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Gebranntes Kind

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Beschreibung

Produktdetails

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

08.03.2024

Herausgeber

Paul Berf

Verlag

Guggolz Verlag

Seitenzahl

299

Maße (L/B/H)

19,5/12,4/3 cm

Gewicht

373 g

Auflage

1. Auflage

Originaltitel

Bränt barn

Übersetzt von

Paul Berf

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-945370-45-2

Beschreibung

Produktdetails

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

08.03.2024

Herausgeber

Paul Berf

Verlag

Guggolz Verlag

Seitenzahl

299

Maße (L/B/H)

19,5/12,4/3 cm

Gewicht

373 g

Auflage

1. Auflage

Originaltitel

Bränt barn

Übersetzt von

Paul Berf

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-945370-45-2

Herstelleradresse

Guggolz Verlag
Gustav-Müller-Straße 46
10829 Berlin
DE

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  • Bewertung

    aus Hamburg

    5/5

    15.05.2024

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Intensiv und verstörend

    Der schwedische Autor Stig Dagerman, der sich mit 31 Jahren das Leben nahm, veröffentlichte „Gebranntes Kind“ im Jahr 1948. Nun hat der Guggolz Verlag den Text in einer neuen Übersetzung von Paul Berf neu herausgegeben. Ein informatives Nachwort des Schriftstellers Aris Fioreto bietet auf wenigen Seiten hilfreiche Ansatzpunkte zum Verständnis. Der Roman setzt kurze Zeit vor einer Beerdigung ein. Bengts Mutter ist tot. Sie brach in der dem Wohnhaus gegenüberliegenden Metzgerei zusammen und starb. In einer zunächst sezierenden, stakkatoartig anmutenden Sprache richtet Dagerman den Blick auf den zwanzigjährigen Bengt, seinen Vater und seine beiden Schwestern, die sich in der Wohnung für die Beerdigung zurechtmachen. Wir begleiten Bengt und seinen Vater zur Beisetzung und nehmen an zentralen Geschehnissen im Jahr nach dem Tod der Mutter bzw. Ehefrau teil. Vater und Sohn trauern unterschiedlich. Sie belauern und belügen sich. Bengt ist in seiner Trauer und seinem Wesen äußerst ambivalent. Er fühlt sich moralisch überlegen, obwohl er weder zu seinem Vater noch zu seiner Freundin ehrlich ist und zu Gewaltausbrüchen neigt. Bereits vor dem Tod seiner Frau hatte der Vater eine Geliebte, die dieser nun gerne als „Ersatzmutter“ für seinen Sohn sehen würde. Bengt möchte diese Frau hassen, schmiedet Rachepläne, fühlt sich zugleich aber magisch angezogen. Sie wird für ihn Geliebte und Mutter zugleich. Zahlreiche Szenen im Text haben etwas Kafkaeskes. Die Protagonist:innen wirken alle auf ihre Weise gestört, einsam und verloren. Dagermans Sprache wechselt zwischen äußerst reduzierten, knappen Sätzen mit zahlreichen Wortwiederholungen und poetisch dahinfließenden, zärtlichen Passagen. Der gesamte Text ist unglaublich dicht und reich an Symbolik, die es zu entschlüsseln gilt. Mich hat dieser Roman ungemein fasziniert und ich bin froh, diesen zeitlosen, literarisch anspruchsvollen Text entdeckt zu haben, der die Zerrissenheit des Hauptprotagonisten, aber auch die Einsamkeit der anderen so hautnah erfahren lässt.

  • Christian1977

    aus Leipzig

    5/5

    10.04.2024

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Die Leiden des jungen B.

