Matylda Żelichowska, 58, ist nach ihrer Scheidung Multimillionärin geworden. Sie hat ein bewegtes Leben hinter sich, ist eine schillernde, manchmal nervige, sensible, phantasievolle, aber auch selbstkritische Person. Nachdem unvorteilhafte Bilder über sie in der Klatschpresse erschienen sind, erleidet sie einen psychischen Zusammenbruch und verkriecht sich in ihrer Luxuswohnung. Auch mit ihrer besten Freundin, der Galeristin Antonia, gerät sie in Konflikte.
Täglich tröstet sie sich mit der Beobachtung des Flusses, der unter ihrem Fenster vorbeifließt, gießt ihre Pflanzen, isst wenig, trinkt viel Alkohol. Ab und zu vergibt sie Gelder durch ihre Stiftung zur Förderung von Kunst und Literatur. Die Arbeit ermüdet und langweilt sie. Zuweilen wandert sie nachts durch die Stadt und wird dabei Zeugin seltsamer Machenschaften.
Um der wachsenden Einsamkeit zu entfliehen, reist Matylda in ihr Heimatland Polen. Der Besuch bei ihrer Tante und die Spurensuche im Schatten der Vergangenheit ihrer Familie gestalten sich schwierig. Nichts ist mehr so, wie sie es sich vorgestellt hat. Matylda muss sich endlich ihren Dämonen stellen.
Ein unterhaltsamer, humorvoller, zeitgeistig stimmiger Gesellschaftsroman.
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
Almut Scheller-Mahmoud
aus 21109 Hamburg
5/5
15.12.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Das Leben wird vorwärts gelebt und rückwärts verstanden (Sören Kierkegaard)
Julia Kohli lässt ihre Protagonistin Matylda Zelichowska in der Ich-Form ihr Leben erzählen.
Der Autorin gelingt es überzeugend, ein Porträt einer Frau „Zwischen den Stühlen“ in unserer Zeit, unserer Gesellschaft zu zeichnen.
Das Leben einer „Aufsteigerin“, aus einfachen Verhältnissen in Polen hin zu einer geschiedenen Millionärin in der Schweiz. Der ganze Text besteht aus haarscharfer Beobachtung, ironischer Kritik am osteuropäischen wie auch am westlichen, insbesondere schweizerischen Lebensstil.
Mitunter vielleicht zu oberflächlich katalogisierend, zu wenig Tiefe. Und vor allem ein fast narzisstisches Selbstwert - bzw. Unselbstwertgefühl beschreibend.
Entspricht es wirklich der geldschweren Realität, dass eine Frau um die 50 in einen psychischen Abgrund fällt, nur weil ein Paparazzo Fotos von ihren Cellulitis-gedellten Oberschenkeln gemacht hat und diese in der Boulevardpresse kursieren?
Da kann man vielleicht etwas tiefer graben, warum wieso? Liegt es am Selbstmord der Mutter (Zitat:“ Wenn jemand Selbstmord begeht, ermordet er auch sein Umfeld“) oder daran, das Kind eines katholischen Priesters zu sein?
Klar und deutlich zeigt der Roman die nicht neue Einsicht auf, dass Geld nicht glücklich macht. Man kann in Champagner baden, Kaviarpyramiden besteigen, sich an karibischen Privatstränden verlustieren, die innere Leere kann „das Geld“ nicht übertünchen. Diese führt entweder zu „helvetisierter“ Gefühlskälte, zu Papperlapapps über Autos, Villen, die Internate der Kinder und dergleichen mediokren Oberflächlichkeiten der Wichtigtuer, Banker, Schönheitschirurgen und ihrer Gattinnen, für die Kinder so etwas wie „Fruchtbarkeitspokale“ sind oder kann erst durch einen Schock bewusst gemacht werden. Wie im Falle von Matylda, die sich durch eine Kunst fördernde Stiftung vom Geld reinwaschen, befreien will.
Die „Nebenfiguren“ wie die Tante Ciocia Lidia, die Freundin aus der Jugend Katarzyna, der Ex-Mann Cédric, der Vermögensverwalter und gelegentlicher „Fuckboy“ Patrick (so seine Eigenbezeichnung), die beste Freundin Antonia mit ihrer verwöhnten Tochter Gina und schamanistischer Freundin Iris, die sich mit Göttinnen-Kulten des Ewig Weiblichen identifiziert,
runden dieses Kaleidoskop einer Frau ab, die sich wiederfinden muss und die einsieht, dass nicht die Fotos des Paparazzo sie zerstört haben, sondern sie sich unbewusst zerstören lassen wollte. Und das Mittel dazu war ihre Anorexie sowie innerer und äußerer Rückzug.
