Zwei Frauen, die Jahrhunderte trennen - der Wunsch nach Selbstbestimmung, der sie verbindet
Marschlande ist der neue Roman der Bestseller-Autorin Jarka Kubsova
Im Hamburger Marschland lebt ums Jahr 1580 Abelke Bleken. Sie führt allein einen Hof, trotzt Jahreszeiten und Gezeiten. Und sie versucht, sich gegen ihre Nachbarn zu behaupten, in einer Zeit, die für unabhängige Frauen lebensgefährlich ist. Fast fünfhundert Jahre später zieht Britta Stoever mit ihrem Mann und ihren Kindern in die Marschlandschaft. Ihre Arbeit als Geografin hat sie für die Familie aufgegeben, das neue Zuhause ist ihr noch fremd. Sie unternimmt lange Spaziergänge durch die karge Landschaft, beobachtet die Natur und lernt, in Bracks und Deichlinien die Spuren der Vergangenheit zu lesen. Dabei stößt Britta auf das Leben der Abelke, auf Ausgrenzungen und Ungerechtigkeiten, die beängstigend aktuell sind. Fasziniert taucht sie tiefer und tiefer ein - und merkt, wie viel sie im Leben der anderen Frau über sich selbst erfährt.
Ein stilles, gewaltiges Buch über Frauen, Freiheit und das, was Geschichte mit Menschen macht
whatabout_nadine aus Handewitt am 17.06.2026
Bewertungsnummer: 3170601
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Mit "Marschlande" erzählt Jarka Kubsova eine Geschichte, die sich über Jahrhunderte spannt und sich dabei trotzdem seltsam nah anfühlt. Im Mittelpunkt steht ein Paar, das mit seinen zwei Kindern aus Hamburg hinaus aufs Land, in die Marschlande zieht. Aber während beide zunächst dieselbe Entscheidung treffen, entwickeln sie sich innerlich immer weiter auseinander.
Sie wollte eigentlich etwas unperfektes und gemütliches, er hingegen klassisch und modern. Das ist einer der Gründe, warum sie sich von der Umgebung zwar angezogen fühlt aber in dem Haus nicht zu Hause ist.
Gleichzeitig führt der Roman zurück ins Jahr 1570, mitten hinein in die Vier- und Marschlande, in eine Zeit von Sturmfluten, harter Arbeit, Aberglauben und Hexenverfolgung. Zwei Frauenleben. Zwei Zeiten. Und doch ziehen sich dieselben Fragen durch alles hindurch: Wem gehört ein Leben? Wie frei darf eine Frau sein? Und was passiert, wenn sie sich weigert, klein zu werden?
Dieses Buch hat mich von der ersten Seite an gehabt. Es gibt Bücher, die brauchen Zeit. Und dann gibt es diese wenigen, bei denen man nach ein paar Seiten schon merkt, dass man gerade etwas Besonderes liest. Nicht laut, nicht künstlich dramatisch, sondern so still intensiv, dass man irgendwann gar nicht mehr merkt, wie tief man schon in der Geschichte drin steckt.
Vor allem der Erzählstil hat mich komplett eingefangen. Diese Sprache… ruhig, klar, manchmal fast rau und dann plötzlich wieder so voller Gefühl, dass einzelne Sätze präsent bleiben. Nicht überladen poetisch, sondern auf eine Weise schön, die sich echt anfühlt. Erdverbunden irgendwie. Als würde man Wind, Regen und diese schwere Marschluft zwischen den Seiten spüren.
Und dann diese beiden Ebenen der Geschichte.
Da ist die Gegenwart, in der man beobachtet, wie sich die Frau in der Ehe immer mehr selbst verliert und gleichzeitig langsam wieder zu sich zurückfindet. Wie sie beginnt zu merken, dass sie mehr sein möchte als nur Ehefrau und Mutter. Dass irgendwo unter all den Erwartungen noch etwas Eigenes in ihr steckt. Wünsche. Sehnsüchte. Ein eigener Wille. Und das wurde so berührend erzählt, weil es nicht plötzlich oder pathetisch passiert. Sondern langsam. Unsicher. Fast tastend.
