Clara Schumann und Johannes Brahms – eine Liebe, die nie ausgesprochen werden durfte, und doch in jeder Note nachklingt. Maria Regina Kaisers biografischer Roman führt ins sommerliche Baden-Baden der 1860er Jahre, wo zwei der größten Musikerpersönlichkeiten des 19. Jahrhunderts einander so nah kommen wie nirgends sonst.Clara, die berühmte Virtuosin, alleinerziehende Mutter von sieben Kindern und unermüdliche Hüterin von Robert Schumanns Erbe, sucht in ihrem kleinen Lichtentaler Haus einen Ruhepol. Johannes, der jüngere Komponist, folgt ihr – getrieben von einer Sehnsucht, die er selbst kaum benennen kann. Was zwischen ihnen entsteht, ist mehr als Freundschaft und weniger als das, wonach sich beide sehnen.Melancholisch und sprachlich feinfühlig verwebt Kaiser historische Briefe mit atmosphärisch dichter Erzählung. Sie zeigt eine starke Frau im Patriarchat, die zwischen Kunst und Pflicht zerrieben wird, und einen verletzlichen Brahms hinter der schroffen Fassade. Ein literarisches Adagio über unerfüllte Sehnsucht, zeitlose Musik und die Frage, ob das Leben selbst jemals so schön klingen kann wie ein gemeinsam gespieltes Andante.Ein Musikerroman für Klassikliebhaber, Leserinnen historischer Frauenromane und alle, die große Gefühle in leisen Tönen suchen.
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
liesmal
aus Wilhelmshaven
5/5
14.10.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Königin des Klavierspiels
Sehr gern lese ich Romanbiografien von Maria Regina Kaiser, weil sie mit fundiertem Wissen und gründlichen Recherchen überzeugt. Mit „Adagio“ lässt sie mich in die Vergangenheit eintauchen und das Leben und Wirken von Clara Schumann näherbringen.
Im Buch wird die Zeit von „Clara Schumann und Johannes Brahms in Baden-Baden“ beschrieben, wie auch der Untertitel des Buches lautet. Baden-Baden kenne ich nicht persönlich, doch das besondere Flair dieser Stadt in den 1860er-Jahren mit vielen bekannten Künstlerinnen und Künstlern um Clara Schumann herum wird anschaulich vermittelt und fasziniert mich genauso wie alles, was ich über die begnadete Künstlerin erfahre.
Das Inhaltsverzeichnis mit Seitenzahlen, Überschriften der Kapitel und dazu den Jahreszahlen von 1862 bis 1896 zeigt eine gute Übersicht. Es ist erstaunlich, wieviel Leben und Wissenswertes in den 130 Seiten dieses Buches steckt.
Auch der Anhang mit mehr als 30 Seiten hat viel zu bieten mit Anmerkungen zu angeführten Zitaten, einem kleinen Glossar, Tipps zum Weiterlesen, einer informativen Zeittafel sowie umfangreichen Personen- und Ortsbeschreibungen.
Durch das Buch habe ich meine Bewunderung für Clara Schumann entdeckt. Sehr gern gebe ich meine Empfehlung für ein weiteres großartiges Buch von Maria Regina Kaiser.
Bewertung
aus Baden-Baden
5/5
16.09.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Für Musikliebhaber und Baden-Badener
Die Autorin Maria Regina Kaiser hat schon zahlreiche Romanbiographien veröffentlicht, so z.B. über Astrid Lindgren, Enid Blyton oder Selma Lagerlöf.
Im vorliegenden Buch beschäftigt sie sich mit den beiden Musikern, der Klaviervirtuosin Clara Schumann und dem Komponisten Johannes Brahms. Dabei liegt ihr Hauptaugenmerk auf der Freundschaft zwischen den beiden und ihrer Zeit in Baden-Baden.
Da ich unweit von Baden-Baden wohne und bei Spaziergängen durch die Lichtentaler Allee immer auf die Bronzebüsten von Clara Schumann und Johannes Brahms treffe, war mein Interesse an diesem Buch sofort geweckt.
Clara Schumann ist bereits seit sechs Jahren Witwe, als sie im Sommer 1862 in Baden-Baden eintrifft. Hier wird sie im Kreis ihrer langjährigen Freundin, der Sängerin Pauline Viardot, willkommen geheißen.
Auch Johannes Brahms der, obwohl vierzehn Jahre jünger als sie, ihr eine feste Stütze war während der Krankheit ihres Mannes, kommt nach Baden-Baden. Ihretwegen . „ Für ihn war die Stadt am Schwarzwald jetzt Clarastadt geworden.“
Die Pianistin kauft sich ein kleines Haus, um sich von ihren anstrengenden Konzertreisen zu erholen. Einige Sommer wird sie hier verbringen und Brahms wird zum regelmäßigen Gast bei ihr.
Vorrangig von dieser Zeit erzählt das Buch. Dazwischen gibt es immer wieder größere Zeitsprünge. Doch die fallen nicht negativ ins Gewicht, weil man die notwendigen Informationen geliefert bekommt.
