Was wäre, wenn um Mitternacht plötzlich die gesamte palästinensische Bevölkerung Israels auf unerklärliche Weise verschwände, als ob sie von Außerirdischen entführt worden wäre?
Ariel, der Journalist, und Alaa, der Freelance-Kameramann, leben im selben Wohnhaus in Tel Aviv. Beide sind sie Israelis, Ariel jüdischer und Alaa palästinensischer Herkunft, beide lieben ihre Heimatstadt, in der sie aufwuchsen und Freunde geworden sind. Eines Morgens sind im ganzen Land die Palästinenserinnen und Palästinenser verschwunden. Der gesellschaftliche Verlust ist sofort spürbar, die Verwirrung riesengroß. Es fahren keine Busse mehr, im Spital fehlen Ärzte, der beste Hummusladen bleibt geschlossen. Handelt es sich um einen Generalstreik, einen geplanten Angriff? Oder gar um ein Wunder Gottes zur Rettung Israels? Auf der Suche nach Alaa findet Ariel in dessen Wohnung ein rotes Notizbuch, die Lebensgeschichte von Alaas Großmutter. Er nimmt sich vor, die Aufzeichnungen ins Hebräische zu übertragen und eine Chronik der Zeit vor dem Verschwinden zu verfassen.
Ibtisam Azem gelingt ein eindrückliches, originelles Plädoyer wider das Vergessen und für ein friedliches Zusammenleben.
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Es war einmal und es war nicht.
Almut Scheller-Mahmoud aus 21109 Hamburg am 09.06.2023
Bewertungsnummer: 1957807
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Das ist der Beginn vieler Märchen aus dem Orient bis hin zur Seidenstraße. Und so stellt auch dieser fiktive Roman die Frage: geschah es oder geschah es nicht?
Hauptdarsteller sind neben den beiden männlichen Figuren Ariel, dem Israeli, und Alaa, dem israelischen Palästinenser, und dessen Großmutter Tata mit ihren Erinnerungen vor allem die beiden politischen Katastrophen, die diese Landschaft und ihre Menschen heimsuchten.
Die Shoah und die Nakba.
Meisterhaft verwebt die Autorin die Geschichte und die Geschichten beider Völker mit dem gleichen Stammvater, Abraham, die also eigentlich Brüder oder zumindest Cousins sind, deren Sprache ähnliche linguistische Wurzeln hat.
Eine emotional aufrüttelnde Lektüre, die aber auch dazu animieren sollte, die Geschichte der einen wie der anderen Seite zu erforschen und auch zu hinterfragen. Es gibt genug kritische Sachbücher gerade zum Status des Staates Israel, an dessen Entstehung die Europäer und die Deutschen im Besonderen direkt oder indirekt beteiligt waren. Immer wieder wird der Opferstatus ausgespielt und der daraus resultierende Narzissmus des Siegers: Wir sind die Guten, unsere Armee handelt immer moralisch und human, wir sind die einzige Demokratie im Nahen Osten. Wir sind die Modernität und sie sind rückständig und gewaltbereit.
Das spurlose plötzliche Verschwinden der arabischen Bevölkerung in Israel stellt alle vor ein Rätsel. Wieso konnten sie lautlos, ohne Vorzeichen, verschwinden? Wieso wusste der Sicherheitsdienst nichts davon? War es womöglich eine inszenierte Verschwörung?. Aber von wem und mit welchem Ziel? Klar ist, dass das Verschwinden rein praktische Probleme aufwirft: Keine Busfahrer mehr, keine Müllmänner, keine Krankenschwestern. Und neben kritischen, hinterfragenden Stimmen scheint doch Freude und Jubel im Land zu herrschen.“ Endlich sind wir sie los. Endlich gehört das Heilige Land uns. Endlich sind Judäa und Samaria (das Westjordanland) gesäubert“. Sogleich werden Namen von Straßenschildern und Landkarten gelöscht. Die leer stehenden Häuser werden zu einem günstigen Preis angeboten (schon mal gehört, gelesen!?).
All diese politisch aktuellen Nervenfasern verbinden sich mit kartografierten Erinnerungen von Alaa und seiner Großmutter Tata, die im Jahr der Vertreibung im Land blieb und zuerst hinter Stacheldraht eingepfercht war. Für Tata sind Erinnerungen Lebenselixier - Erinnerungen an Menschen, Namen, Häuser, Straßen. Und Alaa stellt immer wieder fest, dass „sie“ , die Israelis, ihm, dem Palästinenser, nie zuhören, nie fragen, wie es ihnen, den Palästinensern, geht, was sie fühlen, was sie hoffen. Ein empathieloses geheucheltes Interesse für die Quotenaraber,
Das passt zu der Aussage in Alberto Memmis Buch „Die Kolonisatoren und die Kolonisierten“: Die Kolonisierten seien keine Subjekte, sondern lediglich Objekte.
Meisterhaft spielt Ibtisam Atem auf der Klaviatur zwischen Satire und Magie. Und lässt die Leser allein mit der Frage: was wäre wenn.....
Es ist ein mutiges Buch, unbedingt lesenswert, anregend zu Sekundärliteratur, um alle Facetten dieses Konflikts zu erfassen, Vielfalt ist gefragt, keine Einfalt. Denn:
Es gibt keine neuen Geschichten, wohl aber neue Ohren für die alten (A.A. Waberi)
Sehr guter Roman zum Israel-Palästina Konflikt!
literaturbine (ehemalige Buchhändlerin Osiander) aus Speyer am 21.12.2023
Bewertungsnummer: 2091963
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Israel, Tel Aviv. Eines morgens sind alle Palästinenser aus Israel und den palästinensischen Gebieten verschwunden. Spurlos verschwunden. Was bedeutet das für das Land und die Menschen?
Anhand der beiden Freunde Ariel, israelischer Jude und Alaa, israelischer Palästenenser, bekommt der Leser einen persönlichen Blick auf den Konflikt in diesem Land.
Ariel findet Alaas Tagebuch in dessen Wohnung und beginnt zu lesen. Es ist ein Gespräch das Alaa mit seiner verstorbenen Großmutter führt, die in Jaffa gelebt hat und die die Zeit der israelischen Übernahme, der Nakba, ihrer Heimat, erlebt hat.
Sehr gut gelungen ist das Bild von Ariel, der sich während er das Tagebuch liest, immer heimischer in dessen Wohnung fühlt, um dann schließlich ganz dort zu bleiben.
Doch beide Seiten und ihre Argumente kommen in diesem Buch zu Wort und es wird deutlich, wie schwierig und verfahren die Situation ist.
Die Autorin ist israelische Palästinenserin. Das Buch passt sehr gut zum momentanen Konflikt im Nahen Osten.
Es ist flüssig zu lesen und regt zum Nachdenken an und ist unbedingt zu empfehlen wenn man sich mit der dortigen Situation auseinandersetzen möchte.
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