Weiblicher Autismus ist sehr subtil und oft verkannt. Viele Fragen bleiben für Betroffene offen:
Was sind subtil autistische Merkmale bei Frauen?
Diagnose ja oder nein? Wie funktioniert Freundschaft?
Wie lerne ich Gedankenspiralen abzuschalten? Wozu ist Smalltalk gut? Wie kann ich lernen, bessere Entscheidungen zu treffen?
In diesem Buch findest du:
Antworten auf alles, was du wissen willst, dich aber nicht zu fragen traust
Tipps für Situationen im Alltag
übersichtliche Checklisten
erprobte Download-Materialien
Anleitungen für Krisensituationen
authentische Erfahrungsberichte von anderen Frauen
Kundinnen und Kunden meinen
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Du bist wirklich nicht alleine
Bewertung am 22.09.2024
Bewertungsnummer: 2298137
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Das Cover dieses Buchs von Dorothea Whitehead macht mich gleich zweifach neugierig. Die Analogie der unterschiedlich gemusterten Socken bringe ich in Verbindung mit neurotypischen und neurodivergenten Individuen. Aber warum werden dazu als Metapher die Socken gewählt? Und was hat es mit dem Untertitel „Im Alter von 12-122 Jahren“ auf sich?
Die ungewöhnliche Altersangabe sowie die Frage nach der Auswahl der Socken als Metapher werden am Anfang des Buches aufgegriffen und schlüssig erklärt. Schon zu Beginn schafft es Dorothea Whitehead, auf einfühlsame Weise die Gedanken- und Gefühlswelt von Mädchen und Frauen im Autismus-Spektrum zu beleuchten. Ihre präzisen Schilderungen von alltäglichen Überforderungen, dem Bedürfnis nach Rückzug und dem Streben nach authentischem Selbstausdruck laden Betroffene dazu ein, sich in einer oft unverstandenen Welt besser zu verorten. Ich fand mich in vielen Aspekten des Buches wieder – insbesondere in der akkuraten und zugleich empathischen Darstellung dessen, wie weiblicher Autismus sich oft subtil äußert und daher von der Gesellschaft, aber auch von Fachpersonen häufig übersehen wird. Diese Erkenntnisse und Beschreibungen zeigen die wahre Stärke des Buches.
Dorothea Whitehead versteht es sehr gut, die oft nuancierten und nicht immer offensichtlichen Facetten des Autismus-Spektrums bei Frauen herauszuarbeiten. Sie beschreibt, wie Frauen und Mädchen im Vergleich zu männlichen Autisten ihre Verhaltensweisen häufig besser maskieren können – ein Mechanismus, der ihnen hilft, sich besser anzupassen, sie jedoch gleichzeitig tiefer in die Isolation treiben kann. Diese subtile Maskierung führt oft zu Missverständnissen, Komorbiditäten, Fehldiagnosen - Themen, die die Autorin mit großem Feingefühl und Einsicht behandelt.
Der Text navigiert zwischen medizinischen Aspekten des Autismus und den persönlichen Geschichten, die eine emotionale Tiefe bieten, die das Thema Autismus oft vermissen lässt. Einzig in der Tiefe der wissenschaftlichen Analysen hätte ich mir an manchen Stellen doch eine detailliertere Auseinandersetzung gewünscht, insbesondere in Bezug auf die aktuellen Forschungsergebnisse zum Thema weiblicher Autismus. Dorothea Whitehead grenzt sich aber hier bewusst und transparent ab, weil sich gerade im Bereich Wissenschaftlichkeit zukünftig noch ganz viel bewegen wird. Diese bewusste Abgrenzung zu einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung schmälert deshalb keineswegs den Gesamteindruck der Zugänglichkeit dieses Buches. «Subtiler weiblicher Autismus» ist eine unverzichtbare Lektüre für all jene, die sich mit Autismus beschäftigen – sei es persönlich oder beruflich. Whitehead schenkt Mädchen und Frauen im Spektrum eine Stimme, die sie dringend brauchen. Sie zeigt zudem auf verschiedenen Ebenen auf, dass es nicht darum geht, dass neurodivergente Mädchen und Frauen zu neurotypischen werden, sondern dass ihre angeborene Neurodivergenz bleibt und bleiben darf.
Vielen Dank, Dorothea Whitehead, dass ich durch die Inhalte deines Buchs noch mehr Vertrauen haben darf, dass ich nicht alleine bin mit meinen Unsicherheiten, Ängsten, Befürchtungen und Herausforderungen im Alltag. Subtil bedeutet nämlich nicht, dass wir weniger schwierigen Kontextfaktoren ausgesetzt sind und unser Nervensystem weniger sensibel reagiert. Es wird oft nur weniger sichtbar. Gleichzeitig hast du mir immer wieder aufgezeigt, über welch unterschiedliche Stärken und Potenziale weibliche AutistInnen verfügen und diese zu Recht viel mehr in den Vordergrund gestellt werden sollen. Ich empfehle diese Lektüre allen Mädchen und Frauen, die sich noch unsicher sind, ob sie eine Abklärung machen möchten oder bereits diagnostiziert sind. Ich wünsche euch dasselbe Gemeinschafts- und Sicherheitsgefühl, welches mir dieses Buch vermittelt hat.
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