Die Autorin beschreibt die Leben- und Gedankenwelt der Matylda überzeugend, man kann sich in sie hineinfühlen, mitfühlen.
Almut Scheller-Mahmoud
aus Hamburg
5/5
09.12.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Das Leben wird vorwärts…
Das Leben wird vorwärts gelebt und rückwärts verstanden (Sören Kierkegaard) Julia Kohli lässt ihre Protagonistin Matylda Zelichowska in der Ich-Form ihr Leben erzählen. Der Autorin gelingt es überzeugend, ein Porträt einer Frau „Zwischen den Stühlen“ in unserer Zeit, unserer Gesellschaft zu zeichnen. Das Leben einer „Aufsteigerin“, aus einfachen Verhältnissen in Polen hin zu einer geschiedenen Millionärin in der Schweiz. Der ganze Text besteht aus haarscharfer Beobachtung, ironischer Kritik am osteuropäischen wie auch am westlichen, insbesondere schweizerischen Lebensstil. Mitunter vielleicht zu oberflächlich katalogisierend, zu wenig Tiefe. Und vor allem ein fast narzisstisches Selbstwert - bzw. Unselbstwertgefühl beschreibend. Entspricht es wirklich der geldschweren Realität, dass eine Frau um die 50 in einen psychischen Abgrund fällt, nur weil ein Paparazzo Fotos von ihren Cellulitis-gedellten Oberschenkeln gemacht hat und diese in der Boulevardpresse kursieren? Da kann man vielleicht etwas tiefer graben, warum wieso? Liegt es am Selbstmord der Mutter (Zitat:“ Wenn jemand Selbstmord begeht, ermordet er auch sein Umfeld“) oder daran, das Kind eines katholischen Priesters zu sein? Klar und deutlich zeigt der Roman die nicht neue Einsicht auf, dass Geld nicht glücklich macht. Man kann in Champagner baden, Kaviarpyramiden besteigen, sich an karibischen Privatstränden verlustieren, die innere Leere kann „das Geld“ nicht übertünchen. Diese führt entweder zu „helvetisierter“ Gefühlskälte, zu Papperlapapps über Autos, Villen, die Internate der Kinder und dergleichen mediokren Oberflächlichkeiten der Wichtigtuer, Banker, Schönheitschirurgen und ihrer Gattinnen, für die Kinder so etwas wie „Fruchtbarkeitspokale“ sind oder kann erst durch einen Schock bewusst gemacht werden. Wie im Falle von Matylda, die sich durch eine Kunst fördernde Stiftung vom Geld reinwaschen, befreien will. Die „Nebenfiguren“ wie die Tante Ciocia Lidia, die Freundin aus der Jugend Katarzyna, der Ex-Mann Cédric, der Vermögensverwalter und gelegentlicher „Fuckboy“ Patrick (so seine Eigenbezeichnung), die beste Freundin Antonia mit ihrer verwöhnten Tochter Gina und schamanistischer Freundin Iris, die sich mit Göttinnen-Kulten des Ewig Weiblichen identifiziert, runden dieses Kaleidoskop einer Frau ab, die sich wiederfinden muss und die einsieht, dass nicht die Fotos des Paparazzo sie zerstört haben, sondern sie sich unbewusst zerstören lassen wollte. Und das Mittel dazu war ihre Anorexie sowie innerer und äußerer Rückzug. Das Bedürfnis, Erde zu riechen, Erde aus Sibirien, Patagonien, Tasmanien; Morgentau zu trinken, als Adlerin über den Metropolen zu kreisen oder ein Vampir mit vielen Geschlechtern zu sein. Vielleicht findet sie zum Schluss, nach eigener Entscheidung, Heilung in einer Klinik zu suchen, das „Diamant-Ei der Göttin“, wie es die schamanistische Iris in ihren Workshops anbietet? Es wäre ihr zu wünschen, denn irgendwie fühlt man Sympathie mit ihr. Vielleicht weil sie zweifelt, weil sie nach neuen Wegen sucht……
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