Ein »Schulrüpel ersten Ranges«, schwänzte Ringelnatz wieder mal den Unterricht und besuchte eine »Völkerschau«. Mit einer Tätowierung am Unterarm kehrte er zurück und wies sie stolz dem Lehrer vor. Was den Verweis vom Gymnasium zur Folge hatte. Der schmächtige junge Mann heuerte als Leichtmatrose an, versuchte sich in zahllosen Jobs, wurde als Betrüger ins Gefängnis gesteckt, hungerte sich als Schriftsteller durchs Leben. In einer Münchner Künstlerkneipe trat er mit ersten Gedichten auf, sein Honorar: ein Bier. Das Publikum war begeistert, das Honorar wurde erhöht: auf zwei Bier. Er polterte auf den Kabarettbühnen der Weimarer Republik und spann als Seemann Kuttel Daddeldu, der alles »orchinaal« selbst erlebt hat, sein Seemansgarn. Ulf Annel hat den Faden aufgenommen und knüpft aus biografischen Fakten und Ringelnatzschen Phantastereien eine anekdotische Biografie, die eine Verbeugung vor einem großen Poeten ist.
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5.0/5.0
MaWiOr
aus Halle
5/5
12.04.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Joachim Ringelnatz (eigentlich…
Joachim Ringelnatz (eigentlich Hans Bötticher, 1883-1934) wurde als Schriftsteller, Kabarettist und Maler vor allem mit seinen humoristischen Gedichten um die Kunstfigur, den Seemann Kuttel Daddeldu, bekannt. Sie fehlen noch heute in keiner deutschen Lyrikanthologie. Auch Ringelnatz‘ Biografie ist eine abenteuerliche Geschichte, die der Journalist und Kabarettist Ulf Annel anhand von Anekdoten nachzuzeichnen versucht. Die Anekdoten und Geschichtchen hat Annel in den Erinnerungen von Ringelnatz aber auch in Archiven, Zeitschriften und anderen Veröffentlichungen aufgespürt. Es sind wahrhaftig wahre und höchstwahrscheinlich wahre Geschichten aus dem gut halben Jahrhundert Leben des Joachim Ringelnatz. „Ich bin etwas schief ins Leben gebaut“, hat Ringelnatz einmal von sich selbst gesagt, und so sind die anekdotischen Begebenheiten etwas schief und humorvoll, aber auch durchaus mit ernstem Hintergrund. So packte Ringelnatz häufig das Fernweh – ob als Seemann oder als wandernder Musikant, wo er über Holland per Dampfer weiter wollte. Bei einem Parisbesuch wollte er sich auf Französisch bei einem Passanten nach der Mona Lisa erkundigen. Völlig erstaunt antwortete ihm dieser im sächsischen Dialekt. Als Ringelnatz von einem Schweizer Bewunderer ein goldenes Hundertfrankenstück geschenkt bekam, schwor er, die Münze als Andenken zu behalten. Doch bereits am nächsten Tag verflüssigte er das Andenken. Fazit: eine sehr interessante, humorvolle und lesenswerte Anekdotensammlung, die uns Joachim Ringelnatz näherbringt.
Manuela404
5/5
09.04.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Die Lebensgeschichte von Ringelnatz, erzählt in witzigen Anekdoten
Das kleine Büchlein erzählt in knackigen und würzigen Anekdoten, wie Ringelnatz beispielsweise zur Marine kam. Ich möchte nicht zu viel vorwegnehmen, deswegen die klare Empfehlung: Einfach mal selber einen Blick hineinwerfen!
Gisela.1318
5/5
05.04.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Lesevergnügen pur!
Ringelnatz ist für mich ein herrlicher, nie alternder Dichter. Nonsense als Entgegnung auf die Zumutungen des Lebens, das hilft immer und überall. Es ist nicht überraschend, dass es über den Lebenskünstler und Schelm Anekdoten zu erzählen gibt. Ulf Annel hat eine Menge zusammengetragen: Ringelnatz als Schulrüpel, Matrose, Zirkuskünstler, Soldat der Kaiserlichen Marine, Tabakladenbetreiber, Wahrsagerin (!) im Rotlichtmilieu, Buchhalter mit gefälschten Papieren und als Kuttel Daddeldu im Tingeltangel. Es sind nicht nur Schenkelklopfer-Geschichten, die Lektüre aber hat einen hohen Unterhaltungsfaktor und ist unter der Hand auch noch eine Biographie des Dichters.
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