Das Buch ist Ergebnis und erweiterte Zusammenstellung jahrelanger Vortrags- und Lehrtätigkeit zu Schlüsselqualifikationen im weitesten Sinne. Der Verfasser hat es gewagt, immer weiter in das für ihn zunächst fremde, aber äußerst aufregende und fruchtbare Reich der Psychologie einzudringen. Das schlichte Ziel: Die vielfältigen und äußerst nützlichen Erkenntnisse der Psychologie auch in der (juristischen) Praxis zielführend einsetzen zu können.
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
Bewertung
5/5
23.03.2024
Buch (Taschenbuch)
Rational urteilen und entscheiden
Wer das Buch von Stefan Kaufmann „Rational urteilen und entscheiden“ zur Hand nimmt, wird, möglicherweise entgegen seinen Erwartungen, keine Anleitung für vernünftiges Urteilen und Entscheiden finden. Der Sprengstoff des Werks erschließt sich aus dem Untertitel „Und warum wir häufig nur glauben, dass es uns gelingt“: Nach der durchweg vergnüglichen Lektüre der 527 Seiten ist dem Vertrauen in die eigene Rationalität nämlich gründlich der Boden entzogen!
Die Psychologie hat in den vergangenen Jahrzehnten Aufsehen erregende Erkenntnisse über kognitive Verzerrungen gewonnen (Daniel Kahnemann hat dafür einen Nobelpreis erhalten), und die Wirtschaft und andere Interessengruppen versuchen mit immer raffinierteren Methoden, menschliches Entscheidungsverhalten zu manipulieren. Diesen kognitiven Verzerrungen und unbewussten Einflussnahmen können wir uns im Alltag kaum entziehen. Sie wirken sich aber auch im Beruf aus.
An die neueren psychologischen Erkenntnisse anknüpfend wendet sich das Buch von Kaufmann gleichermaßen an Nichtjuristen und Juristen. Da letztere während des Studiums durch die juristische Methodenlehre ganz auf Rationalität und Objektivität „getrimmt“ werden, sollten aber gerade sie über psychologische Grundkenntnisse über das Zustandekommen unserer Bewertungen und Entscheidungen verfügen. Das Buch legt die Fallstricke einer vermeintlich rationalen Entscheidungsfindung (oft humorvoll, aber schonungslos) offen.
Kaufmann ist selbst Jurist und hat verschiedene Spitzenpositionen im öffentlichen Dienst begleitet. Da im juristischen Studium die Vermittlung psychologischer Kenntnisse noch immer kaum Platz hat, hat er es unternommen, die einschlägige psychologische Literatur zu sichten und zusammenzufassen. Herausgekommen ist ein hervorragendes Kompendium über die Psychologie von Entscheidungen. Die langjährige Erfahrung des Autors als Seminarleiter war sicher hilfreich, den mitunter recht schwierigen Stoff auch für Laien leicht verständlich aufzubereiten. Kaufmann schreibt flüssig, immer anschaulich und teilweise regelrecht spannend (der Rezensent musste das Buch „in einem Rutsch“ durcharbeiten).
Dieses Buch sei allen, die sich für menschliche Entscheidungsfindung interessieren, uneingeschränkt empfohlen! Dies gilt insbesondere auch für alle Juristinnen und Juristen. Für Studierende der Rechtswissenschaften sollte es Pflichtlektüre sein! Denn irrationales Verhalten ist eher zu durchschauen und zu vermeiden, wenn wir die Mechanismen unseres Bauchgefühls erkennen. Kaufmann sensibilisiert mit seinem Werk für die Tücken vorschneller Bewertungen und Entscheidungen. Deshalb kann es bei näherer Betrachtung doch dabei helfen, vernünftige Entscheidungen zu treffen.
Dem Buch ist eine weite Verbreitung zu wünschen! Da es an vielen Stellen zum vertiefenden Weiterlesen einlädt, wäre für eine zweite Auflage ein Literaturverzeichnis wünschenswert. Überdies wäre für das auch als Nachschlagewerk geeignete Buch ein Stichwortverzeichnis hilfreich. Insoweit kann man sich aber einstweilen mit dem umfangreichen Inhaltsverzeichnis behelfen.
Martin Stoll
Präsident des Thüringer Landessozialgerichts a.D.
Kurze Frage zu unserer Seite
Vielen Dank für Ihr Feedback
Wir nutzen Ihr Feedback, um unsere Produktseiten zu verbessern. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Ihnen keine Rückmeldung geben können. Falls Sie Kontakt mit uns aufnehmen möchten, können Sie sich aber gerne an unseren Kund*innenservice wenden.