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Produktbild: Im Dezember der Wind

Im Dezember der Wind

Aus der Reihe Quartbuch
4

27,99 €

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Beschreibung

Produktdetails

Format

ePUB 3

Kopierschutz

Nein

Family Sharing

Ja

Text-to-Speech

Ja

Erscheinungsdatum

16.06.2023

Verlag

Verlag Klaus Wagenbach

Seitenzahl

432 (Printausgabe)

Übersetzt von

Rike Bolte

Sprache

Deutsch

EAN

9783803143648

Beschreibung

Produktdetails

Format

ePUB 3

eBooks im ePUB 3-Format erlauben eine dynamische Anpassung des Inhalts an die jeweilige Display-Größe des Lesegeräts. Das Format eignet sich daher besonders für das Lesen auf mobilen Geräten, wie z.B. Ihrem tolino, Tablets oder Smartphones.

Kopierschutz

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Barrierefreiheit

  • keine Information zur Barrierefreiheit bekannt

Erscheinungsdatum

16.06.2023

Verlag

Verlag Klaus Wagenbach

Seitenzahl

432 (Printausgabe)

Übersetzt von

Rike Bolte

Sprache

Deutsch

EAN

9783803143648

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  • dracoma

    aus LANDAU

    4/5

    30.06.2023

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Der Roman ist streng geglieder…

    Der Roman ist streng gegliedert: drei Bücher, drei weise Frauen, drei Freundinnen und drei Zitate aus dem Alten Testament, die den Tenor des jeweiligen Kapitels vorgeben. Innerhalb dieser Struktur entfaltet sich eine überbordende Erzähllust und Fabulierfreude. Moreno stellt ihrem Leser eine wachsende und zum Schluss fast unüberschaubare Fülle von Personen vor, deren Geschichte sie in deren Familiengeschichte hinein zurückverfolgt und von deren Geschichte sich wieder andere Geschichten abästeln. Sie erzählt bizarre und teilweise absurde Vorkommnisse, die im Zwischenreich von Realität und Fiktion angesiedelt sind. Damit hält sie den staunenden Leser immer wieder in der Schwebe: ist das Erzählte glaubwürdig oder schon zu phantastisch, um in der Realität Bestand zu haben? Ein Beispiel: Verlässt der millionenschwere, aber liebeskranke Javier tatsächlich seine Fabriken, seine Häuser, seine Familie, seinen Country Club etc. und sucht auf den Weltmeeren, ähnlich dem Fliegenden Holländer, als zerzaustes Gespenst seine große Liebe? Oder ist es wahr, dass die vergewaltigte Donna Eulalia tatsächlich alle männlichen Haustiere abschlachten lässt und sogar das Vaterunser verbietet? Mit solchen und anderen Geschichten errichtet Moreno eine ungeheuer pralle und farbenprächtige, wenngleich auch morbide Welt. Auch Morenos Figuren schweben zwischen Realität und Fiktion. Sie unterscheiden sich zwar untereinander und sie finden verschiedene Wege, mit dem Patriarchat bzw. Machismo umuzugehen, aber ihnen fehlt die innere Differenzierung. Sie wirken daher eher wie Typen, an denen Moreno ihre Auffassungen zum Patriarchat bzw. zum Feminismus u. a. durchkonjugiert und weniger als Individuen. Die Personen bewegen sich ausnahmslos in der unendlich reichen kolumbianischen Oberschicht, die ihre Herkunft und damit ihren Anspruch auf Überlegenheit auf die spanischen Konquistadoren gründet und die daher der europäischen Kultur aufgeschlossen und bewundernd gegenübersteht - und gleichzeitig andere Ethnien verachtet. Aus dieser Schicht stammen die Frauen des Romans, die sich mit der Grausamkeit des herrschenden Patriarchats auseinandersetzen und verschiedene Wege - nicht immer Lösungen! - finden. Das Frauenbild (ebenso das Männerbild) fand ich allerdings entschieden zu einseitig, weil Frauen auf ihre biologischen Bedingungen reduziert werden und Emanzipation allein in der sexuellen Befreiung bzw. Selbstbestimmtheit der Frau gesehen wird. Moreno ist offensichtlich der Auffassung, dass die freie Verfügung der Frau über ihren Körper und ihre Sexualität die Grundlage aller gesellschaftlichen Veränderungen ist. Darüber kann man natürlich streiten. Die Folge dieser Auffassung zeigt sich aber im Roman: Sexualität spielt eine wesentliche Rolle und ist bis zur Übersättigung allgegenwärtig. Alle Handlungsfäden laufen in der Figur der Lina zusammen, die ihre Freundinnen und Verwandten beobachtet und ihr Leben aus der Rückschau erzählt. Lina hat ihr Land verlassen, wohnt im Sehnsuchtsort Paris, sie ist krank, ihr Leben neigt sich. Und jetzt blickt sie auf das Erlebte zurück, vor allem auf die alltägliche Gewalt, wie sie sich in den Ehen zeigt. Bei diesem Rückblick achtet die Autorin deutlich darauf, immer Zeugen für die Erzählungen zu benennen, und dafür nimmt sie einige Umwege in Kauf. So ist es z. B. einmal eine der Freundinnen, die dem Arzt etwas erzählt, der erzählt es einem Angehörigen, der wiederum erzählt es seinem Bruder, der seiner Tochter - und die gibt die Geschichte dann schließlich an Lina weiter. Damit erreicht die Autorin einerseits Authentizität, das ist unbestritten, aber andererseits verschachtelt sie damit die Handlung zu einem dichten Komplex, in dem man als Leser den roten Faden suchen muss. Der sich dann oft hinter langwierigen theoretischen Auslassungen zur Psychologie, zum Feminismus und anderen Themen verstecken muss. Diese Liebe zur Verschachtelung zeigt sich auch in der Sprache. Morenos Sprachkunst ist beeindruckend. Ihr gelingen starke und beeindruckende Bilder, die in ihrer Vielschichtigkeit die Handlung vertiefen. Ihre Formulierungen sind oft bitterböse und reizen zum Lachen, das einem dann am Ende des Satzes wieder im Halse stecken bleibt. Morenos Sprache fließt wie ein breiter und nicht endender Fluss vor sich hin. Aber die Verschachtelung der Sätze, die überaus komplizierte hypotaktische Syntax und die damit zusammenhängenden unklaren Kohärenzen stauten meinen persönlichen Lesefluss immer wieder auf. Das Lesen wird zu einer konzentrierten Kraftanstrengung, und erst gegen Ende, wenn das Buch auch zunehmend elegischere Töne anschlägt, wird das Lesen leichter. Trotzdem: mir hat der Roman letzten Endes gut gefallen. Aus dem Buch spricht nicht nur eine große Freude am Erzählen, sondern auch eine leidenschaftliche Wut, mit der die Autorin mit ihrer Gesellschaftsschicht und ihrem Land abrechnet.