    Stockholm, in den 1940er-Jahren: Während der 20-jährige Bengt um seine heißgeliebte Mutter trauert, tröstet sich sein Vater Knut längst mit einer neuen Frau. Die Kinokartenverkäuferin Gun erbt nicht nur Almas rotes Kleid, das dieser ohnehin nie passte, sondern auch die Liebe des Schreiners. Doch Bengt lehnt die neue Frau an der Seite des Vaters strikt ab. Als er gemeinsam mit seiner Freundin Berit an einem familiären Trip auf die Schären teilnimmt, brechen sich die Emotionen Bahn... "Gebranntes Kind" ist ein Roman des Autors Stig Dagerman (1923 - 1954), der im schwedischen Original 1948 erschienen ist. 1967 wurde er verfilmt (deutscher Titel: Ich - seine Geliebte), 1983 sowohl in der BRD, als auch in der DDR erstmals ins Deutsche übersetzt. Nun ist bei Guggolz eine deutsche Neuübersetzung von Paul Berf erschienen, die durch ein kompaktes und informatives Nachwort des schwedischen Schriftstellers Aris Fioretos komplettiert wird. Nach "Deutscher Herbst" ist "Gebranntes Kind" bereits das zweite Werk Dagermans bei Guggolz. Kein Wunder, passt "Bränt barn", so der Originaltitel, in seiner Mischung aus sprachlicher Extravaganz und ambivalenter Figurenzeichnung doch ganz hervorragend in das Guggolz-Beuteschema, wie beispielsweise im letzten Jahr auch Tom Kristensens "Absturz". Wobei "Gebranntes Kind" tatsächlich noch stärker polarisieren dürfte, denn es ist ein durch und durch unbequemer Roman. Das beginnt mit den kurzen, stakkatohaften Sätzen, die Dagerman seinen Leser:innen förmlich um die Ohren haut, mischt sich mit pathetischen Briefen der Hauptfigur und mündet schließlich in einem Protagonisten, der vor physischer und psychischer Gewalt gegen Frauen und Tiere nicht zurückschreckt. Ständig arbeitet Dagerman zudem mit Symbolen und Gegensätzen wie "schön" und "hässlich", die man schon nach dem ersten Kapitel als anstrengend empfindet. Womit wir beim großen "Aber" wären. Denn die kurzen Sätze, die - einem Schüleraufsatz gleich - gern auch mit "Und" oder "Dann" beginnen, sind so voller Tiefe, dass man beim ersten Lesen kurz zusammenzuckt. "Der Sohn ist zwanzig und nichts", heißt es an einer Stelle, an einer anderen "die Welt fürchtet den, der weint". Das ist schmerzhaft und klug. Die Briefe sind nicht nur pathetisch, sondern zerbersten fast vor lauter Emotionalität, die bisweilen an die biblischen Propheten erinnert. Gekonnt setzt Dagerman mit ihnen eine Art Kontrapunkt zu den nüchtern anmutenden Erzählpassagen, die sich nicht einmal trauen, die Namen der Figuren zu nennen. Meisterlich ändert sich in ihnen der Tonfall zur Stimmung von Hauptfigur Bengt. Die Briefe "von ihm selbst an ihn selbst" sind zunächst voller Trauer über die Mutter und Wut auf den Vater, die Freundin, ach eigentlich die ganze Welt. Später öffnet sich Bengt und schreibt "an eine junge Frau" und gar "an eine Insel", und Teile dieses letzten Briefes erinnern in ihrer überbordenden Zärtlichkeit an den Sturm und Drang, vielleicht an eine Art "Werther 2.0". "Gebranntes Kind" ist ein forderndes und herausforderndes Werk, das nicht gefällig ist, aber auch gar nicht gefallen will. Es ist schmerzhaft und schrecklich. Und dennoch ist es ein großes Buch, das mit bemerkenswerter Präzision das Innenleben eines Charakters emotional und stilistisch so außergewöhnlich kunstvoll präsentiert. Bengt trägt das gesamte Buch, es gibt keine Szene, die ohne ihn auskommt. Wenn er leidet, leidet der Roman. Wenn er liebt, blüht der Roman auf. Er dürfte eine der wohl widersprüchlichsten Hauptfiguren der Literaturgeschichte sein, ein klassischer Antiheld. Es fällt leicht, ihn auf den ersten Blick zu hassen. Doch betrachtet man sein Innenleben - und das ist bei der Lektüre unabdingbar - erkennt man die Zerrissenheit dieses jungen Mannes, seinen wahrhaftigen Schmerz über den Verlust der Mutter, seine Gefühle, von denen er nicht weiß, wohin damit. Es ist eine kühne Entscheidung Stig Dagermans, einen solchen Protagonisten erschaffen zu haben, der vornehmlich auf Ablehnung stoßen wird, ohne ihm eine ebenbürtige positiv besetzte Figur entgegenzusetzen. Liest man aber die biographischen Angaben zu Dagerman im Anhang und im Nachwort, so konnte es eigentlich keine andere Entscheidung geben. Denn unglückliche Todesfälle, Schreibblockaden und schließlich der Suizid sechs Jahre nach Erscheinen des Romans machen aus Dagerman selbst ein "gebranntes Kind".

