Produktbild: Zeit heilt keine Wunden

Zeit heilt keine Wunden Das Leben des Ernst Grube

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31,50 €

inkl. gesetzl. MwSt., Versandkostenfrei


Beschreibung

Produktdetails

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

21.11.2024

Verlag

Avant-verlag GmbH

Seitenzahl

272

Maße (L/B/H)

29/22/2,7 cm

Gewicht

1296 g

Farbe

Ozeanblau / Beige

Auflage

1. Auflage

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-96445-121-7

Beschreibung

Produktdetails

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

21.11.2024

Verlag

Avant-verlag GmbH

Seitenzahl

272

Maße (L/B/H)

29/22/2,7 cm

Gewicht

1296 g

Farbe

Ozeanblau / Beige

Auflage

1. Auflage

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-96445-121-7

Herstelleradresse

avant-Verlag, Berlin
Weichselplatz 3-4 HH
12045 Berlin
DE

Email: info@avant-verlag.de

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  • Bewertung

    5/5

    10.03.2026

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Ein intensives Gesamtbild

    Zeit heilt keine Wunden ist eine Graphic Novel, die sich über einen weiten Zeitraum streckt und dabei in Bildlichkeit und Narration extrem intensiv ist. Brinkmann zeichnet in ihrem großartigen Zeichenstil das Leben des Ernst Grube. Dabei ist die Narration der Graphic Novel sehr interessant ausgestaltet. Zuerst werden uns Leser:innen einzelne Puzzleteile offengelegt, die sich während dem Lesen und am Ende zu einem großen Gesamtbild zusammensetzen. Jedes einzelne Bild, jedes Symbol, jede Handlung behandeln und handeln nicht nur von der Vergangenheit, sondern auch von der Gegenwart und Zukunft. Brinkmann zeichnet hier ein Netzwerk über Politik, Deutschland, Erleben, Erinnern und Vergessen. Gerade diese netzwerkartigen Verbindungen machen diese Graphic Novel so besonders: hier wird nicht nur über den Holocaust gesprochen, sondern über das Davor und vor allem das Danach. Über ein Deutschland, das Strukturen etabliert, gefestigt und nicht losgelassen hat. Über das Vergessen und Verzeihen auf der anderen Seite und das Verdrängen auf der anderen Seite. Über das (Über-)Leben nach dem Holocaust und das Leben in einem geteilten Deutschland mit gefestigten Strukturen, die kein Weltkrieg beseitigen konnte. Die Graphic Novel fokussiert sich in ihrer Breite nicht ausschließlich auf die Figur Ernst Grube, sondern auch auf dessen Familie und weitere Figuren wie Weber. Damit weitet sich die Autobiographie aus und schafft weitere Verbindungslinien in der Netzwerkstruktur. Hier hat alles ein Sinn und jedes Detail, jedes wiederkehrende Motiv und jedes Symbol sind hier bedeutungstragend. Der Stil von Brinkmann ist immer empfehlenswert und zeugt von außerordentlichem Talent. Wie in ihrer anderen Graphic Novel Gegen mein Gewissen bringt sie auch hier wieder Fragmentierung, Psyche und Körperlichkeit hinein. Die diskursive Verbindung und Vernetzung ist hier zwar eine andere, aber lässt sich in beiden Graphic Novels nicht von Politik trennen. Zeit heilt keine Wunden ist eine breite und tiefe Graphic Novel, die detailliert, aber nicht ausartend, sondern vor allem intensiv ist. Die Verbindung von Ereignissen, Figuren, Symbolen, Motiven und Diskursen entfaltet ein tiefreichendes Netzwerk, das Reflexionen über gegenwärtige und vergangene Zustände offenlegt. Zum Schluss bleiben die Fragen: wie viele Wunden sind noch offen und wie viel Nationalsozialismus steckt in Deutschland? Zum Schluss kann ich nur eines sagen: Brinkmann hat ein außerordentliches Talent und eine unheimlich große Liebe zum Detail. Zeit heilt keine Wunden ist eine großartige Graphic Novel, die nicht nur lang nachwirkt, sondern immer präsent ist und bleiben wird.

