Plattenbauviertel, unkenntlich gemachte Denkmäler und Billig-Discounter: Die Fotografien von Philipp Baumgarten haben ein Dutzend namhafte Autorinnen und Autoren dazu inspiriert, ihre Erfahrungen in der Nachwendezeit zu beschreiben. Ihre Stimmen geben Einblick in eine Generation, deren ostdeutscher Hintergrund oft wie ein Phantomschmerz erscheint und im Spiegel des „westdeutschen Blicks“ bis heute präsent ist. Als Kinder der 1990er Jahre, geprägt von Industriebrachen einerseits und US-amerikanischer Popkultur sowie der globalen Digitalmoderne andererseits, betrachten sie kritisch, aber auch mit Nachsicht ihre Kindheit und die Zeit seit der Wiedervereinigung. So entwerfen die Fotografien, Gedichte, Kurzgeschichten und Essays ein Bild vom Gegenwartsgefühl einer Generation, die hin und her gerissen ist zwischen Ost und West auf der Suche nach der eigenen Identität.
Mit Texten von Elisabeth Heyne und Alexander Wagner, Peter Hintz, Marlen Hobrack, Paula Irmschler, Sebastian Jung, Annekathrin Kohout, Nhi Le, Anne Ramstorf, Lukas Rietzschel, Valerie Schönian, Philipp Schreiner, Greta Taubert sowie Anne Waak.
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Kluge und nachhallende Betrachtungen
Kaffeeelse (Mitglied der Thalia Book Circle Community) am 02.05.2025
Bewertungsnummer: 2480824
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch beleuchtet die Erfahrungen verschiedener Autor*innen in der Nachwendezeit, der Wende-Millenials. Die Herausgeber des Buches, Philipp Baumgarten und Annekathrin Kohout, versammeln in diesem Buch Texte von Paula Irmschler, Anne Waak, Philipp Schreiner, Valerie Schönian, Marlen Hobrack, Greta Taubert, Peter Hintz, Sebastian Jung, Nhi Le, Lukas Rietzschel, Anne Ramstorf, Elisabeth Heyne und Alexander Wagner. Und auch die beiden Herausgeber berichten über ihre eigenen Erfahrungen zur Thematik. So entsteht eine besondere Mischung der verschiedenen Sichten, die als Essay, oder in lyrischer und literarischer Form erscheinen. Als besonderes Beiwerk werden noch Fotos von Philipp Baumgarten in dem Buch verwendet, die die Sichten der verschiedenen Autor*innen noch interessant untermalen. Klug und nachhallend sind wohl die treffendsten Begriffe, die mir zum Buch “Ostflimmern” einfallen. Denn “Ostflimmern” rührt an unserem Verständnis der neuen Bundesländer, impliziert ein Verstehen seiner Bewohner. Was bedeutet es in einem Land geboren zu werden, dass es heute nicht mehr gibt? Was bedeutet es von ehemaligen Bewohnern dieses verschwundenen Landes großgezogen zu werden? Welche Erfahrungen bekommt man über diese Sozialisation mit? Was bedeutet es dem Osten zu entstammen, der lange Zeit und teilweise immer noch mit gewissen Assoziationen gleichgeschaltet wird? Kann man dann noch einen gewissen Stolz die eigene Herkunft betreffend nach außen tragen? Oder bedingt dies nicht gleich eine gewisse Abwertung? Manchmal bemerkt man als ehemaliges Ostkind diese Abwertung. Und diese Abwertung hinterlässt Spuren. Leider. Nun bedingen leider gewisse politische Prozesse eine Veränderung in der eigenen Bewertung des Ostens. Denn hier schwimmt eine gewisse Scham in der Betrachtung des Tuns der Mitbürger mit. Und auch eine Wut ob der Dummheit und Kleingeistigkeit gewisser Mitmenschen. Wir leben nach Covid in einer anderen Welt, in einer Welt, in der die Verbitterung mancher Zeitgenossen gnadenlos von gewissen politischen Kräften benutzt wird zur eigenen Machtübernahme. Doch dies darf meiner Meinung nach nicht einfach hingenommen werden, dies bedarf einer genauen Betrachtung des Gestern und des Heute. Wen der Osten interessiert, sollte unbedingt zu diesem Buch greifen. Denn wir sind das Produkt unseres Erlebens, in Ost und West und nur wer begreift, kann etwas verändern, in sich und auch in seiner Aktion. Denn jeder von uns, jeder in Ost und West muss lernen, dass wir in einer recht gefährlichen Zeit leben. Eine Zeit, in der die Demokratie bedroht ist. Eine Zeit, die auch zunehmend Mitglieder unserer Gesellschaft gefährdet, die deine und meine Freunde sind, die Mitglieder unserer Familien, Arbeitskollegen und Leistungsträger unserer Gesellschaft sind. Dies sollte uns allen klar sein. Denn eine funktionierende Gesellschaft zeichnet sich immer durch ein Miteinander aus, nie in einem Gegeneinander! „Ostflimmern“ leistet einen Beitrag für dieses Miteinander, einen wichtigen und lesenswerten Beitrag. Denn „Ostflimmern“ ist ein wunderbarer Lesetipp, der auch mein Erleben perfekt und treffend spiegelt.