„ Frei, aber einsam“, das war das Motto von Johannes Brahms. Das schien ihm die beste Lebensform, um künstlerisch tätig zu sein. Auch wenn er ab und an den Gedanken an eine Heirat ins Auge fasste. So soll er eines Tages bei Clara mit einem kleinen Rosenstrauß vor der Tür gestanden haben, um damit um die Hand von Tochter Julie anzuhalten. Doch er hatte zu lange gezögert. Er kam gerade recht, um zur Verlobung Julies mit einem Grafen zu gratulieren.
Clara dagegen hatte viel Gesellschaft, doch frei war sie überhaupt nicht. Die Sorge und die Verantwortung für ihre sieben Kinder, ihre Verpflichtung dem künstlerischen Erbe ihres verstorbenen Mannes gegenüber, das war mehr als genug.
Diese Sorgen ließen sie hart werden, zu ihren Kindern, aber v.a. sich selbst gegenüber. Uns heutige Leser befremdet es, wie unduldsam Clara mit ihren Kindern umgehen konnte. Mittelmaß duldete sie nicht, das war sie dem Namen Schumann schuldig. So verbot sie ihrem Sohn Ludwig, Musiker zu werden. Er liebte die Musik, sie war sein Ein und Alles, aber Clara fand, er habe keine Ahnung von ihr.
Doch auch von sich verlangte sie alles. Obwohl der Schmerz in ihrer linken Hand manchmal unerträglich war, so musste sie doch weiterspielen. Nicht nur um des Andenkens Willen an ihren Mann, sondern weil sie auf das Einkommen angewiesen war. Mit ihrem Verdienst unterhielt sie die große Familie.
Schicksalsschläge blieben nicht aus. Bei Sohn Ludwig wird eine unheilbare Geisteskrankheit diagnostiziert, vier ihrer Kinder sterben früh.
Einiges erfährt der Leser auch über das künstlerische Schaffen von Clara und Johannes. Ihre Leidenschaft für die Musik ( „ In einem guten Musikstück hast du einen Abgrund und einen Berggipfel“) , ihre Vorlieben, aber auch ihre Abneigung gegen die „Neudeutschen“, allen voran Richard Wagner. „ Zu schrill, zu laut, zu erpicht auf den Beifall des Publikums waren sie.“
Neben der nicht ganz einfachen Beziehung zwischen Clara und Johannes vermittelt das Buch auch einen schönen Einblick in das gesellschaftliche und kulturelle Leben Baden- Badens zu jener Zeit und in die erholsame Natur rund um das Städtchen am Fuße des Schwarzwaldes. „ Der Ort war erfüllt von Musik und überall sah man Musiker….Alle kamen sie hierher, aus allen Himmelsrichtungen.“ heißt es dazu. „ Die herrlichen Wälder, in denen man stundenlang spazieren gehen konnte. …Ganze Adagios überkamen ihn im flimmernden Sommerlicht zwischen den duftenden Tannen.“ „ Bis hin zur Yburg hinauf steigt er, wo man im Gartenlokal vor den Mauern ein Bier trinken und ein Leberwurstbrot verzehren konnte. Im Wald dirigierte er dann unsichtbare Streicher mitsamt der Pianistin.“
„ Adagio“ ist der Titel des Buches und langsam und ruhig sollte man es lesen. So dicht und komprimiert ist der Text, dass es einen aufmerksamen Leser erfordert. Dafür wird er entlohnt mit einer informativen und erhellenden Geschichte über zwei Künstler in ihrer Zeit.
Hervorzuheben ist der sehr ausführliche Anhang; nicht nur Quellenangaben und eine Literaturliste mit Primär - und Sekunddärliteratur finden sich hier, sondern auch ein Glossar mit musikalischen Begriffen, eine detaillierte Zeittafel und ein mehrseitiges Personen- und Ortsregister. So wird der Leser mit zusätzlichem Hintergrundwissen versorgt.
Mich hat das Buch sehr gut unterhalten und mir zwei Künstler nahegebracht, die ich als Ortsansässige kennen sollte. Gleichzeitig hat es mich dazu angeregt, mich noch intensiver mit Clara Schumann und Johannes Brahms zu beschäftigen; was in diesem Falle hieß, mir Musikstücke anzuhören.
Ein schmales, aber feines Buch für Baden-Badener und für Musikliebhaber, schön gestaltet mit einigen Photos und einem Lesebändchen.
Bewertung
aus Claußnitz
5/5
13.09.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
klein, aber wunderbar
Auf dem Cover sind Clara und Johannes entsprechend der damaligen Zeit dargestellt. Das Buch enthält auch weitere Bilder bekannter Musiker aus dieser Zeit. Im Anhang finden sich viele wichtige Infos, wie Glossar, Zeittafel, Personen und Orte. Die Geschichte erzählt über den weiteren Lebensweg von Clara nach dem Tod ihres Mannes Robert. Wie wird sie als verwitwete Frau mit sieben Kindern in einer männerbestimmten Welt zurecht kommen? Wird sie in Baden-Baden ihr Glück finden? Kommt sie allein in der Musikszene zurecht? Ein sehr lesenswerte Publikation inkl. internationalen Tourneen, aber auch gesundheitlichen Problemen von Clara Schumann.