  • Bewertung

    aus Villach

    5/5

    02.03.2025

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Großartige Graphic Novel

    Ernst Grube, 1932 in Deutschland geboren. Sein Vater war arisch, die Mutter Jüdin. Mit dem Aufkommen der Nazis wurde das Leben der Familie einerseits gefährlich wegen der Gefahr einer Deportation, andererseits konnte die Wohnung nicht gehalten werden, so dass eine ganz kleine Wohnung zugeteilt wurde. Die Kinder Werner, Ernst und das Baby Ruth wurden von den Eltern in ein Kinderheim verbracht – aus Sicherheitsgründen. (Auch) Kommunist*innen wurden damals von den Nazis verfolgt. In den letzten Tagen des 2. Weltkrieges wurde die Familie, bis auf den Vater von Ernst Grube, nach Theresienstadt deportiert und später von den Russen befreit. Ein anderer Erzählstrang zeigt am Beispiel des Karrieristen Kurt Weber, wie man zum Nazi-Mitläufer wurde. Um eine juristische Karriere zu machen, tritt er bereits 1937 in die Partei ein; seine jüdische Verlobte verlässt ihn. Als Staatsanwalt muss er für Nichtigkeiten die Todesstrafe verhängen – als er es nicht tut, wird er selbst von der Partei bestraft. Nach dem 2. Weltkrieg schließt sich Ernst Grube den Kommunisten in Deutschland an. Er besucht die FDJ Hochschule Wilhelm Pieck, geht auf die Straße und nimmt an Demonstrationen gegen die Adenauer-Regierung, gegen Kapitalismus und Antikommunismus teil. Bei einer Demonstration wird Ernst Grubes Freund Philipp Arbeiter durch zwei Schüsse, abgefeuert von Polizisten, getötet. Die FDJ und die Kommunisten werden in der BRD verboten, sie arbeiten im Untergrund weiter – Ernst Grube kommt ins Gefängnis. Seinen Prozess verhandelt der oben genannte Karrierist Weber als Staatsanwalt. Ein großartiges Buch – einprägsam und klar gezeichnet. Es werden die NS-Zeit und die Nachkriegsjahre dargestellt: Zwei Biografien, die nicht unterschiedlicher sein können, treffen aufeinander. Unbedingte Leseempfehlung

  • Daggy

    5/5

    07.12.2024

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Graphic Novel zum Nachdenken

    Ernst Grube über dessen Leben diese Graphic Novel erzählt ist als alter Mann auf den Cover abgebildet. Neben den Judenstern ist sein Mitgliedbuch der KPD und ein Abzeichen der FDJ abgebildet. Zunächst ist ein Zitat von Gerty Spies übet „Des Unschuldigen Schuld“ abgedruckt, dass mich wieder sehr nachdenklich macht. Der erste Teil des Buches ist „Die Kindheit überleben“ überschrieben. Herr Grube erzählt Schüler*innen eines Gymnasium von sich. Einige große Illustrationen bilden verschlungen menschliche Augen ab, dazu ist eine Verordnung aus dem Jahr 1935 zu lesen, die beschreibt, wer zu dieser Zeit als Jude gilt. Clementine Grube, Ernsts Mutter, wirkt mit ihrer Brille sehr streng. Sie ist mit einem Arier verheiratet und hat mit ihm drei Kinder, die beiden großen Jungen und ein Mädchen, das im Laufe der Erzählung geboren wird. Hier taucht zum ersten Mal der Hahn auf, der im weitesten Sinne für die Nazis steht. Da die Wohnsituation für die Familie immer schwieriger und die Nahrungsbeschaffung immer schlimmer wird, entscheiden sich die Eltern ihre Kinder in eine jüdisches Kinderheim zu geben. Hier werden die Kinder sehr gut versorgt und die Erzieherin ist sehr gewissenhaft. Die Illustrationen werden zu Ende immer krasser und aufrüttelnder. Am Ende sehen wir die Sowjetische Fahne und den Satz „Wir sind frei.“ Im zweiten Teil wird „Eine deutsche Karriere“ geschildert, er geht um den Juristen Kurt Weber, den seine jüdische Verlobte verlässt, weil ihm seine Kariere wichtiger ist als alles sonst. So tritt er, trotz seiner Bedenken in die NSDAP ein und fordert Urteile im Namen des NS-Staates. Doch er schafft es nach Ende der NS-Zeit als „Entlasteter“ anerkannt zu werden. „Der lange Prozess“ berichtet vom inzwischen erwachsenen Ernst Grube, der sich in der FDJ verstanden und anerkannt fühlt. So wird der als verheirateter Mann und Vater Flugblätter in der inzwischen verbotenen KPD transportieren. Er wird angeklagt und trifft so auf den Richter Kurt Weber. Einiges in diesem Buch war für mich unbekannt und wenn ich inzwischen weiß, dass dieselben Menschen in der NS-Zeit und danach Ämter bekleideten, wurde diese Geschichte doch intensiver geschildert, schon aufgrund der vielen aufrüttelnden Bilder. Und sie Frage, wie hätte ich mich verhalten? Bleibt wieder lange Zeit im Kopf.

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