  • Kristall86

    aus an der Nordsee

    3/5

    10.08.2023

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Bereits 1987 erschien dieses…

    Bereits 1987 erschien dieses Buch der kolumbianischen Schriftstellerin Marvel Moreno auf dem Buchmarkt ohne große Beachtung. Im Jahr 2023 erschien das Werk in deutscher Übersetzung beim Verlag Wagenbach. Morenos Geschichte rund um Lina, Linas Großmutter, Linas Freundin Dora usw. ist selbst heute noch mehr als aktuell. Es geht um sexuelle Gewalt, seelische Gewalt, das Frauenbild an sich, das kolumbianische Leben an sich und hauptsächlich eben Frauen die auffallen und somit für jeden Skandal bereit sind bzw. diesen über sich ergehen lassen müssen. Es ist ein schweres Buch in jeglicher Hinsicht. Einerseits ist die Thematik keine leichte Kost aber auch Morenos Schreibstil macht es äußerst schwer hier am Ball zu bleiben. Ihre philosophischen Gedankengänge, ihre Wahl von Metaphern fand ich äußerst gelungen aber dennoch ist sie rau und hart und mutet so manchesmal dem Leser richtig schwere Kost zu, die am Rande des erträglichen ist. Moreno zeichnet ein „lebenssattes lateinamerikanisches Sittengemälde der fünfziger Jahre“ - aus Gesprächen mit Einheimischen des Landes kann ich nur klar sagen, Moreno traf wohl den Kern des Problems an der empfindlichsten Stelle. Nur das keiner laut über diese Zeit redet. Moreno hat es damals getan. Allein dafür muss man ihr heute noch Respekt zollen aber dennoch empfand ich den Verlauf der Geschichte, die ganzen Begebenheiten, die knallharten Erzählungen als zu hart. Hätte sie damals eine andere, etwas moderatere Sprache gewählt, wäre ich hin und weg von diesem Roman. Da er aber ist wie er ist, fiel es mehr als schwer allem zu folgen und vor allem zu verstehen. Wer Hintergrundwissen hat zu diesem Thema kann es besser nachvollziehen aber wer komplett frei an dieses Buch geht, wird klaglos an ihm scheitern. Ob die deutsche Übersetzung herausragend ist, kann ich keineswegs beurteilen, ich kann nur beurteilen, dass mehr als einige Parts so verschachtelt waren, dass ich sie mehrfach lesen musste um überhaupt mal irgendeinen Ansatz des Verstehens zu erhalten. Fazit: ein schwer verständliches Buch in jeder Hinsicht. Neutrale 2,5 Sterne hierfür

