Als Henriette 1834 auf Sylt das Licht der Welt erblickt, scheint ihr ein Dasein im Schatten eines Mannes vorbestimmt. Allerdings steckt sie ihre Nase in Romane und lernt heimlich Latein, statt sich auf ihre hausfraulichen Pflichten vorzubereiten. Weil ihre Familie in Not gerät, fügt sie sich in die Ehe mit einem reichen Gutserben, der sich als gewalttätiger Trinker entpuppt. Mittellos flieht sie nach Berlin. In der pulsierenden Metropole nimmt die beharrliche Henriette ihr Schicksal selbst in die Hand: Sie will nach Amerika, um Zahnärztin zu werden!
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Henriette - Ärztin gegen alle Widerstände
Sabine aus Köln am 09.09.2025
Bewertungsnummer: 2590879
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Ich muss gestehen, dass ich von der ersten deutschen Zahnärztin, Henriette Hirschfeld-Tibertius noch nicht gehört hatte - da ich aber Romanbiographien sehr gerne lese, war ich neugierig und fand dann auch die Einblicke in ihr Leben sehr interessant.
Henriette wird 1834 auf Sylt geboren. Es ist eine Zeit, in der für Mädchen der Lebensweg klar vorgegeben ist – doch schon früh merkt Henriette, dass sie sich für andere Dinge interessiert. Sie liest Bücher, lernt heimlich Latein und denkt nicht daran, sich ausschließlich auf ein Leben als Ehefrau und Mutter vorzubereiten. Als ihre Familie in Not gerät, fügt sie sich jedoch in eine arrangierte Ehe mit einem reichen Gutserben, die sich als unglücklich und zerstörerisch entpuppt. Erst nach ihrer Flucht nach Berlin beginnt sie, eigene Entscheidungen zu treffen. Und fasst den Entschluss, nach Amerika zu gehen und Zahnärztin zu werden…
Mich hat das Buch sehr gut unterhalten. Henriette ist eine Figur, die ich von Anfang an mochte. Als Leserin begleite ich sie von Geburt an, erlebe mit ihr, wie sie wächst, leidet, zweifelt und kämpft – und sich langsam von den engen Fesseln ihrer Zeit löst. Ich mochte ihre liebenswerte Art, insbesondere auch, wie sie sich im Laufe ihre Lebens entwickelt: Ist sie anfangs zwar neugierig und interessiert, aber auch angepasst und in den damaligen Konventionen gefangen, entwickelt sie sich zu einer selbstbewussten Frau, die ihre eigene Meinung hat und Träume nicht nur träumt, sondern mit viel Engagement auch umsetzt. Besonders gefallen hat mir der Aufbau des Buches auf zwei Zeitebenen: Während die ältere Henriette schwerkrank auf ihr Leben zurückblickt, begleite ich die junge Henriette von ihrer Kindheit bis ins Erwachsenenalter. Beide Erzählebenen mochte ich gerne – gerade die Zeit der Rückblicke ist lebendig und einfühlsam erzählt, ohne dass es aber kitschig ist.
Der Roman liest sich angenehm leicht, bleibt dabei aber immer stilistisch stimmig zur Epoche. Durch die Orts- und Zeitangabe vor jedem Kapitel weiß man auch immer, wo man mit Henriette gerade ist und kann gar nicht durcheinanderkommen. Ein kleiner Wermutstropfen für mich war die Schwerpunktsetzung: Ich hatte erwartet, mehr über Henriettes beruflichen Weg zur Zahnärztin zu erfahren – dieser Teil nimmt jedoch überraschend wenig Raum ein. Es dauert lange, bis sie anfängt zu studieren, und ihr Werdegang zur Zahnärztin war mir ein wenig zu schnell abgehandelt. Das fand ich schade, da gerade dieser Aspekt – eine Frau, die sich in einem Männerberuf behauptet – sehr reizvoll gewesen wäre.
Dennoch aber waren auch die Kinder- und Jugendjahre von Henriette interessant und spannend – hier hat die Autorin gut recherchiert und so ein lebendiges, sehr authentisches Bild der damaligen Zeit gezeichnet.
Henriette ist eine starke Frau, die sich nicht beugen will. Ihre Geschichte ist eine Geschichte über Selbstbehauptung, Mut und den langen Weg zur Selbstbestimmung.
The woman dentist
Martina Meyen aus Sankt Augustin am 22.12.2024
Bewertungsnummer: 2369863
Bewertet: eBook (ePUB 3)
Ich kenne bisher nur die Thriller von Sabine Trinkaus und die habe ich mit Begeisterung gelesen. Für ihr historisches Romandebüt hat sie sich eine interessante und mutige Frau ausgesucht: Henriette Hirschfeld-Tiburtius, die erste niedergelassene Zahnärztin in Deutschland.
Es beginnt mit der „alten“ Henriette, aber schon bald reise ich mit ihr in die Vergangenheit und ich begleite Henriette von Kindheit an auf ihrem beschwerlichen Weg. Nach der Enge in ihrem frommen Elternhaus wird sie in eine Ehe mit einem ungeliebten Mann, der sich als Alkoholiker mit schweren psychischen Problemen entpuppt, gedrängt. Es gab viele Szenen, wo ich sie so sehr für ihren Mut bewundert habe und immer, wenn ich dachte, schlimmer kann es jetzt aber nicht mehr werden …
Aber Henriette ist ihren Weg mit vielen Umwegen gegangen. Sie schließt wichtige Freundschaften, muss immer mal wieder Schicksalsschläge verkraften und heiratet dann die Liebe ihres Lebens. So wechseln sich traurige Momente immer wieder mit sehr schönen Momenten ab. So wie das Leben eben spielt. Viele berühmte Persönlichkeiten kreuzen ihren Weg und ich bin so froh, dass ich Henriette „kennen lernen“ konnte. Mit ihrer nordischen Sturheit erreicht sie so viel und lässt sich durch nichts unterkriegen. Sie geht zielgerichtet ihren Weg und steckt sich immer neue Ziele. Sie gibt ihr Wissen weiter und zeigt sich solidarisch mit allen, die einen ähnlichen Weg gehen möchten.
Sabine Trinkaus hat dieser faszinierenden Frau mit ihrem Roman ein würdiges Denkmal gesetzt. Durch die Zeitsprünge war es ein kurzweiliges Lesen und ich habe sehr die schöne „alte“ Sprache genossen. Schreibstil und Geschichte sind in diesem Roman absolut stimmig.
Ein toller historischer Roman über Henriette Hirschfeld-Tiburtius, dem ich viele begeisterte Leser wünsche. Ich habe nicht nur viel gelernt, sondern wurde auch perfekt unterhalten!
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