Die zehnjährige Francesca kümmert sich hingebungsvoll um eine Katze, aber mit Menschen spricht sie nicht. Ihre Lehrerin Gilla vermutet hinter dem Schweigen ein Geheimnis. Niemand weiß, was das Kind unter Mussolini und im Krieg erlebt hat. Erst seit Kurzem ist Frieden in Europa, Frieden im piemontesischen Borgo di Dentro. Gilla hofft auf einen Neuanfang für ihren Schützling. Mit den einfachen Mitteln einer Lehrerin versucht sie, Francescas Welt wieder ins Lot zu bringen.
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5.0/5.0
Kaffeeelse
Thalia Book Circle Community
5/5
19.05.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Sterne ordnen, Leben ordnen
„Die Sterne ordnen“ ist ein intensiver und absolut gelungener Blick auf die Geschichte Italiens. Wieder handelt der Roman in der Zeit des Zweiten Weltkriegs im Norden von Italien, wie schon bei „Bella Ciao“, dem anderen von mir schon gelesenen Buch der italienischen Autorin Raffaella Romagnolo. Und wie schon bei „Bella Ciao“, Raffaella Romagnolo überzeugt mich auch mit ihrem Buch „Die Sterne ordnen“. Hier überzeugt sie mich sogar noch ein Stückchen mehr, so dass von mir die 5 Sterne gezogen werden.
Hauptpersonen der Geschichte sind die zehnjährige Francesca, eine Waise, die mit Menschen nicht spricht und nur Kontakt zu einer Katze aufbaut. Sie geht in die Grundschule in Borgo di Dentro, einer Kleinstadt im Piemont. Dort fällt sie ihrer Lehrerin auf, der jungen Virgilia, kurz Gilla genannt, einem Flüchtling aus Genua, die nach ihrer Aufnahme im Borgo di Dentro dem Ort etwas zurückgeben möchte und deswegen in der Schule als Aushilfslehrerin anfängt, denn in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg ist alles knapp und so ist Gilla die Lehrerin der Klasse 5D des Schuljahres 45/46. Und in ebenjener Klasse begegnet Gilla Francesca. Gilla spürt, dass sie Francesca helfen kann und sie weiß, dass sie ihr helfen möchte.
Die anderen beiden Handlungsstränge des Buches sind Rückblicke, die sich um das Leben von Gilla und ihrer Familie im Krieg drehen und um das Leben der jüdischen Familie Sacerdoti aus Casale Monferrato im Piemont. Gilla musste mit ihrer Familie aus Genua fliehen, landete in Borgo di Dentro als Flüchtling. Die Kriegsgeschehnisse machen etwas mit ihr und so entscheidet sie sich für ihr Land und gegen die Deutschen, hilft den Partisanen und trifft Michele. Die jüdische Familie Sacerdoti wird durch die Geschehnisse der Kriegszeit in einen sie verschlingenden Orkan getrieben. Sehr intensiv wird die Geschichte dieser jüdischen Familie von Raffaella Romagnolo erzählt. Was ich für sehr wichtig erachte! Gerade in diesen unsinnigen heutigen Zeiten! Das Leben tobt, wirbelt und wütet und für die Familie von Gilla und für die Sacerdotis verändert sich alles.
„Die Sterne ordnen“ ist ein kluges und immens wichtiges Buch. Denn auch wenn die Geschehnisse des Nationalsozialismus uns allen bekannt sind, sie scheinen von einigen verdrängt zu werden. Der Hass und das Grauen liegen nah beieinander, wie auch der Tod. Denn wenn der Mensch zum Wolf für seine eigene Art wird, erblüht die Hölle auf Erden. Dies sollte uns allen klar sein. Ich wünsche diesem Buch eine große Leserschaft, doch diese Wesen, die sich verdeutlichen sollten, was uns blüht, lesen anscheinend nicht, sind entweder völlig verblödet oder derartig verroht und auf Egoismus getrimmt, dass ihnen die Empathie ein Fremdwort ist, deren Bedeutung sie nicht kennen und nicht kennen wollen, weil sie von der Gier, dem Neid und dem Mammon beherrscht werden. Leider vergessen viele, dass funktionierende Gesellschaften sich durch ein Miteinander auszeichnen und nicht durch die Hetze!
