Der pensionierte Journalist Jonas verbringt auf Einladung seiner erwachsenen Töchter einen Teil des Sommers mit ihnen im Schärengarten. Er soll an der Biografie eines Zeitungsmagnaten weiterarbeiten, den er einfach nur ›Y‹ nennt. Jonas sammelt Fakten, ringt um Worte und Wahrheit – und scheitert wiederholt. Dazu verschwimmen die Grenzen zwischen dem verhassten Y und ihm selbst. Ein nahe gelegener Steinacker wird ihm zur Metapher seiner Arbeit. Und doch gelingt es ihm schließlich, ein neues Verhältnis zu seinen Töchtern zu finden.
Tove Jansson skizziert in ›Der Steinacker‹ die Hauptfigur Jonas unverblümt und schonungslos. Ihr gelingt ein bissig-humorvoller Miniaturroman – und ein zeitlos tiefsinniges Werk über den Umgang mit Worten.
Kundinnen und Kunden meinen
4.5/5.0
Bewertung
aus Horn-Bad Meinberg
5/5
28.06.2025
Buch (Paperback)
War es das wert?
Mit "Der Steinacker" liegt ein Buch über die Macht der Sprache, versäumte Möglichkeiten und die Auseinandersetzung mit sich selber vor. Im Mittelpunkt steht der pensionierte Journalist Jonas, der von seinen beiden Töchtern zu einem Sommerurlaub im Schärengarten eingeladen wird. Jonas verliert immer mehr an seinen kognitiven Fähigkeiten, versucht immer noch intensiv sich mit dem richtigen Gebrauch der Sprache auseinanderzusetzen und muss im Laufe der Geschichte immer mehr erkennen, wie er nie einen Kontakt auf Augenhöhe zu seinen beiden Kindern und seiner Frau aufbauen konnte. Im Mittelpunkt stand immer nur die Arbeit, seine einzige Währung zur Bedürfnisbefriedigung seiner Familie war das Geld. "Im Steinacker" ist ein trauriges Buch, in dem die Hauptperson sich selbst gegenübersteht und erkennen muss, was sie alles falsch gemacht hat. Es ist ein Buch über die Macht der Sprache und auch eines über Verletzungen und Nicht-Gesehen werden. Die Schreibweise ist erst einmal gewöhnungsbedürftig, wer sich aber drauf einlässt, kann ganz viel daraus ziehen.
Jürg K.
5/5
01.11.2024
Buch (Paperback)
Schonungslos offen und mit Tiefgang
Jonas ist ein pensionierter Journalist. Auf Einladung seiner Töchter verbringt er einen Teil des Sommers mit ihnen im Schärengarten. Hier soll er an der Biografie eines Zeitungsmagnaten arbeiten. Er nennt in der Einfachheit halber nur «Y». Ein nahegelegener Steinacker zur Metapher seiner Arbeit. Hier liest man eine etwas scharfsinnige und ergreifende Novelle. Beim Lesen wird offenkundig ein schonungsloses Porträt von Jonas geschildert und schildert die familiären Beziehungen und die tiefgreifende Wirkung von Worten. Man wird auf eine Reise der Selbstfindung und Versöhnung mitgenommen. Das Lesen hat mich an vielen Stellen Nachdenklich gemacht. Ein Buch das mich überrascht hat. Ich kann es empfehlen.
begine
aus Lemwerder
5/5
09.10.2024
Buch (Paperback)
Tiefsinnig
Die Schwedisch finnische Schriftstellerin Tove Jansson war auch Illustratorin und Malerin.
Sie schrieb und illustrierte Bücher und Komik für Kinder.
Sie lebte Von 1914 bis 2001.
Ihr Roman Steinacker erschien in den zwei letzten Jahren ihres Lebens. Da verfasste sie Romane für Erwachsene.
Sie zeigt das altern und die Starrköpfigkeit des Journalten Jonas.
Es ist eine interessante Lektüre über Töchter und ihren alternden Vater.
Der Roman ist klug und brillant. Eine gute Unterhaltung.
Seitenrascheln
5/5
09.10.2024
Buch (Paperback)
Ein empfehlenswerter Kurzroman
Erster Satz:
„Das erste Grün des langen Frühlings hatte im Esplanade-Park ausgeschlagen.“
Tove Jansson habe ich durch ihre Romane „Das Sommerhaus“ und „Die Tochter des Bildhauers“ kennen und lieben gelernt. So war ich äußerst neugierig auf diesen Kurzroman gewesen. Vorab ich fand ihn sehr gelungen. Tove Jansson hat mir diesen Mann nahegebracht. Jonas, der so mit Worten ringt, immer darauf bedacht ist auf den Punkt zu kommen und viel Wert auf Präzision legt. Ein Mann, der eigentlich nichts über seine Familie weiß. Zu sehr ist er mit Worten beschäftigt.