  • Kristall86

    aus an der Nordseeküste

    3/5

    10.08.2023

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Neutrale 2,5 Sterne

    Klappentext: „Jeder Sturm hat seine Gründe, jedes Schicksal seinen Ursprung. Wie eine gelassene, weil machtlose Göttin sitzt die Großmutter inmitten von Zikadengezeter in der trägen Luft der Mittagshitze, als sie es Lina erklärt: warum ihre Freundin Dora einen Mann heiraten wird, der sie schlägt – und welche generationenalte Schuld sie unabwendbar ins Unglück zu führen scheint. Viele Jahre später versucht Lina zu begreifen und zu erzählen: nicht nur von Dora, auch von Catalina, Beatriz und sich selbst. Alle sind sie jung, schön und reich, Teil der so konservativen wie frivolen Elite Barranquillas, einer Stadt an der kolumbianischen Karibikküste. Es sind Geschichten von Freiheitsträumen und Demütigungen, von weiblichem Begehren, von Sex und Unterwerfung, kolonialem Erbe und den Verbrechen der Erziehung – vor allem aber Geschichten von Frauen, die zum Skandal werden. Marvel Morenos Sprache ist ein Ereignis: bildgewaltig, mal sarkastisch-fies, mal sinnlich, immer unerbittlich tiefenscharf. Ein lebenssattes lateinamerikanisches Sittengemälde der fünfziger Jahre, ein allzu lange verborgener Schatz der Weltliteratur – endlich in herausragender deutscher Erstübersetzung.“ Bereits 1987 erschien dieses Buch der kolumbianischen Schriftstellerin Marvel Moreno auf dem Buchmarkt ohne große Beachtung. Im Jahr 2023 erschien das Werk in deutscher Übersetzung beim Verlag Wagenbach. Morenos Geschichte rund um Lina, Linas Großmutter, Linas Freundin Dora usw. ist selbst heute noch mehr als aktuell. Es geht um sexuelle Gewalt, seelische Gewalt, das Frauenbild an sich, das kolumbianische Leben an sich und hauptsächlich eben Frauen die auffallen und somit für jeden Skandal bereit sind bzw. diesen über sich ergehen lassen müssen. Es ist ein schweres Buch in jeglicher Hinsicht. Einerseits ist die Thematik keine leichte Kost aber auch Morenos Schreibstil macht es äußerst schwer hier am Ball zu bleiben. Ihre philosophischen Gedankengänge, ihre Wahl von Metaphern fand ich äußerst gelungen aber dennoch ist sie rau und hart und mutet so manchesmal dem Leser richtig schwere Kost zu, die am Rande des erträglichen ist. Moreno zeichnet ein „lebenssattes lateinamerikanisches Sittengemälde der fünfziger Jahre“ - aus Gesprächen mit Einheimischen des Landes kann ich nur klar sagen, Moreno traf wohl den Kern des Problems an der empfindlichsten Stelle. Nur das keiner laut über diese Zeit redet. Moreno hat es damals getan. Allein dafür muss man ihr heute noch Respekt zollen aber dennoch empfand ich den Verlauf der Geschichte, die ganzen Begebenheiten, die knallharten Erzählungen als zu hart. Hätte sie damals eine andere, etwas moderatere Sprache gewählt, wäre ich hin und weg von diesem Roman. Da er aber ist wie er ist, fiel es mehr als schwer allem zu folgen und vor allem zu verstehen. Wer Hintergrundwissen hat zu diesem Thema kann es besser nachvollziehen aber wer komplett frei an dieses Buch geht, wird klaglos an ihm scheitern. Ob die deutsche Übersetzung herausragend ist, kann ich keineswegs beurteilen, ich kann nur beurteilen, dass mehr als einige Parts so verschachtelt waren, dass ich sie mehrfach lesen musste um überhaupt mal irgendeinen Ansatz des Verstehens zu erhalten. Fazit: ein schwer verständliches Buch in jeder Hinsicht. Neutrale 2,5 Sterne hierfür

  • Bewertung

    Thalia Book Circle Community

    2/5

    15.07.2023

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Overload...

