst als Zeugen, als jemand, der sieht, was passiert, und über das Geschehene reflektiert. „James Baldwins große Themen, Rassismus und Sexualität, Liebe und Hass, finden sich in all seinen Texten – die wiederum in verschiedenen Gattungen verfasst sind, vor allem als Romane und Essays.“ Ich muss gestehen, dass ich bisher nur zwei seiner Romane gelesen habe – Giovanni’s Room und Von dieser Welt (Go Tell it to the Mountain) – und während ich beide sprachlich und stilistisch großartig fand, hat mich bei ersterem doch die misogyne Darstellung der im Roman enthaltenen Frauen oder als weiblich dargestellten Personen gestört. Das mag der entsprechenden Figurenzeichnung geschuldet sein, betrachtet der Protagonist doch seine eigene Homosexualität ganz im Sinne der damaligen Mehrheitsgesellschaft als verachtenswert, doch auch in einem Interview, das Nikki Giovanni 1971 mit Baldwin geführt hat, geht er nie auf ihre Versuche ein, den Fokus des Gesprächs auf die verschiedenen Herausforderungen der Schwarzen Frauen zu lenken. Anders ausgedrückt: Baldwin schien mir, wie im Prinzip alle Menschen, auch jemand mit blinden Flecken zu sein. Deshalb war ich sehr gespannt, wie er in diesem Buch dargestellt wird. Zum Glück widersteht René Aguigah der Versuchung, Baldwin als unfehlbaren Heiligen zu zeigen, stattdessen beschreibt er ihn in all seiner Zerrissenheit und in seinen verschiedenen, sich manchmal widersprechenden Rollen. Auch wenn Baldwin sich vornehmlich als Literat sah, wurde er doch vor allem in den USA für seinen Aktivismus bekannt. Und obwohl er sich einmischte, Vorträge hielt und engagiert war, blieb er doch immer auch ein Beobachter von außen, ein Zeuge eben.
René Aguigah gelingt in diesem Buch das Kunststück, Baldwin selbst in seinen Texten zu verorten, ohne dabei Rücksicht darauf zu nehmen, ob es sich um Prosa oder Essays handelt. Dadurch schafft er es, eine große Nähe zu Baldwin aufzubauen, ihn in all seinen Widersprüchen zu sehen und gleichzeitig die Liebe und Empathie zu spüren, die so wichtig für all seine Werke waren, aber auch für sein Leben an sich. Und obwohl alle Texte genau unter die Lupe genommen und Interpretationsräume geöffnet werden, man also meinen könnte, jetzt alles darüber zu wissen, möchte ich nun nach Beenden des Buches möglichst viel von Baldwin lesen. Und sehr gern René Aguigah über Baldwin sprechen hören. Ein wirklich großartiges Buch, nicht nur für Menschen, die schon einen Zugang zu James Baldwin und seinem Werk haben.
Ein beeindruckendes Leben
Bewertung aus Villach am 29.07.2024
Bewertungsnummer: 2255927
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Hierbei handelt es sich nicht um eine klassische Biografie, sondern um wichtige Kapitel und Themen, die James Baldwin sein Leben lang beschäftigten und in seinen Romanen und Essays verarbeitet wurden.
Der Autor der Biografie erzählt anhand von Baldwins Werken sein Leben und vergleicht die Protagnost*innen und deren Handeln mit Baldwins selbst, eingebettet in den historischen Kontext.
Deutlich wird dargelegt, welche Themen für Baldwin wichtig waren: sein Aktivismus in der Bürger*innenrechtsbewegung, (Homo)Sexualität und das Schreiben. In der Auseinandersetzung mit diesen drei Themen werden sein literarisches Werk, sein Exilleben und seine Reden analysiert.
Baldwin wollte nie nur als Schriftsteller verstanden werden, sondern vor allem als Zeuge, als „Schwarzer Mensch in der Mitte des Jahrhunderts“.
Ein großartiges Buch einer wichtigen Stimme des vorigen Jahrhunderts, die am 2. August ihren 100. Geburtstag feiern würde.
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