An einem felsigen Strandabschnitt in der Bucht von Hakata werden an einem kalten Wintermorgen die Leichen eines jungen Paares aus Tokio gefunden. Die Polizei sieht keinen Anhaltspunkt für eine Ermittlung: Der Mann und die Frau liegen friedlich nebeneinander, keine Anzeichen für Gewalteinwirkung, die geröteten Wangen sprechen für eine Zyankali-Vergiftung - eindeutig ein Doppelselbstmord der jungen Liebenden. Für den Mann der einzige Ausweg aus einer Bestechungsaffäre? Seltsam ist nur, dass die beiden offenbar gemeinsam mit dem Zug aus Tokio abgereist sind, Kenichi Sayama aber allein im Speisewagen gegessen und für seine Geliebte Otoki kein Hotelzimmer gebucht hat. Waren der Beamte und die Serviererin wirklich ein Paar? Kommissar Jutaro Torigai stößt auf Ungereimtheiten, die auch den jungen Polizisten Kiichi Mihara aus Tokio beschäftigen: Wollte Sayama wirklich sein Leben beenden? Bei seinen Ermittlungen, die Mihara durch ganz Japan führen, versucht er, den Tathergang minutiös zu rekonstruieren. Denn wenn es kein Selbstmord war, hat er es mit einem ungemein intelligenten Täter zu tun ...
Kundinnen und Kunden meinen
4.6/5.0
drawe
aus Landau
5/5
24.10.2024
eBook (ePUB 3)
Raffiniert!!
An einem bei Liebespaaren beliebten Strand werden zwei Leichen gefunden, nebeneinander liegend und beide mit Zyankali vergiftet: Ganz klar: ein Doppelselbstmord aus Liebe. Nur dem örtlichen Kommissar Torigai fällt eine kleine Unstimmigkeit auf, die ihm keine Ruhe lässt. Weil beide Toten aus Tokio stammen, wird auch die dortige Polizei eingeschaltet, und hier ist es der Kommissar Mihara, der ähnlich wie Torigai an die Theorie des Selbstmords nicht recht glauben will. Immerhin ist der männliche Tote der Untergebene eines Ministerialbeamten, gegen den gerade wegen Korruption ermittelt wird.
Entscheidend für den Gang der Ermittlungen ist die Pünktlichkeit der Züge. Wären die Züge nicht auf die Minute pünktlich, würde der Plot nicht funktionieren. Es ist nämlich ein kleines Zeitfenster von nur vier Minuten, das die Ermittlungen in Gang setzt. Die Ermittlungen gestalten sich schwierig, sie sind wie in jedem old-school-Krimi mit viel Gedankenarbeit und logischem Denken verbunden. Mihara hat dennoch immer wieder das Gefühl, an eine unüberwindliche Mauer zu stoßen, weil seine Vermutungen nicht stimmen oder seine Prämissen unzutreffend waren. Der Autor lässt seinen Leser an den Überlegungen teilnehmen; allerdings muss ich gestehen, dass ich nicht jeden der vielen Zugpläne aus dem Kursbuch gedanklich begleitet habe. Umso mehr muss man die Findigkeit des Autors und seiner Ermittler bewundern, die aus den vielen rätselhaften Fakten schließlich die Wahrheit herausfiltern. Ein komplizierter Fall!
Die sachlich-nüchterne Art des Erzählens mag nicht jedem Leser liegen. Matsumoto verschont seine Leser mit Emotionen und mit Ausbrüchen welcher Art auch immer. Seine Figuren verhalten sich dementsprechend, sie gehen stets höflich und respektvoll miteinander um – wie wohltuend! In aller Ruhe geht die Handlung voran, bis sich schließlich die komplizierten Zusammenhänge klären.
Der Krimi erschien erstmals 1958 unter dem Titel „Spiel mit dem Fahrplan“ und wurde vom Kampa Verlag neu herausgegeben.
Nach wie vor sehr lesenswert!
Heidrun
aus Klingenberg
4/5
18.10.2025
eBook (ePUB 3)
Doppelselbstmord
Ein Doppelselbstmord eines Pärchen bildet den Aufhänger dieser Geschichte. Nur scheint da etwas nicht zu stimmen, so dass die Polizei aufmerksam wird. Besonders Kiichi Mihara verbeißt sich in dem Fall.
Das Buch ist ein klassischer Kriminalroman, der mich an Sherlock Holmes erinnert. Die Ermittler lösen den Fall hauptsächlich durch Nachdenken und die Überprüfung der Fakten. Eine wichtige Rolle spielen die Zugverbindungen. Obwohl sie für die Handlung wichtig sind, fand ich sie ermüdend. Gut fand ich die Auflösung durch einen Brief an einen Kollegen.