Im Laufe der Erzählung nähert er sich langsam seinen Töchtern. Zwar mag Jonas wortgewandt sein was seine Arbeit als Journalist betrifft, aber ihm fehlt das Vermögen sich auf seine Mitmenschen einzulassen. Mehr mag ich an dieser Stelle nicht verraten. Man denkt noch lange über Jonas, seiner Frau und den Töchtern nach.
Fazit:
Ein empfehlenswerter Kurzroman, der mich begeistern konnte. Tove Jansson hat so einen wunderbaren und freundlichen Blick auf ihre Protagonisten. Ich rate allerdings dazu das Vorwort erst im Anschluss der Lektüre zu lesen. Anna-Lena Laurén hat eine wundervolle Analyse und Ergänzung zum Roman geschrieben, aber für das eigene Lesen und selbst entdecken wollen etwas zu viel vorwegnehmend. Die sehr gelungene Übersetzung ist von Birgitta Kicherer.
kaffeeelse
aus D
4/5
03.07.2025
Buch (Paperback)
Resümee Ein Arbeitsleben in…
Resümee Ein Arbeitsleben in Helsinki. Der Journalist Jonas blickt auf dieses Arbeitsleben zurück, denn jetzt ist er pensioniert. Er, der Ernährer der Familie, der väterliche Gott. Zumindest in seiner Selbstbetrachtung ist er dies. Seine erwachsenen Töchter möchten, dass er auf den Finnland vorgelagerten Schären den Sommer verbringt, mit ihnen zusammen. Hier auf den Schären gelingt diesem Journalisten Jonas dennoch einmal ein ehrlicher Blick auf sein Leben, natürlich wird dieser Blick auch durch die Töchter ermöglicht. Aber nicht nur. Auch Jonas muss ehrlich zu sich selbst sein, muss seine Arbeit, muss die Gewichtung der Arbeit vor der Familie, muss die Gewichtung der eigenen Interessen vor den Interessen der eigenen Familie formulieren. Dies ist natürlich nicht schön für unseren Jonas, aber er tut es schließlich. Ist ehrlich zu sich selbst und gewinnt über diese Ehrlichkeit zu sich selbst ganz neue Sichten. Die ihm ein neues Leben, einen Neuanfang ermöglichen, auch wenn dieser Neuanfang sehr spät kommt, fast zu spät, aber gut, eigentlich könnte man ja auch damit zufrieden sein, dass diese neuen Sichten, diese Einsichten überhaupt kommen, in unserer patriarchal tickenden westlichen Welt. Was Jonas schließlich ebenso zu diesen Gedanken bringt, ist vielleicht sein Blick auf die eigene Endlichkeit, sein Blick auf sein Nichtfunktionieren. Jonas ist Journalist, er schreibt, sein Tanz mit den Wörtern, mit den Sätzen ist natürlich berufsbedingt wichtig, sehr wichtig. Generierte doch ein stilistisch, künstlerisch und inhaltlich passender Tanz mit den Wörtern bisher seine monetären Zuwendungen. Doch dieser Tanz ist nun erschwert. Dieses Spiel, dieser Tanz mit den Wörtern fällt Jonas schwerer, die Worte kommen nicht mehr so einfach und so schnell. Was ihn natürlich verunsichert. Und auch ängstigt. Wie das jedem von uns ergeht und ergehen wird. Nun muss dieser Tanz mit den Wörtern nicht mehr das Geld für den Pensionierten einbringen. Diese Sorge ist Jonas also los. Dennoch kommt er an den Rand seines Tuns hier auf Erden und dies lässt natürlich auch Blicke zurück zu. Blicke, die für Jonas schmerzlich sein müssten und nach und nach auch zu diesem Schmerz werden. Tove Jansson schafft es in diesem sehr dünnen, nur 95 Seiten umfassenden Buch einen intensiven Blick auf diesen Jonas zu werfen. Nun ist Jonas für mich natürlich kein Sympathieträger, dennoch stößt mich das Buch und das Tun der Hauptfigur nicht vollkommen ab. Was für mich schon etwas herausragend ist, denn solch einem Charakter würde ich im wahren Leben keinen Blick widmen, keine Sekunde zuteilen. Hier im Buch habe ich mich aber mit Jonas befasst und dies geschah auch nicht ungern.
Kurze Frage zu unserer Seite
Vielen Dank für Ihr Feedback
Wir nutzen Ihr Feedback, um unsere Produktseiten zu verbessern. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Ihnen keine Rückmeldung geben können. Falls Sie Kontakt mit uns aufnehmen möchten, können Sie sich aber gerne an unseren Kund*innenservice wenden.