Kluge und nachhallende…
kaffeeelse aus D am 02.05.2025
Bewertungsnummer: 2937265
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Kluge und nachhallende Betrachtungen Dieses Buch beleuchtet die Erfahrungen verschiedener Autor*innen in der Nachwendezeit, der Wende-Millenials. Die Herausgeber des Buches, Philipp Baumgarten und Annekathrin Kohout, versammeln in diesem Buch Texte von Paula Irmschler, Anne Waak, Philipp Schreiner, Valerie Schönian, Marlen Hobrack, Greta Taubert, Peter Hintz, Sebastian Jung, Nhi Le, Lukas Rietzschel, Anne Ramstorf, Elisabeth Heyne und Alexander Wagner. Und auch die beiden Herausgeber berichten über ihre eigenen Erfahrungen zur Thematik. So entsteht eine besondere Mischung der verschiedenen Sichten, die als Essay, oder in lyrischer und literarischer Form erscheinen. Als besonderes Beiwerk werden noch Fotos von Philipp Baumgarten in dem Buch verwendet, die die Sichten der verschiedenen Autor*innen noch interessant untermalen. Klug und nachhallend sind wohl die treffendsten Begriffe, die mir zum Buch "Ostflimmern" einfallen. Denn "Ostflimmern" rührt an unserem Verständnis der neuen Bundesländer, impliziert ein Verstehen seiner Bewohner. Was bedeutet es in einem Land geboren zu werden, dass es heute nicht mehr gibt? Was bedeutet es von ehemaligen Bewohnern dieses verschwundenen Landes großgezogen zu werden? Welche Erfahrungen bekommt man über diese Sozialisation mit? Was bedeutet es dem Osten zu entstammen, der lange Zeit und teilweise immer noch mit gewissen Assoziationen gleichgeschaltet wird? Kann man dann noch einen gewissen Stolz die eigene Herkunft betreffend nach außen tragen? Oder bedingt dies nicht gleich eine gewisse Abwertung? Manchmal bemerkt man als ehemaliges Ostkind diese Abwertung. Und diese Abwertung hinterlässt Spuren. Leider. Nun bedingen leider gewisse politische Prozesse eine Veränderung in der eigenen Bewertung des Ostens. Denn hier schwimmt eine gewisse Scham in der Betrachtung des Tuns der Mitbürger mit. Und auch eine Wut ob der Dummheit und Kleingeistigkeit gewisser Mitmenschen. Wir leben nach Covid in einer anderen Welt, in einer Welt, in der die Verbitterung mancher Zeitgenossen gnadenlos von gewissen politischen Kräften benutzt wird zur eigenen Machtübernahme. Doch dies darf meiner Meinung nach nicht einfach hingenommen werden, dies bedarf einer genauen Betrachtung des Gestern und des Heute. Wen der Osten interessiert, sollte unbedingt zu diesem Buch greifen. Denn wir sind das Produkt unseres Erlebens, in Ost und West und nur wer begreift, kann etwas verändern, in sich und auch in seiner Aktion. Denn jeder von uns, jeder in Ost und West muss lernen, dass wir in einer recht gefährlichen Zeit leben. Eine Zeit, in der die Demokratie bedroht ist. Eine Zeit, die auch zunehmend Mitglieder unserer Gesellschaft gefährdet, die deine und meine Freunde sind, die Mitglieder unserer Familien, Arbeitskollegen und Leistungsträger unserer Gesellschaft sind. Dies sollte uns allen klar sein. Denn eine funktionierende Gesellschaft zeichnet sich immer durch ein Miteinander aus, nie in einem Gegeneinander! „Ostflimmern“ leistet einen Beitrag für dieses Miteinander, einen wichtigen und lesenswerten Beitrag. Denn „Ostflimmern“ ist ein wunderbarer Lesetipp, der auch mein Erleben perfekt und treffend spiegelt.
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