Die Sprache ist einfach und strukturiert. Der Focus liegt auf der verzwickten Handlung.
PMelittaM
aus Köln
4/5
18.02.2025
eBook (ePUB 3)
Klassischer japanischer Kriminalroman
Am Strand der Bucht von Hakata wird ein totes Paar gefunden, die Polizei tippt schnell auf Doppelselbstmord. Doch der altgediente Polizist Jutaro Torigal ist nicht ganz überzeugt, denn für ihn gibt es ein ungeklärtes Detail. Da der tote junge Mann eine gewisse Rolle in einem Korruptionsfall hatte, ist man bei der ermittelnden Dienststelle in Tokio nicht sehr glücklich über seinen Tod, doch Torigals Zweifel stößt auch hier neue Ermittlungen an.
Diese Ermittlungen Kiichi Miharas sind von Höhen und Tiefen geprägt, immer wieder steht er mit vielversprechenden Ansätzen vor dem Nichts, gibt aber nicht auf, so dass er am Ende den Fall zufriedenstellend lösen kann. Da das Ganze viel mit Zugfahrplänen zu tun hat, die erste deutsche Übersetzung 1958 hatte daher auch den Titel „Spiel mit dem Fahrplan“, kann das manchmal beim Lesen etwas verwirren, ein bisschen Aufmerksamkeit ist da schon von Nöten. Dann kann man als Leser:in aber auch miträtseln, und vielleicht selbst hinter das eine oder andere Geheimnis kommen. Dennoch gibt es natürlich auch hier unerwartete Wendungen und Sackgassen. Die beiden Karten zu Beginn des Romans erleichtern es, den diversen Reisebewegungen zu folgen.
Der Protagonist ist eindeutig Kiichi Mihara, auch wenn dieser nicht von Anfang an dabei ist. Er war mir schnell sympathisch, und ich habe mit ihm mitgefühlt, wenn er das Gefühl hatte, nicht weiter zu wissen. Auch Jutaro Torigal lernt man ein bisschen besser kennen, großen Raum im Roman nimmt er zwar nicht ein, dafür bringt er wichtige Ideen ein. Weitere Charaktere bleiben blass, spielen aber auch nur Nebenrollen. Man muss auch bedenken, wie kurz der Roman ist.
Mich hat neben dem Titel auch das Cover angesprochen, erst im Nachhinein habe ich herausgefunden, dass der Roman bereits fast 70 Jahre alt ist, das Original wurde 1958 veröffentlicht. Es handelt sich also um einen klassischen japanischen Kriminalfall, der produktive Autor ist zudem in Japan sehr bekannt, wurde bisher aber noch wenig auf Deutsch veröffentlicht. Vielleicht ändert sich das nun.
„Tokio Express“ ist ein älterer Kriminalroman, der nun neu aufgelegt wurde. Im Grunde erscheint er mir zeitlos zu sein. Ich habe ihn gespannt gelesen und hoffe auf weitere deutsche Veröffentlichungen Seicho Matsumotos.
Bewertung
Orell Füssli Book Circle Community
5/5
26.06.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Klassischer Krimi aus Japan
Wow, dieser Krimi hat mich total abgeholt. Da ich selten Krimis lese, weil zu blutig, absurd oder ausschweifend, tue ich mich manchmal etwas schwer damit, aber zwischendurch darf es mal sein. Hier war ich sehr beeindruckt, wie fokussiert die ganze Geschichte auf den Tathergang ist, resp. auf das Finden von Beweisen. Die Ermittler bleiben unscheinbar, der Fokus ist und bleibt bei der Aufklärung des scheinbaren Doppelselbstmordes. Dieser ist schlicht beschrieben, kommt ohne blutige Szenen vor und das anschliessende Finden von Beweisen lädt zum selber Mitdenken ein.
Ein raffinierter, feiner Krimi, der mit der üblichen japanischen “Ruhe” daherkommt. Wie oft bei japanischen Übersetzungen kommen mir die Sätze schlicht vor, was meiner Meinung nach perfekt zu diesem Buch passt. Für Krimifans der alten Schule (das Buch wurde 1958 das erste Mal herausgebracht) und für all diejenigen, denen Hen na e - Seltsame Bilder oder Hen na ie - Das seltsame Haus zu viele “Bilder” hatte. (:
Bewertung
5/5
12.08.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
japanisches Flair
Die Spannung bleibt bis zum Schluss und das japanische Miteinander sprich der Umgang untereinander kommt voll durch. Die Planung eines perfektes Mordes mit einem Ausgang, den man nachvollziehen aber nie erwarten würde.
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