Locker und bemerkenswert, mit Witz und Verstand, schreibt Franz Müntefering übers Leben. Über Sinn und Unsinn. Zögern und Handeln. Glauben und Nicht-mehr-glauben. Älterwerden und Neugierigbleiben. Übers Sterben und den Tod. Über die Liebe zum Leben und was das für die Politik bedeutet. Mit Verbeugungen vor den kleinen Dingen des Alltags. Mit diesem typischen Sound, an dem man »den Franz« sofort erkennt.
Franz Müntefering, der die deutsche Politik über Jahrzehnte in Bund, Land und seiner Heimatgemeinde Sundern/Sauerland mitgeprägt hat, bleibt seinem Motto treu: Die Welt nehmen, wie sie ist, sie aber nicht hinnehmen! Das ist ein Buch für alle, die »Münte« kennen und schätzen. Eine Einladung, über die großen Themen unserer Existenz nachzudenken, ohne sich in die Tasche zu lügen. Eine Verbeugung vor den kleinen, aber entscheidenden Dingen des Alltags. Eine Lesereise mit Herz und Geist für alle, die auf dem Teppich geblieben sind.
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Nicht vergessen habe ich eine…
LichtundSchatten am 13.06.2024
Bewertungsnummer: 2865133
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Nicht vergessen habe ich eine Diskussion bei Lanz um 2011, die Müntefering mit Prof. Udo Reiter, dem ehemaligen Intendanten des MDR, führte und ihm erklärte, dass ein Recht auf Sterben unmoralisch bzw. unchristlich sei. Udo Reiter hat sich kurz danach auf seiner Terrasse erschossen. Nicht wegen dieser Diskussion, sondern weil er ein Leben im Rollstuhl über so lange Jahre nicht weiter ertragen wollte. Kommt Müntefering, der schneidend selbstbewusste Diskutierer, in seinem Buch über populistische Leerformeln hinaus, kann ich mir jetzt einen Reim auf seine Erkenntnisse machen, gar Hilfestellungen erwarten? Hier einige seiner sogenannten Reime: „Die Gedanken sind frei. Aber sie lösen keine Probleme. Das müssen wir Menschen selbst tun. Zusammen mit anderen. Dann kann Demokratie gelingen. Das kann in der Demokratie gelingen.“ „Wie es mit den Menschen weitergeht entscheiden faktisch Menschen" „Nimm das Leben, wie es ist. Aber lass es nicht so.“ Müntefering postuliert als Ausgangspunkt sozialdemokratischen Denkens die Gleichwertigkeit aller Menschen, einer der maximal aufgeblasenen, nichtssagenden Wortballons. Er hätte meines Erachtens diese Gedanken von Enzensberger Ernst nehmen sollen, der die heutigen Probleme der SPD schon 1994 treffend beschrieben hat: „In der Abenddämmerung der Sozialdemokratie hat dagegen Rousseau noch einmal gesiegt. Sie haben nicht die Produktionsmittel, sondern die Therapie verstaatlicht. Dass der Mensch von Natur aus gut sei, diese merkwürdige Idee hat in der Sozialarbeit ihr letztes Reservat. Pastorale Motive gehen dabei eine seltsame Mischung ein mit angejahrten Milieu- und Sozialisationstheorien und mit einer entkernten Version der Psychoanalyse. Solche Vormünder nehmen in ihrer grenzenlosen Gutmütigkeit den Verirrten jede Verantwortung für ihr Handeln ab.“ („Aussichten auf den Bürgerkrieg“, 1994, S. 37) Die SPD scheint insgesamt nur noch aus Worthülsen zu bestehen, auf die man sich keinen richtigen Reim mehr machen kann. Immerhin, tief angelegte Beleidigungen konnte ich in diesem Buch nicht entdecken. Müntefering konnte schon immer Sprüche: "Milch und Honig werden nicht fließen. Gesundes Brot und ordentlicher Aufstrich werden aber da sein." Ich habe bei diesem Buch den Eindruck, es gibt auch wenig nahrhaftes, leicht verschimmeltes Brot. Habe alle Bücher eines großen Politikers gelesen, die er in seinem Gartenhäuschen in Rhöndorf geschrieben hat. Statt Müntefering Konrad Adenauer, das kann ich nach diesem Werk nur jedem empfehlen. Konrad Adenauer hat immerhin selbst ein Brot entwickelt, das seine Kölner über den ersten Weltkrieg brachte. "Ach die Gedanken! Reime sind da, aber die Gedanken, die Gedanken!" Christian Dietrich Grabbe,(1801 - 1836), deutscher Dramatiker
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