"Wir haben alle eine - merken es aber erst, wenn wir uns am liebsten draufbeißen würden." (Mithu Sanyal) Florian Werner ergründet in seinem Portrait "Die Zunge" bekannte und unbekannte Facetten dieses Körperteils.
Sprechen, Schmecken, Lecken, Küssen, Zeigen: Die menschliche Zunge ist der soziale Muskel schlechthin. Wer aber respektiert werden will, sollte sie im Zaum halten. Fast könnte man meinen, dass wir diesem Organ, das so zentral ist für unsere Weltbeziehung, misstrauen. Als wäre die Zunge ein Wesen mit eigenem Willen - unberechenbar wie die Schlange, die eine gespaltene Zunge hat.
"Die Zunge" beschreibt dieses Organ erstmals in seiner ganzen Komplexität: als Sprachinstrument und Geschmacksorgan, als erogene Zone und obszönes Zeichen, als Gegenstand von Literatur, Musik, Kunst, Film und Werbung. Florian Werner setzt diesem unterschätzten Körperteil endlich das Denkmal, das er verdient.
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„Eine Zunge kann kosten,…
LichtundSchatten am 20.11.2023
Bewertungsnummer: 2831623
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
„Eine Zunge kann kosten, staunen, lecken, schmecken, zeigen, küssen, sprechen, stechen und leider auch abgeschnitten werden. Mit diesen Gliederungspunkten lesen wir in diesem Buch alles, wirklich aber auch alles über ein Organ, das normalerweise weit oben mitläuft ohne in ihrem Können ganz oben im Gehirn anzukommen in ihrer wahren Bedeutung. „Diesem Organ haftet, ganz wertneutral gesprochen, etwas zutiefst Animalisches an. Es verbindet uns anatomisch mit dem Tierreich, mit sabbernden Hofhunden, Fliegen fangenden Fröschen oder Katzen, die mit der Zunge das kotverschmierte Fell ihres Nachwuchses saubermachen. Durch ihre schiere Existenz verweist die Zunge auf die grundlegendsten Bedürfnisse des saugenden, kauenden, verdauenden Körpers; Eigenschaften, die wir mit etlichen anderen Lebewesen teilen.“ Es stimmt, die Zunge bleibt ein hinter den Zähnen verschanztes, feucht schillerndes Geheimnis. Mit diesem Buch werden Dinge erhellt, die ich nicht für möglich gehalten hätte. So wollte Erdogan nicht zulassen, dass jemand dem Propheten die Zunge herausstrecke: „Es ist unsere Pflicht, diese Zunge herauszureißen“. Die populäre türkische Sängerin Sezen Aksu hatte ein Lied veröffentlicht, „Es ist wunderbar, am Leben zu sein“, in dem Adam und Eva als Dummköpfe verspottet werden. Die erste Stufe zum Mord ist das Herausschneiden der Zunge, mit dem der Delinquent ruhig gestellt und bestraft werden soll, durch die Nicht-Fähigkeit des Sprechens. Und baumelt man am Galgen, kann dann nicht mal mehr die Zunge heraushängen als letztes sicheres Zeichen des Todes. Sezen Aksu ließ sich nicht einschüchtern und veröffentlichte ein neues Lied: „Du kannst mich nicht umbringen, ich habe meine Stimme, mein Instrument und meine Sprache – ich stehe für uns alle.“ Ins Gefängnis allerdings musste eine Journalistin, die ohne den Namen Erdogan zu sagen, das zum Besten gab: „Wenn ein Ochse in einen Palast einzieht, wird er damit nicht zum König, sondern der Palast wird zum Stall.“ Man sollte also in diktatorischen Umgebungen die Zunge im Zaum halten mit öffentlichen Anklagen und sie mehr für das Kosten und Küssen einsetzen. Wenn ich dieses Buch vergleichen würde mit einer echten feinen Gourmet-Kost dann wäre es ein langes, überraschendes 5 Gänge Menü mit zahlreichen, überraschenden Grüßen aus der Küche. Dass Zunge und Phallus miteinander verwandt sind und Sklaven nicht nur das untere, sondern auch das obere Organ entfernt wurde, es war wohl so, obwohl die abgeschnittene Zunge Sklaven eher weniger wertvoll machte. Deswegen waren Eunuchen mit Zunge eher an der Tagesordnung. Die Sklavengeschichte ist heute relativ gut erklärt, z.B. im Buch von Egon Flaig: Weltgeschichte der Sklaverei. In jedem Fall aber war mit der Hinweis auf "Mr. Cruso, Mrs. Barton & Mr. Foe: Roman" von Herrn Werner sehr wertvoll, ich werde dieses Buch lesen.
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