Erst wenn sich abends die Straßen Seouls allmählich leeren, verlässt die Psychotherapeutin Hae-Su den Schutz ihres Hauses. Niemand soll sie sehen, eine Frau, die alles verloren hat: ihre Arbeit und Reputation, ihren Partner, ihre Freunde. Eine unbedachte Äußerung bei einem Fernsehauftritt hat sie zur Ausgestoßenen gemacht. Doch dann trifft sie bei einem ihrer nächtlichen Spaziergänge ein junges Mädchen, das sich um eine Straßenkatze kümmert und genau wie Hae-Su ihren Platz in einer Gesellschaft sucht, die keine Fehltritte akzeptiert. Aus scheuer Neugier wird eine tiefe Freundschaft, von der sie beide nicht wussten, wie sehr sie ihnen fehlte. Kim Hye-jin erzählt voller Empathie von den Ausgeschlossenen und Strauchelnden, von der Bedeutung sanftmütiger Gesten - und von unvermuteten Neuanfängen.
Kundinnen und Kunden meinen
4.7/5.0
Sursulapitschi
4/5
22.07.2024
eBook (ePUB)
Ein sanftes Plädoyer für Achtsamkeit
Es hat ein bisschen gedauert, bis ich mit diesem Buch warm wurde. Der Erzählstil ist nüchtern, genau wie Hae-Su, die vernünftig und sortiert von ihrem Leben, ihren Ängsten und ihrer Traurigkeit berichtet. Auf den ersten Blick passt das nicht so recht zusammen.
Hae-Su ist seltsam. Sie traut sich nur im Dunklen aus dem Haus. Sie will nicht gesehen werden und mit niemandem sprechen. In ihrer Verzweiflung schreibt sie Briefe an all die Menschen, denen sie etwas zu sagen hätte, ihrem Exmann, ihrer ehemals besten Freundin, ihrem Ex-Arbeitgeber, allerlei Behörden oder auch ihrem Anwalt. Sie schreibt jede Menge Briefe, aber sie schickt sie nicht ab.
Als sie die kleine Se-I kennenlernt, geraten Dinge in Bewegung. Hae-Su hat plötzlich wieder eine Aufgabe. Eine verletzte Katze muss gerettet werden und Se-I scheint auch große Probleme zu haben.
Hier erfährt man in ganz kleinen Portionen, was Hae-Su zugestoßen ist. Eigentlich ist es keine große Sache. Eine unbedachte Bemerkung hatte üble Auswirkungen, nur muss man dann eben damit leben. Das ist nicht leicht, wenn das Gewissen schlägt.
Nach und nach wächst einem Han-Su dann doch ans Herz, wenn sie unbeholfen aber unbeirrt versucht, zu helfen. Das einsame Kind, die verletzte Katze und die traurige Frau bilden eine ganz eigene Gemeinschaft von Ausgestoßenen und zeigen uns, wie wichtig Toleranz und Beharrlichkeit sind.
Dieses Buch ist leise, aber eindringlich, ein sanftes Plädoyer für Achtsamkeit und zeigt, wie kleine Dinge große Wirkung haben können.
nessabo
5/5
19.10.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein ruhiger, sanfter und vergebungsvoller Roman
Ich war erst unschlüssig, ob ich den Roman lesen sollte, weil mich „Die Tochter“ nicht so ganz catchen konnte. Aber ich bin richtig froh, dass ich meinem Bauchgefühl hier gefolgt bin und dieses besondere und zarte Buch nicht habe an mir vorbeiziehen lassen.
Hae-Su war einst eine erfolgreiche Psychotherapeutin, verlor aber ihren Job nach einer unbedachten und folgenschweren Aussage im Fernsehen. Seit einem Jahr verbringt sie ihre Zeit allein in Seoul, ohne Kontakte zu anderen Menschen. Eines Tages trifft sie auf die zehnjährige Se-I, die ebenfalls eine Verstoßene zu sein scheint. Doch für mich viel prägender war der Kontakt zu Straßenkatze Rübe, die dringend medizinische Hilfe braucht, sich aber nicht einfangen lassen will. Es entsteht ein Band zwischen diesen drei Figuren, das mich wirklich berührt hat.
Eine große Stärke des Romans ist seine Interpretationsvielfalt. Die Autorin schreibt auch selbst im Nachwort, dass „Ein menschlicher Fehler“ hoffentlich individuell verschieden gelesen wird - je nachdem, was im Innersten der Lesenden gerade los ist. Kim Hye-jin schreibt beobachtend, wertfrei und ruhig. Der Schreibstil ist zugänglich, hat aber auch einen gewissen Anspruch. Vor allem erfordert das Lesen meiner Meinung nach Raum zum Fühlen, um die feinen Nuancen wahrnehmen zu können.
