Der russische Angriffskrieg in der Ukraine ist in hohem Maße ein Geschlechterkrieg: Russland setzt sexuelle Gewalt in der Ukraine als Waffe ein, aber Frauenfeindlichkeit ist auch ein Instrument der internen Zentralisierung der Macht in Russland. Und sie ist ein Werkzeug des Imperialismus. Das Grauen, das Familien des Baltikums bereits einmal erleben mussten und das bis heute Wunden in den Familien hinterlassen hat, Deportationen, Besetzungen, Terror, Folter, Nazibeschuldigungen, Vergewaltigung, wiederholt sich, aber wie nie zuvor können Kriegsverbrechen dokumentiert werden, weil Journalistinnen, Richterinnen, Staatsanwältinnen und Anwältinnen beteiligt sind. Die Hoffnung besteht, dass die Straffreiheit Russlands ein Ende haben wird.
In diesem sorgfältig recherchierten Essay zeigt sich Sofi Oksanen erneut als absolute Kennerin Russlands, seiner Geschichte und seiner strategischen Frauenfeindlichkeit.
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Drastische Schilderungen, die erschüttern
Renas Wortwelt am 04.03.2024
Bewertungsnummer: 2145932
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Beim Lesen dieses Buches friert man, so gruselig, so beängstigend ist das, was die finnische Autorin hier schildert. Wenn auch der Titel des Buchs ein wenig in die Irre führt, geht es doch nicht nur um das, was Frauen geschieht, so ist es trotzdem ein wichtiges Buch.
Sofi Oksanen, in Finnland aufgewachsene Tochter einer Estin und eines Finnen, hat tiefen Einblick in die tragischen und erschreckenden Vorgänge in Russland und der früheren Sowjetunion. Was sie beschreibt, jagt einem beim Lesen Schauer über den Rücken und lässt umso mehr darauf hoffen, dass es der Ukraine gelingt, den Aggressor zu besiegen.
Die Schilderungen der Gräueltaten russischer Soldaten an ukrainischen Frauen und Männern, die diese bei voller Kenntnis und Zustimmung sowohl ihrer Vorgesetzen wie auch ihrer Ehefrauen und Mütter begehen, sind kaum zu ertragen. Man spürt die Wut und die Verzweiflung der Autorin in jedem ihrer Worte. An mancher Stelle ist es dann fast etwas zu subjektiv, wünschte man sich etwas mehr Distanziertheit.
Es scheint unfassbar, dass diese russischen Soldaten in der Tat von den eigenen Frauen motiviert werden, die Ukrainerinnen zu vergewaltigen, ihnen ihre Würde zu nehmen, sie zu bestehlen und zu töten. Sofi Oksanen gelingt es, begreiflich zu machen, wie dieses für uns unverständliche Handeln begründet ist, was die russische Propaganda, die Erziehung und vor allem die Geschichte damit zu hat.
Doch auch wenn man erkennt, was diese Menschen zu ihrem Handeln führt, macht es diese unbegreiflichen Taten nicht begreifbarer. Dass Russen auch ihre eigenen Frauen nicht mit Samthandschuhen anfassen, dass sich ihre Männlichkeit darin manifestiert, dass sie Frauen schlagen und misshandeln, das kann man einfach nicht verstehen.
Sofi Oksanen beschreibt all das anschaulich, ohne irgendetwas zu beschönigen. Sie führt viele Beispiele an, sie verweist auf die geschichtlichen Zusammenhänge, beispielsweise bezüglich der Situation der Krim. Man bekommt beim Lesen den Eindruck, sie drückt sich an mancher Stelle besonders drastisch aus, weil sie will, dass man sie versteht. Als hätte sie Sorge, dass gerade wir hier im Westen alles immer noch durch eine zu rosa gefärbte Brille sehen. Als wolle sie uns nun endlich die Augen öffnen.
Hoffen wir, dass es ihr und anderen endlich gelingt.
Ein Buch, das nicht einfach ist, aber gelesen werden sollte.
Sofi Oksanen - Putins Krieg gegen die Frauen
aus dem Finnischen von Angela Plöger und Maximilian Murmann
Kiepenheuer & Witsch, Februar 2024
Gebundene Ausgabe, 326 Seiten, 24,00 €
Wichtiges Buch
SmilingKatinka aus Finningen am 12.02.2024
Bewertungsnummer: 2129727
Bewertet: eBook (ePUB 3)
In „Putins Krieg gegen die Frauen“ berichtet Autorin Sofi Oksanen zuerst von ihrer stummen Großtante, die nach Verhören die Sprache verloren hat. Dies ist ein sehr guter Einstieg in ein Buch, welches eben jenen eine Stimme gibt, die so oft überhört werden: den Frauen. Offen, ehrlich und schonungslos berichtet Oksanen von Gewalt gegen Frauen als Kriegswaffe, von Vertreibung und Identitätsverlust. In einem der ersten Kapitel berichtet sie davon, dass keine Fotos behalten werden durften, die an die alte Heimat erinnern. Als Enkelin von Heimatvertriebenen hat mich das sehr getroffen, weiß ich doch, wie wichtig gerade diese Fotos für die eigene Identität sind. Diese ersten Kapitel schaffen es meisterhaft, den Leser an das Buch zu binden und ihn auch emotional zu involvieren, sollte das nicht schon davor der Fall gewesen sein.
In den weiteren Kapitel erläutert die Autorin, wie Soldaten zu Kriegsverbrechern werden, wie Menschen beeinflusst werden und was Russland tut, um seine Stellung zu halten. Auch gibt es einen Crashkurs in russischem Kolonialismus.
Dieses Buch ist nichts für schwache Nerven und ich musste es oft weglegen, um das Gelesene zu verdauen. Doch es ist ein wichtiges Buch und ich danke Autorin und Übersetzern dafür, dass sie die Sprache so einfach wie möglich gehalten haben, um dieses Buch wirklich jedem Interessierten zugänglich zu machen. Dieses Buch erklärt, warum der Krieg in der Ukraine für Kenner nicht so überraschend kam wie für den Rest von uns. Was hinter einigen Aussagen steckt, die wir nicht verstanden haben und bietet Kontext und Argumente für diese unsäglichen Diskussionen, die wir noch immer führen müssen. Mir hat es sehr geholfen, einiges besser zu verstehen und ich werde es sicher sowohl empfehlen als auch verschenken.
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