Vielleicht braucht unsere westliche Welt einen Niedergang. Denn der wird kommen, wenn wir nicht aufwachen!
„Die Sterne ordnen“ von Raffaella Romagnolo ist ein wunderbares Buch mit wunderbaren Charakteren. Strahlenden weiblichen Charakteren. Und das liebe ich! Klarer Fall!
Dass das Buch noch ein Buch gegen das Vergessen ist, ist ein weiterer Pluspunkt!
Bewertung
aus Freiberg
5/5
18.02.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
„Und ich schweige lieber, statt zu lügen."
Raffaella Romagnolos Roman „Die Sterne ordnen“ spielt im Piemont, kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Erst seit Kurzem ist Frieden in Europa. Erzählt wird hier die Geschichte der zehnjährigen Francesca, die in einem Waisenhaus direkt neben der Schule lebt. Sie kümmert sich liebevoll um eine Katze, aber mit Menschen spricht sie nicht. Sie ist intelligent und verständigt sich mit Gesten mit ihrer Banknachbarin. Die beiden Mädchen freunden sich an.
Gilla, die junge Lehrerin, vermutet hinter Francescas Schweigen ein Geheimnis. Sie möchte mehr über das Mädchen erfahren, da sie ahnt, dass es einen Grund für das Schweigen geben muss.
Raffaella Romagnolo erzählt diese Geschichte mit viel Feingefühlt und von der Atmosphäre her stimmig.
Alle Charaktere kommen sehr authentisch rüber und man kann die Personen förmlich vor sich sehen und gut nachvollziehen, wie sie sich verhalten und was sie fühlen bzw. denken.
Die Szenenwechsel zwischen dem Heute (1945/1945, das erste Schuljahr nach dem Krieg) und der Vergangenheit (vor/während des Krieges) fand ich sehr gelungen.
Dieser aufrüttelnde und tief berührende Roman über die Nachkriegszeit in Italien ist ein Buch, das lange nachklingt. Und ebenso erschüttert. Die Grauen des Krieges und dessen Folgen sind hier sehr eindrücklich beschrieben.
Gerade in den heutigen Zeiten sind solche Bücher immens wichtig, die uns klar machen, was Krieg, Verfolgung und Flucht für jeden Menschen bedeuten könne.
Von mir gibt es eine ganz klare Leseempfehlung!
"Die Lehrerin lässt den Blick über die Klasse schweifen. Riesige Augen. Kein Laut. Sie warten auf das Urteil. Sie muss vermeiden, dass die Disziplin in tausend scharfe Splitter zerfällt und das Schuljahr zum Scherbenhaufen wird. Augen wie aufgerissene Fenster. Sie hat den Eindruck, als könne sie die Gedanken aller Schülerinnen lesen. Es sind ihre eigenen Punkt was ist gut, Maestra? Was ist böse? Augen wie Tiegel, wie Spiegel. Wie soll man damit umgehen? Sowas erklären sie einem nicht im Lehrerinneninstitut."
"Und ich schweige lieber, statt zu lügen."
"Sie stützt sich auf die Schaufel. Auf einmal weiß sie nicht mehr, was sie damit anfangen soll, Übelkeit würgt sie bei dem Gedanken, sie dabeizuhaben. Als sei sie an einer Schändung schuld. Sie ist mit der Vorstellung hergekommen, die Straße von Trümmern zu befreien, aber es handelt sich nicht um Trümmer, und das ist keine Straße, kein Platz, keine Stadt mehr. Das ist ein Friedhof."
Kristall86
aus an der Nordseeküste
5/5
31.10.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Meisterwerk!