Die Protagonistin Hae-Su kämpft ihren eigenen Kampf in Bezug auf Verantwortung, Schuld und Abwehr. Deshalb schreibt sie täglich Briefe an Journalist*innen, den ehemaligen Chef, eine Kollegin oder eine enge Vertraute, von denen sie sich nach dem Fehler ungerecht behandelt fühlte. Doch sie kann nicht ausdrücken, was sie eigentlich sagen möchte und bricht alle Briefe ab. Denn was sie eigentlich sucht, ist eine Vergebung für ihren Fehler, die aus ihr selbst kommt. Dabei hilft ihr auch die fragile Beziehung zu Rübe, in dessen Schicksal als wenig beachtete bzw. verachtete Straßenkatze sie sich zu sehen scheint.
Für mich war dieser Roman ein Plädoyer für Menschlichkeit, Respekt und Sanftheit. Die Autorin webt die drei so verschiedenen Figuren auf eine unaufgeregte, liebevolle Art ineinander. Ein wirklich tolles Buch, dessen Essenz ich irgendwie nicht so ganz zufriedenstellend in Worte fassen kann. Lest es am besten selbst und nehmt euch daraus mit, was ihr gerade am meisten braucht.
4,5 ⭐️
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Triggerwarnungen:
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Mobbing, Suiz-d, Wunden bei Tieren
nessabo
5/5
19.10.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein ruhiger, sanfter und…
Ein ruhiger, sanfter und vergebungsvoller Roman Ich war erst unschlüssig, ob ich den Roman lesen sollte, weil mich „Die Tochter“ nicht so ganz catchen konnte. Aber ich bin richtig froh, dass ich meinem Bauchgefühl hier gefolgt bin und dieses besondere und zarte Buch nicht habe an mir vorbeiziehen lassen. Hae-Su war einst eine erfolgreiche Psychotherapeutin, verlor aber ihren Job nach einer unbedachten und folgenschweren Aussage im Fernsehen. Seit einem Jahr verbringt sie ihre Zeit allein in Seoul, ohne Kontakte zu anderen Menschen. Eines Tages trifft sie auf die zehnjährige Se-I, die ebenfalls eine Verstoßene zu sein scheint. Doch für mich viel prägender war der Kontakt zu Straßenkatze Rübe, die dringend medizinische Hilfe braucht, sich aber nicht einfangen lassen will. Es entsteht ein Band zwischen diesen drei Figuren, das mich wirklich berührt hat. Eine große Stärke des Romans ist seine Interpretationsvielfalt. Die Autorin schreibt auch selbst im Nachwort, dass „Ein menschlicher Fehler“ hoffentlich individuell verschieden gelesen wird - je nachdem, was im Innersten der Lesenden gerade los ist. Kim Hye-jin schreibt beobachtend, wertfrei und ruhig. Der Schreibstil ist zugänglich, hat aber auch einen gewissen Anspruch. Vor allem erfordert das Lesen meiner Meinung nach Raum zum Fühlen, um die feinen Nuancen wahrnehmen zu können. Die Protagonistin Hae-Su kämpft ihren eigenen Kampf in Bezug auf Verantwortung, Schuld und Abwehr. Deshalb schreibt sie täglich Briefe an Journalist*innen, den ehemaligen Chef, eine Kollegin oder eine enge Vertraute, von denen sie sich nach dem Fehler ungerecht behandelt fühlte. Doch sie kann nicht ausdrücken, was sie eigentlich sagen möchte und bricht alle Briefe ab. Denn was sie eigentlich sucht, ist eine Vergebung für ihren Fehler, die aus ihr selbst kommt. Dabei hilft ihr auch die fragile Beziehung zu Rübe, in dessen Schicksal als wenig beachtete bzw. verachtete Straßenkatze sie sich zu sehen scheint. Für mich war dieser Roman ein Plädoyer für Menschlichkeit, Respekt und Sanftheit. Die Autorin webt die drei so verschiedenen Figuren auf eine unaufgeregte, liebevolle Art ineinander. Ein wirklich tolles Buch, dessen Essenz ich irgendwie nicht so ganz zufriedenstellend in Worte fassen kann. Lest es am besten selbst und nehmt euch daraus mit, was ihr gerade am meisten braucht. 4,5 ⭐️ . . . Triggerwarnungen: . . Mobbing, Suiz-d, Wunden bei Tieren
Bewertung
5/5
26.07.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein menschlicher Fehler
Ein ergreifendes Porträt von Ausgrenzung und Hoffnung Kim Hye-jins Roman ein Menschlicher Fehler nimmt den Leser mit auf eine tief bewegende Reise durch die Straßen Seouls und die emotionalen Landschaften seiner Protagonistin. Im Mittelpunkt steht Hae-Su, eine Psychotherapeutin, deren Leben durch einen einzigen Fehler aus den Fugen gerät. Der Roman beleuchtet die unbarmherzige Seite einer Gesellschaft, die Perfektion verlangt und Fehler nicht verzeiht.