Biancaneve
aus Salzburg
5/5
12.09.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Leben für die Musik
Die Königin des Klavierspiels ihrer Zeit und der vierzehn Jahre jüngere Komponist sind musikalische Weggefährten. Die Freundschaft zwischen Clara Schumann und Johannes Brahms vertieft sich, als Clara 1863 nach Baden-Baden zieht. Hier findet sie ein Klima des Ineinanderfließens verschiedener kultureller Strömungen, geprägt von dem musikalischen Multitalent Pauline Viardot und deren Kreis. Brahms wird zum regelmäßigen Sommergast in Claras Haus, seine wichtigsten Werke entstehen in der Kurstadt. Der Genius Loci inspiriert auch Kollegen wie Joseph Joachim und Theodor Kirchner, mit denen Clara eng verbunden ist. Über allem schweben die unvergänglichen Kompositionen dieser Künstlerinnen und Künstler.
Das Cover ist farblich zurückhaltend, aber überaus ansprechend gestaltet; es zeigt die Porträts der beiden Musiker. Auch innerhalb des informativen Buchs gibt es zahlreiche schwarz-weiß gehaltene Abbildungen von zeitgenössischen Bildern aus der Lebenszeit der Künstler und Fotografien aus Baden Baden. Auf ein übersichtliches Inhaltsverzeichnis folgen einige Zitate und daraufhin die chronologische Darstellung der Zeit in dieser Stadt. Jedes Kapitel ist mit genauem Datum versehen, durch den Einschub von Briefen aufgelockert und mit seltenen Fußnoten bereichert.
Dadurch entsteht ein sehr interessanter - aber auch unterhaltsamer - Einblick ins Leben von Clara Schumann mit ihren Kindern, ihren internationalen Tourneen, aber auch ihren gesundheitlichen und finanziellen Herausforderungen. Ebenso erhält man Hinweise auf das Leben des Komponisten Johannes Brahms und seinen oft ungewöhnlichen Ansichten. Die Darstellung der Verbindung zwischen den beiden Ausnahmekünstlern ist recht lose gehalten und lässt dem Leser viel Platz für eigene Gedanken und Spekulationen.
Die erwähnten Kompositionen laden zum Anhören verschiedener Musikstücke ein, die einen in die Zeit des 19. Jahrhunderts versetzen. Auch die Stellung der Frau in jener Zeit wird beleuchtet; wobei einem einige Ansichten recht modern vorkommen mögen, andere allerdings klar darstellen, dass eine Gleichberechtigung noch einen weiten Weg vor sich hat.
Der sehr informative Anhang vervollständigt dieses kleine aber feine Buch. Neben Anmerkungen und einem Glossar sind die Quellen zu diesem Werk aufgelistet, die zum Weiterlesen (und -hören) anregen. Eine Zeittafel sowie ein Personen- und Ortsverzeichnis machen das sehr gut recherchierte Buch außerdem zu einem interessanten Nachschlagewerk.
Hase
aus Lüneburg
5/5
11.09.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Adagio, der Buchtitel, ist…
Adagio, der Buchtitel, ist auch das angemessene Lesetempo um all die vielfältigen Informationen aufnehmen und durchdenken zu können. Begegnungen aus der Zeit Clara Schumanns in Baden Baden mit Musikern, Freunden unter den Musikern, Künstlern , ihre Verbundenheit und ihre Dissonanzen werden beim Lesen lebendig, gut recherchiert und mit Empathie für Clara Schumann beschrieben. Das Hauptanliegen, die Musik ihres Mannes Robert Schumann, durch ihre Konzerte weiterleben zu lassen und voran zu bringen, die wirtschaftliche Bedrängnis und ihr Ehrgeiz aus ihren Kindern renommierte Persönlichkeiten zu formen , kommt beim Lesen nah, aus realen und fiktiven Ereignissen zusammengestellt, und ihr verständliches Bedürfnis, einen Partner, möglichst ebenfalls einen Musiker an ihrer Seite zu haben. Die komplizierte Freundschaft zu Johannes Brahms ist der zweite Schwerpunkt des Buches All dies wird in knappen Episoden und in Zeitsprüngen aufgenommen, daher ist der Anhang mit den Literaturverweisen und Erläuterung, der an sich schon für sehr sorgfältige Arbeit der Autorin steht, ein Anreiz, sich näher mit dem Leben der Musiker und der Entstehung ihrer Musik zu befassen Daher sehe ich dieses Buch als Geschenk - bald ist ja Weihnachten- für Alle, die neben Noten, auch etwas über die Menschen dahinter erahnen zu können
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