Martyria, ein Land zerrissen von Krieg und Machtspielen. Drei unversöhnliche Mächte kämpfen um die Vorherrschaft.
Inmitten dieses chaotischen Konflikts führt Leutnant Sigurd Kobaltbart eine Expedition auf die Heimatinsel der wilden Shraz'na.
Zwergen und Ureinwohnern droht ein eskalierender Konflikt. Sigurd muss zwischen Moral und Status wählen, während der junge Shraz'na Sierrkha um das Überleben seines Volkes kämpft. Eine Welt voller Intrigen, Gefahren und unerwarteter Wendungen - wer wird am Ende siegen, und wer wird in diesem epischen Kampf ums Überleben untergehen?
Kundinnen und Kunden meinen
4.5/5.0
Bewertung
5/5
11.03.2024
Buch (Taschenbuch)
Anspruchsvolles Drama mit ausgearbeiteten Charakteren und einem bewegendem Ende.
Wer in Tales of Martyria eine klassische Steampunkt Fantasy erwartet, der liegt falsch. Hier gibt es keine Helden, es gibt Schicksale. Und die wiegen schwer.
Ich selbst würde das Buch als ein Fantasy-Drama beschreiben - und so etwas gibt es selten, zumindest habe ich noch keines gelesen. Fantasy impliziert Helden, Schlachten und oft Stereotype. In Tales of Martyria ist das anders. Ja, es gibt Kämpfe und sogar Schlachten - aber der Fokus liegt eindeutig weniger auf der Handlung an sich, als auf den fein und facettenreich ausgearbeiteten Charakteren. Und diese liebt man nicht - denn sie haben ihre Fehler, sie scheitern und sie sträuben sich oft, der Wahrheit ins Gesicht zu blicken. Das macht sie nahbar und sie wachsen einem ans Herz. Denn sie spiegeln, zwingen den Leser während der Lektüre auf sich selbst zu blicken und die voreiligen Schlüsse, die man zieht zu hinterfragen. Würde man selbst so handeln - Nein! - oder eben doch! Das regt zum Nachdenken an.
Die zentrale Frage, die sich wie ein roter Faden durch die Handlung schlängelt, ist: Welchen Weg würdest du gehen? Würdest du versuchen deine Ehre zu retten, um Anerkennung zu erlangen? Oder entscheidest du dich für deine Sippe, deine Familie und trägst die damit einhergehenden Konsequenzen? Der Protagonist Sigurd Kobaltbart muss sich diese Frage des Öfteren stellen. Die Entscheidungen, die er trifft sind alles andere als optimal, so wie im echten Leben.
Obwohl der Text gut und flüssig lesbar ist, gestaltet sich das Buch als anspruchsvolle Kost, auf die man sich als Leser einlassen sollte. Der Emotionen wegen und aufgrund der Schicksale. Es beherbergt zwei Handlungsstränge, in dem jeweils ein Protagonist die zentrale Rolle spielt. Dabei werden die Geschichten nicht abschließend beendet, denn es wird einen weiteren Teil der Reihe geben.
Mir persönlich haben die facettenreichen Charakterdarstellungen und die feinen Nuancen in ihren Handlungen sehr gefallen. Das Ende des Buches regt zum Nachdenken an. Es nährt die Sehnsucht, weiter Teil der Schicksale der Protagonisten zu sein und man fragt sich, wie es wohl weitergehen wird.
Fazit: Eine bewegende und sehr emotionale Reise, die nachwirkt und zum Nachdenken anregt. Beide Daumen hoch!
Caine @drachenbuecherhort
4/5
19.10.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Kolonialismus und High Fantasy
„Tales of Martyria – Zwischen Clan & Ehre“ von Simon van de Loo ist der erste Band einer Reihe, die in einer Welt spielt, die von Zwergen, Orks, Menschen und vielen anderen magischen Völkern bewohnt wird. Doch diese Welt ist nicht friedlich, sondern geprägt von Krieg und Machtspielen. Erzählt wird die Geschichte des Zwergenleutnants Sigurd Kobaltbart, der eine Expedition zur Heimatinsel der wilden Shraz’na anführt. Dort muss er sich nicht nur den feindseligen Eingeborenen, sondern auch seinen eigenen moralischen Konflikten stellen. Eine fesselnde Mischung aus Phantastik und Politik, die den Leser in eine komplexe und facettenreiche Welt eintauchen lässt.
Simon van de Loos Stil lässt sich schwer in Worte fassen. Oft werden Beschreibungen und Metaphern verwendet, um die Atmosphäre, die Charaktere und die Handlung zu illustrieren und zu verdeutlichen. Im Allgemeinen kann man jedoch sagen, dass er einen lebendigen, bildhaften und emotionalen Schreibstil hat, der den Leser auf eine poetische Art und Weise in seinen Bann zieht.
Die Welt, in die uns van de Loo entführt, ist eine magische Welt, die von der Industrialisierung geprägt ist und in der mit Sicherheit nicht alles mit rechten Dingen zugeht. So sind Sklaverei und Kolonialismus ein zentrales Thema, was mich sehr an die Kolonisierung Amerikas erinnerte, bei der viele indigene Völker den Kolonialherren zum Opfer fielen und zum Teil versklavt wurden.
Die Geschichte wird kapitelweise abwechselnd aus der Sicht der beiden Hauptfiguren Sierrkha und Sigurd erzählt.
Sierrkha ist ein Junge vom indigenen Volk der Shraz’na, die im Urwald einer noch weitgehend unerforschten Insel in Martyria leben. Er ist ein talentierter Jäger, der sich zum Ziel gesetzt hat, seine Familie und sein Volk zu beschützen. Im Laufe der Handlung zeigt er jedoch auch Neugier und Offenheit für neue Erfahrungen, die ihn dazu bringen, von den Traditionen seines Stammes abzuweichen. Als er mit den Zwergen in Kontakt kommt, muss er sich zwischen Zugehörigkeit und Freiheit entscheiden.
Sigurd Kobaltbart ist ein zwergischer Leutnant, der eine Expedition zur Heimatinsel der wilden Shraz’na anführt. Er ist ein loyaler und tapferer Soldat, der die Regeln und Befehle seines Clans befolgt. Doch er hat auch ein gutes Herz und einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, der ihn manchmal in Konflikt mit seiner Pflicht bringt. Im Kontakt mit den Einheimischen ist er gezwungen, zwischen Moral und Status zu wählen.
„Tales of Martyria – Zwischen Clan & Ehre“ ist ein gelungener Auftakt, der mich vor allem durch die komplexen Themen und die vielschichtige Handlung begeistern konnte. Wer keine Scheu vor einem anspruchsvollen Buch mit Steampunk-Elementen hat, wird hier voll auf seine Kosten kommen!
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