Die Geschichte beginnt mit Hae-Sus Sturz vom Ansehen zur Ausgrenzung. Die Autorin schildert eindringlich die Härten, die Hae-Su ertragen muss, nachdem sie ihre berufliche Stellung und ihren sozialen Status verloren hat. In dieser trostlosen Phase ihres Lebens begegnet sie einem jungen Mädchen, das sich um eine Straßenkatze kümmert – ein Symbol der Hoffnung und der Möglichkeit, menschliche Wärme in einer kalten Welt zu finden
Die Charaktere sind vielschichtig und authentisch dargestellt. Hae-Sus innerer Kampf und ihre allmähliche Annäherung an das Mädchen zeigen, wie Heilung und menschliche Verbindung auch in den dunkelsten Zeiten möglich sind. Die Entwicklung der Freundschaft zwischen den beiden Figuren ist berührend und zeigt, wie gegenseitige Unterstützung und Mitgefühl neue Perspektiven eröffnen können.
Kim Hye-jin übt subtile, aber kraftvolle Kritik an einer Gesellschaft, die wenig Raum für Fehler und menschliche Schwächen lässt. Der Roman macht deutlich, wie schnell Menschen ausgegrenzt werden können und wie schwierig es ist, Vergebung und Akzeptanz zu finden. Diese kritische Auseinandersetzung regt zum Nachdenken an und sensibilisiert den Leser für die Herausforderungen und Struggles der Protagonistin.
Die Erzählweise ist einfühlsam und poetisch, was die emotionale Tiefe der Geschichte noch verstärkt. Die Beschreibungen der nächtlichen Straßen Seouls schaffen eine eindrucksvolle Atmosphäre, die die Einsamkeit und Isolation der Protagonistin widerspiegelt. Gleichzeitig vermittelt die liebevolle Darstellung der Beziehung zwischen Hae-Su und dem Mädchen eine zarte Hoffnung und Menschlichkeit.
Ein Menschlicher Fehler ist ein tief bewegender Roman, der die Leser mit seiner einfühlsamen Erzählweise und der kraftvollen Botschaft von Mitgefühl und Hoffnung beeindruckt. Kim Hye-jin gelingt es, eine berührende Geschichte zu erzählen, die die Härten des Lebens und die Möglichkeiten des Neuanfangs beleuchtet. Ein Buch, das lange nachklingt und den Leser dazu einlädt, über die Bedeutung von Vergebung und menschlicher Verbindung nachzudenken.
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Hornita
aus Augsburg
5/5
22.07.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine leise, tiefsinnige,…
Eine leise, tiefsinnige, moderne Erzählung; Die Geschichte wird aus der Sicht der Psychotherapeutin Hae-Su erzählt, die alles verloren hat und sich kaum unter Menschen traut. Sie füllt ihre Tage mit dem Entwerfen von Briefen, die sie doch nicht abschickt. Ihre Verletzung wird sehr nachvollziehbar beschrieben und die Hintergründe ihrer Ausgrenzung werden nach und nach deutlicher. Still und leise verändert sich dann ihre Situation mit dem Kennenlernen eines Schulmädchens, das von seinen Mitschülern gemobbt wird und mit dem sie sich um eine Straßenkatze bemüht. Die langsame Art und Weise, wie sich die Situation verändert und Hae-Su sich auch innerlich von ihrem Trauma erholt und davon abgrenzt, wird sehr nachvollziehbar und glaubhaft beschrieben. Mir hat gut gefallen, dass die Geschichte modern ist und nicht nur Hae-Sus Fehler im Fernsehen, sondern auch die Auswirkungen von Hasskommentaren auf Social Media thematisiert werden und was sie mit den Betroffenen machen. Gleichzeitig aber bleibt Hoffnung und man freut sich einfach mit den beiden Protagonistinnen, wie sich ihre Situation schrittweise verbessert und Hae-Su ins Leben zurückkehrt.
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4/5
26.08.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Gefühlvoll
Ein ansprechender Schreibstil, der auf schlichte und ergreifende Weise Emotion hervor bringt. Mehrere ernste Themen, die sich nach und nach gekonnt gefühlvoll erschließen. Eher ruhig und trotzdem spannend.
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