Klappentext:
„Die zehnjährige Francesca kümmert sich hingebungsvoll um eine Katze, aber mit Menschen spricht sie nicht. Ihre Lehrerin Gilla vermutet hinter dem Schweigen ein Geheimnis. Niemand weiß, was das Kind unter Mussolini und im Krieg erlebt hat. Erst seit Kurzem ist Frieden in Europa, Frieden im piemontesischen Borgo di Dentro. Gilla hofft auf einen Neuanfang für ihren Schützling. Mit den einfachen Mitteln einer Lehrerin versucht sie, Francescas Welt wieder ins Lot zu bringen.“
Was soll man zu diesem Buch sagen? Es ist großartig und wieder einmal ganz typisch für Raffalea Romagnolo! Ihre Art des Schreibens, des Geschichten-erzählens ist einfach grandios und sehr einnehmend. Francescas Geschichte ist sehr bewegend und tiefgründig. Gilla will dem Mädchen helfen und dies sich zu erlesen hat mich von Seite zu Seite extrem bewegt. Romagnolo weiß genau wo es beim Leser weh tut aber auch wie sie ihn nicht verstören darf. Sie hat eine gewisse Schmerzgrenze und verpackt ihre Geschichten, so auch diese, in perfekt ausgewählten Worten. Dennoch nutzt Romagnolo auch die wahre Geschichte unserer Vergangenheit und wer genau liest weiß, sie will damit mahnen, denn irgendwo auf dieser Welt ist immer Krieg und überall gibt es Opfer und überall brennen sich diese Grausamkeiten in die Seelen ein und verfolgen ein Leben lang. Ich will hier gar nicht viele Worte verlieren: Dieser Romagnolo-Roman ist mal wieder ein Meisterwerk und war für mich ein echter Herbst-Lesehighlight 2024. Verdiente 5 Sterne hierfür und eine tiefe Verbeugung an die Autorin für dieses brillante Werk!
Kristall86
aus an der Nordsee
5/5
31.10.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Was soll man zu diesem Buch…
Was soll man zu diesem Buch sagen? Es ist großartig und wieder einmal ganz typisch für Raffalea Romagnolo! Ihre Art des Schreibens, des Geschichten-erzählens ist einfach grandios und sehr einnehmend. Francescas Geschichte ist sehr bewegend und tiefgründig. Gilla will dem Mädchen helfen und dies sich zu erlesen hat mich von Seite zu Seite extrem bewegt. Romagnolo weiß genau wo es beim Leser weh tut aber auch wie sie ihn nicht verstören darf. Sie hat eine gewisse Schmerzgrenze und verpackt ihre Geschichten, so auch diese, in perfekt ausgewählten Worten. Dennoch nutzt Romagnolo auch die wahre Geschichte unserer Vergangenheit und wer genau liest weiß, sie will damit mahnen, denn irgendwo auf dieser Welt ist immer Krieg und überall gibt es Opfer und überall brennen sich diese Grausamkeiten in die Seelen ein und verfolgen ein Leben lang. Ich will hier gar nicht viele Worte verlieren: Dieser Romagnolo-Roman ist mal wieder ein Meisterwerk und war für mich ein echter Herbst-Lesehighlight 2024. Verdiente 5 Sterne hierfür und eine tiefe Verbeugung an die Autorin für dieses brillante Werk!
Bewertung
aus Göppingen
5/5
29.10.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Beklemmend und beeindruckend
In „Die Sterne ordnen“ entführt Raffaella Romagnolo uns in die Zeit kurz nach Mussolinis Diktatur in Italien – eine Zeit der Extreme, in der Hoffnung und Verzweiflung eng miteinander verflochten sind. Mit meisterhafter Erzählkunst wechselt sie zwischen den Perspektiven der jungen Lehrerin Gilla und den Mitgliedern der jüdischen Familie Sacerdoti. Das Leben unserer Hauptfigur Gilla ist geprägt von den Schrecken des Krieges und dem zärtlichen Aufbau eines neuen Lebens in den Nachkriegsjahren und zutiefst bedrückend. Ihre Bemühungen, den Kindern in ihrer Klasse die Welt der Sterne näherzubringen, sind ein Lichtblick in einer dunklen Zeit und zeugen von ihrer unerschütterlichen Hoffnung. Besonders im Fokus steht die zehnjährige Francesca.
