1532 reist der holländische Maler Maarten van Heemskerck (1498–1574) von Haarlem nach Rom. Mit dem Zeichenstift in der Hand entdeckt er Antike und Renaissance. Seine faszinierenden Zeichnungen führen uns durch das Rom des 16. Jahrhunderts. Eine Reise in virtuosen Bildern durch die Zeit.Kolosseum – Forum Romanum – Kapitolsplatz: Er war überall. Als einer der ersten nordalpinen Künstler unternahm Maarten van Heemskerck eine reine Künstlerreise nach Italien. Seine Skizzen zeigen bewunderte antike Bau- und Bildwerke, aber auch die zeitgenössische Kunst Raffaels und Michelangelos. Der prächtige Band lädt ein, Van Heemskercks Zeichenpraxis, die römische Topographie und die sozialen Netzwerke des 16. Jahrhunderts sowie die spannende Restaurierungsgeschichte seines römischen Skizzenbuchs kennen zu lernen.
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Die römischen Skizzenbücher…
VolkerM am 21.06.2024
Bewertungsnummer: 3010039
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Die römischen Skizzenbücher des Maarten van Heemskerck sind einzigartige Zeugnisse der Ewigen Stadt aus einer Zeit, die noch keine Fotografie kannte. Je mehr sich die Forschung mit dem Konvolut beschäftigt hat, umso erstaunlicher wurden die Entdeckungen. Erst kürzlich wurde im Rahmen einer umfangreichen Restaurierung die ursprüngliche Reihenfolge der etwa 200 Blätter weitgehend rekonstruiert, was vor allem dem Umstand zu danken war, dass 179 von ihnen noch gemeinsam im Berliner Kupferstichkabinett verwahrt werden. Es gibt kein anderes Konvolut von Reisezeichnungen der Renaissance weltweit von diesem Umfang. „Faszination Rom“ ist der Begleitkatalog zur aktuellen Ausstellung im Kupferstichkabinett, mit Beiträgen zu vielen interessanten Forschungsaspekten. Angefangen bei der Reisepraxis im frühen 16. Jahrhundert und dem Versuch, Heemskercks Reiseweg zu rekonstruieren, seinen Kontakten und Netzwerken in Rom, die sich durch direkte und indirekte Hinweise entschlüsseln, über die Identifizierung der unzähligen Motive in den Skizzenbüchern und der Frage, ob sie tatsächlich die damalige Realität wiedergeben bis hin zur „Nutzungsphase“ der Skizzen, die für Heemskerck lebenslang als Vorlagen und Inspiration für Gemälde und Druckgrafiken dienten. Es gilt als sicher, dass das gesamte Konvolut bis zu seinem Tod zusammenblieb und es ist sogar die anschließende Provenienzgeschichte weitgehend entschlüsselt. Auch hierfür waren detektivische Quellenstudien erforderlich, wie überhaupt Heemskercks Lebensweg hauptsächlich aus Zeugnissen Dritter rekonstruiert wurde. Die Beiträge im Katalog entwirren ein komplexes Netzwerk aus Künstlerkollegen, Mäzenen und Verwandten, in dem sich Heemskerck bewegte und das ihn zu einem berühmten Mann machte. Sein Skizzenbuch wurde auch nach seinem Tod noch wertgeschätzt und nicht wenige Künstler der nächsten Generation haben nachweislich hieraus Inspiration geschöpft, darunter als die bekanntesten Hendrick Goltzius und Pieter Saenredam. Die zahlreichen Abbildungen zeigen Originalzeichnungen, einige auch in Ausschnittsvergrößerungen, Druckgrafik und Gemälde, mit denen die Zusammenhänge belegt werden. Sie illustrieren Heemskercks zeichnerische Virtuosität, aber auch seinen Einfluss auf andere. Der umfangreiche Katalogteil enthält u. a. sämtliche Zeichenblätter in der rekonstruierten Reihenfolge, mit bibliografischen Daten und einer kurzen kunsthistorischen Einordnung. Auch wenn die Abbildungen gegenüber den Originalen verkleinert sind, zeigen sie in unglaublicher Detailliertheit ein Rom, das zwischen Ruinen und Palästen aus einem jahrhundertelangen Schlaf erwacht und gerade dabei ist, seine neue Rolle zu finden. Ein absolut einzigartiger Blick in die Vergangenheit, der durch die spannenden Beiträge in einen noch größeren Kontext hineingewoben wird. Wie sich nämlich zeigt, sind die Skizzenbücher von einer kunsthistorischen Bedeutung, die weit über den ersten Anschein hinausgeht. (Das Buch wurde mir vom Verlag kostenfrei zur Verfügung gestellt. Auf meine Rezension wurde kein Einfluss genommen, der Inhalt stellt meine persönliche Meinung dar.)
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