    Jeder Sturm hat seine Gründe, jedes Schicksal seinen Ursprung. Wie eine gelassene, weil machtlose Göttin sitzt die Großmutter inmitten von Zikadengezeter in der trägen Luft der Mittagshitze, als sie es Lina erklärt: warum ihre Freundin Dora einen Mann heiraten wird, der sie schlägt – und welche generationenalte Schuld sie unabwendbar ins Unglück zu führen scheint. Viele Jahre später versucht Lina zu begreifen und zu erzählen: nicht nur von Dora, auch von Catalina, Beatriz und sich selbst. Alle sind sie jung, schön und reich, Teil der so konservativen wie frivolen Elite Barranquillas, einer Stadt an der kolumbianischen Karibikküste. Es sind Geschichten von Freiheitsträumen und Demütigungen, von weiblichem Begehren, von Sex und Unterwerfung, kolonialem Erbe und den Verbrechen der Erziehung – vor allem aber Geschichten von Frauen, die zum Skandal werden. (Verlagsbeschreibung) Anstrengend auf allen Ebenen - so lautet mein Fazit zu diesem ausschweifenden (1987 im Original erschienenen) Roman, dessen Handlungsort, Klappentext und Cover mich zum Lesen verlockten. Die geschilderte Gesellschaftsschicht Kolumbiens - reiche und konservative Weiße in den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts, Nachfahren früherer Eroberer, deren größtes Anliegen es ist, die Vormachtstellung in der Stadt nicht zu verlieren, dabei möglichst unter sich zu bleiben und die altehrwürdigen Namen rein zu halten - ist korrupt, machtgierig, dekadent, gelangweilt-überheblich, und in ihrer Verkommenheit oftmals jenseits des Gesetzes. Dazu ein gelebtes Patriarchat, das Frauen per se als minderwertiger und rechtloser deklariert und hier dem Machismo ungebremst die Vormachtstellung bietet. Marvel Moreno rechnet ab mit dieser Oberschicht, der sie einst selbst entstammte. Geboren wurde sie 1939, und vieles von dem, was sie im Roman schildert, hat sie offenbar selbst erlebt - bis sie aus der konservativen provinziellen Gesellschaft ausbrach und nach Paris ging, wo sie 1995 auch starb. Diese genannten Fakten zum Leben der Autorin lassen vermuten, dass sich hinter dem Charakter im Roman, aus dessen Perspektive im Nachhinein die Begebenheiten in ihrer Heimatstadt Barranquilla geschildert werden (Lina), in Wirklichkeit das Alter Ego von Marvel Moreno stecken könnte - es zeigen sich da jedenfalls auffällige Parallelen. Gegliedert ist der Roman in drei Teile, wobei sich jeder Teil schwerpunktmäßig dem Schicksal jeweils einer Freundin Linas widmet: Dora, Catalina und Beatriz. Es geht um die Veränderungen der Persönlichkeit der drei Frauen vor und nach der Hochzeit, wenn deutlich wird, dass Frauen nur noch rechtlose Wesen sind, die den Männern zu Diensten sein müssen und zu deren Treiben wie Bordellbesuche und Affären ansonsten am besten den Mund zu halten haben. Jede der drei Frauen findet aus dieser Falle letztlich einen anderen radikalen Ausweg. Sexuelle Befreiung ist aus der Sicht Morenos offenbar der wesentliche Schritt hin zur möglichen Emanzipation der Frau - und dementsprechend wimmelt es hier im Roman auch vor sexuellen Begebenheiten, teilweise allerdings eher im Groschenromanformat denn in poetischen Schilderungen. Von Liebe kann hier nirgendwo die Rede sein. ‘Wimmeln’ ist aber auch ansonsten DAS Schlagwort des Romans. Hier gibt es keinen Bereich, bei dem man nicht das Gefühl von ‘overload’ hat. Da wäre zum einen der Schreibstil. Ja, Moreno kann ganz gewiss mit Sprache umgehen, Bilder schaffen, Satzkonstruktionen bilden. Diese drohen allerdings immer wieder, unter ihrem eigenen Gewicht zusammenzubrechen, zigfach verschachtelt und am Ende nicht sicher, ob man sich überhaupt noch an den Anfang erinnern kann. Immer wieder musste ich Sätze mehrach lesen, um nur den genannten Inhalt zu erfassen. Beispiel gefällig?   “Lena war nicht bereit, ihm auf dieses Terrain zu folgen, und bevorzugte es, die Amokläufe seiner dialektischen Erörterungen aus einer gewissen Distanz zu verfolgen, von genau jener Schwelle aus, an der der Verstand diesem Unsinn noch Einhalt gebot und seine Handlung, egal welche es gerade war, schlicht und unversehrt bloßlegte und in dieser Handlung zudem jene Logik erkennen ließ, durch die man jede einzelne Tat als einen bestimmten Punkt in einem Koordinatensystem hätte erfassen können, dessen x-Wert die Intensität der Gewalt und dessen Wert auf der Y-Achse wiederum die Kraft anzeigte, die Benito Suarez dazu trieb, sich immer weiter selbst zu verlieren und den respektablen, gebildeten und gesellschaftlich bestens integrierten Chirurgen zu zerstören, mitsamt seinem Haus in El Prado, dem blauen Studebaker und der unterwürfigen, vor lauter Enttäuschung immer weiteren Migräneanfällen zum Opfer fallenden Frau.” ( S. 88)   Meine Bewunderung für den versierten Umgang mit der Sprache wich nur zu bald schon einer wachsenden Frustration. Gemeinsam mit dem winzigen Schriftbild und der seitenweise lücken- und absatzlosen Darstellung geriet das Lesen zur bloßen Anstrengung, zu einem Waten durch einen Wortsumpf, der kein Ende erkennen ließ. Spätestens nach zehn Seiten hatte ich das Gefühl, schon stundenlang gelesen zu haben - es gab einfach kein Vorankommen. Moreno musste als Teil der Schriftstellergruppe um Gabriel Garcia Márquez sicherlich versuchen, sich gegen die männlichen Autoren durchzusetzen und zu beweisen, dass sie nicht weniger fabulierfreudig war als beispielsweise der Nobelpreisträger - aber tatsächlich empfand ich den Text in der Summe als kaum lesbar. Hinzu kommt, dass nicht nur die Sätze endlos verschachtelt sind, sondern auch der Roman als solcher. Wird in einem Nebensatz ein neuer Name erwähnt, so hastet der Erzählstrang gleich diesem Namen hinterher und stellt Lebenslauf, Familie und wichtige Begebenheiten im Leben der neuen Person vor, nur um diese dann gleich wieder links liegen zu lassen und sich neuen Personen zuzuwenden, bis man irgendwann wieder bei den eigentlichen Protagonsit:innen landet. Um überhaupt die Chance zu haben, da noch halbwegs den Überblick zu behalten, müsste man schon stammbaummäßig mitschreiben - auf Tapete, denn ein kleineres Papierformat würde da nicht ausreichen. Taucht eine Nebenfigur ein zweites Mal und viel später wieder auf, hatte ich oftmals keine Ahnung mehr, wer das gleich noch wieder war. Während das Hauptthema (Abrechnung mit der reichen Oberschicht Kolumbiens und die sexuelle Befreiung der Frau) im Grunde schon nach dem ersten Teil deutlich zu erkennen war, ließ es sich die Autorin nicht nehmen, dieses zentrale Thema mit einer endlosen Zahl anderer Themen zu flankieren. Religion, Schule, Psychologie, Darwin, Musik, Kunst, Erklärungsmodelle u.v.m. - auch hier hatte ich das Gefühl von Maßlosigkeit. Spätestens im dritten Teil gesellt sich zudem noch eine gehörige Portion Magischer Realismus hinzu. Da noch über Bedeutungsebenen nachzudenken, war mir definitiv nicht mehr möglich. Bei aller Anerkennung der sprachlichen Versiertheit der Autorin, der Wut, mit der sie gegen die als so selbstverständlich an den Tag gelegten Attitüden der benannten Gesellschaftsschicht angeht, der Mühe, mit der sich Moreno gegen ihre männlichen Kollegen durchzusetzen versuchte: ich bin einfach nur froh, dass ich den Roman nach der letzten Seite endlich zuklappen konnte. Wirklich schade…   © Parden

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