Die Autorin zeigt parallel die Schicksale der Familie Sacredoti auf und gibt uns somit einen vielschichtigen Einblick in die Geschehnisse der damaligen Zeit und die Auswirkungen des Faschismus auf die Familie. Die Schicksale der einzelnen Familienmitglieder, von dem weisen Patriarchen Abrams bis hin zum unschuldigen Nesthäckchen Ester, werden mit großer Sensibilität geschildert. Ich habe mich immer wieder dabei ertappt, wie ich sprachlos da saß und erstmal ein paar Minuten brauchte, um das Gelesene sacken zu lassen. Der Schreistil ist flüssig, schafft es aber, an den richtigen Stellen innezuhalten und die bedrückte Stimmung der damaligen Zeit aufzugeigen. Sehr anschaulich schildert die Autorin die Grausamkeit des Krieges und beschreibt die Kälte der Verfolgung. Es ist, als ob man selbst Zeuge der Ereignisse wird und die Angst, den Hass und die Verzweiflung der Menschen miterlebt. Die vielen kleinen Details, wie die selbstgebauten Modelle von Gilla oder die heimlich versteckte Katze von Francesca, verleihen den Charakteren eine beeindruckende Tiefe und machen sie zu unvergesslichen Begleitern.
Die historische Genauigkeit des Romans ist beeindruckend. Die Originaldokumente, wie die Gesetzesdekrete und Zeitungsartikel, geben uns einen authentischen Einblick in die Zeit der Diktatur und die alltägliche Angst der Menschen. Es ist ein Mahnmal, das uns daran erinnert, wie schnell eine Gesellschaft in den Abgrund stürzen kann.
Dieser Roman hat mich tief bewegt und zum Nachdenken angeregt. Die Geschichte von Gilla und den Sacerdotis wird mir noch lange in Erinnerung bleiben. „Die Sterne ordnen“ ist ein Buch, dass mich sehr gut unterhalten und tief bestürzt hat. Von mir gibt es eine uneingeschränkte Leseempfehlung.
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5/5
03.12.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Volle Punkteanzahl
Eine bewegende, berührende Lebensgeschichte mit historischem Hintergrund.
Italien in der Nachkriegszeit - unter widrigsten Umständen zaubert die junge, engagierte Lehrerin Unterichtsmaterialen an, und gibt nicht auf.
Wie sie mit der stummen Schülerin umgeht, hat mich besonders begeistert.
Sehr, sehr lesenswert.
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4/5
07.12.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
...denn Wunden brauchen einfach Zeit um zu heilen ...
Hier werden wir in die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg entführt. Gilla, die junge Lehrerin, übernimmt eine Klasse in der es ein Mädchen gibt, die nicht spricht. Francesca, in sich gekehrt - die sich nur einer Katze anvertraut und sich um diese kümmert. Gilla verspührt den Wunsch dem Mädchen zu helfen ... mit viel Gefühl und Zeit wird dieses Vorhaben hier erzählt - auch Gilla lernt man immer mehr kennen und so nach und nach lüftet sich alles. Denn Wunden brauchen einfach Zeit um zu heilen. Lesenswert!!
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4/5
04.12.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
detailreich und feinsinnig erzählt
Wieder einmal ist der Autorin ein großartiger historischer Roman gelungen. Sie führt uns ins Italien der 1940er Jahre, in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Auf berührende Art erzählt sie von der Güte einer Lehrerin, die sich einer traumatisierten und scheinbar elternlosen Schülerin annimmt.
Dabei liefert uns die Autorin die Hintergrundgeschichten dieser beiden Figuren auf eine Weise, die immer den richtigen Ton trifft. Detailreich und feinsinnig erzählt!
Für Leser*innen von "Bella Ciao": Auch in diesem Buch spielt die Partisanen-Familie Leone erneut eine Rolle.
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