  • MarieOn

    5/5

    31.05.2024

    eBook (ePUB 3)

    Geschichte mit Sogwirkung

    Am Tag der Beerdigung von Bengts Mutter schaut er aus dem Fenster in das finstere Januarlicht. Mutter war krank. Etwas mit dem Herzen. Gegenüber in der Metzgerei war sie von einem Stuhl gefallen. Hinter ihr, einer der Metzger nahm gerade ein Lamm aus und hat es nicht gesehen. Der Vater hat nicht geweint. Sein Arm ist hart und schwer. Vaters zwei Schwestern haben den Kaffee vorbereitet und das Wohnzimmer geschmückt. Die eine ist schön, die andere hässlich. Die schöne liebt der Vater, weil er alles liebt was schön ist. Nach der Arbeit schleppt Vater einen großen schwarzen Hund an, den er Hector nennt. Er hätte ihn in einer Zoohandlung gekauft, damit sie nicht so allein waren. Bengt fängt an dem Vater zu misstrauen und folgt ihm, wenn der abends mit dem Hund das Haus verlässt. Schon bald fühlt sich der Vater verfolgt und pausiert in einem Café, um sich hinter einer Zeitung zu verstecken und den Verfolger vorbeiziehen zu lassen. Die ganze Wohnung ist durch Mutter imprägniert. Hier ein Brief in der Schublade, dort ein Strumpf, eine Brosche. Bengt kann sich nicht mehr auf sein Studium konzentrieren. Er geht nicht mehr zur Uni, dem Vater erzählt er von anstehenden Prüfungen und wie er den Lesungen beigewohnt hat, das macht dem Vater Freude. Am Abend trifft Bengt seine Freundin Berit, die weint immer. Manchmal möchte er Berit mehr wehtun, als sie nur in den Oberarm zu kneifen, aber dann weint sie noch mehr. Fazit: Von Anfang an hat mich die Geschichte Bengts gefesselt. Wie er seine Umwelt beobachtet und die falschen Intentionen in seine Mitmenschen hineininterpretiert. Mitanzusehen, wie Bengt sich fast in einen Wahn von Reinheit hineinsteigert, schmerzt. Seine Moralvorstellungen, mit denen er sich über die Welt der Erwachsenen stellt und sich selbst betrügt. Seine obsessiven Fantasien und sein selbstzerstörerisches Verhalten erschrecken. Die ersten Seiten musste ich mich an den nüchternen Schreibstil und die kurzen Sätze ohne Nebensätze gewöhnen. Die Sprache ist hart und zeichnet eine zerstörerische Destruktion. Alles wirkt real, der Charakter des Antihelden bis in die kleinste Ecke ausgeleuchtet. Ein wenig hat mich die Geschichte an den „Fänger im Roggen“ erinnert. Diese Geschichte Stig Dagermans, der sich mit 31 das Leben nahm, erstmals veröffentlicht 1948, hat viele negative Gefühle in mir geweckt. Wahrscheinlich hätte ich diesen bemitleidenswerten Antihelden versucht zu schlagen, wenn er mir in meinem Leben begegnet wäre. Diese Geschichte mit Sogwirkung, hat nichts an Aktualität eingebüßt und sollte eigentlich als Unterrichtsmaterial an Schulen dienen.

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