Währenddessen erzählt die zweite Zeitebene von den Marschlanden um 1570. Von der Allerheiligenflut. Und genau diese Passagen werde ich nie vergessen.
Dieses Leben damals wirkte so hart, so erbarmungslos. Die Natur als ständige Bedrohung. Wasser, das alles mitreißt. Menschen, die irgendwie überleben müssen, obwohl sie eigentlich längst keine Kraft mehr haben dürften. Und mittendrin Frauen, die funktionieren sollen, still sein sollen, sich anpassen sollen.
Besonders die Geschichte der unverheirateten Frau, die alleine einen Hof führt, hat mich unglaublich bewegt. Dieser Neid. Diese Missgunst. Dieses ständige Misstrauen gegenüber Frauen, die eigenständig sind oder nicht in die vorgesehenen Rollen passen. Man spürt beim Lesen regelrecht, wie schnell Frauen damals zur Gefahr erklärt wurden, nur weil sie unbequem waren. Weil sie alleine lebten. Weil sie Wissen hatten. Weil sie es besser konnten!
Und genau dadurch treffen einen die Themen Hexenverfolgung und gesellschaftliche Gewalt in diesem Buch so hart. Nicht als abstrakte historische Ereignisse, sondern als etwas zutiefst Menschliches. Etwas, das aus Angst, Kontrolle und Macht entsteht.
Was mich aber vielleicht am meisten berührt hat: wie sehr sich die beiden Geschichten gegenseitig spiegeln, obwohl Jahrhunderte zwischen ihnen liegen. Dieses Gefühl, dass Frauen sich in ganz unterschiedlichen Zeiten oft denselben Kämpfen stellen mussten. Nur in anderer Form.
Und dann dieses Nachwort ❤️
Selten hat mich ein Nachwort emotional so getroffen. 9 Seiten die so viel Warheit wiedergeben über die Rolle der Frau im Laufe der Geschichte und auch zu wissen, dass hinter der Bäuerin Abelke Bleken, die Geschichte einer realen Frau steht, die aus Neid und Habsucht als Hexe verbrannt worden ist. Dass jemand, der vielleicht längst vergessen worden wäre, hier gesehen wurde. Einen Platz bekommen hat, eine Stimme.
Dieses Buch ist ein leises, kluges und unglaublich berührendes Buch über Frauenleben, über Freiheit, über Verlust und darüber, wie viel Kraft es braucht, sich selbst nicht zu verlieren. Und genau deshalb wird es noch lange einen Platz in meinem Herzen haben.
Sehr gut!
Bewertung aus Bad Freienwalde am 22.02.2026
Bewertungsnummer: 3054404
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Was für ein toller Roman für ein Wochenende. Wie schon meine
Vorredner hat mich das Buch von
Anfang bis Ende gepackt, insbesondere
jedoch Abelkes Geschichte. Leider wird es ja in unserer heutigen Zeit zunehmend
sichtbarer, das sich seit damals nicht wirklich viel geändert hat. Kluge starke Frauen haben es heute ähnlich schwer und werden abgewertet. Ich als Hebamme sowohl in Klinik als auch Hausgeburtshilfe kann ein lautes Lied davon singen und auch vom Untergang der Solidarität, nicht nur unter Frauen sondern auch in den Gemeinschaften der Dörfer/Städte....leider eine gute Spiegelung der Gesellschaft heute.
Leseempfehlung!!
Meinung aus der Buchhandlung
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Die Leben zweier starken Frauen, die über 400 Jahre trennen, zwischen denen es aber doch Ähnlichkeiten und Verbindung gibt. Die eine zu fortschrittlich und selbstständig für die Zeit, in der sie lebt. Die andere befremdet und eingeengt in ihrem Leben und ihrer Ehe. Ein Roman über die Stellung der Frau in der Gesellschaft und den ewigen Kampf um ein selbstbestimmtes Leben.
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